Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 28 (22.7.1921)
- Date
- 1921-07-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2*Nr. 28 Jüdische Volkrzeitung 22. Juli 1221 trftrnft; sie hat bei ihren eigenen öffentlichen Arbeiten, in ihren Eisenbahnwerkstütten und sonstigen Unternehmungen zugunsten der Landeüerschließung tausenden einwandernden jüdischen Arbeitern Beschäftigung gegeben und ist dauernd bemüht, dem Ziel, da« sie sich bei Uebernahme des Mandat« gesteckt hat. näherzukommen Unter anderem ist die hebräische Sprache i(t offizielle Landessprache (neben dem Englischen und Arabischen) anerkann'. die offiziellen Verlautbarungen erscheinen auch in hebräisch, und sogar die neuen Briefmarken de« Lande« tragen den hebräischen Ausdruck: »Palästina — Ere; Israel" Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse find noch die einer ausgesprochenen UebergangSzeit. Während de«,Kriege«, zu dessen Schauplätzen Palästina gehört hat. war die Produktion in vielen Dingen zurückgeblieben, während andererseit« Hilfsaktionen viel Geld in« Land brachten. Jntolgedeffen waren Waren und Materralprerfe sowie Arbeitslöhne sehr hoch gestiegen. Zum Auseffen von Geld — besonderschlechter Valuta — ist daher Palästina gegenwärtig wohl daschlechteste Land Umso besser find die Chancen für eine arbeitsame Einwanderung und für inUnternehmungen angelegten Kapitalien In erster Reihe stehen hier Hausbau. Vorbereitung von Heimstätten u dergl. Besondergroße Chincen bietet auch die Aufforstung, sowohl wegen de« Holz mangels in Palästina und im ganzen Orient, sowie in Anbetracht der außergewöhnlichen Schnellwüchsigkeit von Bäumen in diesem Klima. Sehr hohe Gewinne sind in diesen Arbeit«- l».niplexen erzielbar. und zwar, bei geeignetem Systen oene Ausbeutung der Einwanderung, sondern in einer durchaus kolonisationsfördernden Weite. Aber alle bufe Tatsachen und Entwicklungen bilden doch erst die Voraussetzung und die Grundlage zu einer alle« bisherige weit in den Schalten stellenden jüdischen Mitwirkung im» Ausbau Palästina«. Tie jüdische Welt muß es verstehen, daß die Erklärungen der Mächte ihr die Verpflichtung auserlegen. von ollen diesen Privilegien Gebrauch zu machen. Tie Rettung der Juden im Ausbau Palästinas ist die große Aufgabe, die der Judenheit der Gegenwart gestellt ist. und in der alle Schattierungen dieser vielgegliederten Gemeinschaft ihr grö ßte«^ gemeinsames Arbeitsfeld finden. Tie finanzielle Teilnahme an diesem Werke-kann im Wege der Ovser« geschehen, das man sich rm Jntereffe der großen Aufgabe auferlegt. Dec .Jüdische NativnalsovdS" hat sich in seinem zwanzigjährigen Bestehen zu einem immer stärkeren Instrument der jüdischen Palästina- Bestrebungen entwickelt: aber alle« da« find doch erst Anfänge. Der neue .Palästina-KründungSfondr (Keren Hajeffod) hat im ersten Jahre seiner Werbetätigkeit bereit« den Beweis dafür erbracht, daß in ihm die größte materielle Aktion der gesamten Iudenheit verkörpert ist. Seine Organisation sieht die Sammlung von Geldern für nationale wie für wirtschaftliche Zwecke und für diese letzteren eine entsprechende Verzinsung vor. Aber große Mittel lasten sich auch auf rein wirtschaftlicher Basis und m>t der -Sicherheit einer guten Rentabilität im Ausbau Palästina« anlegen. Tie dringendste Aufgabe, die vor uns liegt, besteht darin, raschesten« eine so starke jüdische Einwanderung noch gerer Sohn und wurde gegen den älteren Adonija ausgespielt. Alle diele Tatsachen lasten die Annahme zu. daß in Israel der Primogenitur eine ältere Gewohnheit der Ultimogenitur. d h der Bevorzugung de4 jüngeren Sohne« durch den Vater vorausging. Tiefe Annahme wird dadurch noch wahrscheinlicher, daß ähnliche Gewohnheiten von den Rechten des jüngeren in vieken Teilen der Welt geherrscht haben und noch herrschen. Hält man diese Gesichtspunkt fest, so tat Jakob seinem älteren Bruder kein Unrecht. Er verlangte nur für sich das Succesfionsrecht. da« vor älteren Zeiten im allgemeinen dem jüngeren Sohn zustand. obwohl in seinen Tagen bereits der neue Rechtszustand zu herrschen begonnen hatte. 8i«t Geschichte kt« Si»»i»««». Wer sich biäfter Ster dir Geschichtr it§ Zianiswss. pon -bren Infln.tfn dis jnr iSuq 'en «kirmoari, mfsiwmn »olle. ®j z,. nltigt, selb« zu» Historiker zu »»erben. Er f:nd nur Material, aber nirgends die z»sa«merrf»stende Darstellonq. die ihn über das Verden» dieser He»egonq und ihrem leyiqea Stand fortlaufend nnterrdrtet hätte. Da erschien im vorigen Iabre Lbolf Böhms. ^Zionistrsche Le»egunglim Weü.verkaz. Berlin); sie gab in prägnanter For» und in tieleindrinqender Belrachlungsan. diese Geschichte drs zum Tode Herzls Wie »ic lehr erfahret». wird noch vor dem 13. Zlonistenksnqretz in Karlsbad der zroe-te Band dieses Werkes, t ebenfalls im KeU- Berlaa) der die Geschichte des Zionismus bis zur Gegenwan de« haudeU, erscheine». Mau darf mit Recht auf diese Darstellung gespanul sein, die ei» Mann vom Range Böhms diese» neuesten IbschvrN der Geschichle gegeben hat. Der bereits er.chievene erste Teil lS«l vermute», da« unr m diesen beide» Bände» au» wirklich »die* Geschichte des Zroais»us in deutscher Sprache vorliegen haben. Et, Zeit,»,,««,». Mein Freund f. in Berlin, ein literarischer Fein- Ichmerker. freut sich der vielen, jetzt erscheinenden Zeitungen und Wochenblätter. Er hat sich für die verschiedenen Festtage darin» ein Menu hergeftelll. Er lieft nüwlich, an Pessach die .Freiheit', an Echvwuau« di« .Wache', an Kausch halchauvh die .Posaun«', an Surraui die .Garteniuude', an Ehanukka die .Faekrl', an Purim deu .Galgen'. Ctsci, oerbreliet und fördert die .Jüdische Volkszeilung' die alle jüd. Interessen oerirlti Palästina zu bringen, daß damit neben ollem ankeren die Lage «in Osten wirksam entlast et. der Ausbau Palästina« beschleunigt und so bald als möglich die jüdische Majorität im Lande angefiedelt wird, die allein un« die Datier und Weiterentwicklung deS jüdn'cten Palästina gewährleistet. Nunmehr ist c$ S»id e der gesamten Iudenheit. von diesen Möglich! ilen den entsprechenden Gebrauch zu machen und in einer starken zusammengesaßten Tätigkeit iür den Auibau Palästina« die lüdische Frage für alle Zeiten zu lösen. Man mutz cS hüten! Bon Thojim Rbron strupnlk. Var kurzem veröffentlichte d'e .Times" einen Protest gegen brti ninen .Sport' von Monako, der darin besteht, zahme Vögel aus dem Käfig zu befreien und sie bei dem ersten Versuch, die gastliche Stätte de« geöffneten Kafigö zu verlassen, zu erschießen. Wie gut haben eS doch die .oogelfreien" Vögel! Wären sie simple Menschen, mit einfachen Reisepässen versehen, aus denen zu ersehen wäre, daß sie fürstlich monak:sche Bürger find, so hätte sich kein Tierschuhocrein ihrer annehmen wollen, um fick nicht in die .inneren Angele enheilen der iouveränen Macht" zu mischen. Zn einer solchen Lage vcn vogelfreien Menschen befinden sich feit fast zwei Iabren mehr als drei Millionen Juden in der Ukraine. Tie Ukraine wurde mehrere Male hintereinander .brt'reit": die Türken befreiten sie von den Tarlaren. die Polen von den Türken, die Ruffen von den Polen, die Deutsche.t von den Russen, die Ukrainer von den Deutschen, die Bolschewik von Petlz. den Bolt'chewiki usw. Aber alle ueifuctu Juden zu .befreien', die bekanntlich a» sind- Im Gegensatz zu Monako werd n I nicht geöffnet. ' Tw Grenzen Europa« sind schloffen. damit da? fromme Europa umso sicherer (wie lange?) diesem in unserem gottlosen Zeitalter seltenen Schauspiel zufchauen kann Tiefe« Schauspiel ist in cker Tat sehr selten: nur noch die Kreuzzüge kannten ein ähnliches bieten. Die ukrainischen Pogrome lasten aber die der Kreuzfahrer weit im Lchalten. Jene waren zu naiv: ihr Jude, haß erlosch mit der Taufe ihrer Lner. Im Zeitalter de? Ketzertums ist auch der Judenhaß gottlos geworden. Weder die Tauie. noch irgend etwas nutzer pe:n nackten Leben wird heute von den Juden der Ukraine verlangt (DaS Vermögen fällt den Mördern als .verdienter Lohn" von selbst zu.) Aber auch ete Grausamkeiten des Mittelalterverblassen im Vergleich zu den heutigen. Man hatte damals z. B. noch keine Zigaretten, um sie brennend in die Wunden der Opfer zu stecken' Man hatte noch keinen Begriff vom Renn« spart, wie ihn die ukrainischen Kosaken heute hlben. die in dem Städtchen Teplik (Podolien) die ganze jüdische Gemeinde gebunden aut den Marktplatz legten, um aus ihren Leibern ein Pferderennen zu veranstalten, bialles zu einem Brei von Men'chensteisch. Blut. Kleiderfetzen und Pserdekot geworden war. Auch im Mittelalter wurden oft jüdische grauen und Mädchen, d.nen gegenüber schon die Kreuzfahrer und christlichen Geistlichen mehr chnstliche .Lieb«" zeigten, als den jüdischen Männern und Brüdern, vergewaltigt. Tie gesteigerte Erotik unterer Zeit kommt auch hier zum Ausdruck. Jüdische Männer. Väter und Brüder wurden gefesselt, um vor ihren Augen ihre Frauen. Töchter und Schwestern zu vergewaltigen, wofür die Opfer zum Dank noch mit der leider nicht mehr nur französischen Krankheit desbenst wurden^- Dabei hat manche Frau ihren Verstand verloren und minches Müdchm hat ihre vor Wut und Scham abgeiissene Zunge dem Vergewaltiger ir.s Gesicht gespuckt WaS alle gelehrten Antisemiten nicht zu beweisen vermögen, haben die »ukrainischen Banditen bewiesen, nämlich, daß die Juden nicht nur Menschenblut, sondern auch Menlchenfleisch genießen, und zwar ihr eigene« DaS war leicht zu beweisen: man fesselte den Rabbiner, schnitt ihm ein Stück Fleisch aus dem Leibe und fütterte ihn gewaltsam damit. Diese« Entsetzen dauert nun bald zwei Jahre. Ueber 860 jüdische Siedlungen find in 2000 Pogromen vernichtet worden. Mehrere 100 000 Juden sind durch Mord, Hunger und Krankheiten umgekommen, tausende irren wahnsinnig rn den Wäldern herum- Ueber 100 600 Waisen kinder sind schütz- und obdachlos. Wenn ein großer Prozentsatz von ihnen mangels jeglicher Pstege und Erziehung einst Verbrecher schlimmster Art werden und die ganze Kulturwelt überfluten, wird die« nur eine gerechte, wenn auch geringe. Strafe für die TeilnahmSlofigkeit Europa« eine« Unglück gegenüber sein, da» e« selbst verschuldet hat. Da« blühende, ukrainische Judentum ist fast gänzlich vernichtet, und zwar buchstäblich durch Feuer und Schwert, abgesehen von der wittschalllichen Vernichtung durch btr Sowjet-Regierung. der ganz Rußland zum Opfer fiel. Tie Juden in der Ukraine leben in steter Angst, sie sind ,edem Banditen auSgeliefert. Aber Europa ichweigt. Europa wäscht seine Hände in Unschuld und bedauert mit der Frömmigkeitsmiene eine« TierschutzvereinleiS. sich n-cht fremde Angelegenheiten hineinmifchen zu können. Europa w-ll auch von all dem Elend gar nichts hören. Selbst d e Zeitungen, die von Juden geschrieben und gelesen werden, haben für den Brand eines Warenhau'cö in Amerika oder für ein Erdbeben in den Philippinen mehr Interesse. als für die unerhörte Vernichtung von drei Millionen Juden in der Ukraine. Das .Berliner Tageblatt' brachte kürzlich einen 1Z Spalten langen Artikel über die Fußgröße der deutschen Frauen und bemerkte dab.-i mit nationalem Stolz, daß die englischen Damen größere Züße hätten. Merkwürdige deut'che Juden! Seil den Tagen Heine« hören sie nicht aus. sich für die Größe der .xiiße der deutschen Frauen zu inleces'teren. und merken nicht die Fußtritte, die den Juden versetzt werden! Erzählt man hier von den ukrainischen Greueln, so bekommt man zur Antwort: .Belgische Schauermärchen!" Da« deutsche Volk, da« den Greuelrnärchen von Ostpreußen Glauben schenkte, wollte die ihm zugeschriebenen Kreuel in Belgien nicht zuzeden. Während de« Krieges wurden zu viel Schauergeschichten von anderen erzählt, um die eigenen Greueltaten zu verhehlen oder wenigsten« zu rechtfertigen Die Juden des Ostens haben gewiß kernen Grund. Greuel Märchen zu erfinden. Keiner will die an ihnen verübten Greueltalen rächen, keiner wird sie büßen. Was sie von der Welt verlangen, ist. daß sie ih-e Lage kennt, daß sie ihren Notschrei hört. Die Welt muß ihn vernehmen. di/ Welt muß ihn hören: will sie ihnen i ichl Helsen, so soll sie doch wissen, waö da geschieht Man muß tS hören! '- „WellbUhne Aus aller Weil. Dichtung und Lvahrheit über die Palästina-Deutschen. Man wird sich noch heute der Genugtuung erinnern, d e die Kreise d'r Ausländsdeutschen erfüllte, als sie ersichren, daß der englische Oberkommist'ar für Palästina. S>r Herbert Samuel, die Heimkehr der P-rlästinadeuIschen r.l' l t-i-lich. : Vf!!.,!•■ Kolonisten rin entsprechendes ZeugRi« ansjteltte. Deiimungeaitet behautzlet chas in Wien erscheinende .Nene Mont.rgblatt" inFeiner Ausgabe vom 27. Juni, daß die La t der zurückgekehrün Deutschen außeroraentfich schlecht sei und Palästina .für alle Nichtjuden oie Hölle bedeute". Ta das Blatt in demselben Artikel eine wahrheitsgetreue Berichterstattung verlangt, soll seiner eigenen Aeußerung eine Stimme gegenübergestellt weiden, iie auch dem ..Wiener Montagblatt" unverdächtig klingen soll. Tie rechtsgerichtete Bremer .Weserzeitung". deren Beziehungen zu angesehenen Ausländsdeutschen bekannt find, gibt am Iuns den Bericht eines diutschen Kolonisten an den Landesverband Nordwestdeutschland de« ^Bundes der Ausländsdeutschen" wieder, in dem es u a. heißt: .In Palästina ist daS Wirtschaftsleben vollständig in jüdische Hände ubergegongen Tie Verwaltung steht unter dem englischen >' brrkommissar Samuel, der durchaus deutsch« freundlich gesinnt fein fall und den Deutschen die Einreise nach Möglichkeit erleichtert Ter deutsche Handel hat in Palästina recht gute Aussichten, da die Juden »it den Lieferungen au» England und Frankreich schlechte'Er« fahrungen gemacht habe» . . Da» jüdische Palästina von heute kann al« Vermittler zu Zmttalafien angesehen werden und verdient deshalb besondere Beachtung." Damit dürfte denn der WahrbeitSdunger de« Wiener Blattes vorläufig gelullt sei«. Im Notfälle könnten jedoch zahlreiche Urteile ähnlicher Art zur Kenntnis de« ( offenbar schlecht unterrichteten Organs gebracht werden. I Professor Einstein berichtiFti Im ,Nieuwc Po -.erdamsche Courant" erschien fünlirfV fin angebliches Interview mit Pros Einstein. . drm Gelehrten unireundliche Aeutzerungen über und die Amerikaner in den Mund gelegt wurden äußert sich Pros. Einftrin dahingehend, dal! er es >>. ordentlich bedauere, daß nicht schon dir Unglanbwllrd,lc.'. tieser «eußerungen ihre weite« »erbikitung oerhindert habe .Meine Bemühungen um die Ilebeibrückung der Gegensütze zugunsten aller Ldller". betont, Pros. Ginstern, werden durch diese mir in den.Mund gelegten, von mir äbrr niemals «elanen «eußerungen bedauerlicher Weise kontrastiert. Ter Jnhall de» Interview« widerspricht meinen amerikuni>chen Eindrücken und Ersahrnngen so schroff daß r» i i »erffndtich blnbt. wir man meine Worte in dieser Weis, in ihr Gegenteil verkehren konnte. Ich lege gidßirn Si'ri daraus, daß mnne Richligstellui,, zur Kenntnis aller in,-.er amerika»isch«n ffreunde getan"" die mir bei meinem hialenlhalt so deutlich geze- Hanen daß mein Optimis"; in der Frag! der Bölkero . ..hnuag gerade in >mer,'i iarke» Echo findet.'