Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- 10 (12.3.1920)
- Date
- 1920-03-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«l 10. Mt r. Misch, fort Moral gt»mOni iß — sich seLdßverßä»dlich a»f »»ideekegte PmEemitteilangen und enuuaudfaie Beööach' Jutrn gründet. Vom ich erst horte dazukomme. di« genannte Au- ' tchrift ra beantworten, so liegt H daran, daß «eine Zeit Dchr kostbar ist. Ich kann überhaupt keine Ansage geben, einen Schriftwechsel zu führen, den ich nach Sachlage für Mocklos Hille und darum nur au« Höflichkeit führen Hochachtungsvoll und ergebenst gez. Mayer. Geh Oberkirchenrot. Landtagsabgeordneter. Ts handelt sich darum, von einem an hervorragender Viele tätigen Politiker Rechenschaft darüber zu fordern. Nie er seine die deutschen Juden auf« schwerste beleidigende Vchanptung sachlich stützen will Daraus verweigert <>err Macher die Antwort, indem er sich aus Preffemitteilungen Veobachtungm beruft, die er nicht näher bezeichnet. Vir müssen daher in der Oefientlichkeit feststellen: Laudtagdabgeyrdneter und Ged- Oberkirchenrat Mayer di« mchtSwärdige und gewtffenlose Lüge, daß die Juden die ihr Leben, ihre Ehre und ihr Gut bedrohende mbewegung absichtlich fördern, leichtfertig weitergebe,i. diese Feststellung trügt der Unterzeichnete di« Ber- HochocKtungSvoll Dr. Marx. Rechtsanwalt. 'Vorsitzender der Ortsgruppe Karlsruhe des Aentraloereni» deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Die de» Aentralverem mitzeteilt wird, hat Herr '.R»yer inzwischen chie Pnvatklage gegen den Vorsitzenden, «r Ortsgruppe des Zentialvererns emgelertet Alf» i>«aus mtt den Beweisen Herr Geh Oberkrchenrst! Rundschau. Offisierr »»d die antise«itische Hehr. .. ». Mü »ir der in Bremerhaven erfcheiueude« »Volks- Drame^ f18 2 ) entnehmen, wird dort eine umfangreiche «Msouitu'che Klugblattpropaganda betrieben. Es kennte ßH^ßellt werden, daß Angehörige der im dortigen Haken «Mndon TorpedobootSstottrÜe antisemitische Flugblätter WoAiU und auch die Häuser. ,n«be,ondere Geschäftshäuser Mtschrr Einwohner, mit derartigen Druckerzeugnissen hetzte Heiden. Zwei Matrosen, di« diese Arbeit verrichteten parierten außerordentlich vorsichtig, sozusagen .unter Be« d»Gmg"; denn zw« weitere Matrosen beobachteten die 'Wcheit ihrer Kameraden und gaben .durch euren Pfiff" zu 'Wußten, wenn .die Luft nicht rein" war. ES ist endlich -M>»»gen. zw« Matrosen seftnehmen zu ktnnen. die sich ,E« verächtlichen Arbeit widmeten. Sie gaben an. die 'r Wchblätter von ihren Vorgesetzten zur Verteilung ertzglte» I -.Msiaben. Die weitere Untersuchung in der Sache mit» »och ergeben, wie militärische Dienststellen in den Besitz fN«» antisemitischen Hetzschriften gelangen, in denen de- \ -fara« Dolkskrnse gegeneinander aufgehetzt »»erden. — RrichSmanneamt hat die dringende Pflicht, hier lisch durchzugreisen und festzustellen, ob m der Tat die Matosen beauftragt haben, die gehäffigen «ch beleidigenden antisemitischen Flugblätter zu verbreiten. Gg ist ja auch bei der Reichswehr wiederholt sestgeßellt «Kfctt, daß militärische Vorgesetzte ihre Untergebenen zu Vchra schmutzigen Zwecken mißbraucht haben. Wie fest- Mcheßlt wurde, trug ja auch die empörende Gewalttat, die 55*4 in Berlin tn emer Versammlung deS vunde» Drr Lastträger. So» I. S. Peeez. Etzai» iß Lastträger. Venn n sich, unter Kisten und Kasten begrab«', durch die Straße» schleppt, erkennt man ihn kaum und es sied: ß»G, als liefen ei» paar Kisten keuchend und schnaube:'o ü»f zw« stützen Da»n legt er die Last ab und mir :! ine paar Groschen in Empfang — Er reckt sich aus. ttrnel tief aus. ackrtrt die Tragbänder ab und wischt den schv.'iß "t n Gesicht. Dann tut er am Brunnen einen! t':aen -sei lack »ab läuft in einen Hof hinein. Er stellt sich neben eine Wand und hebt siin-n mäck' sige» Kopf so. daß das Ende des Bartes, dir Nasenspitze »»b der Rand der Mütze in einer wagrrchten jinit liegen. Dora ruft er: .Chane!" . Lntrr dem Dach klirrt ein kleines stenster .mr und ein »rtn Frauenkopf. den e*n weites Zipfeltua. umcoha:!. 5«kl fick hervor: .Ehaim?" Daß Pärchen guckt sich zufrieden an. wickelt keinen Verdienst in ein Stückchen Pap,er und wirst ihn hinauf. Chane säugt den Ballen kunstgerecht m der Lust Otj. Sie hat Uedang dann. .Ern prächtiges Weib!" murmelt Chatm. Er hat H»ß noch zu schwatzen. .Geh', geh'. Chann!" — lächelt sie ihm zu. .Ich -HM vom kranken Berl nicht weg- .... Ich habe die 'Mtege zum Ofen gestellt. . . . Mit der Hand schäume ich und mit dem Fuß wiege ich ..." .Die geht es dem arme« Kind?" .Bester!" .Gott sei Dank! Und Hinde . V .Ist bei der Näherin." ** .SWfcit" .Im Eheber" .Neue» Vaterla»b" verübt »urbe «rb wobei Herr ». Gerl ach mißhandelt sowie verschiede« andere P«s,ne» schwer verletzt würben, nun antisemitischen Charakter; ei wurde wiederholt geschrierr. baß Juden überhaupt nicht in Deutschland rede« dürfte«. Cs handelt« sich dabei u» einen Gewaltstreich. den Laltikumlente mit Offizieren an ber Spitze verübt haben. Unter den 2l seitens der Sicher' heitswehr Verhafteten befanden sich nicht weniger als sieben Offiziere. Dre der .Doff Ztg." aus Hirfchberg i. Schl, berichtet wird, gründete dort der .Verband der nationalen Soldaten" eine Ortsgruppe. In der Gründung-' Versammlung, zu der die Soldaten des Hirschberger Jägerdatailloni mehr oder minder kommandiert waren, hielt Unteroffizier Te ßm er eine antirepublikainsche Hetzrede gegen Regierung und Juden. Ter Kommandeur des Bataillons erklärte sein Einverständnis mit den Ausführungen- — Den unsauberen Elementen, die mit allen Mitteln die «mtljem:tljche Hetze in die Reichswehr und in di« Reichsmarrne verpflanzen wollen, muß unbedingt daS Handwerk gelegt werten. ^uch -iue Ekyrühwng Tie au» der Gekongenfchaft jetzt heungekehrlen Kämpfer »erden von öen Zuständen u» Teuft tttanü. das sie vielfach als blühendem, kraitstrotzenbes Reich verlosten haben, nicht sehr erbaut sein, und ebenso liegt es rn der Ratur der Sache, daß sie in ihrer Slrimn.tnz leicht Einflüsterungen zugänglich sws. Tresen Seelenznstand sucht der zur :^e« nüge bekannte Deutsche Schutz- und Trutzbund deö Herrn Roth. o<r sich noch immer gern a!4 Hauplmann a. D bezeichnen las.!. ]ür seine Zweie an^zubenten. inde.n er in den Heiuttedrel-Lagecn Flugblätter verbrettet. die an Unwahrheiten und antijeniittschcr Hetze »ru»e bisherigen Machwerke weit hinter sich laste» und die Heimkehrer gegen daS jetzige Regi.ne aut;u e zen suchen. To heißt eS. daß die Regierunz schuld in an der spaten AusUejerunq der Gefangenen .:nd turen Oualen müßig zugeschaul habe- Dann gehl er gegen dre Juden loS. durch deren Geld sich traurige ^eigüngr hätten bestechen lasten. Juden und Judensölülmge hätten deS Vaterlandes letzte Wehr entehrt und zerschlug,». Wo habe man die Inden grtroffcn. im Schützengraben oder in der Etappe und in den Kriegs» gekellichaften? In dieser Tonart geht es fort, um die Hnmkehrer aufjupettschen und ein'eiilg zu beeinstnsten. — Da« sagt Herr Rvske zu diesem Treiben? E» müßte doch em leichtes fein, ben Sendboten des Herrn Roth in de» Sammellagern das Handwerk zu legen und dieser wüsten Petze sowohl durch Gegenausklärung wie militärische Maßnahmen ein Ende zu machen. Verfügt er in dieser Hinsicht nicht über dir starke Hand, brr man sansi an ihm rühmen hört? — N«rre»h«nLe. Hamburg. 29. Februar. Bot «mger Zeit käme» in Berlin einige bolschewistisch; Hitzköpfe auf den törichten Emsall, durch gekünsteltes Uederlleißern »on Pupierstreifen ihre Wut gegen d'e verhaßte Regierung auszutoben. Die Streifen waren so zusammengeklebt, daß man eine Torheit herauslesen konnte. > Dieser geniale Streich ließ die Judenhetzer nicht ruhig schlafen. Ihre geistige Armut konnte jedoch diejenigen von Spartakus nicht auSstechen, und so verfielen sie auf daS plumpere, aber bequemere Mittel, die Markscherne gleich mit einem größeren Papierstück zu bekleben. daS in schwarzer Umrahmung folgenden Gistspritzer enthält: .Wer _- * * * hilft dem deutsche» Dolle, zumal den Gebildeten, dir Auge», z» öffnen über die Rotweubitzkeit sachlicher Erörterung der deutsche» Iudenfragef GS handelt sich hier nicht «m eine ReligioaSfta§e. sonder» am den Begriff der Raffe. Wollen wir die moderne Erkenntnis der Wisienschan nt&t für unsere vaterländische Betätigung nützen?" Unsere Kastenschnne, so schreibt das .Hamburger Echo", haben gewiß nicht viel Wert, im Ausland schon gar nicht. Durch derartige Kinkerlitzchen geht ober schließlich „och ber letzte moralische Kredit verloren. Man kann keinem Menschen zumuten, einen derartig beschmutzten Papier'cheiN anzunehmen. Wir ersuchen alle, sich tn Zukunft bt: Papierscheine genau anzusehen und sie zurückzuweiien. tqI1« antisemitische Propaganda daraus getrieben wirb Diese skandalöse Hetze oars kein anffändißer Bi nich unlernützeB. 8r»ischtr akligr $d}tn'rrfiiilun. März (hm arze Jadenhetze bat seit cimccr Ze, n, unsil^ Stadt lnsosern ein'.esetzt. als nachts Hcydlätter und Anschläge antisemitttchen Inhalts an Türen und Hüitter geklebt werten. In voriger Rächt rcuu7 bir innere Stadt mit derartigen Anschlägen geradezu sde:'ä,7remmt. Der Polizei gelang es. als Urheber dieser A:''ch:äa» -wei adlige Schüler hei hiesigen Landwirtschastl:chcn ^ennnar» at> > ''affen Giuc polireiliche FestUettuny. München Jh ^edruar Die .Münchener Raueste Rachr:ch:e iLce:dct. In : r letzten Zerk wurden mehrmals an »e-ich edenen Stellen d.r Stadt Zettel judrnfeindlichen Juhnlt-, rugeklebt. Tie Entfernung solcher Anschläge d:. d Schutzleute ließ — so teilt die Polizerdirekt-on mit - manch. ,: Kreisen der Bevölkerung die Anschauung ausko:nme::. die ^tonche rrr ^chutzmannschast stünde in jüdischem Soioe Kein Vernünftiger w.rd unsere« Schutzleuten solche? Söldnerlum anbichteii. Tie amtliche Feslstellun^. .d rß dir Schutzlcute au« Gründen der öffentlichen Ordnung und Sichkrhett angewiesen sind, für die BeseiNguiig die'ir v-rbotenen Anschläge Sorge zu tragen", richtet uch also gegen übelwollende Unvernunft. Ob diese durt. eine dera:tiq« Erklärung auSgi rottet werden lann? Zvdeshetze tu MLocheo. Mür.Len. k- Mürz Hter kam e» zu iudeusemdliwen Straßenkundgebungen. aus die daS Publikum schon rctbcmtrt war. Es wurde tausendstimmig geschrieen: ^.'tkeoer mit den Juden!" Tie Kundgebungen nchieten sich gegen de« Zuz»gDbe< Ostjuden. ALS dre «7- Ministerium des Innern zogen, eüten Polizeimannschaftra herbei, b-.c Maschinengewehre aufstelllen. Ben« Minister war inzwischen eire deutsch'völkische Adorbnung erschiene» mit der Forderung: Ausweisung der Osijuden. Ausweisung aller vom August 1918 ab zugezogene» Ausländer, feraer. wenn eZ sich alt wahr erweist, daß Juden Einkäufe von Schweinefleikch gemacht haben. Entziehung Ser rituelle« Mehl» und Zuckerz»l«gen und deren Zuweisung an Kronkenhüvier. Der Munster versprach, drese Forderung«» dem Minifterr«! »orzulegrn und für deren DurchsthruiU zu sorgen Ehaim senkt befriedigt Kopf und Bart und geht langsam fort. Chane blickt ihm nach, bis er ihrem Blick entschwanden ,st- Donner-tog und Freitag ist da» Gespräch länger und inhaltsreicher. .Wieviel haß du in dem Papier?' fragt Chane. .Zwerundzwonzig Groschen." .Ich fürchte, da« ist zu wenig " .Waö brauchst du denn. Chane?" .Für einen Sechser Salbe für B«l, Kerzen . SabbathkuLen habe ick schon. Fleisch auch — einnnhalb Pfund, hörst du? . . . Branntwein für den Krddusch iß . n H-.i.se ... za. ein paar Späne Holz brauche ich „ v-o! i wn^e ich schon beschaffen. Kindl" 5 l'rauche «ch noch ... "So rechnet Chane aus. irr si.' alle« für den Sabbath braucht- Rach längerer Tedou.- wird festgeffellt. daß für Kiddusch und Kuchen gesorgt sei. und daß eine Menge anderer Sachen do^ nicht undebingt nötig seien E< geht auch ohne si- Cbaim rfrfrtint da« Röftii« zu besorge» und g;hk. ,Tie Hauptsache find die Sabbathkerten und d,e Sa.bfür das Ki.id'. - ruft ihm Chare nach. So gehl es stet« Denn die Kindegesund und die Meffingleuchte: nicht verletzt sind, wenn das kärgliche l^eld gar kür eine Sabbathk.igel reicht, dann hat das Paar einen köstlichen Sabbatd. Tenn (<henes hervorragendste Leistung ist eine Sabba^kugel Irgend etwa« fehlt ihr . nm-r zur regelrechten Herstellung der Kugel, falb da^ Mehl, bald E:er. bald nett. Doch schließlich ersteht ia«nr eine süße, fette Saddathkugel. eine Götterspeise .Da hat «n Engel daran gekott. glaube ich" — iagl Chane und lächelt fmtdi<z. .Gewiß, ein Engel " - Eharm lacht seUg — .Du bist ja solch ein klerner Eng.l. der sich geduldig mit mir »nd mit den Kinder« plagt .... Die Rangen quälen dich tagaus, tagein und ich — »a — bin schon manchmal s, nn wenig biffig .... und du sagst nie er» bösev Dort, wre andere Weiber .... Und du -- ®al für Freude hast du denn von mrr? Du und die Kinder — ihr geht halbnackt und barfuß ... Ich tauge fa «igentlicp zu nichts, nicht zum Kiddusch und nicht zur -Hawdalnh; ich kann Nicht einmal die Sabdathgrfängk richtig singe», daß ihr die wahre Freud« daran hättet . . ." .Hist doch <rn guter Kerl. ern.guter Vater und guter Viann - Bel unserer nnd Israelk^lückseligleit — ich bin'S zuirieden. mit dir alt zu werden'" Die beioen schanen einander so qul und verzenswar» in die Augen, als kümei sie geradewegs vom Traualtar. Und bei Tiiche herrscht volle streude Rach dem Mittagsschläfchen geht Chaim «n die Keine Schule zur Thorastunde. Dort lehrt ein Melamed di» einfachen tboraunkundiqen Leute da« Gesetz begreifen. Es ist heitz. Schlüing schauen die Augen Einer setzt sein! Schläfchen fott. der andere gähnt laut.Dmh mit einem Male - wenn der Melamed von jener Welt sprich^ von der Hölle, wo «an die Bösen mtt Ruten peitscht * Dem lichten HimmelSparadiese. w» du ZaddiKm Irrnen. mtt goldenen Kranen auf dem Haupte da find alle wach und aufmerksam- Die Dangen röte» sich, dir Augen blitzen, jeder Mund steht offen; atemlos loufche» alle der Kunde von der anderen Wett. Chaims Platz ist i» der Rühe des Ofen«. Seme SK«,»-*** *; bebt und Tränen stehen ,n semen Augen. t'sig m der andere» Welt. Er leidet »tt tot u in strdende» Pech, schöpft Waffer in l-chvrig» .;i. imelt Holz in undurchdringlichen Wälder» . . . etß bricht ihm aus allen Poren . . . Dan» er sich mit alle» Zaddiki.-n Da» HmtmelS« e Engel, der Leviathan stehen lodhäfttg vor n. Und wenn der Melomed die Lektio» bek -uch küßt und schließt, da erwacht Chat« oft st, als käme er au» de« Iensett». ' tief Atem: .Lieder guter Gatt! Rur ch«» jener Welt! Mir. »»eine« Meide. de»Kinde»k* ■: nrg hervor.