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Jüdische Volkszeitung · 1921-04-08 · 14 (8.4.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
27 (1921)
Issue
14 (8.4.1921)
Date
1921-04-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Einfache, schmucklose Möbel bilden da» Inventar; Bücherregale dedeckea die WÜnde Da» einzige Fenster blickt Henau» auf da» grüne Zweiggewirr der Bäume de» Garten» und der Promenade; weit im Hintergrund« ist da» Bild und der Lärm der -strotze vernehmbar, 'ober nur blaß und gedämpft: Do» Zimmer ruht vohlgeborgen im Schotten der alten Bäume. Hier ltbte ein Dierteljahrhundert Dr. Saul Horovitz; hier war seine Welt. Nirgend» fühlte er sich so glücklich und sicher wie in diesem seinem kleinen Reich, wo er gelernt und gegrüdelt und — gelitten hat. fernab von der Niedrigkeit und Trivialität der Welt. Die Menschen konnten ihn wenig, aber er kannte die Menschen nur zu gut. Wie hat e» ihn geschmerzt, wenn er ihr geistiges Prctzentum. ihr hohle!', unechte» Patho». da» verlogene Anpreisen ihrer Talmiworen ansehen mußte! Tenn er hotte einen scharfen Blick für die Gebrechen unserer Zeit, vor seinem überragenden Geist lag da» Denken und Wollen der Menschen osten wie ein auigeschlagenr» Buch. Aber wie sehr er auch wußte, daß gerade der Scharlatan und Phrasenmacher Aussicht aus Macht und Einfluß hat, so lehr verschmähte er e». der Menge zu lobhudeln, ihre schwächen geschickt außzunutzen- Bet ihm war jede» Wort wahr, echt, ungeschminkt. E» war ihm unmöglich. einen Gedanken ander», al» in der einfachsten» schlichtesten Form auSzusprechtn. »ud »r zürnte dKken. die eine klare Aee durch gekünstelte Floskeln demkel und kompliziert machten. Jedoch, ernstlich Haffen konnte er selbst jene .Windmacher' nicht; dazu war seine zarte, gütige Natur nicht imstande. Er lachte nur über sie und — schwieg Er schwieg selbst zu dem schweren Geschick, da» er zu tragen hatte. Denn die jüdische Gegenwart wird bei ehrlicher Selbstkritik zugeben mästen, daß sie diesem Großen in Israel nicht die Stellung eingerüumt hat. die chm auf Grund seiner Persönlichkeit zukam. DeU er bescheiden und zurückgezogen lebt« und alle Ehrung« ablehnte. bat «an chn vielfach vernachlässigt und einsam durch» Leben gehen lasten und chn nicht g«ug vor der rauhen Gegenwart und bÜ«kratifchev Härten geschützt, llnd erst al» Krankheit seine Kräfte verzehrte, begann man sich baoußt zu werben, welch kostbare», unersetzliche» Gat iral zu entschwinde« drohte. Zu spät! Erst jetzt erwachen unsere Juden wie cknst der Erzvater Jakob au» dem Schlafe und sprechen wie m verwundert: 'njrr vr) '3*1 nm oipo2 »n br* }:* .Wahrlich, Gott ist an dies«» Orte und ich wußte e» nicht.' Und doch, einige Mensche« haben ihn yekannt. E» waren nur ivenige. and nicht bloß Männer seines geistigen Niveau», denen er — langsam und zögernd — sein Herz öffnet?- Denn »och höher al» Seist es kultur galt ihm ehrliche» und warmherzige» Empfinden. So hat er besonder» an» seinem SchÜlerkrrise junge, noch ungelehrte Menschen seine» Vertrauen» gewürdigt Ind wem diese» Glück zuteil geworden ist, der wird, solange er lelck. da» Bild de» großen Meister» nie au» dem Herzen verlieren. Der wird nie die köstlichen Stunden vergessen können, wenn Dr. Horovitz au» feiner Jugend erzählte und Heimatklünge unverfälschten jüdischen Leben» herouszauberte. oder wenn Dir jüdische Bildung unsercr Mädchen. In weiten Kreisen der Iudenbkit besteht fein Zweifel darüber, dah^ heute mehr denn je dre Erhaltung unierer TlaubenSelmeinschaft von der jüdischen Bildung m.serer Heranwachsenden weiblichen Jugend abhängt. Es ist nicht der Zweck dieser Zeilen, von neuen Gesichtspunkten aus diese Frage zu beleuchten, ueue Gründe an;u^lhren. um die Notwendigkeit ernster Arbeit darzulegen. -Nicht mit eigenen Worten wollen wir e» tun. sondern mit denen eines Mannes, dessen grnze» Leben Lernen u:td Lehren gewesen wir; unsere? bkling.-g-inc'.eren Gemeinderal linciS Tr. Rosentdal. oer Ze:I. cH neue Wi w der Bildung sich d;n ^r.n en. cr'chlvj'cn. (>y "...-.'l n und Loa.- schulen ihnen ihre P-ort-'N offneren. ichrud er im -',V I.ib.es' bericht der N<!>gi2::ca,'.staU I (ltdZd): er die Quellen seine» wunderbaren, ge,st und jeelenvollen Humori springen ließ, oder auch wenn er iu Politik und Geschichte Schicksale und Schuld der Menschen und Völker beurteilte und dabei impulsiv und drgerfterungssähig wie ein Jüngling die Größe und den idealen Schwung inner Empfindungen offenbarte. Tenn e» wäre die größte Derkeunang. wenn man Dr. Horovitz sür einen vertrockneten Stubengelehrten hallen würde. Vielmehr war er ein lebensprühender Mensch mit warmem Gefühl und mtt großen, edlen Seele, die er freilich scheu vor den Blicken oer Menge verbarg. So steht Tr Horovitz al» Mensch vor unserem geistigen Auge. Will man aber Dr. Horovitz al» Gelehrten schildern, so ist e» schwer, ein Gebiet zu finden, m dem er mehr als in den übngen hervorragte. Denn jede Wissenschaft, die er sich aneignete - und manche» konnte er infolge der Eigenart ferne» Werdegänge» erst spät in Ingriff nehmen — beherrschte er in der kürzesten Zeit mit unübertrefflicher Meisterschaft. Immerhin darf man wohl sagen, daß er im Talmud am meisten zu Hause war. Hat er doch schon al» 12 jähriger Knabe die Gelehrten mit seinem unglaublichen Wissen in Erstaunen gesetzt Sein Gedächtnis grenzte an» Wunderbare. Jede» Zitat au» dem Riesengediet de» Talmud» konnte er sofort au« dem Kopse an ferner Stelle aufzeigen. und e» hat ihn in den bktzten Jahren manchmal gewurmt, wenn sich ein Wort, da» er in erner befl'mmien Seite in ,>er 8. Znle suchte, in der 4. Zeile vorjand. Ader noch viel bedeutjamer für ferne Lehrtätigkeit war die Methode seine» Lernen», die Klarheit de» Denkens und die Elastizität der Kombination»- kraft, mit der er die schwierigsten Diskussionen aus ihren Kern zurück!üh:te und ft-jat den emscheidenden Punkt fand. &1 'von dem au» frch alsbald Licht über da» Ganze > Wenn er verwandte Stell« zur Kritik de» Stoff»» \ zog. so führte da» nie zur Komplikation. sondern W» pB Entwirrung der Schwierigkeiten. Wo sei« SchÜlee J»M einem talmudEchen Begriff fragten, entwickelte er ** sofort de» fraglichen Gegenstand durch den ganze» W——^ hindurch. Er war eben souveräner Meister, der spÜHW b,e Materie, beherrschte. Doch »an darf ruhig sagen, daß Dr. Hvrnüitz. mrnder groß wax m der Beherrschung fast fünttWhH mck> ne»er Sprachen. Ea gab kau« ei« Bach, nicht m ferner Urtpruche lesen bennte. ob e» nu» alt spanisch oder rustisch geschrieben war. Die perfische i da: er. »ie er selbst gelegentlich erzählte, a« ei»ß» tage de,« Frühstück ui 2 Stunden erlerut. Sr ta KeunUi»» der Sprachen, »eil er e» verschwähte. Kultur an der» kennen zu lernen, al» durch ihre I' Sv Hot « sich in ganz kurzer Zeit in dre jüdische f philofophee de« Mittelalter« hineingegrab«. indem RI s»r!s ven der griechischen Kultur, andererseit» da» de» < Löblichen Philosophie die Schächte bohrte. Gleichsam die Echoluug von eruster -idunkiiiiidM war sür chn die Beschäftigung mit der Homiletik. *,L dürste ki« tiefer, sonnige» Gemüt de« rützle« da» Gesetz geben. Wie konnte er die Schübe dB? sür dir moderne Predigt autzdar machen! Wer ebumck st Predigt «Mi Dit Hovevitz gehört oder gelesen ' wird die lichtvaüe Sprache und da» hevoische \ Gedankm ünvergeßlich fein. Auch au» der schönen Literatur, in der er glnchfall» erstaunlich vor. bat er die Gedankenwelt der Bibel in ei» liche» Licht gerückt und so sei»en Schülern daü war sie für ihren Beruf al» Rabbiner geßüwchW r! verwtfferte». tieftvurzelnde» jüdische» Nlsftv n»d rn n»em anspoechMven neuzeitücha Gewände. Zu früh ist Dr. Horovitz gestorben. «ehume -MstGEh. Werke hat er nicht mehr verwrrViche«. «ch« dÄMP. Arbeit genommene nicht mehr m Ende führ» “—^ Eine im Aufträge der .Sefellschaft $a Wissenschaft de» Judentum»' veranßalW» . Mechtlla befindet sich »och vor dem «bschs Und mit heiße« Schmerz find sich fedw wieviel der große Lehrer thne» noch hätte wen« nicht der Tod zu früh fetMn Mmck gi.. Aber ein» hat er smwn VchÜlnn dach «ach „ -epfianzt. was einst reich« Früchte tmam mich: kennlni», daß e» einen neue», vertiefte» nnd Rabbinerthpu», eine neue, der Lchre »ud dm» > gewandte deutsche Sndenheit za schaffe» gilt. DepMnM gegen die bequeme Selbfizofriedenhatt nnd de» SchMÜBgütz gnst. den unser Lehver Horovitz begönne, hat. den Mh» wir weiter trogen und nicht ruhe« bi» »tr ist» Siege geführt haben. 027^2 7n*» nnn m->i w-m aS *32^ mi * MUnb ich gebe euch ein neue» Herz, und et»« MH* Seist lege ich in euer Innere»'. Diese» Wort dB Prchchch» Iechesktl wurde am Sterbesabbath Soul Horovitz' vemchü» Es soll uns den Weg in die Zukunft fahren. Dr Pr. R, .Die t5iwciteruiig imd Prrti.sung nuex religronsisten sck)crs:s:chen Aucdilo .i'g d s wcidlickieii l^.jck'kct'ts ei.rspnctt dem Zugr der Zeit ».ck nncr mehr 'elt-stänblzen LkeUung der Zrau im -opaltn L-ben ui d c::.n rfnrei'clu.ig. ihrer wiisenschosl',ttitn ^ildu»'.. im AUgrme-u:n. <5c. mutz r-ic reli.ponswifl.'njchisUiL.e Bildung mit ter all-euiein wissenschattlichen glercten Stritt hallen, w::w sie nickt altz mink-eiweetig ena.eüren ioll. Bei Mn fiä immer wiil(c monkmten Wirkun -.-i e des wndr'ae". t'it'll leckrts auch im allgemlincn und vne:ulick.en Lebe»', te'ari es aber auch der r.l'qiö'en Bildung n;hr als Schutzwelir '.e.-eu gegf-en>.r e (.''iistlstc v.n autztN. als dies fri!t)tr der ^ewelen. to ^ie B-:ü";;n, **l.ärc broirlirn ani d-s Haus und die Fiimilre 'll.'. D'e j>:di'l.e F:.7'i muß aber vermöge ihrer religiösen Büdwig m die Lage gebracht werten, diele religiöse Schubw-hr auch innerlalb de» Hause» ihren Kindern, M geivädren. T>e größeren -Inforderungen. welche die gw steigtilkn Beöursniste de» Leben» und der Kultur bei d« rrhotzleii Schwieri^kciten de« Erwerb» an den Famiü«» varcr stellen, machen eö ihm fast unmöglich, sich wie i»' jruderen Zeiten dem Gebote der Schrift gemäß t» z re:ck.endem Maße persönlich mit der religiösen Uutenvchfngn'- der Kruder zu dekckäst:gen. Um so mehr ist eS die PstiM' der Mi.iter. ter icli.jiölen Grpehung der Kinder etm' c,^ ö^le Fürsorge zu widmen Al» ein hohe» und höchstB P.ldii-r.'l wno von unseren Weise» den Frauen anqerech«t, diß sie mre lUndedem ^ütteeHause und der Schule pft» st«! reu. ste zum 6kLS.se an'nlen und den Unterncht dnrch Grz-eh i'g u -d ei piel im Haufe fruchibar macheu (Z^lknt zu Iefsj Diesel Pflicht müßtm die Mütter t» Zsiael, denen der lblaube der Väter tief» tm Ham»

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