Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- 3 (23.1.1920)
- Date
- 1920-01-23
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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k.1. «k 4 ►J Or. |nik(« xch (idn. Siili*. 18. Am»«. Df. if tm 12. 8. DU». »»ch km «kjnrk, m» kctt a» kn Irderte» der Seit*«« Db (kMüfttfkknnm der Jimnßilchn Brtrtnifua« ftc •ntWlmk mnk« kü jo* «U|n SMninttnteg k»«ch ratnauk« BesLlxß bt« GeKküftrsühreike» I«** de» AntzoOmrite* in folgnbet BcH< jrogrit: Den Sxlif der Zlrmiftiscke» Bereinigmr, skr Deutsch, link ükerninnnt Herr Dr. Alfred Alt«, fieldertretend« Bo ätzend« find k>« Herrn vliMeuseld nnkLichthei». B» drei gnmmten Herrn kildn di« Eiekntr« de» G«ich«st8fkh,i,ke, iNdschusse« per Orledi^m, der lausenden Vqchüft». Die Leitung de» Büro« wurde Herrn Sichthei« »kertra^n. _ •iafcrrafsxt fett Mvifttz» PfU^Uf*kmfm«| ,«tz -L»tch. Cnt Pari« wird der .Itkischn Prrhjextr»!, Zürich' Ein»» leiten« eerschredener Hilstkmnite«« geüuberten Mnulch» Folge leistend, hat da« .Komile» der Jüdische» Delegotimen kei der ssri^ndlonserenz' in seiner Sitzung »»» 88. Degemder solaend» Resolution angenommen 1. Di» jüdisch« Selttzilsglonsern« wird vom 7. di« 11. *»üt« 1810 stattsindeni 8. Du Ponserni »ird in Zürich adgetzaltn »erden. Der Aufichnk der skr Januar «etzlantn Ponserng Muk« vor air» dektzalk beschlossen, weil «» verschiedenen Delegierten kkerseelscher Länder und Skdrutzland« technisch —n-v,e>» ist, mi Anfang Diürz 1810 jn> Ponsermi llogesntzr 70 Hilsgorganisationen. bin «8 Sünder Mi treten, nnk «nig» indische Zentralorgnnisationen sind eingchnden »orden. Vertreter pir Pouseren, ,u delegieren. GiNWn»st»r»Ug«sfn,fn fiir )»eriir». One G«ppe Mischer Politiker in Ameriko Bit Jakob Schiff an der Spitz« hat dem amerikanischen Küßen- Wßftstenn« ein Memorandum vorgelegt. in welchem sie Hnsschlügt. daß da» neue Jmmigratronsverbot sich aus die Aaneilirn der Pogrvmopser in der Ukraine und in anderen Mndern nicht öqiehen soll. Einige fahrende Kongreß, »tttzlieder »«sprachen, diesen Vorschlag zu unterstütz«. inUxk Ktt» liüliic. Haag. 11. Januar Der soeden an» Palästina zurückgekehrte Prüfident der «Wfchchen Ziomsiendserniguug gab einen Bericht über Mat Erfahrungen in Palästina, in dem er ßch über die MchKchkeil der Ansiedlung «ößerer Judenmengen in PMßina auLsprach. Rach seinen Erklärungen fand er tzio englisch« Verwaltung eifrig an der Arbeit, au» Palästina mm neue Heinuft für die jüdischen Flüchtling« zu machen. Verhandlung« mit den Lradern in allen wichtigen fragen End bereit» i» Waage. Rach der Ansicht de» Präsidenten iß in Palästina ausreichend Land für die Ansiedlun- «ihrerer Millian« Menschen, nur darf btt Einwanderung nicht sofort beginnen, da der Dshnung»«anget außerordentlich groß ist und zunächst der Vau »an etwa 1000 Wohnhäuser« »»glich wäre. Für die Erledigung aller Vorarbeit« aus diesem Gebiet fordert der Präsident einen jährlichen Kredit »cm 25 Millionen Franc» bi» M» Jahre 1930. _ Kleine -kachrichteu. Dit Jüdisch« V«U|Ku.Xtif«- nt ZMnkMtt-»«- taychstft. di« bekanntlich i» Juni v. I. gegründet wurde. Hat bereit» in den wenigen Monaten ihre» Bestände» Erfprie^iche» geleistet. Für die vielen Hunderte palästi- «astscher Flüchtlinge und auch zahlreichen Emigranten, für di» durch die Palüstina-Aemter in der letzten Zeit die Onreise nach Palästina ermöglicht wurde und dte nach E«z Israel besürdert wurden, war die Gesellschaft geradezu »ine Notwendigkeit. Ten meist voükemmen ortsfremden Malksgenoff« wäre die Reise ohne die Transportgesellschaft mnmöglich oder nur unter den grüßten Schwierigkeiten möglich gewesen. Die Passag'ere wurden meisten» rn gefchlofseru.r Transporten. m separaten Waggon» btl zur iöalivnsch« Grenze, beziehungsweise bl» nach Triest befördert. wo sie von Organen der Gesellschaft erwartet wurdl» Auf der Neise durch beigestellle Earabinreri de« schützt, geleitet von gesellschaftlichen TranSportbegleftern. »»rlteftM die Transporte trotz der gegenwärtig außerordentlich «itzlichen Derhältmffe ui größter Ordnung und erntete die Gspllfchaft vielen Dank und aufrichtige Anerkennung seiten» - dar Passagiere. Dank dem Ileberrinkommen mit SchistsnhrGaesellschosten. Eisenbahnen. Behörden, konnten die Reisenden mannigfach« Darinle, wie große FahrbegünftigMwtzen. separate Waggon« und andere Annehmlichkeiten ««eßen. Die Gesellschaft, deren Hanplsitz gegenwärtig in Mi« II. Prnterstrode Nr. 9 sich befindet, ist auf dem dssten Wegs ein großzügiges Werk zu schaffen- Der Kamps n» di« SONUtngrrnhe in Palen. Dre aber Awangrsonntogsruhe beschäftigt noch immer die Veßiattichteit. Da» Gesetz ist zwar vom Landtag « warb«, e» fehlt aber noch die Sanktion und Ml DnrchführUngsverordnUng. Die jüdische Kaufmann'. schast und Orthodoxie bestrebt stch mm mit Hilfe der jüdisch« Abgeordneten, den Gettunasbmi«« de» Gesetze» autzuschiebeu oder wenigste n» gewisse Erleichterung« bei der Durchführung zu erlangen. Sämtliche jüdischen Ab» gaordnet« mit Ausnabme der gegenwärtig iu Newhork »eilenden Abg. Or. Rosenblatt und de» Abg. Or. Schipper haben in dieser Frage einen Aufruf an die polnische» Juden erlassen, in welchem fie die Härte de» beschlossenen Gesetze», ihre erfolglosen Bemühungen, den Verrat der jüdischen Afsimilanten und endlich die eigentlichen Absicht« der Pol« besprechen. .Wir haben im Landtag verlor«, da» bedeutet aber nicht, daß vir im Leben verloren haben. Dir müssen und werden auch weiter mit allen Kräften unsere Eigenart und unsere Heiligtümer verteidigen. Man kann uns brechen — aber nicht biegen." In diesen letzten Sätzen de» Anfrufe» sab die polnische Presse eine Aufforderung zur Gesetzesübertretung und Widerstandsleistmig und verlangt deshalb von der Negierung ein strafgerichtliche» Einschreiten gegen die .Aufrtchr verbreitenden Abgeordneten". Die Negierung hat allerdings bisher die Forderung der antisemitisch« Presse nicht erftlllt. Warschauer TagURgea. In Warschau fanden in jüngster Zeit drei bedeutsame Tagungen statt: di« der hebräischen Volksschullehrer, der jüdischen Mittelschulen m Polen und der jüdischen Gemeinderäte. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦ r Aus öer sseichshauptstadl : £1«* t«ter#ff«ste Gri»»rr»»g. Vor 15 Jahren hatte der Antisemitismus in Berlin eine derartige Form und Bedeutung angenommen, daß der Vorstand der jüdisch« Gemeinde in Berlin beschloß, den Kaiser durch eine Abordnung um Schutz gegen den Anti« semitrsmus zu ersuchen. Der Abordnung sollte eine Bittschrift mitgegeben werdm. deren Einleitung dpraus hinwies, daß ..unsere Vorfahren immer Schutz bei den edlen Fürsten de» Hauses Hohenzolern gefunden haben." In längeren, unterwürfigen, auch den Großen Kurfürsten erwähnenden Ausführungen wandte sich der Vorstand ..gegen Verun« glimpsung und gegen Verleumdung sowie gegen die »an mancher Ente angestrebte Beeinträchtigung der den Juden gewährleisteten Rechte" an den König als ..den Hort des Rechtes und die Zustucht der Bedrängten, von der Zuversichtdurchdrungen. daß Eure Majestät eine Verkümmerung unserer Rechte nicht dulden werden." Ter Vorstand legte diese Dittschnft vor Ablendung den Repräsentanten zur Kenntnisnahme vor. Juitizrat Malower. der damals fett mehr als 25 Jahren Barsitzender der Repräsentanten- Versammlung war. berief — dem Lunsch des Dorsttzenden entsprechend — die Sitzung ein. nihin selbst da» Wort und widersprach in scharfer Wei'e der Absendung: man dürfe sich nicht aus den Standpun't der ..Sch:.tzjuden" stellen Er wurde in der ^ep.äientantenversammlung überstimmt und legte deshalb nach in derselben Sitzung den Vorsitz und sein Amt als Repiülentant Nieder Im Vorstand beantragte nun der damalige Dorsttzende. Justizrat Siegmund Meyer, in der Sitzung vrm 2*. Teiember. mit Rücksicht auf die hervergetretenen Meinungsverschieden« heiten trotz den überelnstimmeiiden Beschlüssen beidcr Körperschaften die Bittschrift nicht adzusenden. Indessen blieb der Verstand zunächst ber seinem früheren Velchuß. Erst in einer zweiten Sitzung beschloß er. die Abiendung zu Unterlasten: im Anschluß an die Amtsniederlegung Makowerä batte sich auch aus den Kreisen der Gemeindemftglieder erheblicher Widerspruch geltend gemacht, der auch in den Zeitungen zum Ausdruck gekommen war. — Der Gedanke der Selbsihtlfe. den damals der Zentralverein aufnahm, hat inzwischen Fortschritte gemacht. Der unausgesetzte Kampf.- den wir Juden um unser Recht führen müssen, hat uns andere Wege gezeigt, aus denen wir uns durchsetzen können j Aus dem Reiche i Leipzig. Dem Rektor für talmudische und spütjüdische Wissenschaften an der Universität Leipzig. Israel Kahan. wurde vom sächsischen Kultusministerium der Titel Professor verliehen. Pr»sessor Kahan ist einer der bedeutendsten GelehNen aus dem Gebiete der ftütjüdlschen Literatur- und Religronsgeschich.e. Rsstock. Eine interessante Verhandlung über die Verteilung antisemitischer Flugblätter beschäftigte das hiesige Schösiengencht. Klüger war der Student mec! ckent Walter Spiner. Beklagter der Student med. Georg Michel Am 25. Lktcber v. I». hat der noch minder jährige Klüger mit noch anderen Studenten nt der Friedrichstraße in Berlin Flugblätter antisemitischen Inhalts veneilt. Der Beklagte urd andere Studenten mokaiichen Glauben» kamen hinzu und forderten die Flugblätter herauszugeben. der Klüger itn.i* jedcch. er fuhr vielmehr »rt der Verteilung btütter an vorübergehend-« Pastanten fort. D ' Beklagte fragt« daraus den Kläger: .Geben Sie mir aus laldentliche Wer'e Satisfaklion?" woraus der Kläger erwlderte- .Ich gebe Juden grundsätzlich keine Sallssaktion". Auf d^se Aeußerung de» Klägers versetzte der Beklagte ihm eine Ohrfeige und fügte hinzu: .Run wissen Sie wohl, was Sie zu tun habey'. Rechtsanwalt Or. Riesen« selb erhob Widerklage wegen de» vo« Kläger gebrauchten Ausdruck» .ich gebe Juden grundsätzlich keine Satisfaktion" und m« dar in de» betreffend« Flnßilatte «tdesl«« den VeAagt« als 9nWn beleidigenden AnfHnÜn^snG«. Da» Schöffengericht rrfanüt dahin: beide. AngeAaßbe wie Kläger, werd« »eg« Körperverletzung dezw Beleidigung für schuldig, aber für straffrei erklärt. 6us dem Auslände Der Iudeupaokt. U»ier sxser He»e»zchvst ieiev »ii i» Pr»»er Xatftotät (at^tsbe sicht »nroierrrss«rteri laittlnngm: C» ist ein Punkt, über den »an noch immer i» guter Gesellschaft nicht gern spricht. Aber diese Scheu «uh überwunden werden. E» ist zu wichtig, als daß man stillschweigend um ihn herumkäme, er ist zu wichtig, als daß man durch halbe Äsung« und Kompromiste mit ih» fertig werden könnte. Mau muß der Sache in» Auge^ schau«. Nicht nur iu Ungarn haben die Hinterland»- erscheiuungen de» Kriege» und der Nachkriegszeit der Abneigung gegen die Juden starke Nahrung zugesührt. Nicht als nur Juden e» verstanden Hütten, sich weit hinter der Front herumzudrück«. nicht als ob nur Jude« ihre HandÄsbegabung in Kriegsgewinven auögenutzt. nicht als ob nur Juden ihr Kontingent zu den Schi^ern gestellt, nur sie andererseits da» bolschewistisch« Blutregimeut verschuldet hätten — aber sie standen und stehen, zu» Teil mit. zum Teil ohne eigene» Zutun, an sichtbarer Stelle. In einer besonderen, ganz eigentLmlichen Lag» bestude» sich dre Juden der tschechoslowakijchen Republik Diejüdischuatlonale Vewegung in ihren Schattieruugeu vom Palästlnaziouismu» bi» zu» ,bewußten Judentum" hat diejenigen Juden gesammelt, welch« sich weder als Deutsche, noch al» Tschechen fühlten, und bietet auch j«eu Juden ein Asyl, die unter dem Zwang einer oft begreifliche», jurcht oder von den anderen abgewieseu. dott Anschluß suchen, wo sie der Oual einer Wahl enthoben sind. »» man sie mit ostenen Armen aufnimmt. Don den tschechischen Juden zu sprechen ist nicht unsere Sache. Umsomehr Grund besteht, sich einmal da» Schicksal jener zahlreichen Juden anzusehen, welche sich — trotz alledem und alledem — al» Deutsche bekennen. Man wird zugeden müss«. daß der Jude, welcher sich hier als Deutscher bekennt, > nicht au« Opporlinrsmus handelt. In der tschechoslowakischen Republik bedeutet da» Bekenntnis zum Teutschtum wie nirgendwo anders ein starkes und opferfreudige» Vekenntniü zu einem Volke und einer Sprache, zu denen man sich nur mit Bekennermut gesellt. Den deutschen Juden ist. dieser Lekennenaut. diese Zivlleouroge. wie e» Bismarck nannte, selbstverständlich, aber wir sehen mit wachsende» ***' Erstaunen, daß dies« Srlbstderstündlichkeil nicht anerkannt wird. Es gibt unter den deutschen Parieren einen deutsch« arischen Block, welcher die Juden zurückweist. Es gibt :n diesem deut'chanschen Block Parteien, welch« scheinbar den Antl'eiNltismuZ udlehnen. indem sie sich aus den Standpunkt des von ihnen geprägten Antijemitismus stellen. Sre jagen: Wir haben nichts gegen die Juden, aber sie sind keine Deutsche, sie sind eben Juden lsiehe jüdischnationale Bewegung) und sie können als solche ganz brave Leute sein, wir wollen sie als Juden gerne anerk«neu. wir wollen ihnen Nicht» zuleide tun — ..Nieder mit de» RadauantisemitlSmus;" — aber in unlern Reihen Hab« fie nicht» zu suchen, lind auch jene Parteien und zene Kreise, welche nicht ossiziell antisemitisch oder aiemitisch sind, lasten sich von den deutschen Juden nicht gerne unter den Luiden grüßen, betrachten ihre Gesellschaft als tan» promittierend und find nur gnädig bereit sich mit jüdisch« l^rldbeiträgen abzusinben. Das Vorgehen des Deutsch«. Schuloereins alias Deutschen Kulturbund»» steht nicht »er» nnzelt da. E» ist vielleicht noch um einen Grad unaufrichtiger und übler^ als die Offenheit jener, welche da» Tischtuch zerschne'.deu. Gerade in diesem Lande aber, in welchem durch Milch» eben bmjpieltwelse d,e Grenzen zwischen Deutschen uup Tschechen verwischt sind, in welchem ohne Rücksicht ans Abstimmung der Arier als Deutscher oder Tscheche gilt, ze nachdem und zu welchem Volke er sich durch ftei« Willensakt bekennt, gerade in diesem Lande leisten sich die Trutschrn den Luzav. de-^Nichtarier. der ihnen ohne Anspruch za ohne Aussicht aus Lohn Treue .bewahren »ill^ >urückzustoßen. Können sich die Deutschen in der Tschechoslowat.n dielen Luzu» leisten? Sie können es nicht, aber fie tun es doch. Es ist zwar unpolitisch, aber Hab« sich die Teut'chen je um Realpolitik gekümmert T Im alten Oest'^^^allten sie mit dem Kopf durch bir Wand sind seither scheinbar nicht klüger » ist die Kehrieite der rühmlichen deutsch« tzestdallens an Theorien, mag da» Dach.?u Kops euch zusammenstürzen. Und die deutsch». 1 Tie russischen Juden singen ein Lied voll bittaer ^iage über die Dersolgungen. da» Elend, das ihn« ihr Vaterland bereitet. E» schließt mit den Aorten: Unßdoch ist eS mein Vaterland, ich möchte nirgendwo anda» leben. Auch dl« deutschen Juden m der Tschechvslovak» haben ein Vaterland und fie lieben ihre Sprache und s» lesten sich tade» von niemandem rauden. 2>ra* an» Verlag: e. e t (t c«f r I» (Kch. «. 8. fltr*r^ »ceavaoonUch fix de» gesamte» IichMlt: Siegftted 3 »aal, beide m Crrfl«.