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Jüdische Volkszeitung · 1921-04-22 · 16 (22.4.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
27 (1921)
Issue
16 (22.4.1921)
Date
1921-04-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wenn die Eederseier ihren Höhepurkt erreicht hat. venu die Erivsungswuad« erzählt und die Sedersymbole erklärt sind, dann steigt aus tief devegter Brust das Dankgebei des Juden in einem jubelnden Hallelujah empor zu de« Gott« der Düter. .der und herouSgeführt hat von der Kneritschaft zur Freiheit* — rvnn> nruvn. Wie der Frühling mit neghatter Gewalt die Zwingherrfchast des Winter» zerbricht und unsere Häuser und Herzen den Strahlen der Sonne öffnet, so kommt zu un» da» Peffach' fest und fingt unL den Jubelhymnus der Erlösung aus schmachvoller Knechtschaft, verkündet un» die tröstliche Gewißheit. daß der Weg in die Freiheit, den einst unsere Väter gesunden haben, auch un» immer und immer wieder offen steht, wenn wir nur stark genug find, ihn zu gehen, .und nicht auf diejenigen hören, die .Ivp rrcyoi rrp vor atemlosem Dienste der Welt den Auftrieb der Seele ^Aon^her^nechtschäss zur'FreiNt^ Auch wir Juden Deutschland» haben noch ein großes Stück Mizrarm zu überwinden. Dann werden wir uns endlich von dem seelenlosen Nützliakeitsstandpunkt sreimochen. an dem der Einzelne und die Gesamtheit ihre Lebensführung orientiert? Wann werden wir uns« Lun uick> Lasten nicht «ehr an erster Stelle von den Zielen sorgloser Bequemlichkeit und stumpfer Seßhaftigkeit leiten taffen, sondern von den Forderungen unsere» geistigen Lebens, uns«« übeizeillichen Aufgaben? Immer mied« raffen wir Juden un» auf zu einer würdigen Lat de» Geistes, zu einem Opfer für die Idee unseres Judefeins. — und immer wleder will Lauheit und Egoismus das Werk verstümmeln. Wann wird endlich Israel, der Gottesstreiter, üb« fein niedrigere» Ich: Jakvd. den Doificht'gen ttivrrphinrn? Vor wenigen Lagen gründete Dr. Max Naumann in Berlin den Verband nationaldeutsch« Juden. Die Ziele dieses Verbandes entsprechen genau den Grund« «sanken d« Naumannschen Schrift .Vom nationoldeutschen Judentum", zu d« b«eits in uns«« Nummer vom 4. Mürz 1921 hinlänglich Stellung genommen wurde. Jede« Arden. d« sich ein jüdisches Herz bewahrt hat. muß die Zornesröte ins Gesicht treten, wenn « von d« Gründung dieses Verbandes chvrt. der jene Gesinnung utilitaristisch« Abhängigkeit atmet, die im Begriffe ist. das deutsche Juden» tum zu Grunde zu richten, Um die treu deutsche Gefinnnug zu dokumentierrn. beraubt man das Judentum jede» pofitiven Inhalts, verlästert die arideren Juden als landfremde Zionisten oder al« halt» und wurzellose.Zwischenschicht". gibt die Ostjuden der Willkür des deutschen »nd polnischen Antisemitismus drei», macht vor den Halen» kreuFern eine recht tiefe Verbenquna und spricht: Seht Ihr. wie gefinmmgSlrru wir find? Wir Helsen Euch das Judantum Ivtschlagen. Vir sage« un» von allem Jüdische« lo». Daß wir al» Juden geboren find, können vir freilich nicht ändern; da» ist .eine Latsache. rin Schicksal" (Leusel, welch »erwünschtes Schicksal k) Dafür ist ab« auch uns« natiomakdeulsches Fühlen prima prima! Nun müßt Ihr uns auch wirklich al» Deutsche anerkennen. — nicht die anderen Juden, ab« un» natio«albeutsche. Wir versagen es uns. aus den haarsträubenden Vld« finn näh« einzugehen, d« dari» liegt, daß das Judentum wohl uni« Umstünden eine notranoU, ab« keineswegs eine Neligjiousgemeinschast sein soll In nationalen Fragen «kenat Naumann die aemeinschaftsbildende Kraft des Gefühls au. in religiösen fragen »«leugnet « diese Kraft. Mit welchem Recht? Denn R.^nur eine blaffe Ahnung von Judentum hätte, so wüßte «. daß das Moment historisch« Zusammeugehürigkeit und das Moment religiösen Fühlen» im jüdischen Gemüt eine untreuubare Einheit bilden- Kür diese Gesühlseinheit hat da» Judentum den Ausdruck .Klal Ji»rve!" geprägt. G«ode da» Pestachsest. da» eine nationale Erinnerung in die religiöse Sphäre v«legt und sie dadurch für die tausend Geschlecht« Israel» »irfiam «ob. tijkriOTlMti gMn UtJkrn .$£«*<« Zeuge für den PlaJ JiSrvel-Gekwnkeu. Doch von ak«em weih d« nationaldeutsche Jude nichts. Er starrt nur Hhpnotifiert auf die nationale Parole der Dentschvölkischen. Und da «. um d« dreimal heiligen Gleichberechtigung willen, vor kein« Selbstverstümmelung zurückjchreckt. so schneidet « am Judentum nach d« völlig verfehlten deutschnationalen Schablone herum und — macht sich zum Sklaven Mizraims. Wir. die wir mit ganzem H«zen und ganz« E«le Juden find, lachen üb« da» neueste Kunststück unser« entarteten Dekadenz. Wir haben es wahrlich nicht nötig, uns bei den Antisemiten durch Gefühlsbeteuerungn» anzu» biedern. Als treue Staatsbürg« tun wir uns«e Pflicht. Mehr kann niemand von un» verlange«. Niemand wird un» dah« unsere Bürgerrechte schmälern dürfen Uns« Judentum ab« ist un» etwa» Heiliges. Unantastbares, das wir uns durch die Folterungen d« Nützlichkeit nicht v«. kümmern taffen werden. Ist es wirklich so? Machen wir wirklich kriue Kon» zeffionen an deo Opportunismus, wenn es fich um jüdische Fragen handelt? Die Antwort aus diese Frage wird einigermaßen in Zweifel gestellt, wenn wir an die neueste Resolution des Zentratverein« zur Palüfiinafrage denken lsiehe Seite 3 dieser Numm«). Diese Resolution ist ei» bedauerlich« Rückfall i» d" alte Politik d« < Herzigkeit gegenüber den Fragen de» Gesang" und umso bedauerlich«. all bereit» führende Zentralderrin« — so Jnstizrat Hirschder,' seinem kürzlich gehaltenen Dortrag .Av^abm des DOM» Judentums" — volles Verständnis dafür Hoden. MQJ Mitardeit aller Juden am Aufbau des Heiligmselbftverständltzche Pflicht ist. wen» «ich — r“ dicht — dies« Ausbau .m «st« Linie das Ziel i jüdischer Politik" ist. Daß wir auch in unseren Sch»!' »»d G»»«iG augelegenheiten noch nicht zur vollen Frnhetk \ find, daß selbst hi«, am unmittelbar« Leben»» deutschen Judentums, oft kalte und wqnem» ' Politik getrieben wird, haben wir in bn lebt« Z« genug mit Gefühlen bitteren Schmerzes seststell« i Doch vollen wir heute, am FrühUngsfeste d« Be nicht noch einmal die Schatten des Wtvters deschwbre». Solchen» wollen uns frenen. düst i» i Jugend die Sehnsucht nach Ganzheit des jüdisch« t »mm« stärk« wird, daß d« Gedanke d« Jüdisch« f immer neue Anhänger findet tdie Breslauer Jl Schule hat «ied« eine neue Klaffe out einig» tOAH eingerichtet-, und daß man im ReligionsschuÜbsß« sängt, mit d« alten Shsternlofigkeit zu buch« wb Erl«nung d« hebräischen Sprache mit planVnffiW > in Angriff zu neßrnen. Für uns Breslau« ad« lammt Grund hinzu, mit frohem Mut in die Zukuußt zu s Am Peffochsesir wirb Geweinderabbinee Dr. n tat Bert lcnt< uwerge^lutn BotaKRTl Sr. «n dt« rntf^tibtnbm Punkt« sorlfttzi» »irti Dkrlusing und Brrinn-rlichuuu uns-ir« rdÜ>13s» kullnrrllrn L-bm». an der CnMainp unotrlMUtoi j"'‘ Fddlen» an «der Heraiti-duuH «uu» ieUP» rJ ganzer Juden. — tui|: an der inneren Vefi deutsch»» Judeuheil. Wir hassen ined-sondere^ hn|^ de» tnUantritt Dr. Hossmannl auch kt_^' * * Pabbinat» der >lte» EyuagaP» aus dt« i gesthrt» Gesaoilorgauisatio» de» Nettst» den »ssrnllichen Echulen in dem Diude kann, wie «O di» Bedeutung dieses Biatdinaß» Dr. Hossmann iß uns aus dem WegnTHYl ttl wahrsten Ginne ein rnpn v*M. ein SUn her s Wir rufen ihm bei seinem Pmtsantriti au» m~ zu: fBtul pm .Gei stark und sestl^ .Van der Knechtschaft zur SieiheitI' I» 1 Wortes habe ich mich bemüht, hi» .Jüdische B wdhreud -die» Winter» >» leite». Um mich der i des Judentum» ganz zu widmen trete ich setzt znrchst scheibe mit der Zuversicht, dast her Wqz des __ immer mehr zur Sreihrft »uh zur Wahecheir sgtzmme wird. Dr. P. t i „Um drswillk». was Gott mir üetan." Predig« «Br da« P-stachftst Eg. z-d-ein, b, Wt e,»»gez, Wi jadi ch.Id-e>ezH<d->> e-m.noi« een S-wiiuiTrettm-T Dr. O tzeTeeitz f. >. Meine Andächtigen! s» wird eqdhlt: rladbi Chija und Rad bi tzimean wandrrtrn «tust in d-r Aacht durch rin dunkle» Lai. Da begann der Himmel IM Osten sich langsam und kuum merklich zu rdten. und es zeigte Rabbi Thij« zum ndchilicheu Himmel hinaus und sprach: Siehst Du dort den L'chtictimmer im Osten, den Aorboien de» Zagt«? 7>rp’ vm ln^KJ n-n -jr Solcher Sri ist die 'Srldsnng Jtrael«. Im Anfänge gleich! fie einem kaum sichldaren Lichlscheiue am Himmel: aber da» Lichl wachst, steigt immer hüber bis die Sonne strahlend aulgeht und Himmel und Erd« mit ihrem Lichte überst iei. Dieser Gedanke findet seine besondere Anwendung auf den heutigen Dag. der an di« zukilnstige Eildsung der M.-nschheit erinnern soll, von welcher di» Erldsung Jlroel« au« Aeghplen nur ein Vorbote war Aber diese Rutzanwendung wollen wir nicht machen, dielmebr nur im Allgemeinen lumerken. da:: R'.bdi Ehija hier eine Eigeniümlichkeft genannt hat. die ü>.lh upt den Daten «otte« in der Geschichte zukommt — Im Anfänge kaum bemerkbar trete» ihr« Wirkungen nach und nach immer mehr hervor: fie wachsen ioznsagen und reift» mtt der Zeit, »ad ihr» «edeutvn, gehl immer Heller unh strahlender dem Bewu)Is,in der Menlchem aus. So erinnert dal Pestochsest an eine Begebenheit, dje sich in grauer Borzeii zugetrageu hat und deren Dragweite big, Zeitgenoffen sicherlich nicht im eniserntesten nimm konnten. Uns aber rnlhüllh, fich ihre Bedeutung immer mehr. Der Auszug au» Akghptru osftubori jeder Zeit eine neue Seite, Hai jeder Zeit etwa» Besondere« zu sagen. Dorum heißt es in der Schrift, daß wir aus di« Frage, warum wir dos Pestachsest feiern, antworten soll»,: -7 'n nry nt nupa um desteuiwile». war Gott mir Setan. Da» bedeutet: nicht daraus kommt es an. war der iurzug au« Aegypten unseee» Borsahren war, landein war er uns ist. — Und so wollen wir auch bei der Beantwortung der Frage nach dem Grunde und der Bedeutung Unserer Feier eine Ligrntümlichkeit. einen Eharafterzug unserer Zeit berückstchtigin-es ist der Zweisei, d>« Reigung, alle» in Frage zu stellen. Unsere Antwort soll gleichsam an die Zweifler gerichtet sein und laut.-«: Wir seiern da« Pestachsest nicht »egen eine« Wunder«, da« unseren Borsahren geschehen ist in langst peigengenen Dogen, sondern wegen eine» Wunder«, dos wir j-lbst erlebt und da« niemavd leugaen kann; '? 'n nry m -toj« um deswillen, was 8oii mir selbst getan. Wie wir das meinen, wollen wir sogleich zeigen. Mein» Andächtigen! Ein Weiser de« AUeitum», der lange Reisen zll W-ffer und zu Sand« Gemacht halft, I viel« Länder und vieler Mensche» Städte Gesehen, dm hft 1 de:ähmtesteu äkultiirstätten der alle» Well ausolsnht hnlstw I wurde oesrogl: .So» ist wohl das grstzt» Wunsel, »AI Du aus Deinen «eiten Fahrten Gesehen hast!' WG »I -utwartete: .Da» gidßte Wunder ist, daß ich voi uns vier gednnmru bin, daß ein jchwaulrnhe» I den Sellen mich über Abgründe und Diesen n trug.' Anlwortet auch Ihr. mein» Anti jenem Weisen, weun Ihr geftaaet »erdet, grbßte Wunder sei. da» Ihr aus Eurer lau»» 1 gelth»»-und Ihr habt viel, «ar w( (■' Ihr Banbnl ichon seit Jahrtause««», och Euch aicht d,r flüchtig« Fuß» Ihr hatt hi» Grtchtm G der alte» Weil aus der Hdhe ihrer Wacht gesehen, s sie aussteigei! gleich Sternen am Himmel, och Ahr 1 auch ihren Fall erlebt, sähet, wie et» St«t »ach I anderen erlisch, und wie merkwsrdig war» dir Schtchs bi« Ihr ft.: -I erlebt! Wer konnte «I dt» Rnnm» hallen, die Stamm der Länder Mid Städte, wo Ihr me , der- Ltrbme und Meere, über di« Ihr gr^fea ftGk' Ach, da» Gedächtnis schmerzt«, wen» man wollte. Gewiß, Ihr habt viele», vieles gesehei och 1 wenn Ihr gesragt würdet, was wohl da» grdßi»! sei, da« Rr gefthen.^dann antwortet gleich jnwm Wchftftr 2 Da» pbßte.Wnvder ist, daß wir mm Vbat oM WW.j

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