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Jüdische Volkszeitung · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
25 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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*t. L. Seite 2. 3. Sanier 1911. p»tzerkr«fUetz»»i kr* Ur>i,i»»rrl«ssr«. Amtlich Wird nhQrttüt: Mit Rücksicht auf die lebhafte» Bedenken, die vielfach gegen den Erlaß »der bin Religionsunterricht vom 29. November geltend gemacht worden find. ordne ich hiermit an. daß seine Dnechfährung überall dort. wo sie auf erhebliche Schwierigkeiten stößt, bi» znrEntscheidung durch die preußische Nationalversammlnna zu unterbleiben hat. Der Minister für Wiffenschast. Kunst und DolkSbildung- Mir verweise» unser» Leser aus den Leitartikel in der vorige« Nuwnßr und bemerken dazu nur. daß eS mrnmehr Sache jede« Schulleiter« ist. in dieser Angelegenheit eine Entscheidung ju treffen > wie fie der Würde M«fc Achtung deSMeligionsunterrichteS entspricht. WUsw» »»ß die e»»«»ischr I»d»fr«,r Dem I. P. SBwird au« Berlin telegraphiert: Der Verband der rumänischen Juden in New-Pork richtete an Wilson den Appell, auf der Friedenskonferenz die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien sicherzustelle». Nilson antwortete a»f die Adresse: .Ich habe die Dringlichkeit der Frage, auf die fie meine Aufmerksamkeit aelenkt haben, in Erwägung gezogen und werde fie ans der Frieden«ko»ferenz ernstlich vertreten". GeA»» die P»,r«»r. Ein „AWell an da« menschliche Gewisse,". Ö. P M.) Sne große Anzahl schweizerischer Schrift- «ller trab Professoren veröffentlicht in der Presse unter Mfe» Titel eine« Protest gegen die polnischen Pogrome Unter de« Unterzeichnern de« Aufrufe« befinde» sich die Namen: Hermann Hesse. Panl Jlg. Ferrncio Bnfoni. August Forel. Felix Möschli«. Eine Rote der schmedtfche» Regiernng in dezng «ns die polntsche» Jnden>agrv»e Au« zuverlässiger Quelle erfährt da« Jüdische Prrßbür, in Stockholm, daß der schwedische Außenminister Hellner ein« Note an die Gesandte« der Ententemächte und Amerika« in Stockholm überreicht hat, in der er im Namen der schwedischen Regierung unmittelbare wirksame Maßnahmen rum Schutze der jüdischen Bevölkerung in Galizien und Polen verlangt. Der Note wurde da« Memorandum de« jüdischen Komitee« in Stockholm über die Judenpogrome iu Polen beigefügt. Die Gesandten über- »Metten die Note an ihre Regierungen. Der amerikanische Vertreter sandte auf telegraphischem Wege eine Mchrist der Note und de« Memorandum« an den Oberst Houfe in Pari«. * 9«* Gch» krr i» ^»erik«. De, I. P- Wmx* aa* 6tadSplm gebtn^M: Da» Pvlliisch» Rattonallomitee in Rwo-Pork dementierte in einer Erklärnng die Nachricht von Pogromen und schlug die Entsendung einer UntersuchungSkommission vor. die an« Juden und Polen Amerika« zusammengesetzt sein sollte. Die Zionisten der Bereinigten Staaten erklärten hierauf di« Ableuanungsversuche für unhaltbar und nahmen den Vorschlag bezüglich einer gemeinsamen Kommission an. Ate a«mriini«ff4l(s K«ttze»r» gegen die Psgvme. Eine Koirfinvz. die eine Viertel Million von Ru thenen Amerika« in New-Pork vertrat, faßte ein scharfe Protestresolution gegen die Pogrome HaRnnd n»d die |«|ra«e i« Galizien. Der holländische Senat setzte am 29. Dezember die Debatte über den Antrag de« Senator« Dan Kol. der Empörung über die Pogrome in Galizien Ausdruck zu geben und eine neutrale UnttrsuchungSkommifsion einznsetzen. fort. Der Senat nahm mit 24 gegen 2 Stimmen folaende Resolution an: .Der Senat spricht seinen Abscheu gegen die unmenschlichen Handlung«. welche gegen Mische Einwohner in Galizien gepflegt wurden, au«." Der Antrag behufg Einsetzung einer neutralen Kommiffio» wgrde mit Rücksicht ans die prekäre Lage Holland«, auf die der Minister nochmal« hinwieS. ab* gelehnt. Die Debatte und di» Annahme der Resoluttzm zeige» wiederum, daß die polnischen Dementi« in der holländischen Preffe keinen Glauben finden. Die holländische Presse begrüßt mit Genugtuung den Schntt de« Senat«. So schreibt der .Nieuwe Rotterdamsche Courant": Die Greuel habe« einen so barbarischen Charakter gehabt — fie wurden vielleicht nur durch die Mafienabschlachtung der Armenier in diesem Kriege übertroffen. Jeder würde e« begrüßen, wenn die HeruMeilnng durch unsere,! Senat aus die fstr die Unlnenschlichkriten verantwortlichen Personen irgendwie eine Wirkung ansnben würde". ta«M| von Agava« Iiarael. Am i; Januar hielt die Agndas-JiSroel-Juqendgruppen-Organisation und der Gruppen verband der AgnduS Jisroel für Deutschland in Cassel einen De» leaiettentag ab. Ani der Tagesordnung standen solgMbe Puntte: 1. Vorarbeiten zu einer großzügigen Kolonisation für Palästina. 2. Stellungnahme zu den anderen jüdischen Organisationen und zur Friedenskonferenz. Die Breslauer Organisationen waren durch vier Unruhen in Posen. Roch steht die gesamte gesittete Welt unter dem Eindruck der furchtbare« Pogromnachrichtrn Galizien«, noch erheben an allen Orten die jüdischen Organisationen sowohl, ol« auch andere Körperschaften flammenden Protest gegen die schreMchen Maffacre«. mit denen da« junge polnische Dolk feine eben erst errungene Freiheit besudckte. da gelangen zu uns alarmierende Nachrichten von erneuten Judenverfolgungen, diesmal au« Provinz und Stadt Posen. Am Sonnabend sollt« e«. »ach den von un« unteu wiedergegebenen Berichten, während de« Bormittagsgottesdienste« in der Posener Synagoge sogar zu einer Art Pogrom gekommen sei». Z»m Glück haben sich alle diese Nachrichten, wenn auch nrcht al« gänzlich unbegründet, so doch als sehr stark übertrieben berauSgestellt. Leider muß aber festgestellt we^en. daß e« bei den politischen Umwälzungen zwischen Polen und deutschen Soldaten auch auf seiten unserer Glaubensdrüder Opfer gekostet hat. und zwar, wie sich bisher übersehen läßt, infolge unberufenen Vorgehen« bolschewistischer Banden, die rücksichtslos hausten. Da« lichtscheue Gesindel, an dem e« in Posen nicht fehlt, hatte die Gelegenheit ergriffen, in die Wohnungen vermögender Leute einzudringen und zu plündern. Dabei wurde der Kaufmann Mathia«. als er au« der Synagoge kam und dem Treiben in seiner Wohnung Einhalt gebieten wollte erschoffen. Wie uns noch auf besonderer Auflage mitgeteilt wird, iü die Lage zurzeit vollkommen ruhig, die Polen find zwar Herr der Stadt, aber zu Ausschreitungen gröberer Art vornehmlich gegen die Jhiden ist e« nicht gekommen. Uns liegen folgende Nachrichten vor: Posen, den 23. Dezember 1918. Am Sonnabend vormittag fuhren auf dem Dil» helmGlatz vier Lastwagen mfe Gewehren auf. Mit diesen Gewehren wurden Lehrlinge und Echulknabe» von 15 bi« 17 Jahren ausgerüstet, die durch die Straße» zogen und Deutsche, zumeist Frauen. Mißhandelten und beraubten. In der Nähe der jüdischen Synagoge entlud sich ein Gewehr eine« polnische» Gy»- nafiasten. worauf e« hieß, die Juden hätten au« der Synagoge aus die Polen geschoffe«. Darauf begann ei» Dremmelsener gegen die Synagoge, in der die jüdischen Einwohner zum Gebet versammelt waren. Später stürmten Tausende bewaffneter Polen da« Artilleriedepot und verteilten Hangranaten und Mumtton unter die Menge. Darauf wutt>e der Hanptbahnhof genommen. Auch die Bahnlinien bi« zur Grenze der Provinz Posen wurden besetzt. Sonntag früh »nrde de» in Posen garnisanierenden Negimenter» ein Ul1i»atn» di« zn« Mittag gestellt. Als »» diese Zeit die Uebergade noch nicht erfolgt war. »nrde» dte Fliegerkaserne, »an» die Kaserne der stchßschen Jäger »«stellt und nnter Gefchützsener gen,»me». Bi« abend« war über de« Ansgang de« Gefechte« nach nicht« Sichere« bekannt. Allgemein hat «an de« Eindrnck. daß e« Pederewsky selbst iß. der «tt Unterßütznag polnischer Legion«- Offiziere dte Angriffe leitet «nd die bewaffneten Bürger z, Ansschrritnnge» anfstacheit. Die Zahl der Todesopfer wird disder ans 200 angegeben. Berlin. 30 Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Die der Nattonalzeitung von einem Reisenden, der heute au« Posen zurückgekebrt ist. berichtet wird, hat gestern in Posen ein furchtbare« Judenpogrom stattgefunden. Halbwüchsige -Burschen drangen in der Gerberstraße und in der Breiten Straße in die Wohnungen der jüdischen Bürger ein, wobei e« auf fetten der Juden zahlreiche Tote gab. Bi«her wird die Anzahl der Toten auf etwa 30 geschätzt. Die Plünderer drangen anch in die Synagoge ein und zertrümmerten dort alle Gegenstände, deren fie habhaft werden konnten, (s. Veilg.j Delegierte vertreten (Wir werde» in nächster Nummer ausführlich darüber berichten.) MttGltePen»ersa«Ml«»GpaO Vnrtralonrin*. Der Cenkralverei, deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben« hielt im Kaisersaal de« Rheingold« eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. in welcher der Vereins-Syndikus Rechtsanwalt Dr. Holländer nach einer ^öffnungsansprache de« Bor», sitzenden. Geheimen Justizrat Dr. Eugen Fuchs. Über die Tätigkeit de« Contralverein« feit dem schicksals- Sn 9. Nmemder berichtete. Syndikus Holländer w interessante Einzelheiten au« der antisemitische» In offenen und geheimen Versammlungen wurde» die niedrigsten Jnstintte gegen uns aufgehetzt und die Gründung einer schwarzen Garde vorbereitet. die aus die Juden losgelaffen werden sollte. Eine antisemitische Flugblattwelle überschwemmte Berlin und da« ganze Reich. Der Centtalverein hat diesem Treiben mit aller Energie entgegengewirkt: er hat in Derhandlnngen mtt den Behörden geeignete Maßnahmen angeregt und nach Kräften Sicherungen gegen ein Pogrom geschaffen. Für die bevorstehenden Wahlen zur Nattonalversammlung gibt der Centtalverein seinen Mitgliedern die Abstimmung frei, in der Ermattung, daß solche Kandidaten unterstützt werden, die nickt n»r de» Namen »ach Juden find, sondern welch« die jüdischenForderunqen wirksam verttttrn werden. Ohne ein jüdische« Centrum zu schaffen, wollen wir unsere Vertretung nur solchen Männern anverttauen. die nicht au« politischer Klugheit, sondern mit ihrer inneren Uebeweugnng für unsere Rechte eintrtten. In innerjüdifihen Fragen will der Centtalverein ein Zusammengehen mit den Zionisten noch Möglichkeit 'anstnedan. allerdings unter schärfster Ablehnung der nationalen Autonomie Dr Deutschland; die zionistischen Forderungen der Heimstätte in Palästmo und der nattonalen Autonomie in den Ländern Misther Meffenfirdlungen sollen dagegen unterstützt »erden. In diofe« Sinn« will der Centtalverein auch gegebenenfall« »it besondere» Forderungen der deutsch«« Juden an die Friedenskonferenz herontteten. Al« erster $!«fujfton«rebntr forderte Rechtsanwalt Or. Apfel energisch eine Demokratisierung de« Centtalverein«. er wnlffchte nne Prüfung, allerdings nicht in Massenversammlungen. der Centtalverein wirklich noch die Bettretnng der Mehrheit der deutschen Juden darstelle. Die Gefahr der Isolierung sei drohend. Zwischen den Zionisten und den Orthodoxen, die mit dem jüdischen Rationalgedanken sympathisieren. hat sich eine Äjr Näherung vollzogen, die wir nicht unterschätzen dürfen. Die von den Zionrsten propagierte Kongreßbewegung muß eingehend erörtert werden. Dr. Apfel stellte eine Anzahl von Thesen auf. die er der Versammlung zur Annahme vorschlug Ll« Repräsentanten de« deutsche» Judentum» sollen nur noch Männer und Frauen anerkannt werden, die wirklich bewußte und aufrechte Juden find. Wir wollen nicht verantwortlich gemacht werden für die Aeußerungen von Pvlittkern. d,e mit dem Judentum keine innere Gemeinschaft haben. Der innere lüdische Kamps muß m einer Form gefühtt werden, die da« Band zwischen den deutschen Juden nicht zerreißt und eine gemeinsame Front gegen Angriffe von außen ermöglicht. Der sechste Leitsatz fordett. daß die deutsche Regierung und die Vertreter de« deutschen Volke« ans der Friedenskonferenz darüber unterrichtet werden, daß die deutschen Juden rn ihrer Überwiegenden Mehrheit den Standpunkt der Zionisten ablehnen und sich restlos als Ungehörige de« deutschen Volke« bekennen. Die jüdische Kongttßdewegung. welche von den Zionisten eingeleiltt wird, muß vom Centrnlvernn eingehend eröttett werden. — * Professor Dr. Karl Lewin bedauert, daß der Centtalverein noch immer da« Vor» handeusein de« jüdischen Existenzgedanken« in Deutschland leugne, obwohl er da« Bestehen eine« jüdischen Volke« im Osten zugebe. ffitr müssen un« mit dem jüdischen Dolkßgedanken befreunden, an den sich die ganze Welt bereit« gewöhnt hat. Do« Wvtt ..Volk" bezeichnet auch schließlich nicht« andere« als den Gedanken der jüdischen Einheit, den auch der Centtalverein nicht leugnen will. Der Begriff Centralverein deutscher Staatsbürger j'idischen Glauben« trifft nicht mehr die Gesamtheit »nd sollte deshalb durch einen umfassenderen Begriff erseht werden. — Rabbiner Dr. Hildesheiwer polemisierte gegen die Resolution Dr. Apfels, die zwei Judentümer in Deutschland konstruiert. AuS der Erklärung muß alles entfernt werden, was auf den Bruderzwist hinweist, sie dach höchsten« eine Lvhalität-erklärung. nie aber ckne Bloßstellung der Zionisten werden. Nach längen« Ausführungen Dr. Panl Nathans über die Gefahn« einer jüdischen Autonomie in Osteuropa und die gernM» VesiedelungSsähigkeit Palästinas schließt Gcheimrot Dr. Fuchs die Mitglieder-Verfammlung. die auf seine Empsel die eingebrachte Resolutton billigt und dem — aut beliebigen Verwendung überweist. Dr Fuchs, der jede Zionifienhotze. zu Redner im Laufe der-Debatte große Neig entschieden ablehnt, entwickelte in seinen^ führungeu oft Grundlage einer Ars den Zionisten folgendes Programm^ Verschiedenheit zwistben den U»O Vereins und der Zionisten schlj^ die Schöpfung einer nativ für diejenigen Jude», die jüdisch-national empfi Autonomie für die jüdift Länder der jüdischen sie im SBqp bei Verein mit de» Zionistm^ der vollen Glet Ländern, und die stimmungen gegen , OtU» Zum fünfi zionistischen Partei giertentag der zusammen. Im sich etwa 150 etngefundew lag seine

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