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Jüdische Volkszeitung · 1921-06-17 · 23 (17.6.1921) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
27 (1921)
Issue
23 (17.6.1921)
Date
1921-06-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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6ette 2 *t. 23 Jüdisch» 8olf«((ilunQ 17. Juni I« Aus dem ,Hoi»zcu1rotiimsll'ger' Stargard. Das Arbeiterkürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands teilt uns mit: .Wie wir au« dem Mrnißerivm des Innern hören, wird die Untersuchung -wegen der Vor fälle im Internierter lager Stargard mit dem »tttrfchenswerlen Nachdruck geführt. Ein abschließender Bericht liegt z. At noch nicht vor. ift aber in den näch. ßen Lagen zu enoarten ES werden auch alle Maßnah' Wtn getroffen, die auf Grund des Berichtes de« Arbeilerftrsargeamtks festgestelllen Schäden abzasullen und die Schuldigen der Bestrasong zuzuführen'. Dir erwarten den in Aussicht gestellten ausführlichen Bericht. Schon jetzt aber verlangen wir. daß die (Gesamtheit der Deutschen Judenlchast. ohne Rücksicht auf ihre parteipolitische Zugehörigkeit mit aller Energie dafür eintrilt. daß dre Internierung iür jene Juternierten aufgehobrn wild, die seineizeit arbeitslos waren und aus Grund ihrer damaligen Registrierung als Azcheilslosr jetzt aus ihren Arbeitsstellen herausgeha'.t und i« „Konpeutrationslager Stargard ' den Erzrehunasmethode» deutschvölkifcher Kulturträger übnli.fert wurden. Am vergangenen Sonntag lAvignontaq) baben wir - gegen die Internierung von 115 Deutschen m Frankreich protestiert. Glaubt die deutsche Regiernng. daß d-e Bor- - stlle in Stargard dabeste Beweismittel für die so oft -ertthmte .deutsche Menschlichkeit' rst? Hier ist Gelegenheit, zu beweisen, daß b.o ort .Menschlichkeit" nicht nur ein billiges Schlußwort Tür klingende Programmreden und protzende Vcrst'.mmüingrn ist Eine Sckreckeusfohrt durch die Ukraine. In dem m Ncw '.'iork ersweinenden ,.tz»ibn" schildnl Izchak Spekioe ferne Rerre 2Urer Ukrsrne muh Palistin». Au< den Cckilderunaen feien hlrr nur einige Tchre>1enDd:Ider, die die Tragödie rnsstikr Brüder in d-r Ukraine »lederfpiezeln, wiedrrzezebeii.. Am 10. August 1919 verli.ß ich Krementsckua. um Über Charkow nach Teodoßja zu gelangen. Ich war der einzige Jude im Eisenbahnwagen, der vollgefüllt war mit Bauern, die Lebensmittel mS bolschewistische l^ediet.sichren uud Soldaten. Bauern und Soldaten befanden sich in lebhafter Uuteiholtung. die fich ausschließlich um die Juden drehte; waS da nicht all für Echaurrmürchen erzählt wurden! Da geschah eS mit einem Juden, der rin kleines Maschinengewehr in seinem langen Barte versteckte und damit russische Geistliche beschoß . . Eine Jüdin hielt ein Geheimlelqchon unter den Kleidern velsteckt. mit welchem ste Signale an die Bolschewisten ergehen ließ. . Dann wandte fich das Gespräch au' d'e Racke an den Juden und die anzuwendenden Ausrollungsrnrtlel. Ein Soldat rühmte fich. daß er in Gemcinsckan mit zwei Kameraden in einem kleinen Städtchen 50 Outen. Mann und £rnu, Greis und Kind, gelötet hätte. Ein anderer sagte von fich. daß er grundsätzlich kein» Juden töte, sondern sie nur quäle und verstümmele. Freilich erreichte er fetten sein Ziel, denn fie starben schon vor der Zeit. Dieses verdammte Iudenpack. . .! Ganz verwirrt machten mich diel« Berichte, wem Herz krampste fich zusammen w:e unter einer glühertten Erjenzange und rch wurde von einem Veinkrourps deiallen. den ich mit aller Mühe nickt zurückhallen konnte. Im Wa^en entstand eine Erregung Lrele Männer und Frauen umringten mich mitleidsvoll und ein Kosak reichte mir sogar ein Glas Master mit einem Stückchen Zucker. Keiner hielt mich für einen Juden. Frauen gabrn der Meinung Ausdruck. daß ich wahrscheinlich erner von den Bielen sei. die von den jüdischen Kommunisten mißhandelt wurden. Ich verhüllte das Gesicht und betete in meinem Inner»», wenigstens unversehrt nach Charkow zu gelangen. Meine Angst und Erregung sollte ober noch manche Steigerung erfahre.! Der Zug breit etwa sechs Stationen von Krementfchug entfernt in Kowoljak. da wurde ich von einem eri'ckultunken Schrei aufg.schrrckt. Am Perron stand eine jüdische Frau in mittleren Jahren mrt zerschundencm Gesicht und blutenden Händen. Ihre biljeschrere rn ollen in der Ukraine utlichen Sprachen durchschnitten dre Lust. Kulaken hatten sie mit ihren beiden Töchtern aus dem Zuge gezerrt mrßhar delt und die beiden Mädchen fort* gescklelpt. Ein großer Meiiickenoufhiuf entstand um die unglückliche Frau Aber die Bauern, und Soldaten beantworteten die Hrlscruie mit Sport und B-ickimpjung Der Zug fuhr ab und ick kannte das weitere Schicksal der Frau nicht abworten. Rock er'chü'.tcr'ch.-r war der A'bl'ck dkl sich mir in Poltawa bet. An tu langen SDJiinrx Dir dem Warte faal stand r >e Reihe jü.'ischkr Sclraien. Gefangene auü dem Lager tu Bvl'ckrwistrn. daruntrr drei Juden in Kaf«an m.d P.jvs und drei F-ink:-. die eine mit einem Kind ans tun Arm 1er Bahnkommandanl lc-fabl. den Zug halten ub all.' Reisenden ai ssleigcir zu lasten, damit sie .n.it eigen.n Angen fihen. we in der Ukraine jüdische Kl-unni.nist.nl destr.rl werden". Rach wenigen Minuten trat eine Kompagnie mit drei Maschinengewet;- ren an. Ein kurzes Kommando und die luölfchen Spfcr fielen einek noch dem andern wie die reisen Aehren unter der Sense Ter ..Säma Israel Nus" stieg zum Himmel hinaus und grub fick in unfire Seelen so ein. daß wir ihn nie im Leben rnedr v.rgessen werden. Gegen Abend kamen wir endlich in Charkow an Ich war glücklich, wieder Juden zu sehen, die östentlich die Straße paisrcrcn dursten. Ich gclrcu.lc ni'lb jedoch nicht, nacht: 'H die Stadt zn reieu n/d zog es vor. nn Bahnhof bei cimm Gefangencn!ran<pork u übernachten. Mit T7 Cholrlzl.li v.'rluß idi dann am P.'orgen Charkow, un: meinen Weg nack Teodrßja jarlzusetzen. In unserer Gruppe bttanden sich Männer im Alter von!8 bis 47 Jahren, zum größten Teil Paläsura-Reiiende. die sich für den Ackerbau in ihrer Hern at vorberertet halten Es tejand sich darunter auch et;t Kaujmam: höheren Alter«, namens Sckncicriobu. der englltcher Staatsangehöriger war und »ine r.amharte Geldsumme mit fick führte. Absichtlich verteilten wir uns in verschiedene Wagen. Aber es nutzte nichts. Auf der Station Cinlanrkow hielt der Zug und so'ort standen vor den Wagen kubanische Ko'aken unter brr Futn.ring eines jungen Ljnr'er-. die schrieen: ..Heraus mrt den Juden aus allen Wagen'! Es ertönten Scküste »nd einer von rurS fiel sofort blutüberströmt zu Boden. Auch an den alten Schneiersohn traten sie heran es die immer wiederkehrenden Familientragödien. die von den ostjüdischen Bühnendichtern behandelt werden, das Leben, daß sie alle täglich vor Augen haben, der Kamps zwischen der talmudischen Bescheidung der Alten mit der glühenden Lebenssehnsucht der Jungen. Orthodoxie gegen Renegatentum. Ghetto gegen Welt. Besonders hervorragende Leistungen vollbrachte das Dilnaer jüdische Theater, das auch in Darschau und vielen Städten des Oftümdes in den letzten Kriegsjahren große Erfolge hatte. Die unmittelbare Zusawmengehbrigkeit der drei Ele- »eute in der ostjüdischen Schauspielkunst: Darstellung. Stoff. Publikum, fie zeigt fich auch deutlich in der Art. Wie fich der ostjüdische Zuschauer im Theater verhält. Sr ist dort zu Hause, hat überall Bekannte zu begrüßen, fühlt sich so sehr im Familienkreis. daß er bis zur Rücksichtslosigkeit ungeniert ist, ohne auch nur entfernt daran t in denkm, daß er störm könnte. An den Vorgängen auf der Bühne.nimmt er den regsten Anteil, lebt jede Szene innerlich mit. ohne es freilich deshalb zu Unterlasten, seine SinMck« dem Nachbar hörbar mitzuterlen. er sieht in dem Dösteller den guten Freund, ist maßlos in seiner Begeisterung. maßlos in seine» Beifall. ES ist ein innige- Verhältnis zwischen der ostjüdischen Bühne und ihrem Publikum, weitaus inniger als in Desteuropa. wo fich zwischen den Darstellern und dem kritischeren Publikum vor rinem Stoff, der beiden Teilen nicht sogleich derart blutsnah ist, eine Spannun- < die der Schauspieler erst zu Überwinder hat.? :tn mdigkeit. über einen mistchtbaren Diderstaud d ' men. ist für den westeuropäischen Darsteller 1ntrie& zu höherer, verinnerlichter Leiftuno — difche Schauspieler bedarf besten nicht, feine nicht die große schöpferisch« Menschengestalt! Zuschauer in die Höheren twickel ring seines inu treiben soll seine Kunst ist eine ruhigere ,Lsica", eine DerbilbliLung der rekgiösev Lei strierter- Talmud, sein« Kunst ist nur wiederhol ung des täglichen Daseins aus erbdhteu Podiuu rsckütternde aber nicht fruchtbare, nickt aktive Kunst, keine internationale. nllqermivmensLIiLc Kunst, sondern eine Familienkunst. Ein „Ritualmord-Traktätlein". Unter diesem Titel schreibt die gut christliche .Neue Züricher Zeitung": In den .Jahrbüchern des Vereins der Herl. Kindheit". 1. Heft vom Jahre 1920. gedruckt bei Eberle. Külin 6c Eo. in Einfiedeln, wird „mit bischöflicher Genehmigung' eine ganz gruslige Geschichte von einem jüdischeu Rilualmord zu Trient im Jahre 1475 als bare Münze neu ausgetischt. ES handelt fich da um das „Martyrium des heiligen Simon von Trient", der als kleines Krnd von drei oder vier Juden erbarmungslos abgeschlachtet worden sein soll. Die schuldigen Juden hätten dann ihre Untat aus der Folter gestanden. Daher müste die Geschichte doch wahr sein Die authentischen Akten über den Fall seien allerdings nicht mehr vorhanden, sondern nar noch Abschriften. Im XV. Jahrhundert und noch lange nachher find bekannUich auch Herrn und Hexen« meifier gefoltert worden und haben aus der Folter noch andere Sachen gestanden, als diese armen Juden von Trient; aber niemandem würde es einfallen, deswegen Hexerei und Teufeltspuk als wistenschastlich erwiesen zu erklären, niemandem als vielleicht diesem „Verein der heiligen Kindheit" zu Einfiedel». Zur Logik der Oßj^euwauderung. In der Arbeitersürsorgestelle wurde ein armer, gottergebener Flüchtling von einem überarbeiteten, nervösen Beamten folgendermaßen angeschrieen: „Der hat Sie denn gerufen? Darum find Sie nicht in Ihrer Heimat geblieben?" „Und Gott sprach zu Abraham: Ziehe in ein Land, das ich dir zeigen werde!" „Die? Hat Gott etwa zu Ihnen gesprochen?" „Bjw ich denn Abraham, daß Gott mich soll würdigen einer Anstrrache?" | und fordMen ihn aus. aus dem Wagen zu steigen- Es nützte ihm üichts. daß er fich als englischer Untertan legitimierte. Schneierfohn. ein Monn vov eminenter Kraft, setzte fich zur^ Wehr und stieß zwei Kosaken hinunter, ob« wähl er in d-ir Hand nichts anderes hatte, als ein Grbetbuch. Run,hretz. eS. die Juden würden die Koiaken angrerfen. Es kamen neue K»fi»r.n und nach wenigen Minuten lag Schneiersohn buchstäblich in Stucke zrrrrffen auf dem Perron. Wir wir hönten. entgrng aber der christliche Mitreisende, der Schneiersohn in die Hände der Kosaken ausgelusert hatte, seiner Strafe nicht. Er wurde, als er nacht« auf die Plattform trat, von einem der Chaluzim bei voller Fahrt hinuntrrgeschlerrdert. Eine kurze Sttecke vor der Station Alexandrrwsk sollte fich auch das Schicksal an mir vollstrecken. Zusammen mrt fünf Kollegen wurde ich vom Wagen gestoßen. Außer den spärlichen Barschaften besaßen wir nichts. Nachdem wir uns ein wenig erholt hatten, traten wir den Weg. etwa 80 Kilometer, bis Alexandrowjk zu Fuß an. Wie erjchüttert waren wir aber, als wir vor dem Dane» faal in Alexandrowfk auf drei verstümmelte Lerchen streßen, in denen wir unsere Freunde erkannten. Auch uns wäre eS beinahe nicht besser ergangen, denn als wir den Zug besteigrn wollten, stürzten sich Kosaken mit ihren Lanzen aus unS Zwei meiner Freunde gerieten unter die Räder. Ich wurde dadurch gerettet, daß im letzten Mouientr, da fich die Mörder an mich heranmachen wolltrn. der Zug absuhr. Co kam ich allein, verwundet an Lerb und Seele, nach e:ner wahren Höllenfahrt, entlich in Tcodoßia an. Aus aller Welt. Die englischen U, C. L. B.-Logen für -Palästina. D:e rn Alonckrster tagende Iadre-kenjerenz tu engl. U. C B. B. Logen nahm eine Re'cinuon cuist>mmig an. wonach sich der 'rörn mit der Zionistischen Wellor« ganrjation iventifiziert und den Aufbau des jüdisch nationalen Heimo in Palästina als eine inner w.-cktigstui Ausaa'-en betrocktlt. Die Demission von Ben-Zwi abgclchnl. Wie wir dererti) in uujeru letzten Nummer gemeldst baben. hat I Ben-Zw«. der Bertreier der palästinensischen Arbi'lterickast im Adv'iory Coucil iPnlüstinensiicher Staatsrati sein .'mt n:edkrg!äect Sieben erholten wir aus Palästina die Rachrrckt. daß drr Oberkonunisi.u >^ne Lemrssion : :ck,t angenommen Mt. Die Einwanderung nack Palästina. TuLberlomwifiarjnrPalästina. Siröcctert Samuel, teilte mit, daß die Einwanderung nach Palästina sich den vorhandenen Ardeitsmöglrckk»ilen anpasierr 'olle. An Stelle des Einw.intrrnnasvcrMtkS. das ß't Arnong Mar vorübergehend in Geltung war. tiilt eure Rcpelui'g derart, daß zunächst solche Perionen das Land betreten durj.n. welche >.m Besitz von Mitteln find, wrlckc bcstrmmte. tür Palästina ujorderlict:e Bktuie betreiben, welche eine le-vmmte Beschäftigung nacklr.'isen können, welche mir im Lande wohnenden Puion.n nahe verwandt find oder welche da» Land alä Reifende desnchen. Auch diejenigen Personen, welche zur Zeit dev Einwanderurrgsverbotes brreits sich nach Palästina emge'ckisit hatten, rollen hrneingelossen werden. Ter Lberkvmmissar wandt»- sich alsdann den kürzlichen Unruhen in Jaffa tu und erklärte, daß solchen Dorgttrgen künftig vorgcbaut werden solle, und daß eine strer.ze Bestrafung der Schrrldigen emtreten werdu Neuentdeckte Briefe des Baaisthem. Ter bekannte hebräische Schriftsteller Higel Zethrn macht in .Haiwri". New Pork, Mitteilung über währenb der russischen Revolution «nfaftc Briefe der Basischem an seine Freunde und SchülchU. Aus den Briese-u die von großem bistorrschen Dett find,..geht u. a. hervor, daß er nicht, wie die Sage t^ählt. So»» eines «nfachen Dorfjuden, sondern daß je» Vater Rabbmer a-a» Das jüdische Gchslwerk i» Wie». Das vom jüdischen Schalvemiu geschasseue Schulwerk entwickelt fich günstig. Das fltariftomdU» unsacht bw reits drei Jahrgänge in 7 Klasse« mit S50 Schüfen^ Die im Vorjahre «richtete DoÜLfchutr. LWLgasse wird durch die Eröffnung der zweiteu Klasse erweitert. Eine neue zweillaffige Volksschule wird bMUächst Tabor» straße 29 eröffnet. _ Bübrreieu eine« Amtsblattes. ®tr .Mietbach« Xn)n(R', b«i die jetftignt nifle leinet Leset otii de» •dfe z» befnebii« «ersucht, Hut wieder einmal unter her Ueberschrift: .Ei» SM Mt» ou*" einen Artikel gegen den .Berliner kanHall' «er» bffentlicht. au« dem Xnr iw« F»l»ube »iebergeden «bchteu: .Wegen Sesthrbn« der binchreinheit, erzdhlt un» Gehler, Hut er den ,Mie«bacher In-eiger' verbaten. Da« ist naiarlich eine Au«rede, denn wegen Gesihrdnng der »eichteinheit »iißten »u alererst die Geßler, »athenan, Schiller. Grabnauer und die anderen «trgierung«»TeiteIe« verboten werden. Jawohl, westen

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