Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- 8 (27.2.1920)
- Date
- 1920-02-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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fc-r’* I , ZLdiltdr *5[Uinuraj'' e^chnni W»che»v<ch an »ede« Freilag ond »2NU I f>Mohl durch fcie Pot. »t, LLch durch dir GrschZndsttle zum Hrnse von I meNerjährldch Mk. SL6 drzv^ni werden. de, Idtzotonz m der G«zchLft»SeL. 1 «L 3,3u. S»-e1»r 9hnmrr SO Pi Scrnfpr.-flnfd)luö 372 poftfd)(dt>Konto Breslau Tlr. 17393 nttrr 5. LlU&ftU «*«**!*■ der «Ettete 10-4. der Sch^ftlrioum »-4 Btt »»zeige» »erde» »Hl 80?f„ «» fecMt|»9irv €te4e wk 1,00 BK. fftt btt eisspalrige tkiajrik «der dere» Kam» derech»e<. Sei Si^ech»Umg Erwäßt-,»-. Nr. S Schriftleitung. Verlag und Geschäftsstelle in Breslau I. Echweidnttzerstraße 37 Zuschriften und Teldfrndunqen sind dorthin zu richten. — Dfr Geschäftsstelle ist Sonnabend-, Feiertagt und Sonntags geschlossen. Breslau, den 27. Zedruar J920. Zahr^n» XXVI '» J ZLr bk »it TUacn ßeretchnele» R»fsKtze, »eiche Ik PersvrUtch« Setmen, de» verf»Gee» n» N»»druck brinoen. Gb(min»t die S^rlfllclht», a«r die prrfc- -esetzlich« Dfrontwirtvfl,. Srltsterkruutnis. Breslau. 22. Jffani.it. .Eeldfterkenntnlb ifl der erste Schritt zur Besserung'. Seldfterkenntnis. — Hsben wir ste nötigY Wenn je diese Frage mit .ja" beantwortet zu werden verdiente, so nach den Vorgängen der Zentralrerein-oersammlung am vorigen Donnerstag. Der Verlauf de- Abends hat so recht wieder gereizt, welch schwere Fehler un- Juden noch anhasten. Fehler. die immer erneute Schwierigkeiten vor unaustürmen. und die gut zu machen doch so wenige sich fanfibert. Man ladet ju einer Versammlung, in der Aber die un- Juden gemachten Vorwürfe referiert werden soll. Behörden, führende Perssnlichkrltea. Nichtjuden. christliehe Geistliche ein. Die erste Frage, die ersteht: Hat solch ein Abend vor einem au- HL*/» eigener Stamme-» genossen zusammengesetzten Auditorium einen Zweck? Man will Jutkn über die Thesen der Nntisemilen ausllüren und ' feie Haltlosigkeit der Vorwürfe Nachweisen. Wäre ti nicht «Gebrachter, man ginge zu jene«, die da- Opfer der MmhchMG M werbe» drohen, man ginge zu den Arbeitern, feipii «ck tmtin ssb sei« ihnen, daß die Juden find ck» bi« Mchtjudm' 9tin, n«5 taff de« eigenen Gemeindewitgliederu davor Augen zu halten und ladet dazu eine Reihe prominenter Nichtjuden ein. Sie erscheinen auch. Was hören sie? In wohlgeformten Reden aus sachkundigem Munde wird da- Äanstante am Antisemiti-mugezeigt. Wir nehmen an anderer Stelle Gelegenheit, auf den Inhalt der bellen Vorträge einzugehen. Die beiden Referenten haben gesprochen. Tie Debatte beginnt. Der zweite große Fehler. Eerscheinen Vertreter der Poole Zion. Sie wittern hier guten Boden für ihre Kampfarbeit. Bürgerliche Gesellschaft, der sie Rocken» schlüge versetzen können, unbeschadet darum, ob Nichtjuden. Polizeipräsident. Pastoren und andere Gäste anwesend sind. Mußten jene beiden ungeschickten Redner auftrrlen, mußten sie eine Defination de- .DolkS'bcgriffegeben, gerade sie. die über so wenig oratische Fähigkeiten verfügen; Fe verhaspeln sich, stolpern, rusen den Mißmut der Versammlung wach und dringen den (Stein in- Rollen. Pastor Moering. In dankenswerter Werft geißelt er den Antisemiti-mu-. bringt achtbare Beispiele jüdischer Wohltätigkeit und begeht in der letzten Minute die große Taktlosigkeit, dem rn- Rollen gebrachten Stein einen neuen Fußtritt zu geben. Versetzt einem gewissen Telle unserer Gemeinschaft eine empfindliche Ohrfeige. War danotwendig. Herr Pastor? Welch Geschrei würde sich er» heben, wollte sich ein Jude anmaßen, sich in Vorgänge Ihrer Gemeinde einzumischen. Aber Eie tun ebei un- und schüren den Funken, der einmal in die Versammlung geschleudert rst. zur hellen Flamme. Man hat da- Bedürfnis sich bei Pastor Moering zu bedanken. Für seine außerordentliche Toleranz. Prof Wohlauer übernimmt es. Er sieht ihm ja an sich als Fraktiooökollege nahe. Und nun postiert etwas, was ich ckts den dritten schweren Fehler bezeichnen möchte. Prof. Wohlauer versucht den rollenden Stein aufzuhalten. Er leugnet in Gegenwart der prominenten Persönlichkeiten jede Möglichkeit eurer von Herzen zu Herzen gehenden Eesühl-veebindung mit den Ostjudeu ab. Ä gäbe keine Vollsgenosten, sondern nur «ne Glaubensgemeinschaft. D^ jüdische Doll hat bestände», das Judentum wird bestehen. Als Ostjuden bezeichnet er wohl die beiden Der» freiet der Poale. die den Zionisten an die Rockschöße gchangen werden, obwohl der eine — dafreilich konnte Pros. Wohlauer nicht wissen— ein Bre-lauer ist. Aber es sind eben Ostjuden. Menschen von jenseits der Grenzpfähle. von denen uns so viel scheidet, daß wir ruhig zegliche- Gemeinsame ableugnen können. Mir fiel bei diesm Worten eine Begebenheit ein. t November 1914. Grajewo. ein kleines russisches Grrnzstädtchen oben in Litauen. Dir haben baü erste Mal ruffischen Boden betreten. Feindesland, dessen Le» wvhner ununfreundlich onfthen und gegen die Vorsicht geboten erscheint. Zum ersten Mal sehe ich mich zwischen dm Wohnstätten 'ustischer Juden, die ich nur durch ihn Vertreter als Schnorrer bisher kennen gelernt. Jetzt find es für mich Rüsten. Bürger ernes uns feindlichen Lande-. Unftre Kompagnie steht »n Marschkolonne aus dem Marktplan Plötzlich ein Geschrei Ein Kaftanjude wird von zwei Fel-grauen auS irgend einem Grund« geschlagen. Tie Kameraden lachen. Einer dreht sich zu mir um und sagt: .Deinen Bn'idern geht es aber hier nicht zum Besten!' Wa« hat er gesagt? Meinen Brüdern? Die Rüsten, meine Baibei? Wie kommt er dazu? Nichts verbindet m,ch doch mit jenen feindlichen Zivilisten. Und während wir weiter marschieren, de« Tag« und de- Nachts, will es mir nicht aus dem Kops: Der christliche Kamerad, der Arbeiter oder Handwerker, der wie ich zum 'ersten Mal in seinem Leben auS dem deutschen Lande herousgekomcken ist. empfindet, daß ich. der jüdische Kamerad und jene rustischen Juden Brüder sind- Und ich selbst? Mir fiel eein. ich hob« nicht gelacht, als der Jude geschlagen wurde Warum habe ich nicht gelacht, wo eS doch alle anderen getan haben. Ob doch eine GeiühlSverbmdung bestand zwischen mir. de« deutschen Soldaten jüdischen Glaubens, und dem rustischen Zivilisten? — — — * Wie gesagt, die- Erlebnis kam mir just in den Sinn, als Prof. Wohlauer jene oben angedeuteten Ausführungen machte Poale Zion ist mir nicht sympatisch. aber d,e Worte des Herrn Prof. Wohlauer taten mir weh. well sie mir ungeschickt und unangebracht erschienen. ^Der. - dt». Pastor. Moefrna^nn Hcklvß seiner Antzführungen gegen die Zionisten geführt hat. hatte empfindlich getroffen. Er ruft «men ihrer Vertreter auf den Plan, bet dem Gast wenig Liebenswürdigkeiten sagt. Man mag die im Augenblick herrschend« Erregung zugute halten, trotzdem: die Art und Weift der Zurückweisung war an sich dem Gast gegenüber unpaffend. Große Entrüstung Einer tritt auf und verbeugt sich ei« paar Mal vor Pastor Moering. der es leider nicht steht, da er die Tür bereitvon draußen schließt. Man heißt den nationaljüdischen Vertreter „renitent*, der darob emporführt, und al» er vom Borstand-tisch keine Genug» tuung erhält, recht geräuschvoll mit eine« Teil seine- Anhang« den Saal verläßt. Mußte beidesein? Mußte jener aufstehen und daunqualifizierbare Kompliment macken, war eandrerseits unbedingt notwendig, seine Empfindlichkeit so zur Schau zu tragen und gleich die Versammlung zu sprengen. Beides war nicht notwendig, beidewaren Fehler, die wir nicht machen sollten im Interesse unserer Sache. Der erste Referent de- Abendgreift nun auch de« Streit der Brüder auf. Aueigener Anschauung glaubt er verfichepi zu können, daß Palästina niemals die Hei«at aller Juden wird werden können. Die Worte Dr, Nathans rusen noch einmal die Zionisten auf ben Pkan. Ihr Vertreter weist aus das HeimstLtten» Programm hin und wendet sich gegen die angeblich Utopisten Gedanken. Rügt außerde« das Verhalten der Derfammlungsleitung gegen seinen Gesinnungsgenossen. Eine harte Pille masten die schlucken, die den Zionisten ihre deutsch-vaterländische Gesinnung abzutprechen versuchen. Das geschieht allein Gegenwart der prominenten Persönlichkeiten. Man glaubt, das Unerfreuliche über» standen zu haben, als ein Vertreter der Jüdisch-Liberale«, nebenbei bemerkt »i« Verfechter der monistischen Lehre, noch Oel aus das Feuer gießt. Das war auch Unbedingt notwendig, nicht wahr? Denn ich nun de« Verlauf dieser Aussprache über den Antisemitismus (so nannte e» die Lage«ordvu»g1 rückschauend überblicke, so kommt «fr so rocht die Erkenntnis unserer Fehler, die »«- immer noch ««hafte». Ich habe fie anzu deute« ders«cht, nicht um irgend inunka zu krünken. sonder« um allgemein z» zeige«, daß Selbst» erkemrtnis uns so bitter not tut. Daß wir aus »nsern Fehlern lerne« sollten. Ader freilich, wo ist die gemeinsame Basis, die unwenigsteneinmal einen müßte. Sie ist. scheint», nicht ei«»al in de« so notwendigen Kampf gegen den äußeren Feind. Egibt kein Judentum, egibt viele Judentümer. Und ehe fie nicht alle sich zusammenfinde« z« gemeinsamer Arbeit, solange wirder Antifemitt-mnblühen und wachsen, denn er sangt immer neue Nahrung auder Zersplitterung und Befchdung der Inden untereinander. S. J. Deutsche volkSpartei — Antisemitismus — Ogjnde». » Mt •» WM-il UiifbiMta 1 ÄLL7 Die .Deutsche VolkSpartei" ist ein« Fork^LNtztM früheren?kaiion«lliberalen Varlei, bes»nd«r< ihre« nv—. j ftlüptU Su de» üdrrn»»»en»n Erbgut gehtak eta» t ,emste Unklarheit in der Polittk. ein gevistet Schl in der Eteltungnahme rn hnieiMl Vradle»e». neigt sie grade jetzt ja fthr nach recht«, tat >» füllt ju jagen, worin st« sich »an der Vollapariei noch unterscheidet, mit der sie ja Elch HU» Wahlen znjammenging- C» »rrd gesagt, tag Unterscheidend« sei die Stellung jo« Jadenftngi ding» merkwürdig grnng: van recht» wirkt »an d»1 »or. daß sie nur mit Rßekficht ans de« r«tch«» I sich ihr angrlch>»si«n haben, AnuiuqtaK JtchUj. ander» Mi«, nicht in lntiftaitiiMiil mach«, tal I IN der Linie itzrr: Idee» liege, kta« lint» »s man den Borwuef de» zumindest »«sticht»» I »nd e« der Partelleilnng nicht tnuner, Vorwurf restla« za widerlegen Hdrrn wir, »ne ein stlngblntl der D, tag t sich eine« Lartrage« de» Lichienderger Ltt»gM»»l^ «aretzkh, in Bretlau I»r Verteil»»» gelangte, I t« tzntz» da »ach «ine» Itjatz a, der een l?ur Manarchie nittztlt unter t», imitiemntl .Die Deutsch« Volktpartei wirst je nach Ltandpnnkt »nstVorteiltald»Uei»« stalst al» «in« pstilajemitilche Partei "" «-«i i)t:1hr'M«-atata. »Mettar sterrorgestt, da« ein« j» wenig \ >«nj entschieden lehnt fie den »achwitan wgrdelase« gtadaneAntt tritt ehrlich ein fltr staat»tgrg«rlich» alle« Deutschen ahne jed«n Ilnterjchteh, Jede, deutsch« un» natisaal-tantaest» Just» iß iß» > her in ihm» «eiste» alt SJtttglti» Sitbmit. Die Deutsch« Votk»p»rt«i tekümpß »tat »it rntschiedenheit all» Arrsetzungthestmstungr», stt»« vekenntniffe» zu« nativ»ale» Staat» nnst Vallttum da« Weüdtrgertnet »nd »ater seine» t nur zu »st die gewiflentos, Selbstsucht e Sie »eiwirist »fie Bestrebungen, Empfinde» zurüekdiünge» «ollen zu Gunsten I und wesentstrmder Uustastungr». Deren N sich leider in den heutigen gtrÄerunge» nnst dem tarüchstgten partan,ent«rischen Unters«. ki, vnd bedauerlicherweise finde» sich Unter auch uudeutsche, eine» autfichttlos«» f _ jagend« Juden, die dadurch her «rtijemttisch» > nn»er neuen Nährstass geh«,. I» stuf«» sich de« Drntsch» Volktpartel «in» »it den* ««iiO Nal senken den Juden. Di« Deutsche Balltpartri »Ul da» deeetsch» Ml erhallen i de«halt bekümpst sie iatbesmch«, hi« ' gtenatutian eingetretene Ueberstutung Drutschlaatzg sremdstgmiaig» Sindrinaiinge, hi« uns««» «rgriher» und gibst»«,t«il» bc Schi»t«rt»m mindest»»« sehr »ah« ßchml Dir Deutsch« Valktgartet ‘ydt -taste, gefiunstn Männer und Fravrn «Nst sich ihr « und sich politisch zu schal«» uni steh palitisch z» I »» h«r»rtig« schädlich, Emfigss, aus «»(« T zu br«ch«n. Nur auf dies« w«rf« kau» der d« taut» wieder zur twrdieairn Geltung ko»»»'. — vir gestehen, aach »ir find i - -, - > der .«inrm »»«fichMtas», Wellbtrgertu» »gchf Juden", hi» feldst sich der wahrscheinlich Mt » Bezeichnnng.undeutsch' nerwastr«, werst»«. Wirf d«r Virinung, hast da« Vordrüage» dentfcher »olrtrsch«r Beziehung duühlue« dem s deutsche» Juden adtrügiuh ist Ader wenn wir < »ach dieser Sichtung etwa» mehr DdGifgstl i hettnng fitr richtig hatten, so ist tag stach I ander»«. «U wenn >»sttastch«d« hi» Vach BiKünuf bringen und gtaude». in diese» t »an .8usetz»ng«l>«Kr«hit»ge»', um« , deutschen Empfinden» zu Gunsten wesenssrrmder Anffasiungen', «an sucht', von he« .derdchtigie» snchangl-nNs chust' «tau ja Fiugstiatüiser llrst tach Mir tmii |oa(: «G»^ i Vertmter > 'JSM als