Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- 23 (25.6.1920)
- Date
- 1920-06-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sb. 28. Seite 2 Jüdische Lekb-ettiWA. 28. 9m 19» f WuHnttii Heute solle« sie de» verlöre«« Arie, Mftr ton*« Elend allein Verschuldet habe». Gewiß kogen amch die Juden ihr Anteil vau-Gchuld an unseren heutig« -Münden, aber der iß nicht größer al» unser all« Schuld- L» dann sollte doch die Tatsache etwa« zu denken Gebe», bäh Gerade die Träger de« politischen und wirtschafttichen Nfickschlilli« tu cifiigftai Befürworter «ad Förderer de« MMsemitismu« find. Es ist an der Zeit, einen deutliche« Apennungefirlch zwischen ihnen und un« zu ziehen. Kachde« der Natisemitismu« so lange ein offizielle« Nkgnisit in der Zeatru»«presfe gedildet hat. ist diese Stimme «es der Düste al« rntereffante Zeiterscheinung zu werten. j‘ 9a» §rtat-$raliaiaL Hamburg. 18. Juni. ^Vor einiger Zeit »urde. wie da« .Hamburger Echo' ißt, anscheinend von Hand dummer Schnösel das Heinekmal am Varkhof durch Abschlagen einiger Finger stark beschädigt. Jetzt haben neuerdings antisemitische Mist' Luken da« Gesicht mit Dreck und Teer beschmiert, daß das Gefickt nur ein schwarzer Punkt ist. Welch ungeheure Merwllderung undVerwahrlchung muß bei diesen teutonischen - GLuatiugen um sich gegriffen haben, wenn fi» glauben, l Mt derartigen Flegeleien .deutsche Heldentaten" vollbracht M Huben. Und so etwa« fühlt sich berufen, .da« Salz «r Erde", der .Lauering der Völker" zu werden. An diese« deutschen Wesen wird wohl niemal« die Welt Lber jeder Vogel fingt wie ihm der Schnabel ifm ist und die Zoologie lehrt uns. daß der ©ifh ein sehr schlechter Sänger ist. FLrßpri»«» C»era»ch Lder dir Affäre £«». t Budapest. 12. Juni. Iürstprimas Johann Eßernoeb hat sich Lber die Affäre Lö» iu eurem an Dr. Löwenftein in Zürich Mrickteten Telegramvl folgendermaßen geäußert: .In der iRägelegenheit de« Dr. Immanuel Ldw ist die unparteiische .Rnöersuchuag. sowie daß man ihm gegenüber kerne Gewalt- Wffgkeiten amvenden wird, gesichert. Ick erkläre Ihnen. Ächß di« ungarische Negierung jede Ungerechtigkeit energisch »erfolgt. Auch bei den Juden ehren wir m hobem Grade die Rrligiöfität und die bürgerlichen Lugenden. Csernoch. ^DArßprimas." _ «r*f. De. fcri* KSuiz £p«nit«. Madrid. 10. Juni Der König von Spanien empfing den bekannten Pros Dr. Pahuda von der Madrider Uni- .(Mrsttüt. der da« Opfer einer antisemitischen T * : und drückte ihm in einer längeren UnUi . ^vatdien für die Juden und seine Befri ' Beschlüsse der Ententerrgierungen in Sau sdmrck welche Palästina zur jüdischen Heimst. Kta» ist. Auf die warmen Worte, die Prof. Dr. Iahuda \ Gunsten der marokkanischen Juden sprach, erklärte der «ig. daß ihm jeder spanische Bürger ohne Unterschied : Abstammung und Raffe gleich wert sei. Er bekundete Befriedigung über die außerordentliche Loyalität. Zrwelch« die Juden nicht nur in allen den Ländern beweisen. £ t« denen fie sich gleicher Rechte erfreuen, sondern auch in i che» Staaten, in denen fie bedrückt und verfolgt werden. »iki'ch. »-»>-. Wie». IS. Juni. Zur Pfiege jüdischer Musik hat Tr. Leo Liudejr bau« 00000 Xfroirn gespendet. Dr. Lindenbam» ist der Begrüuder der Diener .Gesellschaft zur Erforschustg uud Förderung jüdischer Musik", die durch diese Zchwendung die wirtschaftliche Grundlage für den Aufbau diese« lange vernachlässigten Ferschungsgedietr« erhält. E« ist zu erwarten, daß bie Wissenschaft! lchen Resultate der Mufikforfchung den Ursprung und da« Desen der jüdischen Musik klarlegen und befruchtend auf da« Schaff«« der jungen jüdischen Musiker «inwirken werden. Ein wrffeuschastiiches Kuratorium. dem Mufikgelehrte. Hebraisten und Vertreter der Shnchogengememoe angehören werden, ist in Bildung begnffell- Ter bekämet» Musikforscher Jdelsohn hat in Palästina eme Ortsgruppe der Gesellschaft iu» Leben gerufen uud seine dioherigen Arbeiten de« Kuratorium zur Publikation üdergeden. Aehnliche Gesellschaften sind nach dem Vorbild der Wiener Gründung in London und Warschau ins Leben gerusin worden A,»e»fetndtiche Kwudyebange» i» wie». Wien. 18. Juni. Heute abend war in der Bo'.kshalle de« Rathaule« und auf dem Rathaurplatz eine von vielen taufend Mänueru und Krauen besuchte Versammlung gege, die Ostjuden. In' der Halle nnd vor dem Rathause sprachen zahlreiche Redner, die unter dem lebhaften Beifall der Versammelte» ihrem Unmut »der die oft angekünülgte. aber noch i«mer nicht vollzogene Abschiebung der im Kriege zugewanderte» Ostzuden leidenschaftlich Ausdruck gaben und den Zusammenschluß der nlchtzudlschen Bevölkerung gegu: da« Judentum im allgemeinen und gegen Sre .Jubenrrgierung" :» de» sondern forderte». Es wurde eine Errtfchließung angenommen. worin die Internierung der Ostjuden und die Beschlagnahme ihrer Vermögen gefordert mit>. Rach der Versammlung marschierten dr» Trilnedmer in gewaltigem Zuge unter judenfeindlicheu Rufen über die Ringstraße und den Kai. von stark7» Dacheableilungen begleitet. Al« sie am Kar die in die Leopotdstadt (Juden» viertels führend« Brücke von Wachen besetzt fanden, die ihnen den Weg dorthin versperrten, löste sich de: Zue allmählich auf. In Befürchtung ludenselndlicher Ausschreitungen hatte die Regierung auch die Dolkswehr in ihre» Kasernen konsi^rirN. Te: KreiSarbeiterrat hatte sogar, die Losung der Versammlung gegen die Ostjuden mmder deargwöhnead. die Möglichkeit eine« auNrepubli- Mmm »umt ^iqkci gnmnti»?«icm«ittUfti j London. H. Junu Vor längerer Zeit schon bat der Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten. Eecil Harmsworlh. auf mehrfache Anfragen, ob und wann die Regierung geneigt sei» de» Bericht Ätuart Samuels über leine Polenrris« dem Unterhaus bekanntzuqeben. geantwortet, daß der Bericht sich bereits im Druck befinde und nach Fertigstellung dem Hause unterbreitet werden soll. Tann ist tt« btm S«n* itt4U atdtt .iipfciU mto. tu ungfimtMfn **«m»att<T Me ttUftit taun - malt warn M SttMttM dt« Ga.ntlfd]« *■ nutiotUitrt». ützttraschtt 9c. (wmiwtg da« H btt Cntl)Mung. daß btt Maafkntttnt »«tichl nt i-, auf btn List bt< Haust« ^kft stibtn »Ort» der Völkerbund ihn i» Behandlung gezogen hr Der Staulöfekretär fügte »och hi^u. paß Praxi« fei und daß er übrigen« de» HG»fe k»i - Znfage gemacht Hobe, de» B«lcht bi« zu einem i Termin vorzulege». Diese Eröffnung wurde in der englisch- Meinung mit gemischten Gefühle» aufgnron iner, ..-"lfh Ehronicle^ hat sicher recht mit der Bemn o«t Völkerbund noch viel zu kurze Zeit ao um schon von einer südliche» Praxi»"' sprr nen. Anderer,«l» wird man gut tun. mit dem uti«... über diese Verfügung abzuwarten. weit es unter Umstände» für die an der Potenfrage beteiligten wichtiger sein kann, daß der Völkerduud so rasch al« möglich von den Zu, stände» in Polen Kenntni« erhalte, und eventuell eingreife. al« daß der Bericht i» englischen Lnterhau» zur Di«'- kußum gestellt werde. Vorau»setzung ist allerding«. daß die Zuweisung an den Völkerbund nutzt al« Bertujchung«- mittel gewätztl mälde. Aus dem Ke'che | Ai» zstdifchet Preßbär» tu verlru. In Berlin tRofenttzalerstr. iS Telefon Norden 1982) ist ein lüdifche« Preßbüro uuter de» Ramen .Hamewaffer' erSstnrl worden, welche« die lüd-.sch« Preffe de» I». und Auslände« bei oen wlchtigeu Ereignissen uud Erfchrinungen i« Leben der deutschen Juden iorUaufend berichtet. Die in Dien erscheinende Toge»re»tung .Jüdische Morgenpoft' hat eine besondere Redakl,«,«- und Ad- »lmnration»abtcüu:rg srr Deutschland m Berlin. Rosen» ttzalerstr. 42 lTklefon Norden 19SA) eröffnet. Die wichtige» Erscheinungen im Lrhen de« deutschen Judentum«. in«desondere der Ostjuden i» Teutschland. finden in. dem Blatte ständige Würdigung. Tie .Jüdische Moigenpost" ist die einzige in jüdischer Sprache erscheinende lage,zeltnn, •x den deutsch,prachi'^n Landern. Berlin. Tie Repräientantenversamm^iilg t uit am 7‘ .. 'n.-.i..—ht ^raitz iu einer ,am ihre Armier mcottwacu. - «u» ist eine große Alizaht von E'.ngaben und Luträgen zur Bcsoldungsreiorm kiugegangcn. wclchc au, eine allgemeine Unzufriedenheit nnt den SöHen der nach langen Vorberatungen der Deifctmwlung vvrgciegtr» BefoldungsorSnung schließen lassen. Vom Grmr'.ndevorstano ist de: Entwurf für den Haushaltsplan für das Rrchuungsiahr 1920 ' gegangen — Tem Derem zur Elqattur.g der Aka. für die Wiffen'ck-st Zur Geschichte der Juden in Wüdslawie». B«> Her««»« Weabel. Räch annähernder und wohl zu hoch grelfender Schätzung Wähnen im Staot«gebiet de« Königreich« der Serben. Krvnten und Slowenen rund 10000t) Juden; ihr Anteil « her Gesamtbevölkerung, die zwischen 11 nnd H Millionen GjWankt. betrügt also 0.7 bi« 0.8 v. H. Aber nicht nur M» Zahl, sondern auch ihre Herkunft. Geschichte und Nolle ist in den verschiedenen Gebieten der jungen Staate« »icht die gleiche. Al« Jsabella die Katholische die Juden W»L Spanien auitrieb, fanden ihrer viele wie in der Hemmte so in Serbien und Bosnien unter dem Halbmond Schutz und Wohnsitz«. Bei den serbischen Befreiung«' ßtmpfen zu Beginn de« l9 Jahrhundert« leisteten fie durch Beschaffung von Kriegsstrrür und Lebensmitteln aus Oester« »ich gnte Dienste, und oft und nicht umsonst appellierte Gärst Milo sch in den folgende» Jahrzehnten an den »atrioti«mur der vermögenden jüdischen Familien. Rach Mochten nnd Pflichten unterschieden fick die serbischen Jude« »an den anderen Lavdesbewohnerv. denn wenn einem, ß« dem Serben, der eben noch al« verachtete und " etc Raja unter dem tßrkschen HerrenvvU «Aebt di« Lust, auf Träger anderen Glauben« und anderer Überheblich ^radzusehe». Aber au« politisch» Wirffchaftlichen Gründen, um bei der griechischckatholischen Nmffmannsschaft eine Stütze zu find«, beschränkte nach de« Dtzaastie-Dechsel von 1842 Alexander Karad« järdjewitsch da« Aufenthalt», und Befitzrrcht der Juden «ns Belgrad. und derselbe Handelöneid zwang 1861 die^ Obrenowitsch. wider Aikleu dies« Sinder Krnzügigteit beizubehalten. Politische Rechte den Jude«; fie waren Wähler und wählbar; den acht Belgrader Abgeordneten der großen befand sich auch ei, Jude. Da der Berliner 1878 de» Fürßeutu« Serbien die bürgerliche aller Bcknntmffe anserlegte. sind seitde« dünn gchäton Inden, deren die Sbotistik 1910 insgesamt 5997. davon in Belgrad 4192 auffübrt, nicht nur auf dem Papier, sondern in der Tat Serben unter Serben und zum größten Teil vollkommen nat:onalisirct. Einem demokratischen Staat dienen sie al« Beamte und Offiziere, und 1912 wurde der Belgraber Kaufmann Mose« Abraham, der als Soldat im 7. In» fanterie-Regiment in einem entscheideode» Augenblick der Schlacht von Kumanowo mit der Fahne in der Hand .nach vorn» ausriß' und so die stiehenden Kameraden zum Stehen und zu neuem erfolgreichen Angriff brachte, viel gefeiert, nicht obwohl und nicht weil er Jude war. sondern lediglich weil er sich als tapferer serbischer Kämpfer erwiesen hatte. Während die flowenifchen Landestelle kaum tausend Juden umfaffen. beherbergt Kroatien und Slawonien nach der Statistik von 19X0 ihrer 21 281. die zumeist aus Oesterreich oder Ungarn zugewandert find und sich bi« heute der deutschen Umgangs» und Geschüftßsprache bedienen; eine Stadt wie Ofijek (Effeh) erhält durch den starken jüdischen Einschlag ihrer Bevölkerung eine «eseotllch deutsche Färbung und selbst Agram erscheint dank seiner vor dem Kriege 5000 Köpfe zählenden Judenschast nicht al« in der Wolle gefärbt kroatisch. Schon weil fie mit ihren Handelsbeziehungen vielfältig nach Dien und Budapest neigten, nahmen diese Juden im allgemeinen wenig inneren Anteil an dem nationalen Befreiungskampf de« Kroaten» tum«, wenn ihr Berhtltni« zu den Kroaten auä» keines» weg« dem der deutschen Juden zu den Polen in der Pooninz Posen entsprach. Zum Teil freilich affimiliertea fie sich vor dem Kriege schon. Dr. Jäseph Frank, der im politischen Lebe» Kroatien« eine große Rolle spielte, ging au« eine« jüdischen Hause hervor, und neuerding« ist auch die .Südslawifierung" jüdisch-deutscher Namen in Schwang gekommen; die Sonnenschein werde« zu Suntschitsch. die Horrrnstein. Freudenfteiv. Detterstein zu Kamen,tsch. und viel Heiterkeit weckte die Verwandlung eine« Herrn Hochfinger in einen Herrn Sopranitsch. . Aber da in einem halbfeudalen Staate, wie e« da« habßb«rgisch« Kroatien immer war, der jüdisch« Be« völberuug der Haudel fast al» einzige« Betätign»g«feld offen stand, ist e fromm-srödlicken freundlichen poltl .... ouccyur.o oenprewen. Leichte«, die Juden mit der Schuld sur alle Ledrnömi'. schiebungen und Wuchergeschäfte, für da« ganze »irtsch liche Elend de« Lande« zu belasten, obwodl auch in € slawien ganz andere Kreise von der allgemeinen Fäul-"« nicht minder angefreffeu sind. Die Partei, die den Wie' Ehristlich'Sozialen wie au« dem Gesicht geschnitten ist. Kroatische Dolksvartei (Hrvatek» pucka stranka) i»«V seit einiger Zeit ganz nach österreichische« oder deutsch, Muster kräftig in Antisemitismus. Die Blätter die) Partei, die. au sich schwach und wenig bedeuten», dur, Anlehnung an die gleich geartete .Slowenische 2ol»- partei" Kräfte gewinnt, haben das Schlagwort Jude slawien ausz^brachft stellen .da« von Wohlleben.^ Mhag lichkeit. Luru« und Champagner trunkene Judosiawie» dem .hungrige», armseligen, geschundene» und äu^iedeuteten Jugoslawien" gegenüber, klagen die .jüdischen Blutsauger am Mark de« Volk,7 patnettsch an und »rrne» vor de» Schicksal Ungarn», da« nach * ’ Darstellung durch südrschen Einfluß — Judapest! - - '»»de gegangen i». Von diesem gr»' mitisnm» «ndeffm droht umso «tuiger ^Sbftamtx unb iu«d Rafftngtgmsatz aufatbi. bf*alt btt nchit »öS,» ,#»7«Ü °°- «• u. 6out btt ntsntbilbtitn .Ist i onolgtstklschoft iT *noti«nf(t.t ar.Ut«tt #tr, tingeotii» »urbt, mntntnt bi. HtüMn oubbtiltflti Bot oniit Ugtr bit Gründung bts Strdtn, Äroaten unb Tun- . t.t fgr bit Rntionoltind tt ggn. n.n»o In btt Btlgrabtt!c mit« ' « angt^htne Hiftorilet iMnjjt Sion» * fl? fgt Ötbtn unb tnimülunf b<l ®Mje 4* rotsacht hin. .boß t,nt c-.n «mgt un -."<»» in btn btstttttn «tbit-tn b> » Stnol nicht litdt »nt ,,«> ^»»r \nr.tur Nc MH,