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Jüdische Volkszeitung · 1919-11-28 · 45 (28.11.1919) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
25 (1919)
Issue
45 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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7 6nippen«üerband der Bgudas JHsroei fflr Deutfdifend Poltlckedr-Lonto 18901 Berlin. Um Hlaager Gelder kür den Hgudd'Hauptfond bittet dringend Sruppen-Verlxmd der Bgudas Slsroel kür Deutldiland Poitldiedi-Conto 18901 Berlin. mmtbt, weil die Serfammluna sich nach der Amtüniedafcgmi der tnffmtioen Mllglieda nni all eine Art Rumpfparlament betrachtete, in de» nicht mehr alle Richtungen innerhalb da Gemeinde vertreten waren. Gl wurde dnmall erkürt, daß alle möglichen Schritte unternommen Werde« sollte«, um möglichst zahlreichen Kriegsteilnehmern »tat Wahrung da geltenden Gesetzeidorschriften dal Wahlrecht zu sichern. Da Gemeindevorstand hatte da» Groch«. sich mit größter Energie für diese Forderung einmsetz«. Dir Versammlung ist auch heute «och da Unsicht, daß da Gemeindevorstand alle zur Erreichung de» anaestrebten Ziele! erforderlichen Schritte unternommen hat, Leida haben die Bemühung« bilha zu keinem «tMedenrn Erfolg geführt, Hierdurch. sowie durch Presse, «tim», die in da letzten Zeit «schienen sind, ist in da Gemeinde eine gewisse Unruhe entstanden. Repräsentant EaGartz ersuchte den Gemeindevorstand M» Mitteilung da bisha von ihm eingeleitet« Maßnahw« i «d etbot Ansknnst. ob eine Möglichkeit gegeben ist. allen » Gemeindeabgaben veranlagten Knegstellnehman da! Wahlrecht zur Reprüsentantnmersammlung z» gewähren, «ch wenn sie nicht rechtzeitig Einspruch gegen ihren Aul' sihlnsi an! da Wählerliste erhoben haben. Die Gemeinde »gste e! all ihre Mrenpstchä betrachten, ihre» Kriegsbeiloehmern da! Wahlrecht z» sichern. All Sprecher de! Gemeindevorstande! betonte Justizrat Lilienthal. daß die Gemeindebehörden die Wahrung de! Wahlrecht! da Kriegsteilnehmer stet! für eine ihr« vornehmsten Aufgaben «halten haben. Bereit! im Jahre 1916 hatten beide Gemeindebehörden beschlossen, bei der Aufsichtsbehörde alle Gchrüte zu tun, »Hl allen denjenigen Gemeinbemttaliedern. Welche zu» Heere einberufen waren und während dies« Heit ihre Etaern nicht bezahlen konnten und auch nach qm Rückkehr nicht imstande waren, die angefommeltm Gtenerrückstönte ^u tilgen, trotz da entgegen stehen den Iatntarischen Bestimmung da! Wahlrecht zu sichern. Ta G sich n« eine all» preußischen Gemeinden betastende Anaelegenheit hmedelt. wurde di, Formulierung eine« WtWeecheade» Anträge! de» Gemeindebund überlasten, da W» llll. Rvnewber ISIS de» Erlaß eine! entsprechenden Gesetz«! oder ein» Notverordnung beantragte. Da Rntr«g de! Gemeindebunde! wurde dem Gemeindevorstand zur Prüfung überwiesen und von diesem wärmsten! befürwortet. Leida hat da Minista de! Innern im Sepßemba ISIS erklärt, daß a eine Aenderung da Bestimmung he! 8 41 de! Gesetz«! vom 23. Juli 1847 ablehnen »üste. Infolge »verholter Anregung au! da ReprÜ- , sentantrnvasammlung hat da Gemeindevorstand im April ISIS durch eine erneute Petition an den Minista de! Innern versncht. den Kriegsteilnehmern da! Wahlrecht zu Man. Noch im Atli 1919 wurde vom Minist» erwidert, »nF » auch jetzt in llebereinstimmung, mit dem Harn Minista da Wissenschaft. Kunst unA^mlksbildnng einen «Rreichendm Anlaß zur AenderungM^tz 41 de! Gesetze! H>« 23. Juli 1847 nicht auzuakalnen vamag. Da Hon de» Vorstand da jüdischen Gemeinde erstrebte Erfolg Wird sich auch ohne eine gesetzliche Aenderung dadurch «reichen lassen, daß den Kriegsteilnehmern die Abgaben, nnd zwar mit rückwirkender Kraft, soweit sie mit ihnen An Rückstand stad, gestundet werde». Auf Grund diese! Gescheide! hot d» Gemeindevorstand beschloste», allen OriegDtrilnehman die rückständigen Gemeindebeitröge mit vückwirkenda Kraft zu stunden. Bekanntlich hat «euerhing! da Gemeindevorstand mit Rücksicht auf die auch H»n un! seinerzeit »abffentlichte Entscheidung de! Minister! be! Inner» üba die Aysleguna de! 8 41 de! Juden- Hefetze! von 1847 ei« Verschiebung da Repräsentanten- Wahle» beschlossen, da in da für die für den 23. Novb. b.Js. vorgesehenen Dahlen anfgestellt« Wählerliste eine Mt große Unzahl von Personen nicht ausgenommen worden V. welch« nach dem jüngsten Erlaß de! Minister! da! Wahlrecht zusteht. Dir Neuwahlen dürften voraulfichlllch «st im Frühling de! kommenden Jahre! erfolgen. Berlin. Die Fälle d» Einbrüche in Berliner Gtzuagogeu häufen sieh. In der Nacht vom Freitag Cm Sonnabend «brache» Diebe die Synagoge in da renadierstraß« 36, da sogenannten .Ehastidimschul', und Hahlen Vorhänge. Silberschmuck und Leucht» i« Werte Hon 89000 Mt. In derselbe» Nacht wurden au! der Gynagoge de! Verein! .Oranienburg» Vorstandt. Ohel Jizckok' in da Liesenstraße 3 drei wertvolle silberne Alwrlencht« gestohlen. Al! Täta scheinen in beiden Hüllen die gleichen Personen in Frage zu kommen. Vor kürze» wurde, wir wir bereit! gemeldet haben, auch m tn Geweindeftzoagoge in da Lützvwstraße ei» Einbruch HörÜbt, doch mußten die Diebe unta Zurücklastung ihra Beute flüchte». I« Jahre 1897 litten die Berlin« Jüdischen Verein» nnt» eina ähnlichen Einbruchsepidemie. Bertt». Di» »Zentralwohlfahrtsflell« da dentschen Inden' hat mit Rücksicht auf die anhaltende» Verkehrswhwiengkeite», ebenso wie da .Verband da dentschen Inden'«d die .Großloge für Deutschland (L.O.B.D.)', ihre Tagung, die am 1. Dezember stattfinden sollte, absagen wüsten. Die Versammlung wirb zu einem späteren, günstigeren Termin einberusen werden, sobald damit gerechnet werden kann, daß die Delegierten da da ZentrÄwohlfahrllstelle angeschlostenea Gemeinden und Körperschäften, s^wie die auswilltigen Mitglieder de! Vorstande! und de! Bervaltungsrat! ohne allzu große Erschwerung nach Berlin kommen können. Berlin. Da! Zensurverbot de! .Deutschen Wochenblattes'aufgehoben. Nach 50tägiger Dauer ist da! Dabot de! .Deutschen Wochenblattes", dal Organ de! bekannten antisemitischen Agitators Knüppelkunze durch den Reichswehrminister NoSke aufgehoben worden. Herr Kunze will ebenso, wie die ihu. geistesverwandte .Deutsche Zeitung' auf Schadenersatz klagen. Bttli». Diejüdischen Ruderoereiue der Reichshauptstadt, üba deren häufige sportlichen Erfolge wir wiederholt berichtete», wollen sich ein eigene! Bootlhau! schaffen In da« Genostenschaftsregister de! Amtlgaichk! Balm-Mitte ist folgende Eintragung ausgenommen worden: Dnrch da! Statut vom 28. Oktober 1919 ist die Genostenschaft Jüdische! Bootlhau!, eingetragene Genossenschaft mit beschränk« Haftung, mit dem Sitze zu Berlin errichtet worden. Gegenstand de! Unternehmens ist da gemeinschaftliche Van einol vootlhausel für die Genoss« zum Zwecke da gemeinsamen Ausübung des Rudersports und ander« Sportarten, der Betrieb dieses Bootshauses und da Abschluß all« hiazu erforderlichen Geschäfte. Die Haftsumme betrügt 600,— Mk. die Höchstzahl da Geschäftsanteile 30. Al! Vorstandsmitglied« find verzeichnet Martin Gziner. Leopold Loewenthal und Fritz Blumenreich, sämtlich in Berlin. r Aus dem Reiche | ♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦»»»»9 9 9999999999*99999999 Gelsenkirche». Da! durch Berufung de! Herrn Dr. Mrchalski nach Burgpreppach freigewordeue Rabbinat de! Verein! zur Wahrung da religiösen Jnteresten de! Judentums in Westfalen lst von neuem besetzt worden. Die Delegierten da westfälischen Gemeinden, welche sich dem Verein angeschloffen haben, wählten einstimmig Herrn Dr. Hermann Klein aus Eisenstadt zum Pereinlrabbiner. Ihm geht da Ruf eines hervorragenden Kanzetrednas und tüchtigen Organisators voraul. Bamberg. Kommerzienrat Max von Wassermann hat unsna Stadt 800 Lentner Kohlen zur Verteilung an die Armen unser« Stadt ohne konfessionelle Beschränkung geschenkt. Diese Stiftung gab den Stadtvaordnelen und dem Bürgameista Daanlastung. in da letzten Stadtvaordnetenfitzung dem Spender zu danken und bei dies« Gelegenheit gegen das gewiffenlose Maulheldentum der Antisemiten Stellung zu nehmen. Die Berlin« .Deutsche Zeitung' hat schweren Aaga üba dal Dahalten de! Magistrat!. — Da! antisemitischalldeutsche Organ hat Recht: Die Annen sollten lieb« sriaen, als sich an jüdftchen Kohlen wärmen. |99999m999999t99 ♦ 999999999999999999 r Aus dem Auslande r ♦ 444444444444444444 . ft«*. Di- Sttfaffung der bühmischen 84nb«t sah an manchen Oitm drei selbständigpolitische Gemeinden mit eigenen Bürgermeistern vor. eine deutsche, eine tschechisch« und eine jüdisch«. Die neue Regierung beseitigt diese Teilung, So sand auch »or kurzem in Rikolsburg, ein« der lillesten jüdische» kiedlungen im Endetengediel, di« Bereinigung der Israelitengemeind« mit der Ortsgemeind« statt. Der bisherige jüdische Bürgermeister »urd« zum Ehrenbürger des Ortes gewühlt. Run ist da» berühmt« Ghetto in den Sudetenlündern der alles nivellierenden Neuzeit zum Ops-r gisallen. Hier war 400 Jahr« der Sitz des Landesrabbiners, hier oerlebte der berühmte Staatsmann Eonnenseld seine Jugend und diele jüdisch« Belehrte von Weltruf nennen Nikolsburg mit Stolz ihre Heimat. Land»». Eine Organisation de» jüdischen Handel». Die jüdischen Zeitungen London» verdffentlichen den Aufruf einer Anzahl bedeutender jüdischer Handelshüuser zur Begründung einer jüdischen Handelskammer in London. Di« Nengründung sall dazu dienen, di« jüdischen Handelsbeziehungen mit den großen Nationen der ganzen Welt zu sücdern und zu entwickelnllnter den Unterzeichnete» de« Aufruse« befindet sich ein« große Anzahl der bekanntesten kmlfmtnnischen Persdnlichkeiten der Londoner Geschäftswelt. ikeastaaliaepel. Zn» Oberrichter im englischen vesatzungsgebiet in der Türkei ist der bisherige Stellvertreter de« Oberlichter», Solonel-Lcutnanl Norman Benlwich ernannt worden. Salmrel Ventwich ist Jude, sein Later ist ein lührer der Zionisten in England, i Kleine Cfjrpnik. | ♦♦♦♦♦ 44444444444444444444444444444444 FI«ß>e»li«d ms» Zndenfatzne. Man schreibt uns: Die vereinigten antisemitischen, deutschvölkischen nutz deutschnatioualen Reaktionäre «gehen sich in Verspottung der schwarz-rot-goldenen Fahne, nachdem deren Färb» von der Nationalversammlung als die Reichsfarbe» akUdck worden find, und sie benennen diese Fahne sehr geschmackvoll mit besonder« Vorliebe als Judenfahne. Do» merkwürdigste dabei ist, daß die neuen Reichsfarbe». bi» namentlich in da 48a Bewegung eine große Rolle gespielt hatten, auch die Farben der deutschen Bnm schenschaft find, die bekanntlich keine Juden aufnimmt. Wie will man in bezug darauf die Bezeichnung da schwaqrot-goldenen Fahne all Judenfahne rntzlfertigenk Dieselben Farben find ja auch von den Deutschnatioualen Lesterreich!. die sich um Harn K. H. Wolf scharen, als die deutsche» Farben erkoren worden; diese Leute, die doch als Antisemiten vom reinsten Dass« angesehen Waden wollen, werden sich sicherlich sehr höstich dafür bedanken, wenn ihre Gesinnungsgenossen in Deutschland ihr Bann« als Judensahne-bezeichnen. Auch da Talmi» junka von Graefe hat ja kürzlich in da Nationalversammlung seinen Abscheu vor da schwarz-rot-goldene» Fahne Ausdruck verliehen und prophezeit, daß sie nie i» Deutschen Reiche populär sein »erde. Nun. da! mC« wir ruhig abwartea. Natürlich bemühen sich die antik» mitischen und dentschnationalen Reaktionäre, bei jeba sich bietenden Gelegenheit al« Protest gegen die.Judenfahne* da! alte schwarz«weiß-rote Banner zu entfalten, und sie fingen bei dies« Gelegenheit gewöhnlich da! Flaggenlieb von Robert Hindaer: .Sstolz weht die Flagge schwarz weiß-rot". Da! geschah auch bei den Demonstratio»«^ die am 18. November von deutschpationala und antt» semitisch« Seite vor dem Reichstagsgebäude z» Ctes Hindenbmg! veranstaltet wurden. Den teutschvütigen 8k* ehran te! Flaggenliede! scheint es jedenfalls Utttckamck zu sein, daß dessen Dicht« linderer . . . Jude war. Da! Grab Linderer! befindet sich ans dem Friedh^r da Berlin« jüdischen Gemeinde. Es ist sürwah» eine heitere Ironie da Weltgeschichte, daß au!garch»K da« von einem Juden gedichtete Flaggenlied jetzt von de» Antisemiten cl! Protest gegen die .Judensahlie' grsnng« wird. f«U i*nb*u: Ha» Jicb der M»ttee. Helix keh»a«» Berte- G. «. I. H. ThaNoNeodm- 9. Prrt» > Mt. Welche Freude für den. da gar viel liest, auf et» großes Talent zu stoßcn; wir haben so viel Literaten «nb so wenig Dichter! Aba um jemandem zu begegne», d« feine Dichtungen wirklich «lebt, dem sie au! dem Innerst« zuflrömen. welch' ein Glück für den. da unter de« viela^ was gedruckt wird, nach dem in Wahrhett Ewigkitswevt Befitzmdrn sucht. Solch eine Dichterin, eim jüdische Dichterin, ist Lola Landau, für un! Breslaun schon lange keine Unbekannte mehr, aber dal .Lied der Mutter', von dem wir hack» sprechen wollen, ist zweifellol dal Reifste, was sie brshm geschrieben hat. Hia spricht sie zu uns all Mensch. Mulla »nb Dichterin, und el muß ein »arm empfindend« Mensch sein von hohem Adel »a Seele, der dal Lied: .Gesegnet* schreiben konnte, in dem sie in prachtvollen Wort« bvn Ausdruck gibt, wal sie erfüllte, als sie in sich einen nen« Menschen wachsen fühlte. .Mein Leib ist köstlich wie ein Attarschrei» Er schließt ein lebend Kleinod in sich ein.' Vielleicht noch schön« gibt sie dem gleichen Gedank« in dem Gedicht .Musch«! und Perle' Ausdruck. Die schwa es ist. von diesem Buch, dal so mnerüch «lebt ist. ein Bild zu geben, kann nur da empfinde», den diese Gedichte wirklich gepackt haben! So sollen anck diese Zeilen nur ein Weg zu dem Gedichtsbande jeiu «nb sollen keine Umschreibung dessen darstellen. wal di« Dichterin selbst »m soviel best« gesagt hat. Es ist ein starkes Buch von seelisch« Kraft und doch wieda eia Buch für stille Stunden, die wir in dies« Zeiten so sehr nötig haben und in die wir uns so tza» aus dem Wirrwar da Gegenwart zurückziehen. MdiMs ab« «ollen nicht nur von dem «lebt werden» da fle schreibt, sondern von dem. da sie liest, den» nur in dem können sie klingen, da gleich«! fühll und empfindet! Lola Laudau hat als Dichterin »och eine große Hw kunst vor sich, wa so schreiben »nd erleb« kann, da gqü sein« Weg und setzt sich dnrch. Diele! Buch ater aehört vor allem in die Hand der«, di« die warme Aiebe M ihr« Kindern innerlich erleben und doch nicht da! kfjm klauen, was sie fühl«! Dr. V. G ♦

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