Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- 47 (12.12.1919)
- Date
- 1919-12-12
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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IS. Dezember LAß». Jüdisch. *l4I. V- .«ar OnW B»j» btt M*f .Dt." .Habt« sie Schach «ftritftt* ' .V Usb so weiter. Lank Pessel wischte uns noch einmal die Lasen und wendet sich an de» Onkel.- .Mojsche-Aron! Mau mutz ihnen Etzanukkahgeldgeben.' Der Onkel hört nutzt. Er reibt sich die Hände und spricht sein Gebet zu Ende. Laute Pessel versucht, ihn noch einmal zu «ahnen. .Mojsche-Aron? Lhanukkahgeld für die Kinder!' .Wie? Dark' fragt der Onkel, indem er die Watte aus einem Ohr ini andere legt .Lhanukkahgeld für die Kinder?" schreit ihm Tante Pessel in» Ohr .Ei. «ein Bauch, mein Bauch!" sagt Onkel Mojsche- Aron und fast sich mit beiden Händen an den Bauch. .Lhanukkahgeld wollt tbr? Wozu brauchen Kinder Geld? Da» wollt ihr mit dem Geld ansangm? Ihr werdet'» vergeuden! Wiek Wieviel Lhanukkahgeld habt ihr vom Vater bekommen?" .Ich einen Rubel', sage ich. .er einen halben'. .Einen Rubel?!! Hm . . . Die Leute verwöhnen die Kinder ... sie verderben allein ihre Kinder! Wall machst du mit dem Rubel? Das? Du wechselst ihn? Was? Paß auf. daß du ihn nicht wechselst? Hörst du. vaS ich dir sage? Willst du ihn wechseln? .Ob er ihn wechselt, oder nicht. waS geht eS dich an?" sogt Tante Pessel. .Gib ihnen, was ihnen zukommt und mögen sie gesund weilergehen." Onkel Mojsche-Aron begibt fich in sein Zimmer, schlurrt, »et seinen Pantoffeln, sucht in allen Schubladen und Kästchen, kratzt endlich ein paar Münzen heraus und murmelt vor fich hin: .Hm! Man verwöhnt die Kinder, man verdirbt sie ganz und gar?" Bei diesen Worten steckt er un» eia paar Kupfermünzen in die Hand. Tante Peffel wischt uns wieder, zum letzten Mal. die Rasen, zieht uns die Mäntel gn. bindet uns die großen, warmen Tücher um. und wir gehen fort. Dir rennen über den weißen, gefrorenen, knarrenden Schnee, zählen die Kupfermünzen des Onkels Mojsche- Aron und können sie unmöglich zusammenzählen. Unsere Hände find ganz steif, rot und dick geworden. Lauter große, schwere Kupfermünzen, vorfindfluttiche Zehnkopekenstücke. glatte Sechser, außer Kur» geratene, grün gewordene Groschen. Es ist schwer, unmöglich, bei dem herrschenden Frost zosammenzurechnen. wieviel Geld Onkel Mojsche- Aron un» gegeben hat. Wollt ihr wissen, wo die Hölle ist? Daun geht «tt «ns. Zu welcher Zeit ihr auch komme» mögt, immer herrscht im Hause de4 Onkel DeiuuS Lärm und Geschrei, und Stuben und Stiegen find voll ungezogenen Kindern. Der eine hat den Rock de» Vater» angezogen und reitet aus dem Besen, ein' anderer trinkt Milch au» der Kanne ein dritter behütet eisersüchttg eireu Heringskopf in den Händen, ein vierter lutscht an einem Bonbon. Al» wir ankamen, trafen wir Asrilik. den mittleren, auf Mendel, dem ülleren. reitend an. während Fzojke und Abnrham. die beiden jüngeren. Mendel antrieben. der eine mit dem Aermel einer wattierten Jacke, der andere mit dem Einband eines Gebetbuch». Solomon. besten Alter ich nicht schätzen kann, musizierte auf einem Kamm, und David, ei» vierjähriger Bursche, hatte die Schuhe auf die Hände gezogen und schlug den Takt. Sender schleppte eine Katze a» Rackenfell. Da» Tierchen streckte die Zunge heraus, schloß die Augen, reckte die Füßchen, als ob es klagen wollte: .So wird man hier behandelt! O. Qualm? Qualen!' . . Esther, das ältere Mädchen, hotte dm Einsall. Haßke. die jüngere Schwester, zu kämmm und ihr einen Zopf zu flechten; aber Haßke. deren krauses Haar schon lange nicht mehr gekämmt wordm war. wehrte sich au» aller Kraft und brüllte mit heiserer Stimme. Dies alle» stört aber Tante Ente nicht, ruhig am Tisch zu fitzen. Zichorimkafiee zu ttiukm und da» Haus zu bestellen. __ Jüdisch. Turn verein Breslau Tarn* eiten I. TtrniMdlaig Turnbille: Augppt.-Sciiiile, Schweriner i) Männer Riegen Dieastiff nnd Donnerstag von 8*/i— W Uhr abends b) l*ranen*Riegen _. Dienstag nnd Donnentag von 7—•*/« Uhr akeods c) Alte*Herren.Rlege Donnerstag von 8‘/t—10 Uhr abends Turnhalle: König WIHMlm-Gymnaalnm, Sonnenstr. d) Zftgling»-Riegen 5—•*/* Uhr nachmittags «) Mädchen-Riegen Mtttvodi 5 -ty* Uhr nachmittags II. SportibttUaag: Sportplata: K6rn erwies«, as der Rkaaanshdhe 1 Minuten vom SAdpwir Jeden Sonstig vormittags von 8*4-12 Uhr. Seit frühe» Morge» »ich in diese» Hanse nnaushbr* gegessen. die Münder schließe» fich überhaupt nicht! — Tante Ente schreit, die Kinder schreien, alle schreie». — Plötzlich erscheint Onkel Beinus. der aus der Synagoge kommt. Mtt einemmal wird es still. .Gute« Mo^m. Onkel Beinus!" brüllm wir. ich und «ein Bruder Mottl. .Das wollt ihr hier. Bmgel»? Wahrscheinlich kommt ihr nach Chanukkageld?" sagt Onkel Beinus undgibt jedem von uns eiu silbernes Zehnkopekmstück. Die Kinder guckm uns an. aus allen Dinkeln, wie herumkrabbelnde Küfer; sie blinzeln uns zu und schneidm Grimassen: fie wollen? uns augenscheinlich zum Lachen bringen Wir machen, daß wir wieder sortkommm; so schnell wir könnm. Don hier aus gehm wir zu unserer Schwester Eidtt. Eidel hat von Kindheit, an die Gewohnheit zu weinm und zu klagm. Sie wttnt über ihr eigenes und über fremdes Unglück. Als fie die Braut des Schoko« Seide! wurde, klagte fie noch mehr. Richt etwa, veil der Bräutigam ihr nicht gefiel. Sie kannte ihn kaum. Aber eine Braut muß traurig sein. Die Aussteuer wird gtnüht — Eidel weint. Dle Aussteuer wird ahgeliesert — Eidel weint.. . Hochzeilsvorbereitungen werden getroffen, nu?: — Eidel weint.. Am Polterabend wird getanzt. Lieder werdm gesungen, fie aber schließt fich in ihr Zimmer ein und vergießt Tränen. Ich erinnere mich ihrer Hochzeit. Der Mufikant Schajka spielte auf der Geige und der Lustigmacher voruch stieg auf dm Tisch, legte die Hände aus dm Bauch, senkte den Kopf und sang nach einer schönm. schwermütigen Melodte: Meto vräatchm. deine Träne, i'aflr »tefirn. Bittere Zäl»rm. Islfi nein Herzchen Su »ergaben! ftaft stets Sott, der Uerbaraer, Deiner denke! Friede. Liede. Glück nnd Er,krach« <tr euch fchrnke! Nicht van Eilen find mix Meschen. Slaud sind aste. Und das Leven, ach. iß öfter «Sie die Galle! , Gott kann Paradies na» Hüte E»ch derclen i Wähle, du mein Herzensdräntche, Drnm dei Fetten: vsm. us» Die Frauen, verwandte und fremde, stochten der Braut unterdeffen das Haar zu langen Zöpfen und weinten dabei. Eidel selbst fiel dreimal in Ohnmocht. Dieses weinerliche Wesen behielt fie auch nach der Hochzeit. Ihr Man«. Scholom Seidel, iß dagege« »in lustiger Mensch. der gem scherzt und spielt »nd uns »it beso«d«er Aorfieb« Rasenftüber versetzt. NM letzte»» G»»d V««en wir ihn nicht gut leiden und besuche« ih« seltm. Aber man vergißt alles, besonders Rasenstüber — und wie sollte man fich nicht da« ChanuÄahgeld Holm, gar vo« eigmen Schwager? .Das ist schlau von euch, daß ihr glommen seid! Ich habe da» Ehanukkahgeschmk für euch schon vorbereitet!" So begrüßt uns Scholom Seidel. Er mwckt seinm Gelddeutel aus der Tasche und zählt jedem von uns eiu paar neue, glänzende. {Uber» Münzen auf. Mir nehmm fie und bekommm Rasmstüber. Ich zuerst einen aufs Ohr. und mein Bruder in die Rase, dann ich in die Rase und mein Bruder aufs Ohr. .Hör doch auf. die Kmder zu quälen!" sagt Eidel »it Tränen in den Augev- Sie ruft un» zur Seit« und giebt uns Süßigkeiten und noch einmal Lhanuttohgeld- .Komm. Mottl, jetzt wollm wir zählen, wieviel Geld wir haben? Zurrst zähle ich mein», dann zählst du deins". Ich zähle also: Ein Rubel, drei Zwanzigkopekenstücke. vier Fünfiopekmstücke und fünf Kupfermünzen — wieviel «acht daß zusammen? Run. — einm Nudel, drei Zwanzigkopekenstücke..vrer Fünfer und fünf Kupsermünzm..." Mein Bruder Mottl kann nicht erwartm. dis ich zu Ende bin und nimmt seine Kapitalim vor. Er legt die Münzen au« einer Hand in die andere und zählt: .Ein halber Rubel und ein Z»anziger und noch ein Zwanziger find rwei Zwanziger nnd noch eia Zwanziger find drei Zwanziger »»d zwei SeGrr »ncht bttt _ räft und drei Fünfer, und ein Zehner nnd «och et» Zehn«, da» macht zwei Zwanziger nnd drei Sechs«, back heißt, drei Sechser und zwei Zehner, ätsch, was sage tchtz Ich muß noch einmal von Anfantz zählen." Vrr züdlm und zähle« und könne, zu keine» M» kommen Besondere Schwierigkeiten machen di, Kupch» «ünzm des Onkel« Mojsche-Aron. Dir versuche», bießll Geld bei der Mutter eiazntouschen. dann bei» Bater. boi unserer Köchin Breine. — keiner will e» nehme«. .Da» find das für Münzm? Wer Heck euch dieses Geld gegeben?" Wir schämen uns. es zu sage« und schweigen. .Weißt du", sagt mein Müder Mottl z» mir, .lach uns die Münztn in dm Ofm werfm oder i» Sch»» vergraben!" .Die schlau du bist!" erwtedere ich. .wir »olle« ell lieber dm Armen aedm l" > Aber wie zuM Trotz find keine Bettler zu sehen! B» find all» Bettler hin. die sonst a» Rock pqism. feilsche», schimpfm. schwören, fluchm — alles um tarnt Pfennigs Sv haben wir Ehanukkahgelder gesammelt. «* .B HaaMw». 4m ttt we I,ge^. .hm TH fen tzeraNwachfenw tädstche Bücher für de« Ehauakatisch. . 3m etnUniUitt kn Rnral. tia neues EHaantavach ms •. FlLNter. Serba 1980, Berta» Lams stamm Amt« chs» «ntt. Bon tlra ithiMm Feste« ist Hr» Me 8omn| her Gaammark das Estaaatafest am meisten w ein neneS sich« aerstckt mms hie gaaead m asem stnöet M dem Zeiwtter dm »iü«Hh Ach. richvmß n) etdrtug m dm ttebf<n. w die anch st» Pnttw ße-oaen wnd! hie Beete vaa hur» SafratA, Mt anch M bar MrikgenSen gaaimlaag nieder ilnlnrfi sta». miih» im Hinstlls a»f cVtnuta destaders mit ew «chettick: Btt «arm »ich, immes dps Vs«. M weint, h— »a« der Zitnm, dm Veniwr an» f Bit Haben einstmals dm stttstm Fein» Getestet: .Nach -ndm kwmm Ich»»,-. Flame es vstchikin rnis die Sttzstchhil nedm, fste g. leicht ,»» bessern Bmetttl za finden: atnbt » wchern -nstrn whst »-L--—*—*« st» mW das Bedärfnis fär laiche Ferne« stnnz dch ... dam« ist d» Gaste »aöpm «Jflammea. Gswtst, sw mm» amstsst Tstannkniesttpiek aaa mirttlch vaetttchem Bmh Weisti nach za tchnstsw kin bürt, das aß das wtedee^dt. was an sticharn Tage rnchee chaaz bernaat. hiefer «mattiae Vtofi war» nach a» stimm Mchsm, Mvchw er ans daN erstestrn? 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