Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- 50 (31.12.1920)
- Date
- 1920-12-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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mm IA 1 9b. M> «bk t *1. lUdtf Mich- 3**V hemßht. f. Hl tat ' “ tn »rtWipii fbftiai . Jetkno» btt »aneinb i» libmtn Aprilen dt« tilibi ob l ,‘ in ctfwmi haben. Otcnb die , ..1 Hab» sich Mn jeher durch eine -r- Wibinng der i» bnfcrontinen Jnbntum Jtrtfte «Mmzeuhnei, und durch da» oerßtndni»- ~~naenBaten aller Parteien iß in den oder» temeinde» und van der obrsihlesischen jadischen Pbskrnilffge» geleistet wurden. E» gchtrt f—, eine nicht bneibodwerte Naivität dnzu, da» sßr Inden Lbchchlesten» Notwendige und Heilsame so zu Est ist nnn freilich nicht >u befürchten, daß der gesund« Ginn der oderschlesischen Inden sich durch derartige Su». lastnnGin non der al» richtig erkannten Lahn abdringen IW. WL der Persasier de» Artikel» dem oderschlefischen Jnbntum dienen, dann neige er tieder versuchen, die Kalten nechjchtrnchgiltigen. di» er ossendar doch für sei« >»- dchnRnng in Anspruch nimmt, sttr ein lebendige» Juden- Mstk M «Minnen. Mit den abgenutzt» Schlagwart» vom relimisen Fortschritt und dergl.' wird er t» freilich Adstt »mhinditn. daß di» nach positivem, titigen Inden- > hungernd» Jugend in hellen Scharen ihr« Gi» fichreuder Deutschamerikaner shfr die Iudeuhetze tu Deutschlaad. Gr. Edmund n. Mach, ei«, oder di« sihrende PeristntWtit mrter den Dentjchen in der Union veriffenllicht » den Ghiiagmt »Renen Zeiteinen »Brief an ka« denchche SnB*, km mir da» felgend« entnehmen: Wenn der Indenhnß »der die Grenz» Deutschland« hinaudgreist nnd Fmmcke de» deutschen Volke» auch in emd«e sttnderersaßt, dann ist e» hohe Zeit, daß ein Mdstgrus erschalle. Mir sehen mit Schrecken, wie sich all» »Wich «i» Ernste »dler Lerdenschast über da« Loli breitet. Wdmchaß ned Indenhetze sind oesthrliche Lolklkranlheiten. Ehr naMiHVabea jede» gesaude Nationalgefihl. gerade, weil st» vermutlich da» Gegenteil tun sollen. Sind Spanien .Md tuender» Polen nicht genügender geschichtlicher Beleg HGEbk DM Unchristlich« und II»ethische braucht man hWchntden Menschen dach wirklich nicht seist *u beweisen. Wd dach het dieser bis« Judenhaß gerade unter den «rrklich f«WM« lheisten und saustigen brchluh denkenden Menschen Mit «n sich griffe». Auch national denlend» Deutsch« «ch dmvv Rmnche liberal in der Welt find der Krankheit > heißt«, daß die Juden am Zusammenbruch > schuld sind, und daß Laterlanddtiebe di« auti» I »erlangt Gemb hier möchte ich meinen __ deltben und hier ein Paar Datstgch» »elche di« Torheit einer solchen Anschauung . «»«ist. Wer verkroch sich hier im Laub, al» von 1914 M MM tharsrritag 1917 mutige« Auftreten skr die Wnheheit und Gemchtiaieit der deutschen Sache beiden Mmnuden in Amerika Hütte werben können? G» waren die Drntschen, in deren Adern kein Dropsen semitischen iMnM» stießt. Und unter der Handvoll von mutigen Männern und Frauen, di« all» zum Trotz der Wahrheit di« Ahm gaben, fanden wir ebenso viele deutsch« Juden »M dmrtsch« Christen. Lebende will ich gar nicht nennen. Ader oh« Furcht vor Wiederspruch kann ich e» in die Welt hinanlrufen, daß «» in den schweren Jahren keinen butfcher» Mann in vallstem «hennhasten Ginn de» Worte», hier gab. oil ka >ertnrt—n Professur Hn^> IRKnstertef. Gibt t» im >eehü»ni« jn ihrer Zahl weni»r doäschn Inten aM and«« Deutsche in Amerika, di« pa Änderung der Rot in Deutschland beitragen k Sicherlich nicht In der großen Protest-Bewegung, welch» e» sich MM Ziel hat, daß di« schwarze Schmach am deutschen Rhein »erschwinten soll, sind et bic Juden, welch« feige ihren Romen verschweigen k Rein! Im Gegenteil, e« war die De legal en-Stznod« christlicher Kirchen >n Detroit, welche sich uulüngft weigerte, die Sache offiziell zu behandeln, und die »an einem Pastor gemachte dieöbzüglich« Eingabe im Au»schuß einschlummern ließ. Der Paftar selbst schrieb mir darüber wie folgt: ,E» waren durchweg Leute deutscher Abstammung, >a viele lachten sogar, daß man da» von einer krchlichoMrganisation verlangen könne.' Wer wie ich in den letzten sich» Jahren so ganz im öffentlichen Leben gestanden hat, der weiß nur m gut, daß echte deutsche Gesinnung kein Monopol der nicht semitischen Deutschen ist. Wir leben >« Zeitalter de« Jnternationalitmu», und verhültni»müßig mehr Juden al» and«« Leute haben ihn durchdacht und sich sein« Durchführung ^widmet. Der Zug zum Jnternationalitmu» hat ei« große Rolle im Zusammendruch Deutschland« gespielt. Sr Hütte die» aber nicht tun können, fall» nicht Millionen deutsche Frauen und Minner sich ihm nicht wie der müb Dande«r eiwm Irrlicht angetraut Hütten, S» waren nicht die Juden, sondern die Richtjuden, die zur Rechnung gezogen werden sollten, fall» da» deutsch« Volk eine Abrechnung in diesem Punkt »erlangt. Der Jub ist ein tiefer denkender Mensch al» wir Nichtjuden westlicher Kuldir, Wie könnte da» auch ander» sein? Der Jub entstammt einer Raffe, welch« schon seit Jahrtausenden der Welt Denker geschenkt hat, wührend wir anderen unfe« Vorfahren al» Denker doch höchsten» aus -Jahrhundert» zurück verfolgen können. Deuffchland wird nur dann wieder national «Harten, wenn e» vollen Wert aus deutsche» Denken anstatt aus da» Blut oder die Nase de» Denker« legt. Deutsche Nichtjudeu, die schon seit Jahren deutsche» Wesen und Sitten verunglimpft und lächerlich gemacht haben, denen nicht» in bi Heimat heilig genug war. um e» nicht bim BnKeich mit dem &u»(anb dem Spott auizusetzen, sind viel mehr schuldig, Mil sie in viel größer« Zahl al» die international gesinnten Juden zu sinke» sind. Ist dah« eine Judenhetze in Deutschland ebenso unsinnig u»d ungerecht, wie unchristlich, so giebt e» darübr hinan» noch «inen weiteren Grund, warum da» lieb deuffche Loli davon ablaffen sollte. Die deutsch« Zukunft hüngt von einem zu erweckenden Ssirechtigkeittgefühl br Welt ab. Überall arbeiten Mönn« und Frauen daran, dies,» Ge» sühl, welch«« in bn furchtbaren Kriegijahren eingeschlummert -ist, wiebr in» Leben zu rufen, damit Deuffchland Ge» rechtigkeit widerführt. Wenn da» buffch« Bolk nun selbst große Ungerechtigkeit an bn buffchen Juden übt, wird die Arbeit de» Erwecken» de» Gerechtigkeitigesühl» der Welt beineb bi« zur Unmöglichkeit effchwert. Mit treu butschem Gruß Edmund v. Mach. Abonniert auf die Jüdische Volksztg.* r Aus dem Reich« O«Aisch an* M* «jwnurMtfttM, Di« anttsemitische» GMwongen an de» deutschen nehmen immer gtvttnta Können an» Neuerding« hat fich der B.S, der.Verband der Turnerschastm der. deutsche» Hochschulen', tbn den preußischen Kultusminister Harnisch beschwert, »eil dieser die Forderung der deutschnationalen Studenten »ach Ausschluß der jüdischen und sonstige» Angehörigen östlicher Länder vom deutschen Hoch» schulßchdiu» nicht ohne weiteres akzeptieren will. Die Turner versichern, daß sie mit .tiefst«, Entrüstung und Empörung' Kermtni» von der Haltung de» Kulturministers genommen haben, und daß sie .in völliger lieberelnstimmunß mit dem ganzeu.deutsch empfindenden Studenten - tu« einhellig der Wrstassung' seien, daß gerade di« Fernhaltung .der von Hämisch so nachdrücklich beschützten sremdm Elemente' eine unumgängliche DoraußsHung für die Erhaltung der deutschen Harakftr« unserer Bildun^- stättm sei. Die deutsch« Hochschulen sollten die erst« Pstegestätten des nationalen Gedanken» sein. .Daran wird o» wenigsten der zeitwrillge oberste Leiter des» preußischen Untorrichttwesenr etwas ändern können.' . . . Der Kultur» iuister Hämisch hat den akademischen' Herrschastm daraufhin »i^eleilt. daß er e< ablehnen müffe^ über dm Inhalt der im Ton durchaus ungehöckgm Er»» gäbe in Erörtsungm «NLutretm. Er könne EntrüstungSkundgebungm nicht ernst nehmen, die sich, auf rat derartig mangelhafte Kenntnis seiner Politik und seiner DenvaltungSmaßnah»m stützen. Denn die Turner wirklich stch Über feine Wellung zur Frage des Studiums von Ausländern und di« damit zusammenhängenden nationalm Fragen unterrichte» wolltm. so hätten sie dazu hinreichend- Gelegenheit durch die Lektüre semeS Bucheüber .Staat und Hochschule'. ___ Berlin. Die jüdische Gemeinde beantragt« bei der gesetzgebmdm Körperschaft in Preußen den Erlaß eiues Notgesetze«, durch den die tzst 39. 40 de« Gesetze« vom 28. Juli 1847 aufgehoben werden. Diese 83 beschrärckm die Arhl der Vorstandsmitglieder auf stebm unbesoldet» Vorsteher, die Zahl der Söepräsentantm aus Sl. Di» gesetzliche Beschränkung der Zahl von Dorstehem und Nt Präsentanten hat infolge des Wachstum« der Großgemeinden zu einer unertrüglichm ArbeitSüberhäufung der Gemeindevertretungen geführt. Such find die Geschäfte der Vorsteher derart avgewachsm, daß sie nicht mehr' ehrenamtlich im Nebenamt auSgesührt werden künnm. Da die bereits beantragte Aufhebung, de« gesamten JudovgesetzeS von t847 nicht ohne zeilraudende Arbeltm erfolgm kann, muß ein Notgesetz wenigsten« die drückendsten Bestimmungen deS veraltetm JudmgesetzeS beseitigm. — Es war hohe Zeit, daß von der Berliner Gemeindeverwaltung, die etwa zwei Fünfte aller deutschen Juden vertritt, endlich ein energischer Schritt gegm da» vormürzliche Judengesetz von 18«7 unternommen wurde, durch dessen ein» mgmde Bestimmungen die Arbeit der größerm jüdische« Gemeinden auf deck Schwerste gehemmt wird und alle Reformen in den Verwaltungen und im Gemeindeleben Überhaupt eine große Erschwerung erfahren. Hiabeaburg. Frau Rabbiner Dr. Kaatz ist mit der Roten KreupMedaille ausgezeichnet worden. Die Chuppa auf dem Friedhof. flbmtimt m gh. D. ks»i. A» war an einem schönen Vormittag im Sommer, M, Sonn« brannte mit ihrer schrecklichen Glut ans da» — ein Stüdtchen Galizien« — herab. Ich viele Jüngling« saßen im BeiHHam,drasch um einen Lisch herum, öder hie Folianten de» Talmud» WÜMtgt, und unterhielten wi». Da» ganze Lehrhau« war « ß»hle»b Sonne getaucht. Plötzlich stürzte eine ültere »MtzlG» Frau, in ein schwarze« Luch gehüllt, mit einem Beben •«Mai in da» Leth-Hamidrasch herein. Sie bgnö Ach schnell kn Schritt» zur heiligen Thoralab, schob bten Unrhang etwa» zur Seite, öffnete da» Türchen und wm»te und slehb. .0 Gatt. Hem der Welt, nimm dich de» armen an. schick« ihm Heil, er ist ein LachschitJ, ein •«w. Anna heftiger strömten und quollen br allen Krau be Liünen an» ihr« hrenuenbn Augen, die bn Ln»- dMick hntten, al» Hab sie die ganze Nacht schlaslo» in p—«y verbracht. JD weh. ein goldene« Gefäß', schrie sie onaufhörüch. »Ihr«» ihr» Augenstrr« auf die Thorarollen geheftet waren. ' Es vwchtr kaum fünf Minute» gedauert hoben, da friflt chr ein i«u«S Mädchen w unsäglicher Stimmung. Es kam wie ein Sturmwind in das Lehrhaus gewirbelt, AMe stch ebenfalls vor die heilige Lade und minie und iJM£e. »dem es seine Augen aus die Thorarollen richtete. Dicht Tränen lieft» über ihre Waugen, und ihr schöne«, träft* Haar löste sich und fiel über dar Gesicht. Otfet DlMüch wurde durch die Ankunft der Frau uud dG MOchlNs unterbrochen, und da« Stillschweigen ließ has ' Weiuen «ch den Jammer deutlich vernehmen. Mit Tränen tu be» Augm verließen fir das Beth-Hamidrasch. indem st» drei Mal de» heftigen Namen am Türpfosten küßten. Trotzdem wir an solche Ereignisit gewöhnt waren, überlief un« ein dumpfe- Mißbehagen; ewar uns ganz seltsam zu Mute. Ihre rasenden Stimmen erschütterten un» außerordentlich. E« packte un? ein Schmerzgefühl, ein unbefchreiblichesMitleid. |? Bald teille stch die ganze Gruppt: Ein Freund und ich trennten uns von den andern und verließm bds LehrhauS. Als wir auf die Straße kamen, brannte die Sonne glühend und die Luft war schwer und drückend. Kleine Kinder spielte« mit Bohnen, schwankend und taumelnd, indem fie wie kleine Tierchen herumsprangen. Wir waren noch nicht 20 Schritte gegangen, da kam eine Frau an unheran. Sie reichte unL zwei Kerzen und bat unS, dieselben im Bethause anzuzünden. Wir starrten di» Frau mit ausdruckslosen Augen eine Welle an. wührend Tränen» ströme ihre Wangen netzte«. Und traurig, unaussprechlich traurig war der Ausdruck ihrer GefichtSzÜge. al» hätte fie sagen wollen: ,Betet für dar Heil meine» Kinde-'- Die Frau liet bald hastigen Schritt» nach HauS. und wir. ich und mein Freund, begaben unS in das BethauS. um die Kerzen anzuzünden. Als der letzte Schimmer de» TqgeS erloschen war. und da» Städtchen stch in Dunkelheit barg, hieß eS. daß an diesem Tage drei Juden gestorben seien. Der nächste und übernächste Tag verlief in gleicher Weise — am Ende der Woche waren zehn Tote. Me Menschen waren außerordenftich bestürzt über da», was fie erlebt hatten. In allen jüdischen Häusern regte stch ein Gemurmel: .Denkt Euch nur. zehn Tote in einer Woche!' Zehn Tote in einer Woche — bal war noch nicht vorgekommen, solange diese« Städtchen besteht. Und alle zehn starben an einer einzige» Krankheit, die fich. aus die Lungen gelegt hatte. Die Erkrankungen, griffen weiter um fich. und in der nächsten Woche erfuhr die Sterbezahl eine große Steigerung. Der Stadt bemächtigte fich eine rasende Erregung. Ern oroßer Schrecken parfte die Herzen aller jüdischen ftamißat. Die Inden glaubten fich berftttüngt zu haben; zur Straft sei über fie ei« grausame Pest verhängt. Sie fühven den Pfeil Gottes auf stch gerichttt und sahen fich einer Katastrophe nahe. Der Rabbiner des Städtchens hielt eine fromme Avspwche. die zur Buße ermahnte. Verschiedene Fasttage wurden ouSgrrusen. Den ganzen Lag über beteten und weinten die Juden im Bethanse. Mit starren Blicken fixierte einer den andern, als hätte er ihm . sagen wollen: .Beftnne. beftnne deine Sünde!' Aber es hals nicht, nein, es hals aller nicht». Lag für Tag wurde die grauenvolle Krankheit gieriger und gieriger in ihrem Griff. Die schreckliche Pest wanderft . von Hau» zu Hau». Als fie eine» Tages in da« Haus de- Rabbi — eine« göMuhen Führers einer große» Sekte — gelangte und dort eine schwangere Krau rnt ihrem Manne als Opfer forderte, die ein halbe» Dutzend kleine .Schwälblein' als Waisen hinterließen, wurde e» rege, und da» ganze Städtchen stand in Klammen. Di« Erregung schlug hohe Wogen. Alle gingen mit bekümmerte» Mienen herum; fie atmeten nahende» Unhell und schiene» auf etwa» Furchtbarei. Entsetzliches zu warten. Es schien, als fei der Tötesengel in da» Städtchen gekommen und habe bei ihnm Wohnung genommen. Eine stille, schwere Trauer irrte im Städtchen herum, und die Gemüter aller Juden waren umdüstert. und fie bebten wie Blätter vor dem Winde. Der Rabbiner de« StädtcherrS hielt wiede ' '» Predigt. Einige hundert Jude« standen u haarigen Redner herum. In tödlicher Angst seiner Rede, mit dem schrnkkchen Bewußlfl Sünde das alle» verschuldet habe, sogen fu > in ihre Seelen. Er sprach über die Au Atheisten und Freidenker, über die sogenanr die da« ganze StLdtch» »nt ihrer GoMofi u „Auf unserem SILdtcke»*. sagte er mit trm z .lastet ein schwerer Drnck von Sünden'. » Über die jüdische» Mädchen. .Ja. unsere ji' tragen-Bluse» mit tieft« Ausschnitt »nd ’ v t* Diele tragen sogar schon durchsichtige Kleid« -n» *.t fich ob Sabbat'. .Jlbische Töchter! . . „v T r