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Jüdische Volkszeitung · 1921-04-01 · 13 (1.4.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
27 (1921)
Issue
13 (1.4.1921)
Date
1921-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Während Solomon Sulzer m Wien sich große Verdienste um den synaqogaten i^esang erworben batte, hauptsächlich durch sein monumentaler Werk .Schrr Aron' und durch Schulung eines vortrefflichen Ehnagogenchore». die Solomon Naumbourg in Paris als züdiich« ttutlgriängr mit Beitrügen von palevy und Pleyerbeer herauSqad. wirkte Loui« Lewandoweki in der 2 Hälfte des 19. Jahrhundertin Berlin nach Sulzers Vorbild Sowohl dcr Vater, wie die Mutter Lewandovskis stammten aus allen Rabbiner. und (.fitlehNeniamttien Der Vater, ein Kaufmann, nebenbei gerichtlicher Dolmetsch für die hebräi!che. deutsche iind polnisch« Sprache, erteilte fernen tuns Söhnen selbst den Anfangsunterricht und machte seine Kinder schon in frühester Jugend mit den lehren der Judentum-» uno den rellg'ö'en Gesängen dek.in,>t. Sogar mit dem damals berühmten R. Akiwa Eger Nand er m regem Biusweckskl über talmudische Fragen - Dcr kleine Loui». der zungste von den fünf Sahnen, michte de» dem ersten Untmidit dco Vateis sv erstauirliche ^ort'chritle. daß der Vater ih-i schon :nrt t> Jahren mit den Lehren der Mischna v^rlraal machte, einem Studium, dir er bist: ienia -r'a'.iitizwod tneb. Ter Vater, der selbst an den hohen Festtagen im rempel vor betete, bereittt. den Kleinen samn dadurch r\ seinen künstigen Vcrus - vor: er sowohl wie seine t;er Bruder langen m>1. Loni-a graste n.ufitalifdie Begab ng. ec: allen Dingen feine sü.one Sopranstimme und der uneigennützige Untcrricht beim Vater, eisparten ihm ipälcrhln viele Jahre mühseligen Studium; und waren iniaiern em großes tvlück 'Nr ihn. a'.s die materiellen Verhältnisse im Altern- Haufe sehr schlecht waren und sogar oer llet:*e ttouiS sich 'einen L.bensunterhalt suchen mußte. Außeidem hatte ec da- Unglück, sehr früh seine Mutter, die ihn so innig liebte, zu verliere«: von ihr hatte er das ti-ic Verständnis für Mulik als Erde erhalten. Schon rin Aller von zwölf Jahren mußle Louis das Vaterhaus verlassen, mi! den Geleitworten des AatcrS: .O mögest Dil Gunst und Wohlgesollen finden in den Augen GotteS und der Menschen" und einer Barschaft von zwölf SilbergrosL-en machte er fich auf den Wrg. denn eS ist anzunehmen, daß «r die Reife nach Berlin größtenteils zu Fuß zurückleqle. Durch einen Gönner. der dem armen Knaben den Besuch der Gymnasiums ermöglichte, konnte er sich die Allgemeinbildung der Zeit erwerben. Seine schor.r Svpranstimme salv Solofünqer in der Synagoge) erregte so großer Aufsehen beim Gottesdienst, daß der Philontrop Alexander Mendelssohn, ein Enkel MoseS Mendelssohns aufmerksam wurde und den mittet« lesen Knaben in fein Haus nahm. Dar Mendelofohn'che Haus war damals der Treffpunkt de'' ersten Künstler Berlins. Louis. der auch ern guter Geiger und Pianist war. spielte aus beiden Jnstiumeiten vor und beschliß. nach den glänzenden Talentproben auf Anregung Mendel-' s«hnS fich ganz dem Mufikstudium zu widmeo. Rach Ab'oloierung des Gymnasium« hörte er Vorlesungen an der Berliner Uniderfitüt bei dem Gluckdioqrapden Profeffor Marx über Musikwiffensck ast und Akustik Sern sehnlichster Wunsch war er nun. in der Akadem«e der Künste, der heutigen Meisterschule für Munk, die an die Staatliche Hochschule sür Musik angegliedrrt ist. ausgenommen zu werden und auf die nur ganz besonders Begabte zugelasscn werden. Damals waren aber für einen Juden die Tore geschloffen, beute. wo die Kunst eigentlich interkonieffionell sein soll und ein jüdischer Musiker wie Gernsheim Jahr- -ehnte hindurch als Lehrer wirkte, besteht diese Verfügung nicht mehr. Trotzdem bestand der iunge LewandowSki darauf, die mündliche und schriftliche Aufnahmeprüfung durckzusctzen; er mußte ein Klav,erw«rk für großes Orchester bearbeiten und zwei geistliche Chöre komponieren. Durch Mendels« fdynr Fürsprache wurde nun mrt alten Traditionen gebrochen. Lewondovrki wurde als erster Jude nach vorzüglich be» ftaudener zweitägiger Prüfimg als Schüler ausgenommen «d wurde bald einer der Lieblingsschül« von Grell und I vwi^enhagen. tein^ Direttor der Singakademie. Im Jahre I Der Ausklang des Pogrom-. Kongresses. Wien. AnlSsiUch des Antlse»iteniageS ver auttnlteteu einige banbert lange Pente, unter Durrtzbrechnng des Polizeikordous. wüste Ans. schreitnageu auf dem Ninq nud der üarntener Ltraste. Lie drangen in Hotels und Kaffee hänser und verprügelten „jüditü» aussrhende" (Aaste; Ttrassendabnwagen warben angehalten, einzelne Persouen darnnter ein hvher ausländischer Beamter mit seinen Damen ans Automobilen gezerrt und beschimpft. Die Polizei verhaftete 25 Personen Im Wiener Gemeinderai wurde auS dn!em Anlaß folgende Interpellation emgedracht: .Im Zeichen des Hakenkreuzehaben Hochschüler mit und ohne Eouleur. ehemalige Offiziere und Kadetter.schüler so große Zerstörungen und Veiwüstungen anoerichtet. w'e sie bisher wohl de, keiner Temcstrit nn zu bemerken waren Von Sachschäden vec:oeis«n w-e aus Aertrümmerungen von Scheik'en und 2^ernü'tlin>»» .Innern der städtikcheil Straßend^dnwagen!.nd ^er Pr.übnrger l5lek'rischrn Ferner auf das Eniichlag i großen Spiegelsch.-ibeü bei zahlreichen Gejchältslokalen. Kinos. Hotels uiw 'ow-e 'Ve'chädigungen von Autos. Die von Ierzudek und Rrehl. autgehetzte Menge .mst bandelte Passagiere in den Slrußeiibchnwugkn, schleppte sie. wenn sie jüdisches AuSfihen hatten, auf die Straße um »ie dort «st blutig zu s-htagen. die Leute drangen m K-iffeehüuser ein. wo es außer den Vt'ßbandlnngen no-.' mehri'i'he Diebstähle gab. harmlv'c Spazieniäager. w.lche im Verdacht ftanbtrt, Juden zn uiu. wurden onvttudt entsetzt ftlehe::k>e Fraurn und Mäd.t en verfolgt und m ab 'cheulicher Weise zugerichtet: selbstverständlich achteten fich die Angriffe auch gegen die Sicherhe>tswache. weiche schwere Berlehunaen von vier Äachorganen zu d klagen hat Bravlers Geschäfte. Müoche». Der Student Karl Braßler. der m der nationalistischen Studentenschaft und in der deutsthnationalen Bewegung e«ne führende Rolle tpiette. wurde vom Münchener Shöffengencht wegen -.-ines völlig gnindlofin antisemitischen Angriffs auf den Zahnarzt P»ck zu einem Monat t^iängnlS. der Mitangeklagte verantwortliche Redakteur brs .Völkischen Bcodact ter" z Black ^-eldffralr »eruteilt Wie die Gerrchteverhandlui-g ergab, bat jrch Braßler den verleuindrrt'chen .^rtilel van einer eifersüchtigen Hiau. m-r 17<K» Ptark zahl.".: 'affen und dann de.» Marerrat ihr I'J0<> Mark anqedoten Auch der mitbeteiligte Per rrauensmann des t«utich,oLl!,ichen Schutz und Trutzbunde^ Hoster. lieh sich von der Frau als ^.Vorschuß" 15<F» M' cmSzahien. Der Artikel wurde kann am schwarzen Brett trn mehreren deutschen Universitäten angeschlagen und zur antisemitischen Wahlaaittzt'on aiirgewitzt DaS Gerichturteil stellte ausdrücklich |»ft. daß Vraßlec den.ar>tilemi> tifch.LN Kampf nicht aus ehrlicher llrderzei'.gung. sondern aus Eigennutz in der verwerflichsten Weist geführt habe Braßler. der noch m mehrere ähnliche Fälle verwickelt ist, bleibt übrigens bei seiner Behauptung, daß dir Mü'ichencr Polizeidlrettion föc seine allüfemitifche Agitation ,hm gewtffe Polizeiakte zur Verfügung gestellt habe. Das erste Schiff unter jüdischer Flagge. In Neuyork wurde eine neu^i^esellschaft »Palestina Asvigation Company' mit einem Kapital von Million Dollar gegründet. Der erste 15 OOO-Tonnen-Dampstr dwser Grfellfchasl ist nyn von Reuyork nach Palästina md *ina Ladung von Lebensmitteln und Baumaterial aus« efvhren. Während bisher die Seefahrt nach Palästina meisten» unter italienischer Flagge erfolgte, führt diese- Schiff zum ersten Mast die jüdische Flagge. Vlau-Weiß mit dem Daoidfchild. _ U60 trat er sogar all Dirigent «rd Komponist im allen Operntheoter Kroll am Küniglplatz mit einer Symphonie an die OeffenUichkeit; in Gegenwart^dG samten Lehrerkollegiums und eines auserwühlten kreise», darunter viele Berliner Tonkünstler, sührster eigene Komposition tür großes Orchester auf und Hagen sprach sich sehr lobend über dieses Werk, sotvio sein Dirigiertalent aus. Wie das Schaffen eines jeden Künstlers von Eindrücken abhängt, können wir auch bei beobachten Eine lange, schwere Krankheit lenkt« Sin» von der weltlichen Komposition auf sei» Schoffensgebiet, nämlich den jüdischen Trmvelgesang. vergessene Iugenbeindrücke wurden wieder in ih» Ta» Bild temeS frommen Vater« und der potti Mutter traten, wieder vor ferne Seele. — Kau« jährig wurde er 1840 schon all Chorleiter und an die alte Synagoge berufen. Durch di« ali>üdischer Orlginalmeloditn und vor allen Dingen durch schöne Stimme trug er viel zur Hebung des Gotfi ' bei. Die Gemeinde scheute keine Kosten und Lewandow»kl sogar nach Wien, um Dulzer. der ,m Seitenstettentempel vurdetete. zu hören, und der ctl<* Sänger wie als Komponist de« schon .Schir Zion" einen Weltruf hotte. LewandowE dmch Sulzer angere.it. lein erste« bedeutendes Wert ilnnay u t'fill.id'. .Stimme de« Gesanges und des * l.ie die t^iänge jur sämtliche Festtage und den emhält. ein. und zweistimmig. E» erschien 186b zn 2', zähiigen Amtsj.-bikäum; für'ferne Verdienste i^etarte der weltlichen Musik wurde er mit 'tat eine«. königlich preußischen Musikdirektors ausgetzM Im Vorwort zu seinem „Aol nnnab" betont Lewaühütz fz.nz besonder« die'Bedeutung'der jSdffcheuOmrgMW .Ter musikalische Ausdruck für unsere Gebettvets» Ist deiliges Erbe, geschaffen ohne musilalische B'ldunß. knittchc Untersuchung, einzig und allein der srvMM« ,mittelbare Erguß heiligster Inspiration; und wenn auch die Spracht unjerer Väter verternt fioben. das ständnis für ihre und unsere herrlichen Tonwei'e« wir wiedergewinneu. dieselben rrhalttn und pflegen; emp'ünbe nicht m ihnen die Geschichte unseres BoMrt! Da Lewandowski den Dordeter als de* ^auptttH des Gottesdienstes ansieht. Hot er dem Rezitativ di« grt sorj'.jalt zugewendet. also dem einstimmige« Gesa«*., bikannilich. wenn er die Stütze de« Instrumentes entbel die schwierigste Kunstgattung ist. Der Chor,' anch kleinere Gemeinden, ist nur zweistimmig, ohne instri B.gtiltungi gerade in dieser knappe« Form Lewan dowSki Bedeutendes. — 1866 wurde er an Mr Synagoge berufen. In dieser neuen AmtStätiakett sein zweite« große« Werk für vierstimmigen Chor w'simro': die Chöre, die er fto Trie aUt komponiert hatte, versah er nun mit Orgel! darunter auch viele jüdliche Wersen für den. Startet« harmonisierte tradittonelle Melodien, wie das Kok 9T dcn Kaddl'ch für .Tal und Geschem'tTau und Siege») . hne dadurch dem Jüdischen seine Eigenart zu rauta. ^eme Gesänge, die so eng mit de» hebräischen wachten find, werden ru,mer ihren Werl behalte*; fi ne zahlreichen deutschen Psalmen bewahren tief relin tffilst; davon fiab sogar dem kunstfinmDM « Ludwig il von Bayern gewidmet. Besonders fu ist seine Rhapsodie hebroique für Klavier, btt « Stubinstein. dem bedeutenden jüdischen russische* Kvi gewidmet hat; fik eithüll Paraphrasen über die vymne. da» Kol §!idre und das Joaleh Gebet, meisten weltlichen Kompositionen weit über 40 lw, der Preußischen Staatsbibliothek zu Berit*. Einen bedeutenden Xus verschaffte fich Lewa, . auch als Lehrer: viele seiner Schüler, die te*te nach Kantoren m großen Gemeinden amtieren, mbantai seine Ausbildung und rühmen seinen vortreffüche* Für die jüdischen Knoden« und Mädchenschnls* st er selbst für den Unterricht ein« große Anzah Schullirder. die den Vorzug de» Doitstümliche* daher leicht zu fingen find. Durch feine vielsettige fand er viel Unerirn»ung in asten Kmchtreis«. Kurz vor fernem 70. Geburtstag feierte « das g AmlßzubrlLum am 27. Dezember 18-0. Anläßluh seltenen freier ehrte ihn der Genas mit der Ei zu« Prvfiffvr der Ddifik. Der «ottesdtast gestaUche für de* Jubilar zu eine» große» Aeßakt in der il V»ge umb P»k«stor Mahba*» »tchnri, te» Aich» »G einer lange* stkede ans. in welch« « ganz stchmistm» sch»

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