Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- 12 (24.3.1921)
- Date
- 1921-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich hoff-, baß Ihr diese Worte nicht falsch auszesaßt habt. lag mir ferner, alf Such ein einseitige» Loblied zu sinken auf Kosten Eurer Eltern Denn wenn auch die jüdische Familie durch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte unendlich viel von ihrem früheren Wert eingedüßt hat. und andererseits unsere Jugendorganisationen aus der« fflr;e find, dem deutschen Judentum neue Kräfte zuzuführen. o bedeutet da» noch keineswegs. daß Ihr Einzelnen m\ dem Augenblick, da Ihr .Kameraden" oder .Blauweißer" a» »oiden seid, auf Euer Elternhaus al» aus eine .abgetane Sache" zuiückdlicken soll!. So liegen die Dinge denn d. ch nicht Unsere Jugendbewegung ihrer Idee nach istetwr» Große» und Verheißungsvolle«. Ader in ihrem gegenwärtigen Stadium hat sie ihre Idee noch keine»w<g» v,r^ wirklicht. Und nicht nur da»: E« ist sogar zu befürchten, daß fie von dem Wege zu ihrer Idee abgelenkt w''d ^>o laßt Euch denn ein aufrichtige« Wort von den Gefahren unserer Jugendbewegung sagen! Eine» der wertvollsten Ziele Eurer Arbeit scheint nui die Uebenvindung de» FamrlrenegorsmuS zu fern. Wir wiffen olle, wie unausrottbar lies fich in unseren Famü'en die Anschauung eingewurzelt hat. daß mit ollen Mitteln and um jeden Preis da» Wohlergehen und-äußere Bor« würtskvmmen de» einzelnen Fawitierrmitglieds zu fördern sei. Wofür da» Kind heranwachsen loll. welche Ausgaben seinem Leben Inhalt geben können, danach wird lnd'r selten gefragt- Die Hauptsache ist. daß sei« äußere» G deihen der Familie zum Schmuck und zur Zierde gereicht Im Geger^^ dazu läßt die Jugendbewegung jede Der' hälschelungWl« Einzelnen beiseite, erzieht ihn vielmehr zu n Streiter für eine Idee. Schon früh lehrt fie den Knal-e» und das Mädchen, die eigne Bequemlichkeit zu opfern u-d einer so .unpraktijchen' Sache wie dem Judentum ,11 dienen. Mitten im Leben eines solchen jungen Menschen steht da» mit Bege.sterung verflochtene Ideal. dem fich alle kleinen Instinkte unterzuordnen haben. Wie aber, wenn nun die Jugendorganisation mehr an sich selbst denkt al« an ibrr Idee; wenn das sreundscho'tliche Zusammenhalten Selbstzweck wird; wenn der Verem - komerad n»ir wegen seiner Zugehörigkeit zur gleichen Zun't als Zieund betrachtet wird; wenn an vem Einzelnen nur das was er ist. nicht das wa» er werden kann ued soll, geliebt wird? Txnn müffen wir wohl oder übrl zugestehen. daß an die Stelle de» Familienegoismus der Zunstegoirmu« getrrtm ist. Dann ist die Idee zu einem Dereinsdogma erstarrt, zu einer äußeren Schablone: und don» muß die ganze Begeisterung am Dereinsymbvl haften bleiben, an der BereinSfahne oder ihrer ve:kle«ne>trn Auflage, dem Nadelüdznchin. das an die von Stolz geschwellte Arust gesteckt wird. E» ist Euch ,n unserer Zeitung zuw Vorwurf geman.! worden, daß Ihr Eure Mitglieder zu stark in An'pru h nehmt und sie dem Elternhaus und der Schule.rntzirhi. daß Eure Führer garzu betriebsam werben, kurz; daß Ihr züviel Tätigkeit entfaltet. Ich möchte genau den um gelehrten Vorwurf machen E» wird zu wenig geleistet. Der ideale Schwung, mit dem unser« Jugendbewegung einsetzte. der heilige Ernst, mit dem fie fich bewußt wurde. Horkämpferin einer jüdischen Wiedergeburt zu sein — oll dies hat in bedenklicher Werfe nockgelaffen. Die Bewegung dal an Umfang gewonnen, ober dafür an Diese verloren. Im Mittelpunkte des Dereinsleben« stehen gegenrvärt q Fragen der materiellen Ausgestaltung, des Existenzkampfes gegenüber den . Konkurrenzunternehmungen " und andere Aeußerlichkeiten. fürchtet Ihr Euch nicht, selbstzufriedene Philister zu werden, die sich freuen, daß ihre Zunft die größte Mitgliederzahl. die geschmackvollste Nadel, dos schönste Landherm oder dergleichen besitzt? All diese äußeren Formen Eurer Betätigung find selbstverständlich berechtigt und notwendig Aber fie sind doch nur Mittel zu« Zweck, nicht Selbstzweck. Niemand verargt E»ch. daß Ihr die Blüte Esre» Vereins erstrebt. Ader wofür soll er blühe»? Ksr »m Esch er» paar frohe Stuten ts brr Loche -»bereiten? Der große Pogromkougreß in Wien. Der internationale Antife«itentag am 12.—14. März war von Delegierten au» Deutschland. Ungarn und der Ischechoslovakei beschickt. Da» Niveau der Referate war außerordentlich niedrig. Stürmischer Beifall war stet» zu hörn. wenn Gewalttätigkeiten propagiert wurden. Der Delegierte der Steiermark verherrlichte den Pogrom, und ein Vertreter der .Erwachenden Ungarn" rühmte fich schmunzelnd, .was Pogrom onaehe. fo hätten die Ungarn einige» auf dem Gewissen' Der Vorsitzende sagte von ocr vor 500 J^h en in Wien erfolgten Verbrennung von 20- Juden, solche» könne sich auch heute wiederholen. Am Schluß wurde eine Resolution angenommen, von der österreichischen Regierung befristet die Abschiebung der Ost iub«n verschärfte Maßnahmen gegen PreiSlieider und den numeru» clausus an Hochschulen und Mittelschulen zu 'ordern, verliefe aber die Anst retultatlos, zur Selbsthilfe zu greifen, nr-is wieder großen Beisoll hervorrief. Bemerkenswert ist. daß die Preffederichte olle offenen und versteckten Aufforderungen zur Gewaltanwendung unterschlagen und daß am Schluß der Präsident. National^ rat Jerzabrk. die Teilnehmer auf ihr Ehrenwort verpstichtete. alle» zu verschweigen, was im feindlichen Lager ausgenützt werden könnte. Zeitweise war der Kongreß vyn starke» Polizeiausglboten gegen eine unbekannte Gefahr geschützt. Pogromiften scheinen sehr ängstlicher Natur zu sein. Irreführende Nachrichten über rine „Räumung" Jerusalem«. Das offiziöse Wölfische Büro, welches im allgemeinen keinerlei Nachrichten über Palästina bringt, meldet, daß Jerusalem von der französischen und italienischen Besatzung« adteilung geräumt sei. Eine Reihe von Blättern brachte >i«se Meldung unter dem irreführenden Titel .Jrrusalem geräumt" Selbstverständlich ist von einer Räumung I rusalem» durch die Truppen der Mandatsmacht Eng' land keine Rede. _ ■Ttt RekigionSlrhrerstreik in Wie» berührt. Rach zehnwöchiger Streikdauer find die zwischen den streikenden RetigionSlehrern und dem Vorstände der Jsrae itsichen KullnSgnnnnde eingeleitrtrn Verhandlungen zum sttu'äsiuffr gelangt. Der Religionsunterricht wird dem zufolge am Montag wieder rn den Schulen ausgenommen werden. Der Kultusvorstand hat den Lehrern die Glnch stellung mit den städtischen Lehrern hinsichtlich der gegen wärtigen Bezüge einschließlich irer neuesten Märzregulierung zugestanden. _____ Jüdischer BahrchofSdieuft. Die große Zahl der Berlin paffierenden Auswanderer Ruffisch'Polen». die nach Amerika und Palästina gehen, hat den jüdischen Frauenbund veranlaßt, einen Bahnhofsdienst einzurichten. der später vom Jüdischen Arbeitsamt übernommen wurde- Die Zahl der Auswanderer, welche Berlrn poffiert. übe,steigt täglich hundert. Die Auswanderer müffen in Berlin die Päffe wechseln und werden oann von Helfern und Helferinnen jüdischer Jugendorgani ationen betreut, die ihnen auch erforderliche Auskünfte geben. Bei Ankunft des Zuge» werden die Ankommenden ans dem Bahrrhof gesammelt und in einen besonderen Unterkunft», raum gebracht. Hier werden die Päffe geprüft, da» Gepäck aufbewahrt und den Durchwanderern bei der Lösung weiterer Fahrkarten die erforderliche Hilfe gewährt. Die Au»wonderer erhalten m ihrem Unterkunftsraum Lebensmittel, die von der amerikanischen Hrlfsorganisation zur Verfügung gestellt werden. An de» deutschen Grenzstationen rewemühl, Kattowitz. Danvg »nd Löhne sisd ähaUche Er»richtsHgen i» üemne» Maßstabe Andere wieder haben beanstandet, daß überhssstt Schülervereinigungen Politik getrieben wird und dir T sich durch Parket-ogramme spaltet Auch dieser P »ß unberechtigt* Eine einzige große, politisch Isbi Jugendorganisation kbnnte weniger Arbeit a»f di» i des Einzelnen verwenden und würde di» EiOkR« Einzelnen nivellieren. Die Farblofigkett de» Gastzt» da» Jaterrffe zum Erlahmen dringen. Mag nur ß drei Dewegungm ihren eigenen Weg gehen. — MN dabei jede da» große, gemnnfame Ziel i« Eng»! Und hier, meine lieben Freunde, zeigt fich wieder W» I der ^räußerlichung Die Tendenz wird nicht »Kl., Arbeit»progra«m. sondern als Scheidewand gegeSÜWrh .Andern' benutzt. Statt hinüber und herüber z» und künstlich immer wieder U»terschiedt zu konst solltet Ihr lieber Eure schönen Programme Dann würdet Ihr am End» gar finden, daß Ihr . garnicht so weltenfern seid. Eurer Tendenz habt Ihr 1 nicht Genüge geleistet, wenn Ihr kräftig .Schal' .Heil' «der .Lhosak' ruft. Bester wäre e» schon« Ihr Blauweißer wirklich Hebräisch lerntet und Ihr Jeschurun virNich in den Geist der Thora nndrÜngch l . Ihr Kameraden wirklich — sagen wir: Bücher M> .Ethik' von Lazarus lesen würdet Je mehr Jh» MGs Eurem eignen Gebiete an positiver Arbeit leisten umso näher werdet Ihr elnander kommen. Ehrliche l führt zu brüderlicher Gesinnung. Di« Fabel von de» I Ringen gilt auch für Euch Der Frühling steht vor der Tür. und e» Watest 1 die Danderzeit. Nutzt fie »n der rechten Begnügt Euch nicht damit, auf fröhlich« Fahrt »ck [ jjüijn tu« einen verlorenen wog» sim ne < tiefer, wahrer, jüdischer gemacht hat! Do» liegt tief darnieder, die Jndenheit blutet au» Wunden. Ihr Jungen müßt uns den Jüdisch«! wiedergeben Dazu gehört ernste Arbeit an Euch — nnn nicht nur ernste Arbeit: fröhliche Arbeit es sein. Jugendlicher Dollen Hot kein grämliche» pedantische», sondern ein strahlende» fiegesgewist« An. In diese« Sinne, im Sinne der ftohen Irbett Eure« jüdischen Menschen, wünsche ich Euch ,SchoK>^ und .Heil' und rufe Euch zu .Lhisku' — seid Vr. Friedrich I Zum Schulschluffe. 9tn Dri ptzil. KeNr Utzer^ee««». In der vergangenm Woche hat unser« Schnsjvgp ihre Zeugniffe erhalten. Da» Schuljahr ist hemchi Entschieden bat e» sich, wer da» Ziel der Klaffe errrick und wer nicht. D»e Welt der Schule gleicht dori» I de» Leben», daß ihre jungen Bürger genau so ihm l zu trogen haben wie die Erwachsenen. Aber in Beziehung ist dies doch ander». Draußen muß rin sich seinen eigenen Weg suchen. In der Schple dosogM! regelt dir Lehrplan den Ausstieg und st»« die oWtht Mit dem Proble.n der Moffenerziehuna hängt >» sammen. daß die schule bei ungewbhulich begabt« f nicht immer die volle Entwicklung ihrer Aalagm lichen wird Dagegen kann nicht bezweifett werde«, sie durch einen geordneten Lehrgang die sol»d« G lagen de» Wiffen» schaffen kann, ohne die auch die I Geistesgaden wertlos find. Aber die Schule kann ihre Aufgabe nur dann wenn ihre Zöglinge eine planmäßige Ausditdung erh Deshalb sorgt schon der Staat dafür, baß gesetzlich oerpffichtet find, ihre Kinder »ach Ichulpflichtigen Alter» der Schule zuzuführrn. ttcr] wenn dieser Zwang nicht bestünde, so würde \ . halbwegs einsichtige Erzieher darauf hatten, daß die anvertrauten Kinder rechtzeitig »it de« Lenwn onfa» " Da» niemand theoretisch anzweifeln »bchte. wild! in der Praxi»' hinsichtlich der Frage de» hedräil» Unterricht» von sehr vielen Eltern nicht gebührend f fichtigt. Wäre der Unterricht in der heilige» unserer Gebete und unserer Bibel orgamsch «tt d«»^i gemeinen Lehrbetriebe verbunden, wie die» i»b»^J~°‘~' Schule der Fall ist. so würde ein ptanmüßi» lim; ind; »d>i 1-4« ult Mi »all ist. so wild« n, ManMBIgR: UH H«M»llchn> Mail gaiu sau Itibß i ItiMi ist kW 9tagc Mt jlkiMn schul« MW «k~»Wu, Mm I»teaG, tu i ikm ÄtuMt »ich« tu MM w