Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 31 (12.8.1921)
- Date
- 1921-08-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Eckte 2 nt. 81 Jüdische Dolk-zeltun- 12. August 1921 macht, worden.' daß der Inhalt de- Blattes sich zu viel mit Palästina beschäftigt. Dem Herrn sei gkotitworlel. daß die Spalten der nicht jüdischen englischen und amerikonischen Tageszeitungen von Palästinaderichten und Nachrichten strotzen, daß die französischen Zeitungen seitenlange Artikel urd Interviewüber Palästina bringen, und daß selbst deutsche Zeitungen, wie die .Kölnische Dolkszeitung" da- .Leipziger Tageblatt', dre .Königsberg-Hartungsche Zeitung', ja selbst die .Tante Voß" und daS .Berliner Tageblatt" und nicht zuletzt die .Deutsche Allgemeine Zeitung' in einem Leitartikel im Juni dS. IS-, sich mit Palästina beschäftigten. Man könnte hier ncch eine ganze Anzahl deutfchvölkischer Zeitungen anführen, die sich liebevoll über daS jüdische Palüstinaproblem 'ür die Juden die Köpfe zerbrechen. Aber die deutsche Presse hat bis seht mit wenigen Ausnahmen kläglich abgeschnittcn- .i iklen von ihnen kehlen die notwendigen Unterlagen, die das Auswärtige Amt sehr leicht beschossen tonnte, und viele wollen oder können nicht die Zusammenhänge begreifen, die Deutschlands Zukunft an dies Problem knüpft. Tie .Rutsche Demokratie" aber, zu der sich die besten deutschen Gelehrten und Fachmänner zählen, sie sehen, sie ahnen, aber sie schweigen und begehen damit die größte Lünde an Deutschland und den, deutschen Volk. Wenn Timschland ausgeschlossen von diesem Absatzgebiet dastehe»» wird, ohne Hoffnung, in das anschließende Hinterland zu kommen, ohne Aussicht, keiner durch die Ausbeutung der Kraft und sonstigen Hilfsquellen der Lrienttander überflügelten Industrie neue Wege zu weisen, dann.haben sie wieder einmal alle- ..vorausgeahnt, olles voransgeschaut .. .. — die reinsten .Hellsebel"' Für daS deutsche Judentum, das zu den wahrhaft -Lchi.ffenden in der Gesamtjudenhert zälstt. bricht eine schwere Zeit heran. ES muß sich sammeln, um. ohne Rücksicht auf die Parteizugehörigkeit, keinen mitbestimmei.« den Platz, den eS bi« jetzt im Gejau'.tjudentum eingenommcn hat. nicht zu verlieren und'-— -- — um keine Stimme einzufetzen für das Deutsche Mr.ch. Es gibt aber für manche Nichtiuden — allerdings nicht gerade in Deutschland — ein besonderes Motiv, sich mit dem jüdischen Palästina zu beschäftigen. Mit Staunen. Verwunderung nnd mit ganz besonderem Stolz haben wir eS feststellen können. In der Zeit des Gärens, des lUnsturzes. in der Zeit des Nationalismus oder wie man sonst unser Zeitalter zu benennen beliebt, wächst — wohlgemerkt: im Auslände? — die Zahl derer, oie von der jüdischen Einheit, von der Zusammenfaffung aller jüdischen Kräfte die Wiederkehr eines neuen Zeitalters des Friedens und der Menschlichkeit erwarten und erhoffen. Die Zahl die'er Menschen ist sehr groß und sie wächst von Tag zu Tag. Hauptsächlich nt Amerika und England sowie m den nor- . bischen Staaten gibt e-Z Freunde der Juden, die. überzeugt von der Ethik de' Judentums, die Wiedergenesung der Menschheit von uns Inden crwaltet. Dre Schriftleitung der ..Jüd. Volkszeitung' ist von der großen Bedeutung des Palästinaproblems für das ganze Judentum und die ganze Welt überzeugt. Sie hot seit Monaten immer und immer wieder darauf hingewiesen. Manche Leser haben daraus nun den kürzlich» tigen Schluß gezogen, daß die ..Jüd. Dolkszeitung" ein zionistisches Parteiorgan ist. * Wäre taö auch keine Schande, so legt die Schristleitung doch Wert daraus, wieder einmal festzustellen, daß sie. ganz ohne Rücksicht auf die persönliche Weltanschauung ihres jeweiligen Redakteurs nur ein Ziel, nur ein Prinzip, nur eine Richtlinie hat: Judentum. rosper. Deutsch-völkischer Schulzu Truhbund Ortsgruppe Breslau. D Angriffe auf das D y-i Hakenkreuz!!Ji DOon unseren Mitgliedern werden uns andauernd Meldungen ükermiuell, wonach Träger u. Trägerinnen D der Hakenkreuzes von Zuden belästig», beschimpft, bedroht, tätlich angegrissen und sogar der Hakenkreuzes beraubt werden. Tine Anzahl derartiger Angriffe D hoben wir bereits zur gerichtlichen Anzeige gebracht, wir machen zunächst auf die Tatsache aufmerksam. Sah dar Hakenkreuz da- .oltgermanische Heilzeichen" D bedeute» und daß wir als deutsche mit dem Tragen des Hakenkreuzes unsere deutsche Abstammnng und deutsche Lesinnung bekunden. D von unserer Seite sind Träger anderer Abzeichen insbesondere des jüdischer, vaoidsternes. noch niemals belästigt worden. D Als deutsche nehmen wir das stecht in Anspruch unser deutsches Abzeichen öffentlich zu tragen. In Anbetracht der bereits vorgekommenen zohl- D reichen Zoüe warnen wir hiermit. Träger des haken- Kreuzes in irgend einer Zorm noch weiter zu belästigen Sa wir andernfalls uns gezwungen sehen würden, 0 entsprechende Legenmahregeln zu ergreifen. ri örutfdiijölhifdjtf Wdn. CmlilmnD Ortsgruppe Breslau. D Anonym, wie es dem „Heldenmut" dieser traurigen Kämpfer für .deutsche Silte" ziemt. Kurde uns vorftehendts Inserat mit dem Blauftistvermerk „Lsvete ^uclaei'' zugesandt. Wenn die Behauptungen, daß sich Juden an Hakenkrcuztrügecn vergriffen haben ohne von ihnen provoziert worden zu sein, richtig sind, so bedauern wi aus und stehen nicht an zu erklären, daß wi: Handlungsweise für fatsch halten. Allerdings können wir die Bemerkung m drücken, daß besonders die oberschlesiichen Juden ' schweren Kampf um die Erhaltung des Landes bei Teut'chland unter rücksichtsloser Hintansetzung ihrer häufig abwerchenden persönlichen Interessen mitgekümpft haben, unter dem Zeichen eben dieses Hakenkreuzes in so niederträchtiger, gemeiner Wesse beschimpft wurden, daß man eS menschlich wohl verstehen kann, wenn dein einen oder andern von ihnen einmal die Galle überläust und er seine verhaltene Empörung gegen datz an sich unschuldige Abzeichen richtet. Im Uebrigen scheint eS. als ob die Verfasser des Inseratenur eine Ausrede suchten, um nach Raubritterart gegen die Juden zu Felde zu ziel'". Ter Ruhm Polens und der Ukraine sani:.l die Herren nicht schlafen zu lassen und sie werden wohl nicht eher ruhen als bis sie ihren Heldcaruhm durch e>n solides Pogrömchcn vermehrt haben. Das Kräftev.rhäUniS ist ja auch so. daß Lorbeeren zu ernten sind I : 100. And.res hat d i e Art Leute im Augenblick der tieften Erniedrrung ihres Vaterlandes offenbar nichts zu tun Einkehr zu halten und die von ihnen und rhreS Gleichen begangenen Fehler, die das Unglück Deutschlands deraufbefchworen haben, gutzumachen, dazu gehört scheinbar io viel sittliche K^a'l. daß sie sie nicht ausbringen können. Ter ..Teutschvölkssche Schuh- und Truhbund" hat Pech. J:n Lame weniger Wochen ba&ui die Gerichte Uber drei maßgebende Herren dieses Bundes Urteile gefällt. die absolut nicht schmeichelhaft für diese Herren sind. Sc mußte der Hauptgcschästssührer Rolh wegen Verleumdung deS Kommerzienrates Wallerstein l.'.OO M. bezahlen ftn Lbtrjustizfeklerar. ein neuer Anhänger der .Deuttchvölkischkli' wurde wegen amtlicher Unterschlagung und Urkundenfälschung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Herr Rossgcrste-Breslau wegen Beleidigung zu 500 Mark Strci'e; ter'clbc Herr wird sich in Gemeinschaft mit dreien feiner Gesi.innngsgcno'len auch noch wegen gefährlicher Körperverletzung zu veraurwolten baden. Feine (Ykielsschast! - Interessant war tn der Verhandlung gegen H Reifsgerne daS Piaiüoyer des W -A. H. Tr. Schmidt. Dieser Rechtsanwalt, der nicht ntir Juden zu seinen Klienten zählt, nach dem Grundsätze: God stinkt nicht, sondern auch in früheren Jahren den Anhängern des Judentums gegenüber eine ganz andere Stellung einnahm. hat sich unterstanden, sein Plaidcyer auf solceuden Stützpunkten aurzubanc». Ter Tcutfchvölkische Schutzbund hat'sich eine Hohe und hrhre (das ist nur wegen des germanischen Gleichklangs» Ausgabe gestellt. Er. Reifigerste. handelte nur im Interest'? des Deutschen Volkes tzu dem während der oberschlesiichen. der ostpreußischen und schleswig holsteinischen Abstimmung auch die deutschen Juden gehörten!). Tenn .Juda" habe Deutschlands Niedergang herbeigesührt. denn ..Juda' veriuchre sich in Deutschland wie Karnickel, ksrii'..er bei 70 Mill. D.'un'che 600000 Juden, jetzt bei 60 IVlill. fast L Mill ). benit ..Juda" besitze in Deutschland alle einflußreichen Stellen und nutze sie wider das Deutsche Volk. de in ..Juda".Der H. Vorsitzende bewabrie Ruhe und bat den H. Rechtsanwalt Dr. Schmidt, keine Reden zum offenen lenster hi»».'- Dr. Wkizuiann bei ttloud George. Tr. Weizmanu. r.r Piuside.it de: Zivn.stlschen Wc.rorganlkati.'?. hat neuerdings an einer wichtigen Konsereu; über die P.'.lästmafrag? teilgeuommen. bei welcher Lloyd (George. Val'our. Churchill und Srr Maurice Hankey anwcsii-.d waren. Weizmann stellte den britischen M eistern die gegenwäitige Lage m Palästina ausführlich dar und daS Rätsel der gewaltigen Wirkung der biblischen Poesie. Wer sich nach einer Lektüre sehnt, die das tiefste in unS auslöst, wird.immer wieder zur Bibel zurückkehren. Tie Bibel ist die Sprache des natürlichen, unverdorbenen Menschen, daher die beste Verbindung zwsichen dem Göttlichen und Menschlichen. Selbst über die empfindlichsten Vorgänge berichtet sie klar und keusch, sie verhüllt nicht die Sünde, sie verschleiert nicht die menschlichen Schwächen. Sie ist die Sprache der Wahrheit und der Natur, darin liegt ihre ewige Größe. Es ist interessant, den biblischen Ausdruck mit dein unserer Zeit zu vergleichen. Wenn wir „rin schönes Mädchen' sagen, meinen wir eins, das nicht besonders häßlich ist. Ein wirlich schönes Mädchen bezeichnen wir mit „sehr schön', .kolossal schön, riesig schön" und wie die unnatürlichen Uebertreibungen alle lauten Der Superlativ ist bei uns nicht die höchste, sondern die niedrigste Stufe, und wir müssen uns immer neue Steigerung gen schassen, weil die alten schnell verbraucht sind. Die Bibel sogt selbst von Esther, der schönsten Frau des Reiches, nur ..sie war schön vcn Aasehen und schon von Gestalt". Bei Ruth wird nicht einmal das gesagt, und doch kann sich der Leser eine Ruth ohne Anmut und Schönheit gar nicht vorstellen. Was brauchen wir für eine Fülle von Worten, um Heldentum und innere Größe lu schildern! Die Bibel tut eS mit einem Strich Sparsam geht sie mit den Ausdrucken ,,fromm, schön, anmutsvoll. weise' um. Und doch verstehen wir die biblischen Helden in ihrer ganzen Größe, weil un8 durch kräftige Worte der wahre Charakter entrollt wird. Dir würden heute ganze Kapitel brauchen, um die Größe eine- Moses dem Verständnis näher zu führen. Die Bibel ruft durch die kurzen Andeutungen die größte Kraft hervor. Sie spricht nicht über die Menschen, sie läßt sie handeln. Sie führt sie uns bor in ihrer Nacktheit, und wir verstehen ihre Größe. Sie macht gar keinen Versuch, die Sünden und Schwächen der Großen zu verschweigen, und doch stören sie ihre Größe nicht, weil wir sie lebendig vor unsehen und ihre Schwächen wie ihre Tugenden auihrer Natur heraus verstehen. Er ist der Stil der Wahrheit, die Sprache der GöAichieit. die alleversteht, all«- verzeiht. Selbst das Pathos der Bibel ruht auf fester Grundlage und entfernt sich nicht von der Natur. Die lräftigsten Bilder der Natur bei JesaiaS, die Schilderung des Kriegs» rosses bei Hwb sind kurz, voller Größe und wirken daher so gewaltig. Tie schwierigsten Rätsel des LebcnS. die feinsten Regungen des Herzens werden poetisch durch kurze Soze wicdergegeben. Die Rrtuc in ihrer ganzen Groß' und Schönheit wird unan vielen Stellen der Psalmen gewaltiger als durch ganze moderne Bücher in einigen Sätzen vorgeführt. Da8 Ringen der Seele nach Hoheit, der ewige Kamps zwischen der Sünde und dem Göttlichen, die b:ide in der menlch'ichen Brust leb.n sie w.rden so prägnant un) nh.-r gezeigt, daß selb t das K nd es versteh!. Nicht nur die alte Ge'chichte Israels, sondern auch die Psyche der Juden verstehen wir erst, wenn wir in den Geist dei Bibel eindringen Wenn die Sprache ein wirkliches Instrument sein.soll, so muß sie in Einklänge mit unserer Nüur stehen, muß für alles, was uns bewegt, den natürlichen Ausdruck finden. Tu kann, namentlich für ins Juden, die wir \i bewußt oder unbewußt immer auS dem Leben der 'Vergangenheit schöpfen, die Bibel die beste Lehcmeisterin sein. Je näher ww d.-nr Geiste der Bibel stehen, desto leichter lernen wir di: Kunst, in wenigen Worten viel zu sagen. W r baden nur dann das Rech! zur Öffentlichkeit zu sprechen, wenn wir etwa; zu sagen haben, und wir haben die Pll'cht. klar und verständig zu sein Die Derschnördlung ist keine Kunst, sondern das Merkmal einer armen, schwachen Natur und sie ist für jeden gesund empfindenden Manschen eine Qual. Die Schönheit der Sprache muß. wie jede wahre Schönhrit. dem Inneren entspringen und nicht künstlich hineingetragen werden. Der alte Busson hat rech'.: ..Der Stil ist der Mensch: Im Stil offrnbart sich der Charakter. Der gerade, schlichte Mensch wird stets feine Stärke in der natürlichen, klaren AuSdrucksweiie suchen. Wer mariniert wird, wer sich künstlich ein GeleiS schafft, in das er sich einzwängt. zeigt damit, daß er auf geradem Wege nichts zu bieten hat. Wer mit hohen Dorten kokettiert und sich mit dem Nimbus der-Tiefe umgibt, will »erstens durch die künstliche Form über den Mangel an Inhalt hinvegtäufchen. Daerste Gebot de- I Schriftstellers ist: Natürlichkeit, Klarheit. Verständlichkeit. Wer au» andere n^'- will, muß ihnen eine Kost geben, die sie m**-. '! Das Merkmal I des wahren Künstle ' das Höchste und Tiesste ein- F . ndlich ist Die 2.*' > . Seichtheit.Inhalt ... w:e Form ohne Inhalt. L teratur viel aiss diesem Ge- .vioeit, und w.mn die Distanz zwilchen ...wen nnd den Empfangenden zu groß ist. so Iu„» o.e Schuld an» Serien der Schciirst.'ller und Gelehrten. Noch fehlt unserem Judentum die eigentliche Volksliteratur. noch s.'hlen uns die geigneten Bücher für die Frauen und iü: die Jugend, noch feh't die V.'.blndnng zwi'ch m Literatur i: ib L.'b.'N. J:r Stil, in dem wir das Tenk.m des Bo'/es b fruchten durch den wir Wärm? Belehrung und B.'grist'rung geben, muß erst geschiss: werden. Die B'.bel wird uns d:e Bwst.stn' und der Gei der Zeit die Architektur dafür geben. Wie es sl r die Sittlichkeit nur einen Weg gibt. Rückkehr zur Natur, *ur Wahrheit, so ist für die Sprcr. ■ die Lurie vorgezeichnet: Einfachheit. Wahrhaftigkeit v ■ ‘ kraftvoll' Kürz'. Die Sprach: »st >r da? Spiegelbild dro L.'de.nS J.de Shö.icheit aut Kost.'n der Wlhrhstt ist v.'rseh'.t. jed: Kunst, die n cht ehrlich und schlicht ist. bringt den Menschen keinen G-winn. Tle Kunst ist kein Lacus. der ireb.'N dem Leben h-rläa^t sondern di: innere Ausstrahlung des natiirlichm Schöahei'sorr ig's. W:ev:el könnten wir ans der Bibel lernen, wenn sie uns vertraut wäre! In England gehört eS zi de r Geboten allgemeiner Bildung, die Bibel zu kennen, und bei uns rst sie häufig selbst den Nachkommen der biblischen Helden ein fremdes Buch. Wir bUd« uns an allen Mitteln, nur nicht an der Bibel. Die Bibel muß wieder unser Volks» buch werden. daS ist die erste Forderung einer jüdischen Kultur, die auder Dergangenheü für die Gegenwart und Zakunsl schpfen will D:e Gnstesschätze bcS Judentums sind nicht für die Bibliotheken, sondern fürs Leben da. Sprechen wir zum Volke seine Sprache, und eS wird uns verstehen. __ Volkesmn.)