Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- 8 (27.2.1920)
- Date
- 1920-02-27
- Page
- Seite 5 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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27. feknuK 1920. Beilage zur Jüdische« BalkSzeitaag. Aus dem Reiche. lFEsktzaaz «>« de» Leipzig. Demokratisierung der südlichen Be» meinden. Am Mittwoch abend sprain nner Der« sammlung. dre vom Jüdischen Temeindeverrin nach der Jüd.schen Lesehalle rrvberusen war. A chtSanwatt Dr. Picter aus Hamburg über Temokratifierung der jü' bischen Gemeinden. Nachdem Staat and Kommunen längst demokratisch geworden wären, sei e» nun auch sür die jfl' bischen Gemeinden, namentlich Sachsens, «n erster für bie ijcipjijer Genrernde. die höLfie Zeit völlig trol* twnäres Wasttlicht durch eine B,rsussungrärdeiu> g im modernen Genie zu ersetzen, die die pereckten?l.rderungen der jüdischen "Frauen sowohl als auch der dirher vüll'g rechtlosen Ausländer im Sinne der Gleichbrrccht'guna balvlgN 'ersülle. Die Temokratifierung werde auch das kulturelle ^Leben dcr jüdischen Genreinschajt mächtig fördern Ter :^edn.r fand die einmütige Zustimmung der zahlreich besuchten Versammlung. Fraokfart e. N. Jüdische Dorlcsungäkurse. Tie neu gegründete .Dereinigung sür jüdische Bottabildung" veranstallel von» 28 Februar biS Ende März un Pb>- lanthrvt'in den ersten Lehrgang ihrer Volk-nwUesu: gen über juci'che k>'^enftand*' Tre tz.öfinung>jelkr. lei Nr Rodtriur Tr Nudel aber „tfin MaiKlci aiu der Cr lckichle der Kadvala' 'prach. fand Sonntag, den 22 2 10 Va Ildr vormittags in der Aula der ^lintalt st.:tt. Tie tKesLüslestrlle der Verenigung tisindet sich Bs:ne'tr. £><. % Aus dem Breslauer Semeinöeleden % Breslau. 27. Februar l'ic IadeuKallÜtK. *--:i Rad'.ranwaU 3«rtb«x, fttrtlti. T>e ..Sckrles. Ztg." veröffentlicht ru ihrer ^lunime: oo n 7. Jamre: d Js gleichzeitig unl einer Anzahl anderer alldeutscher Organe AuSzuge aus der auch an dleier Stelle gikeuiizklchnetett Arminfchen Broschüre, die an« geblich amtl'Mes Material über d,e Zahl der Juden rm Heere veralbeiUt. da» — aus welchem Wege wählt - au» dem Krregsminlßenuoi in d»e <räirbe der Alldeutschen gelangt ist. Bereits al4 die Schmach der Judenzäh'ung - schmachvoll ft-, die Zähler, nicht für die ^zählten — le ka»nt wurde, hat die deu.sche Judenhert in iLrwartunz »euer Tucken zur Selbsthilfe gegriffen und ihrerseits all?» «ögluhr getan, um eiu wahrheitsgetreues Bild der Be» SeUrgung der „lubcn am Waffendienst tz^rzu-teri,«. Tenn fet» war von vornherein klar, dost die am 19lö, da» heißt 5 Lage nach dem Schluffe der Zeichnungen auf die L- Kriegsanleihe. angeordnele Zählung ein ganz falsches Bild ergeben mutzte. Worden doch die durch Krarikhnt «der Verwundung t.« zu dresem Termine aus dem Frontdienst Ällsgrschiedearn als Heimkrieqrr gezählt? Man er' nmert sich einer da mal» veröffentlichlen Anklage eine» mehrfach ausgezeichneten, zweimal schwer verwundeten, lüdiscken Soldaten, dem gleichfalls dieser Makel aufgedrückt wurde Derartige Vorhaltungen, die den Behbrden von allen Serien gemacht wurden, oeranlaßten etwa drei Mcnale später eine rnsolge de» beständige» Wechfelns der Mann .schäften zwischen Front und Hermolheer freilich unzuoerläffrg» Ergänzung der Süttlftrk. Tie nachträglich gestellten Fragen svlllsn ermitteln, wer von den damals rn der Garnison befindlichen Soldaten vorher im Felde gewesen war. Es erscheint auffallend, daß nach de» alldeutschen Veröffentlichungen das Lruiinjche Buch diese Ergänzung unberücksichtigt läßt und idrer nur Erwähnung tut. um eine Sävgerung der Zahl der r« KnegSminlstenum tätigen Juden in der Zeit von November 1916 b«S siedruar 1917 feftzuftellen. Spricht schon dieser Umstand wenig für die von der ..Echles. Ztg." gerühmte Objektiorlät der Schrift, jo noch viel weniger die Tatsache, daß. um ein Bild von der Beteiligung der Juden an der Verteidigung de» Vaterlande» zu gewinne», für die Feststellung brr Zahl ein Zeitpunkt gewählt wird, in dem die KriegSzeit erst etwa zur Hälfte verstrichen, also ein auch nur annähernd abschließende» Resultat unmöglich zu erzielen war. Jeder weist, dast unendlich viele, die damal» noch al» dauernd g oder a. v. bezeichnet waren, schon ein Jahr später infolge de» beständigen .Auskämmeus'. wie der schöne Abdruck lautete, als k. v. au der Front waren oder al» Opfer der Krregsareuel unter dem grünen Rasen lagt». Lvd wieviele jüdische Bolksgenosten uxr.-en auch hierunter! Gerade die» aber, nämlich die erst im späteren Verlauf de» Kriege» eingettetene KrontverwendungSfühigkeil, ist ein Punkt, auf den bisher trotz feiner Wichtigkeit in diesem Zusammenhang« noch nicht hingewiesen worden ist. Während im ersten Teil de» Kriege» dre Anforderungen an die körperliche Tauglichkeit eine» Frontsoldaten sich noch annähernd den im Frieden ausgestellten Vorschriften anpastten. fast «an infolge der Notwnrdigkeit. für die abgekämpften Formationen neuen Ersatz zu füllen, im weiteren Verlauf de» Kriege» dazu, diese Anforderungen immer mehr zu verringern und Leute in» Feld zu schicken, die man kurze Heit vorher noch als völlig ungeeignet hierzu bezeichnet *1«. die hierüber Bescheid wißen, iß bekannt, hast z. B dre Kolonnen der Artillerie seit 1917 sich zum grüßten Teil au» Mannschaften ergänzten, die selbst da« »al» nur noch als g. v. bezeichnet waren. Gerade zu den, erst durch die geminderten Ausorderunge» i» zweite» Teil de» Kriege» Verwendet« gehörten aber verhältnMmöstig viele Juden. Tenn fie stavden al» Stadtbewohner — fast 81t Prozent der dontichen Juden wohne» in der Großstobt, de, v erte Dil allem m Berlin — der christlichen Bevölkerung, dre in ihrer Mehrheit aus dem Itaate »der in kleinen Lrten wohnt, an körperlicher Eigmeng »ach. Ta» ist eine Toisache. die jedem rechtlich Denkenden ohne wettere» ernleuchteh an der den Juden ficherluh keine Schuld beizumeffen ist. Betrachtet »an aber selbst die >rminsche Statistik unter diesen zuletzt erwähnten Äefichtspunkten. so muß man fie a!» den Juden durchaus aünstiq bezeichnen .Bo» der Gesamtzahl des Heeris". so schreibt Armin, .waren damals 51 Prozent, von den Juten 41 Prozent an der Front". Tie Tiffereuz von nur ü Prozent kann demnach nicht als bedeutend und als beweiskräfticz titr die Behauptung der .Schlei. Ztg." dienen, daß der jüdische BUksleil sich in .auffallend geringem Maße" an der Derteidiguntz des Vaterlandes beteiligte. Im übrigen wurden jur dcn <7ron'.diknft — i nd das dürfte doch wohl das ausschlaggebende sein — w.ltere Vergleichszahlen überhaupt nicht beigedracht. Aas nutzen dre Zahlen der beim Heimatbeer befindlichen, rn Lchrelbff rden lä'igen oder reklamierten Jute:,, wenn nitt dre cnisprechenden Zahlen und Prozentsätze der chnstuchrn Soldaten uutgeterU ivrrteil i Tie von der alldcutichen Presse mit Behagen breitgetrc'.enen Feststellungen de« Arlinnschen Buches Hoden fänrerlich ttn Zweck, dre Wahrheit zu rrmrtteln. sondern gerade dre Irden planmäßig hrradzusetzen. Wäre e« anbrrs. fo würde man nicht gerade sie. sondern auch andere Bevölk-'ruiigtzschrchren oder bestrnrmte Berufe unter die Lupe Nthrrrrn und ihre Vete.lrgung am Auoq: ertorschen. W>« intereffaitt wäre es z. B. etwas darüber zu erfahren, wie groß die Zahl der Rlttelgutsdesitzer ,n Ostelditn war. die trotz ellen .Auvkämmens" unberuhit und ungerührt zu Vvuse blieben? Cfcft we«n man durchaus weiter nur auf den Juden hrrumrerten will W" doch war der Prozentiatz der Juden unter den Soldaten, die sich der Fah.ienflitchr oder dco Uederlauzui« zur» Bernde schuldig machten^ Wre diele knegsgerichtliche llnterfuchungen wegen Feigbeit schwebten gegen jüdische, wie viele gegen christliche Vtai-ilschasien und Offiziere^ Wre groß war der Anteil der Jude« unter denen, die sich, um dem siroiildienst za entgehen, durch Schaffe rn die Hand oder den Fuß. durch Lerätzung von Wunden mittels säuren selbst verstümmelten? Wie »roß war der Anteil der Juden unter denMigen Offizieren, die sich zuai gleichen Zwecke vor dem AusrUcken an die Front <^eichleä.l«kcaukheile» zuzogen oder dre Disposition zu bestimmten Leiden durch unsachgemäße Lebensweise entgegen den BorschrNten des Arzte« erhöhte»? MAchi» Feld für lohnende Statistiken? An du Arbeit! vte £iU«i feer 1. PalLÜiua-A»ffe««»»che. crchlu», Tre nächste Veranstaltung, der GesellschaftSabend mit Tanz, diente vor allem dem materiellen Erfolge. Dank der aulopfernden Lätigkeil dco Herrn Rabb. Dr. Kalischer, de» Herrn Architekten Loewenstein und Fräulein Heische Täubler. ^owie zahlreicher Damen und Herren der Gesellschaft. wurde die große Lime de» Abend» durch die von Herr Tr. Malischer erdachten und von Dr. Wallerstein inszenierten .Lebende» Bilder" gewahrt, die da» KoluS mit fernen Leiden, die Sehnsucht de» AhaSver nach Gott und Ruhe, aber auch stille -Szene» au» dem jüdische» Leben und — um den Sinn de» Abend» zu verdeullichen — aus dem Leben unserer palästinensischen Kolonisten zeigten. Dann allerdings kam die infolge der UederfüLmg de» großen KonzerthaoSsaale» beängstigende Enge de» Tanze». In den SeUengängen waren vier Konditorstübchen, ein Blumenladen und eine Bücherbude eingerichtet, die sehr aut besucht waren. Eine kursierende Zeichnungsliste brachte S000 Mk Am Schlußtage landen vor- und nachmittag» ze ein Kinderchanuhafeß und abend» da» Turnfest statt. Die Kinder waren glücklich. Tiefe Freudenstimmung ist allein schon ein Beweis dafür, daß dre Kinderfeste, um die sich Frau Rechtsanwalt Lachmann besonder» verdient gemacht hat, glänzend gelungen find- Beim Turnfest wirkten eine Männer- und eine Frauenrrrge de» Kattowitzer Barl och da mit. Die Leistungen der Kattowitzer und der Brrllauer Turner und Turnernmeu de» jüdffchen Turnverein» fanden zeitweilia tosenden Beifall. Der Abend hat der jüdischen Turnfach« starke Shmpathien in allen Kreisen der Bevölkerung erweckt- Am letzte. Tage der Ausstrllung fa»d sich ei» kleiner Krri» von Getreuen zusammen, der sich sagen konnte, daß die große Arbeit sich doch gelohnt habe, daß taufenden von Menschen der Palästmagedanke — oft wider Willen — so nahe gebr»ch1 wurde, daß fie sich mit ch» anöetnander setzen mußten. Man gab sich der Hoffnung hi«, daß au» dem ersten Versuch manche» gelernt worden ist. sür spätere Palästinaarbeit. auch für späte« Bücher» und Kunst» ausstelluagen, schließlich aber auch, daß diejaÜDen. die diesmal nur Gckd für den Aufbau 6tq Jsroä» her« gegeben haßen, da» nächst« Mal schon »it dr» Herze, dadei fein werden. Die erste Palästina-Aufdauwoche ist vorbei, e» lebe die zweit»! _ ft, 3k. aj fie gcnvftrf* ge|ta iu fafet». De OrParntch» Breslau de» Zentralve«in« Stuatsüirger jüdischen Glauben» veranstaltete am ' tag. den 19. d »t., im gut besuchten F«und»saal Srürterung»afiend. m dem Dr- Paul Nathan und 4 ful Dr. HoUänder Über die un» Juden gemachte» würfe refirierlen. Der Leiter der Otttanchste. Hirschberg, begrüßte d,e Erschienenen, darunter Gäste s, den Polizeipräsidenten. S:adttom»a»l" eine Anzahl nichtjüdifcher Geistlicher. Dr- V< feinen Ausführungen einen Rückblick auf Epochen der deuttcken beschichte zu Grunde. Im«« sich iiachweisen. daß der Judenhaß der Reaktion zu« spann diente Tas Nebel de» Antisemisiömu» ist ftlf»' von heut und gestern, sondern eine stch von Ge»W auf Generation vererbende Eigenschaft, die je nach äußeren Umständen sich iu der Vvlktpsyche auSprägt. in unserem Zeitalter war diese Erscheinung «ied« Z» odachten. 1914 der große nationale AulschwunL,^ erst da» Verstummen de» Konservalißmu». dann ad« von Tag zu Tag lauter werdende Hetze gegen di» Der AnliseinrtrSiNii» soll herhalten, um die au» den ' Hünd,n entglittene Macht wieder zu erlavgen. wilde Früchte waren schnell erfunden und gebracht, um lo den Boden genügend dvrzuberecken. zu cehvrt auch da» Märchen von dem überragend« stuß der Juden ans da» devtfche Nvlk. R« Ha»d Elnwvhil-rstailstiken laste sich die Haltt«fi-kett dies« / würfe — deliiig doch 1 '.i 10 Z. L. b« Prozentsatz Juden 9.5 be, 100(i Einwohneru — leucht noch« Dnse kleine Minderheit alzo soll da» ll^ß» Dv8 sächlich vergewaltigt haben. Wer da» ftUuftt der M dumm sein, daß er sür da» politische Leben Ntchh in betracht kommt Ein ebenfalls völlig ungerechtfertigter Dor«rf die Bedanptung der unbegrenzt ^rvße» Zuvand» dem Osten dar. Höchster» fei die Zach' t*c ftU stüchttmge zu uns gekommenen Ostjudea 20099 sich nun einmal darüber Nar Verden, welch» eiqcnttich zu den Judenverfolgungen i« Pole» m find Bor allem rst e» dre Erinnerung an jene die Juden mit den einzwhenben Deutschen khm> Und jetzt, da man ste für diese» PHA»tzi knechtet und bestraft, dankt dös deutsche Volk jenen mit Haß und De«chtu»G. Der heute bei un» «rhrrrschend» den Haß gegen alle» was deutsch »st. r» d« vermehrt. Deshalb werde» auch die deutsch« Ai ,m Ausland schwer zu kämpfen haben, tzür i oder wird e» heißen, alle Kräfte zu säen »ein, schwere Lösche zu überstehen. Wenn die “ länge, würde die zu erstredende deutsche schwerste aeführdet und »in« Zervüst»«- Tür geöffnet fein Air wollen un» nicht schützßwd » jentgen stellen, die die Etesetze übertrete«, aber Wir Mitwirken, daß der Gesundung unser« dent leben» durch da» verurteilen»wert» Verhalle» politischer Heißsporne keine Schwiengtril» t» gelegt werden. Syndikus. Justizrot Dr. Holländer, refeeteeäe zweiter Redner. Stet» mache »an. so lltßet» CS Vt,nö«heüen verantwortlich sür Doriälle allgSUwä«« Da», wo» man in Devtfchlaod den Jude» vw in der Literatur der feindlichen Länder den Da» Ausgeprägteste an der derzeit»»« Hetz» fei. iprmer wieder für all« wirtschaftlich« f' deren Ursachen dech allgemein auf den » führen find, die Juden al» Schuldige tu Kedner kommt dann auf dar Vorwürfe da zu sprechen, deren Entkräftung ja hmlü»gÜch Auch di« Namen der Propagandist« dolschiwiWfchw die mau un» gern anhüwgt^ weist er als aich Man verl«gne auf d« ander« Seite dfe Jnd« «da solchen Person«. Me voM ^tztzsü stammen, dm« man für ihm Verdienste hahe Ach gezollt hat. Dieselb« Leute, die h«t» v« d«t Bolschewismus sprach«. Hab« ja chede» «fe»A Prophet« dieser Lehre. O«ia mW Dwtzßtz. a»üwer< noch Rußland quer durch Deutschland zu ßchast«. wird mau di« Geister, die »an ries, »üht Redner beleuchtet dann die wittschaFlich» wie Rationierung. Zwang», «ch 9ta4ul9|t sühruug ehedert nickt schnell genug geh« k«ut» j mau dre Jude, für ttefe Aw«w»laae verautwartllch Man soll« auch nicht der pchqch« Eustckfe der» genial« Arbeit« m» übechaupt et» ermöglichte», da freilich gehe »ux drru HtkL Redner mahnte gleichfalls zum fest« H»rsa»»«tzßtzM die antisemitisch« Hetzer, de»« er nur zu .Du sollst mcht falsche» Zeugest» aßleg« Ww, Nächst«!' — Heber die Debatte fkfc feik t. in# ftbr. »t Adw SSt fl 17 0 mtn tit» tnxsi( LteJ ***** SB 10