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Jüdische Volkszeitung · 1920-04-01 · 12 (1.4.1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
26 (1920)
Issue
12 (1.4.1920)
Date
1920-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Voll Allechtschaft zur Freiheit. Eixe Peßachdetrachtnns- .Grs-tz ist Frckeil!" Nein anderes Voll kann i» demselben Matze bie Wucht und Gedankenfülle diese» Wortes verstehen wie da» isdische. kein andere» hot auch so die Möglichkeit und damit die Pflicht und Bestimmung, der Verwnftichung jene» Gedanken» sein Leben zu weihen, wie unsere jüdische Gemeinschaft. Denn über dem Leben emes jeder Juden steht lenes Zeichen: in freiwilliger, freudiger Unterordnung unter das »an Gott gegebene, für fich a!» bindend erkannte Gesetz sein Leben zu gestalten. Dir bereiten und. Peffach zu begehen, die Zeit unserer Befreiung Warum nennen wir es noch heute so. warn» ^tph «gpii heutigen PKqjchar» u»s öefreft? — Der. hi striche Tatbestand: Das Holk Israel, das in Regstfiea unter den Pharaonen als fremde Natron lebt, wird — irgendwie — oon^ifftr drückenden Fremdherrschaft fctfuit und nach sehr langer, gefahrvoller Wüftenwaxöerung in das Land ferner Bestimmung, nach Palästina, geführt. — Was hot dieser Vorgang Besonderes »or so viele» gleichartigen Ereignisse« der Geschichte, was kann er unserem Geistigen Leben heule mehr geben als dir Erkenntnis einer geschichtlichen Tatsächlichkeit? Wat bedeutet Peflach für uns? Freilich. es kommt aus den Gesichtspunkt der Be. trachtung an: Das geschichtliche Phänomen ist es nicht, das uns diese Zeit alt du Zeit unserer Befreiung er« scheinen läßt, das uns anrührt und zu ianerst durchwühlt Aber blicken wir tiefer, sehen wir die Lugrlegenheit »ub specie aetemitatis als eine solche, die zum Geist, zu de« ewigen Derlen Beziehung bat. an — und das Bild wandelt fich: Nicht irgendein Volk iß von irgendeiner Zwangsherrschast befreit und in irgendein Land geführt worden, sondern: Unser« Väter, mit denen wir uns so urledendrg verbunden fühlen, daß »ir jede Phase ihrer vieltausendjährigen Geschichte als unsere Geschichte, als unser Leben empfunden, unsere Gemeinschaft ist zu« ersten Mal von dem Lose. Fremdkörper in einem mächtigen, selbständigen, kulturell und wirtschaftlich blühenden Staatswesen zu sein — einem Lose, das seine weitere Ent« Wicklung in verhängnisvoller Weise kennzeichnet — befreit worden von unserem gnädigen Gott, durch sein» Hilfe und nur durch diese in das Land seiner Zukunft, in unser heilige« Land geführt worben und damit zum Gottes« Volk geworden. lind warum dies? Das hatte die Vorsehung mit diese» Häuflein Menschen vor? Sollte noch ru Staaten' Gebilde erstehen, das in äusserer Machtentsaltung snn Lebens» ziel sehen, in Gewalt und Krieg da» Mittel dazu suchen und den blutigen Wettstreit der Nationen ausnehmen sollte? Ganz anders scheint uns die religiöse Seite dieser historischen Angelegenheit sich zu gestalten: Gott befteit die Kinder Israels. Wovon? Don irdischer Knechtschaft. Dies ist die erste Hordedingung für alles Weitere, aber auch nur diese. Denn entscheidend in siMich-religwse« Sinn ist nicht die Frage: Freiheit wovon? sondern nur diese: Freiheit wozu? Wozu befreit unser Gott sein Volk? Zur wahrhaft und einzig fittlichen und religiösen Freiheit: zu» Lebe« in Gott. Israel hat eine menschheilliche Aufgabe: durch die Lat. durch sein Leben zu lehr», daß Leben iw Materiellen. m Getriebe und der Hast de« Alltags nichts ist. ein Lebe», nicht wert, gelebt zu werden, datz aber alles ist: tt» Geist und » der Wahrhot. da» ist in Gott za leben, sei«« Gesetze, seiner Lehr« in bemühter Eotschlietzuag das ganze Dasei» zu unterstelle» und jo sein Leben heilig und erfüllt zu machen. Kann e» etwas Aktuelleres geben als diesen Gedanke«? Einen Aufruf, geeigneter, uns zu erwecken au« dem Schein« leben der materiellen Orientterlheit. das wir doch olle — latzt es uns gestehen — führen, und uns zur Freiheit i« Gesetz Gotte», zur wirklich geistigen, weil göttliche« Orientierung zu dnngen? Wrr «le wissen e« — und da» Bekenntnis dazu sei der erste Schritt des Wege» zur Befreiung, zur Cheruth: Unser Leben ist beherrscht von Geldgier und Ehrsucht. Unser Ziel: Reichtum und Würden, unser Strebe«: Gelderwerb und Aemter. Man «acht fich zu« Skttrven der materiellen Güter, die doch dazu dienen sollten. das Dasein des Menschen menschenwürdiger, d. h. reiner und bester zu gestatten, man macht dieses Mittel zu» Selbst« zweck, ist der .betrogene Betrüger' und — merkt es nicht. Man jagt Titeln und Ehren nach, mischt fich mit oft mangelhafte» Taktgefühl in Dinge. du einen nichts an» gehen, möchte nur überall dabei gewesen sein und *euu Rolle spielen', spielt auch wirkttich eine, aber ein« recht, recht klägliche und — merkt es nicht. Achte jeder aus fich selbst! Besreie fich jeder aus der materiellen Bedingtheit und läutere fich empor zur Freiheit im selbstgewählten, von unserem Gott gegebene« Gesetzt Darum: Nicht als Sklaven hallet das Gesetz, lernet es verstehen und lieben, sodatz Ihr ihm als #Bne Chaurin*, als freie Männer anhänget. Dies sei der Sinn unseres PestachsesteS. Der Weg: Sich erfüllen mit dem Geist der unauflösliche» Verbundenheit mit unsere» Gott und fernem Gesetz^ _ C. M. «««rtarfawt* ~ Orgiuilitio» des deutsche« Judeutu«- •w Kt^OmmüU 3acotf»t% I. Di« btutj&n Juden find durch dir Gefitzt. welch» für ihn organisatorische und politisch« Bersastnng bi «lang maßgrdend Bann, ix «in« Anzahl ton Ucintn Gruppen ausgeldst, 4» gibt («int durch da« Gesetz eingesetzt, 6U0t, (tinrn Strianb, btr btmftn wir«, irgendineich« Fragen mit bindender Wirkung für di« jüdisch» Gesamtheit Dtiitschland« zn ngtla. Selbst di« Einteilung in klein« Gruppen folgt »ich! einem einheitliche» Grundsatz» in alt» de»Ischen Lander», sandern iß von Land zu Land derschieden — Wie e« gerade der Zufall Deutsch-irltsnstnallicher Gesetzgebung gesilgl hat. Im alten Preuße» — dem Preußen, wie e« bei Erlatz de« Judengesetz»» tan 1847 deßnnd — gibt t* nur eine organisierte Gemrinschasl der Juden die Jüdisch« Gemeinde. Ihr Bezirk iß zumeist der der polilisdien Gemeind«, Ein« Gliederung der Gemeinden in keinen Derbtild« oder «in» Zusammnrsastnng mehrerer Gemeinden zu einem hiheien Srrdand« egistteit nicht. Ander« schon in den Provinzen, di« »ach 1847 an Preußen fiele» und ihr« vorherig« Judengesetztzetnng bk,bedielten. So haben wir da« Landrabbinot in Hannover. ' ha« Bezirk»rabblnal in Naffau u>w. In anderen — nichtpreußischen — Bonbeist aalen ist «an zu» Deik dem au» preußischen Muster der Zerteilung der Jude» in unter» einander nicht verbundene Gemeinden gefolgt Iso z, >, Batzern), zum Teil aber hat «an einen nuhntlichen Verba nb der Juden (mit teil« weiteren, teil« engeren Kompetenzen) geschaffen (so Württemberg, Baden u, n.). Mnnnigsach ist d'e AS der Gliederung, mannigfach find di» Befugnisse, die da» Gesetz in verschied«»«» Bnnde». staalen den Lmzeloertünde» gibt. Da» RffuUat ist eine deispiellose Zersplitterung In zahllose autonom«, keiner anderen Autorität ak« der des weltlich«, Gesetz«» unterworfene Gruppe» »nd Grüppchen; eine Kleinßnntern, »Ä der seldft da» Mniaturstaalm-Chstem eiue« vergangenen Heillgen Rünnschen Reiche« deutscher Nation sich nicht vergleichen lairn, Die Frücht» dieser verheerenden Destruktion «nd De«- orgenisaitvn find nicht autgeblieben, E» gibt keine» ei», heitliche» Kullni IN den Gynagogengemeinden, Jeb« Gemeint« schafft fich ihre» Kult»« setdft. It gibt lei», einheitlich« tziegeluug der Antzellungroeihaltnifie für Gemeinde beamle — abgesehen von den dürftigen BestimmUU^I, de« Judengesetze» von 1847 —. «4 gibt kei» für alleeter wenigsten« sür di« heiwarrngeudsten Gemeinde» Normalstatut- Jede Gemeinde, jeder süddentsch« verband regelt di« eigenen Serhtltmste nach eigenem tt Ader na« fühlbarer ist: e» gibt Mb Berteetnng deutschen Juden nach außen. Ein Servatverotu, Zentralverein deutscher Giaatltürgrr südlichen 1 üternimmt bu Abwehr «utisemitischer Angriff» und! de» Kamps »amen« aüee Juden, odeaahi er hach mer > Bert rare» bestimmter Partei«» getragen ist. Gin T ' verein, di« Zionistisch« Beninigung für Deutschland, MW»» namen» der deutschen Juden da« Se ifpeechen EngimehDzt»» noch Palästina den Juden gehdreu fit, eutgogen, wiMmW den Mül», durch «in» »er Gm» e« doch Cache aller Jutün trrtung Alter >e »o >M» berufen« Ctest« darüber zn verhaudchW. Wo dteibe» di» zahllosen Irdischen Jnteeefsea, di» ßch Gchtz in den engen Rahmen der Rrhilla emsponnen losfeu. fa»tz«Mt darüber dinautgedend allen deutschen Inden gemeinfnW findl Sa dleidt di« Ostiudensrag», di« Pr»m«m» HM jtdisch-svziale» Leben», bi, Pfleg» jüdischer >H»ffch«Ve Der Deutsch J«r»eIUiIch« Bemriudebund dildm« s Jahn I88Ü, um aus de« Weg« vriVater 1^ da« ,a schassen, nl da» Gesetz de» Inden nicht u__ hatte, eine» Berdaod aller dentsch«» Inden. JntznvG iva« er leiste» >»»»!», War StüekBerk «nd mntzt« WM wendig Ctüibverk bleiben. Da« Gesetz hott» i» tzG» entscheidenden frag,» die Autonomie in dt» (Ml W Gemeinden (unb dort, bo H Landegnerbünte gibt. In hm» Handel gelegt, Rein Gemeindevarßand, sellee — - “ - tanlenveqommlung tonnt» sich durch di» s einem private» Benin«, dem D, I G. pstudten, in ihrer Gemeind« ~ schotze», die der D- I, G. v. Gemeindekirpeeschast, t»d«4! Gomeindetdeperschast. Ried krvst >>^»«6,»,. K» «echchl» »»! ■»«W eine «,mR»i «n4U4 »ertzsttchüa» . D. I. G. «, Mt. dem Mt m nicht ,»sk«, dm l gemeinden, nicht »I« »in» oberste, über Mg Gemetzel setzte AntaSIOti sonder, er tnt es »eb„id»i ot« ei» privater Verein, »nd er hüttesntz kdnmn, daß «in« Gemeind« dag GmoriMl Mim»; BO» er beschloß. Die« war Mtan» dir IMMIa*. ch»f sotgenchtig »vßtz der D, I, ». «. stch vechWM — g» ' verfemt, fich auch in drr TM —. tzstrr GM«, m »> schließen, Welche »ach da» Jndeugchetz, wu AtaMMI ßG ' «ingelnen Gemeinde» gehbren. Er schnf — «»greisend — »o» fich an« gemesf« r gemetn-jüdisch« Bedeutung, di« in de, einzelnen Gemeinde schlechthin htneinpaßtz»,' MM H > l stMttzstatzrmm» » kruft GchtzMii iNWen v«»M« r«ll »» mqm »m m „Ongel. Daß it tw GchetzM MM ■ deutsch«, Jude, Mcht hejech. &CSt % kamft desast « tkm anch d i d»»K»tz audere» Ding«, gewiss« Richtlinie, ans. den, ^!2mU °d« Ablehnung de» rinztz,», Gnnefiede» Hafafai U£ und — Bor bei aStbm et» nt» »tmchm BeMmch.stG niemandem bindend, vorschriftz» »ich» kmenM. GgststG s aber »ar allem niemal» dt» mt sttztlmlnng «ttzr MT* ‘ Jude» »»ch -uh«, bereise»« &U An» dies» wm t seiner Hauptmängel. “ Ptindnt »Iler d< schau Gesngte» ,, _ __ de facto, den, fit»» orstmm gimvm tdcht mm l dentsch«, Inden' hemm, fcjbaWi MW »M r aller jüdisch«, Richtungen, SmchMW die I" der stinzelgemnild«, entsäi^te» Beriretzr in l — Rn Snsnhre», dei dem stet» »nr di» Gektnng knm, m«hn» Ortdadage «m Hinnfifa» mm nnhmtzieise »nd »et wette» facht ihrer mirvch» s efaspnchend Atchlnß auf die ArfaiM, dm D, P. l" geomnfaii. Ceit 18»« erstrebte der D, I «- «. di» > einer bffentllch rechtlich«, Gefomtmtzafasatt» <W deutschen, sonder») de« pnnßische» Indifanm», Etuzelheit«, dieser vestrrbrng» rinzngetzm. Iß I der Platz «>t Belcho, «idnstMtza» » dachai» I hatte, kan» schon Harn»« infimmmen Barde», ' Arbeit di« henta nicht zu» Ziel, gesühet hnt. Ds wvstzev tzvrG Ge H. Wsgust tt?» alle «ü»sche Mch stt» i fotivn drr dentsch«» Zndr» vor «in» »e» " •tfMug grstrlld Art, 187 der Verfassung' S besteht Mm Ctofafairche. Du Zniheit der Beroifagnng / wird gemthrteifis. Der " ' gesrlljchaste» innerhalb I EttfEsstifimgeN Jede Reiigianagesellschaft

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