Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- 43 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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k u. 14. Ulf. HM «■_ Rundschau. - iwwrtfi* f»» A-Ntz» 0pP«l», 10. JbMBtK. Wft bta .Polnisch»» 6tiaaun* a* S«M*n (c «hM *ök. ttdorirt dort « yeCtiHn Ätaf«», doch Mergenthau jum Kammilstr der Entente i» D»PI ernaemt Weeden s»ll- W,p» di» Art»g»grff»ge»»»tzri«detzr tzertzaltea »aß Etealsuud. 2. JtiwnibcT Unter de« txaurigen Erbstücken, welche das neue Deatschland von der alte» Stcuicnuig übernommen hat, «HHrt der .»oskUrungsunterncht'. Folgender Brief eine» »bischen driegsgesangene». der nach pueijührig-r Sefangenschast in di« Heimat zurückgelehrt, zeigt, daß kotz aller Dementi», die Vieichswehr antisemitisch verseucht ist. Da» Gchoeibe», da» dem «eichtwehrminisler zugegangen ist lautet: .»»» zweijähriger Arie^gesongenjchatz zurückgekehrt. tzasßerte ich da» Durchgangslager Tämholm bei Gtualsund. Am 8. Ottober. de» letzten Lage unser«» dartigen »usenthall», wurde Sbend« von einem Leutich glaub« er hieß Schüler, in tSegenwart eine« Major«, anscheinend de» Lagerkommandanten, ein Bortrag zweck» paliüscher Unterweisung vor uns Krieg»- »eso»ge»e» gehalten »elegentlich der Schilderung der Novembervorgänge erging sich der LorKagende in scharfe» Autsührungen gegen di« Juden, die er al» di» «i^utluhen Urheber der Revolution bezeichnete und denen er di- Schuld an de» ungltlcklichen Sutgonge de« Ariegel und den katastrophalen Zuständen zuschrieb. Er behauptete, dag die Juden überhaupt während de» ganzen Kriege» in der Heimat oder Etappe in Schreid» stiche» gesessen hätten, währmd sie an der Front nimt zu gebrauchen gewesen wären und erging fich in zahlwiche» Schmähungen »iedrigfter Art und in gehässig«» Bemerkungen' Der jüdisch« Gefangene, der selbst schon verwundet gewesen ist, und wie er schreibt, al» gebrochener Mann an» dem Kriege zurücklehrt, äußert fich mit Recht darüber «mpärt, da» antisemitische. Gijt, von dem er im Ausland« chcht» gehtrt hat, im Jmckand genau s» wieder vorzu» finden wie zu den schbustep Zeiten Ahlwaidts und Pückler« »ich »och dazu in den Kreisen der Reichswehr. )rfieit»ge»ei,sch»ft »er jfehrerarrdanke. Wir erhalten solgenden Ausrns: Au die jübische Lehrerschaft! ""Die ««»»»>chueti, Verbände haben fich zur Bildung «ine» Urbeitrgemeinschast entschlossen, um durch geschlossene» achen der Forderung aus auskömmliche Besoldung und le Würdigung der Wirksamkeft de» Lehrer» stärkeren ruck z» oerkchoftea. Die Sewstäntigkeit der Verbände wirb durch diese Arbeitsgemeinschaft nicht berützrt. Wir geben von uuserem Beschluß der jüdischen Lehrerschaft Deutschland» Kenntnis und ersuchen sämtliche Ort». und Provinzialvereine, in gemeiiisamer Arbeit unsere Bestrebungen sdrdern zu Helsen Wft erwarten, »ah aste »mH abseits steheupe» Kallege» nnderzügljch de» Anschluß an eine» Berein suche» werde», »er in »teser Zeit grißter wirtschaftlicher und seelischer Rat sich bem graße» Ga,,eu entzieht, schädigt die Jntereste, seine« Stande«. Der Verband der jüdischen Lehrervereinim Deutschen Reiche. Jos. steiner-Hamburg. Vorfitzender. Der Bund ,e>etze»treurr jüdischer Lehrer Deutschland». l>r. G. Lange, Frankfurt a. M . Vorsitzender. Jtraelitilcher Lehrer«rein für Bagern. A. Mandilbaum-Würzburg, Dorfitzender. Bit Pal)ln jar jUfrarntanien- Dersammlaa, Berlin 2. November. Der Borstaiid der Jüdischen Gemeinde Hot infolge de» vor kurzem mitgeteilten Ministerialerlasse« den Termin für die Bahlen zur Reprüsentanienveriammlung ansgeschoben, um die Mäglichkeit der «uinellung neuer Wählerlisten zu geben. Die .Zionistische LeieiNigung' wird unter dem Kamen .Jüdische BolkSpartei in den Wahlkampt eintreten und hat an die Spitzihrer Kandidatenliste die Herren Dr. Alfred Klee, Dr. Loewe, Dir. Kareskv und Recht«, «nwalt l>. Lid gestellt. Or,aaisatiaa»aa»er»ng i» Jnh»l » r Dntschn Jakea Berlin, 7. November. Der Hauptversammlung de« Verbände« der Deutschen Jude» am 30. Rovember, die voraussichtlich im Plenar. saal i» Preußischen Ministerium für L°lk«wohls-hrt in Berlin tagen will, soll eine den Forderungen und Aasgaben der »egenwart entsprechend- Aenderung der cwganisation de» Verbände« zur «esthlußfa'sun, »orgalegi werde». W k» U|L piinmt IlAtifinritia MMS. 23. Oftokt. Das jüdische Aoctcfponbenihaeau i» London berichtet: Da» e*Kfte ladammt hat am 23. Oktober da» Frewde^efetz der dritten Lesung aatergoge». Bekanntlich haben reaktionäre Ctanenfe bei de, leüe, Parlament»- Wahl«», welche m Zeit der Beendige de« Kriege» statt, fanden, die Haßgefühle de« Pöbel« gegen alle« Fremde, die durch den Krieg sehr gesteigert worden waren, au», genützt, um in der breiten Oeffentlichkeit die Empfindung zu erwecken, daß eine Frembengefahr für England in bedrohlicher Weise vorhanden wäre. Die gelbe Presse tat da» ihrige, um die öffentliche Meinung gegen die Fremden aufzuhetzea. und zahlreiche .Anti-alien»" zogen ia da» Parlament ein. Die Regierung, welche sich ans die Majorität de» Parlaments stützen muß. sah sich gezwungen, ein Fremdengesetz auözuarbeiten. da» zahlretthe (4rt«t enthält. DaL neue Gesetz macht da» Schicksal jede» Fremden von dem Minister de» Innern abhängig, der da» Recht hat. Fremde zu deportieren und ihnen den Antritt in da» Land. zu verwehren. Jeder Fremde ist verpflichtet, fich bei der Polizei zu melden, ihr jede Adreßveränderung mitzuteilen, sich jeder Agitation sür Streik zu enthalten und an keiner Bewegung teilzunehmen. die gegen die Ordnung de« Staate» gerichtet ist. Luch eine Anzahl von Beschränkungen im Handel find in dem Gesetze vorgesehen. Ta» Ministerium hat da» Recht. Fremden zu verbieten, fich von einem Otte nach einem andern zu begeben. Wiewohl da» von der Regierung ausgearbeitete Gesetz hart genug ist. haben die Anti-alien« im Parlament fich während der Debatte bemüht, eine Verschärfung seiner Bestimmungen durchzui'etzen. Die Debatten haben gezeigt, daß es selbst im englischen Parlament an antisemitischen Empfindungen nicht gebricht. Einige Reden haben beut» lich genug bewiesen, daß da» Fremvengesetz vor allem gegen Juden gerichtet ist. <£■ Wilde (Aonf.) erklärte in einer Rede. daß. .wer an der Fremdengefahr zweifle, fich nur in da» Lastend zu bemühen brauche, um von ihrer Existenz überzeugt zu werden. Ganz Whitechapel sei von Fremden verpestet". Me. Reil! (Koni). Bottomley (Wilder). Billing (Wilder). Lutche: und andere haben gleichfalls in ihren Reden antisemitische Töne angeschlagen. Dagegen haben einige Liberale, /konservative und Arbeiter-Abge» ordnete gegen den Gesetzentwurf entschieden Stellung genomwen. Major Lvmsby-<8ore protestiette m feiner Rede gegen die antisemitischen Auslassungen der früheren Redner. Tie Arbeiter-Abgeordneten richteten fich mit scharfen ironischen Bemerkungen gegen jene Reden, welche gegen ei» Zusammenarbeiten von englischen Arbeitern mit fremden Arbeitern gerichtet waren. DaS Fremdengesetz beabsichtige, lediglich der Lölkerverhetzung zu dienen. Kealeh (Whitechapel) wie» auf die großen Verdienste hin. die die Fremden sur England erworben hätten. Während der KriegSjahre hatttn die 'Fremden von Whitechapel die englische Armee mit Uniformen im Wette von 310009000 versorgt. Major Rothschild war der einzige jüdische Abgeordnete, der an der Debatte Anteil nahm. Ee bedauerte den auti» semitischen Charakter der Debatten und schlug in seiner Rede vor. allen Fremden, welche depottiett oder welchen der Eintritt in das Land verwehtt werden solle, die Möglichkeit zu bitten, an ein Gericht zu appellieren. Der Antrag wurde abgelehnt. Ser Dek!«r»1i»»st«g. London» 2. November Tie „Wtstminster Gazette" widmet in ihrer Ausgabe vom 1. November dem Teklarationstag einen Attikel. in welchem ne unter anderem sagt: ... Man kann die historische Bedeutung der Erklärung Balsours nicht überschätzen, denn sie bezeichnet den Entschluß Großbritanniens, die Hoffnungen und Träume zahlloser Generationen von Juden in die Wirklichkeit zu übettragen Leit dem Tage, wo die Erklärung erlaffen wurde, bildet sie den Gegenstand von zahllosen Reden und Artikeln Diskussionen und Demonstrationen. Sie war vor allem die Hauptquelle der Hoffnungen der Juden in den Ländern, wo sie der Vernichtung ausgesetzt waren. Wenn Leiden da» Schicksal dieses Volkes vor dem Kriege war. io ist t* zehnfach mehr seir dem Waffenstillstand geworden, da die Maffatres in Zentral- und Ost-Europa alle früheren Rekords von Verfolgungen verhüttnismäßig bedeutungvlor. machen. Und der einzige Ausweg ist heute, wo auch sie demokratischen Länder de» Westens ihre Küsten gegen „unerr.-ünjchle Einwanderer" abschueßen. da» Land der Verheißung. Aber das Land der Verheißung der britischen Regierung ist den Juden ncch verschloffen. Alle Alliietten haben die Erklärung Valtour« fich zu eigen gemacht, aber r ach zwei Jahren ist noch kein entscheidender Schritt zur Einlösung der eingegangenen Verpflichtungen unternommen worden. Der Grund natürlich ist, daß die Bestimmung der Zukunft Palästina» ein Teil de» allgemeinen Frieden-Verträge« mit der ottomanischenRegierung ist. Die britische Regierung erklätt. solange sie da» Mandat über Palästina nicht besitzt: .Non potsumu«*. Darum wird der DeklorationStog nicht mit solchem Enthufia»mu» gefeiert werden, wie vor einem Jahre oder mit der gleichen Begeisterung wie vor zwer Jahren; aber er wird durch eine tiefere Sehnsucht und einen entschloffeneren Ernst gekennzeichnet sein." fir <i«r stktzch- L»»ds», II. Oktober- •*90*4 ki AMvesnchM de« Präfiknte, k«>mt Drstttbuüo» Komitee«. Fel» W,rb»ra. fmfc e»e spezielle Sitz«« de» Komitee« kr Mische» Delegation« in Pari« statt, die der yca^e der allweltliche, lüdischea Hilf», konseren». gewedmet war. Marbnrg bekundete Brr» fiäadni» «ad Etzmpathie für die ae»l»nte Konferenz, fürchtete aber, daß eine jüdffche Weltlonferenz von der antisemitischen Propaganda für verbaechettsche Zwecke au»« genützt werden könnte. Er gab der Meinung »utdruck. daß die Konferenz sür einige Monat» verschoben werde« sollte und versprach, den ganzen Plan de» Joint Distribution Komitee »orzulegea. Die anwesenden Vertreter der Bukowina. Lranstzlvanien». Ostgalizien», der Ukraine und Rußland» erklärten ihre Zustimmung zu der Konferenz und der Präsident führte au», daß die Weltlonferenz jedenfalls stattstnden werde. Nach der Sitzung ttchtete Warburg an den Vorsitzenden die Worte: .Halten Sie dir Konferenzt Ich bin sicher, vaß die amenkanischen Hilfsorganisationen an iyk teilnehmen werden." Eine neuerliche Konferenz de« Komitee» mit Darburg über die Frage de» Organistereo» de» Hilfswerke» wird im Januar stattstnden. Z,r Frage eiaer jüdische» Seltkonfere»;. London. 8. November Kürzlich haben in Warschau und Lodz bedeutsame jüdische Konferenzen stattgefunden, an welchen zahlreiche jüdische Persönlichkeiten unter anderen anch die Abgeordnete, Farbstein. Dr. Rosenblatt. Hartglas. Dr. PoSnanLkh. Dr. Brande und Sir Stuart Samuel teilgenommen habe». Beinahe alle Teilnehmer der Konferenzen waren der Meinung, daß die Einberufung einer allweltlichen jüdische» Hilf-konserenz zur Bekämpfung der jüdischen Not in Pole» dringend notwendig sei. Al» Programm dieser Wettkonferenz wurde vorgeschlagen: 1. Die Schaffung einer jüdischen Nationalbank, 2. Die Plazierung einer jüdische» Nationalanleihe. 3. Die Gründung von jüdischen Handwerker» und Ackerbauschulen, um den Juden in Polen die Möglichkeit zu bieten, sich durch produktive Arbeit z« ernähre». Einige Tage später fand auch in Berlin eine Beratung statt, die sich mit derselben Frage befchüstigte. Professor Warburg. Profeffor Sovernheim. Dr. Kalm, Dr. Handke, Dr. Schabat von Wilna und Vertreter de» skandinavischen zentralen Hilfskomitee» nahmen an der Konferenz Anteil. Die Konferenz war der Meinung, daß die polnische» Jude, allein die Initiative zur Einberufung de» allwettlichen jüdischen Hilfskongreffe» zu ergreifen haben, vorher jedoch eine Landeskonferenz, der m Polen befindliche, Hilfskomitee» abhalten sollten, um da» Programm de« Ko»- greffes sestzustellen. In Berßn schlug man Kopenhage» al» Ott de» Kongreffe» vor. ' Dir emglischen fftfrtn rnU der Friede. * London, 2S. Oktober. Dr. Dertz, der Oberrabbiner von England» hak o» alle Rabbiner England» die Bitte gettchttt, an dem SamStag vor dem ll- November, dem Friedenstage, spezielle Gebete und Predigten der Völkerliga zu widmen. Dieser Schritt erfolgte auf Veranlaffung de» englischen Verbandes .Dvlkerliga". der in allen Städten England« am I I. November Demonstrationen abhalten wird. 81a* englisch* »arlaw*at»M*r)t*Uatiaa «egen der Denidinschrn »azr»«e, Abge»rdneter Swan richtete im englischen Abgeordnetenhaus eine Anfrage a» den Mini^rprüfidenten. od ihm bekannt fei. daß die Truppen Denikin« Judenpogrome i» der Ukraine veranstalten und daß in Charkow, Arementschuk, JekaterinoSlaw große Maffakre» vorkame, und ob die englische Regierung die Unterstützung Denikin« mit Truppen oder Mnnitivn Unterlasten werde. Der Untersekretär für auS»>ättige Angelegenheiten. Hamßworth. antwortete, daß die Regierung wvhl inoffizielle Berichte über Pogrome in den genannten Städten erhallen hak, daß aber die Bettchte vis jetzt offiziell nicht bestätigt worden wären. .Denken Sie in der Tat", ttef ObeA Wedgewood dazwischen, .daß keine Pogrome in der Ukrai» vorgekvmmen find?" Der UnterstaatSsekrelür erwiderte: ,Jch möchte den Herrn Abgeordneten daraus anfinerksam machen, wie außerordentlich unerwünscht derartige Behauptungen find". Oberst Wedgewood erwiderte, daß die Antwort undesnedigend sei. Die Beschuldigungen gegen Denikin seien nicht unbegründet. Eie käme von jüdische» Orgvmsatwnen. die mit der pogromietten Bevölkruag in Derbmdung stünden. Abgeordneter Magnu» fragte, ob die Pogrome von den Truppen Denikin» oder von den Bolschewisten veranstaltet worden wären. Der Unter» staatSsetrttär erklätte. daß er keine bestätigte Bettchüe empfangen habe. Adgevrdneter ^oare schlug vor. eme» politiftkn Delrgietten mit dem Aufträge nach der Ukraine zu entsenden, um dir Situation au»»uf»rfche». Der U»- terstaatSfekrelLr versprach Viesen Vorschlag gemeinsam mit dem Minister für auswärtige Angelegenheüen. Lord Curzan» j in Erwägung zu ziehen. |aktafftafclty* Maßaatzmea »faikia». London, Sl. Oktaber. Ruch der Einnahme eine» großen Teile» der Ukraine und der Städte Charkow und Odeffa durch die freiwilÜDe > Armee erschien eine Deputation von Reitern der jüdifchwch»