Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- 47 (12.12.1919)
- Date
- 1919-12-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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*r. 47. 6«tf 2 11 1210. Erez Israel — die Oaelle jüdischer Arbeit »nd Kultur. Marti» Biber: OirkUag — Arbeit — Wocht. Siedlung — Arbeit — Wacht. 3« diese« drei Sorten iß dir taftne «6 raum Geschichte der tat Laude Israel Werdenden neuen Menschengemeinschaft Geschloffen. Man vergegenwärtige sich, dach es eine neue Menschen» MMeraschaft iß. die i« Lande Israel, mitten untek den «oothia oerßhla-enen trümmechastm Siesten de« alten Indennolkea. au» deffen, Blute Werden will. Ein Häuflein Inden hat *bor fünfunddreißig Jahren Palästina zu kolonisieren begonnen: um ihr Heimweh nach der Erde diese« Lande« zu stillen; u« ihre Ständigkeit. den GVtubm an die Zukunft zu retten und zu bewahren . und um ihr tödliche« Grauen vor der Gegenwart. MC dem Glend ihre« steuerlosen Leben« zu überwinden. I« Grauen warm sie den ruffischen Gektierern nabe, die nach Palästina gingen, um sich von dem Reich de» UtbtU abgnlüseu; in der Gläubigkit so ihnen wie den deutschen Lemplem. die hingingen. u« da« Reich Gotte« zu bereiten; i» Heimweh waren sie allein, verwandt nur jenen alten Juden, dje hingegangen waren, um zu beten und jn sterben — und doch wie unverwandt! Denn nicht nach eine«, da« vorgefunden werden könnte, sondern noch eine« Hei«, da» sie sich neu erschaffen wollten, ging ihr Weh und ihr Derlangen. In eine« aber waren sie allen guten Kräften 'der Menschheit nahe: in der Sehnsucht nach emem wahren Menschentum. Bon der Berührung mit der Hrimat««de ersehnten sie die Läuterung, die Verwandlung — da« Erwachen eine» neuen Menschen an Inden, einer neuen Gemeinschaft i« Judentum. An dieser Sehnsucht erwuchs ihrem Grauen die Wagelust, ihrem Heimweh die Ent« fchloffenheit. ihrer Gläubigkeit der bauende Wille. So gingen etliche von ihnen und wieder etliche noch de« Lande Israel. Hunderte folgten. Lausende. Sie erwarben Boden, pflanzten Weinberge und Ornigengärten. und ihr Werk gedieh. Da» Werk der Siedlung gedieh. Bracke der Jahrtausende wurden urbar, in Düttrrn und Farmen entfaltete sich mustergültige Wirtschaft, blühend und fruchtend dehnte sich jüdischer Boden. Da» Werk der Siedlung gedieh. Aber die Sehnsucht bkeb noch unerfüllt. Da» Werk der Dandslung schien nicht anheben zu wolle». Auf der Erde der Verheißung »ncherte da» alte Leben de« Fluch». Da standen Männer auf. Landarbeiter. StiSmtm und Dichter, und sprachen die erste der einfachen Wahrheiten au», die bestimmt find, diese« halastarrige Lolkzu erlösen: Es genügt nicht, daß der Beden jüdisch wirb; er muß auch überall von un« selber bebaut werden — erst dann wird er un» zu eigen. T« genügt nicht, daß man zu de« Laude Israel heimkehrt; man muß auch zu d« Bauernseele und zu dem Bauernleben Israel« heimkehwo. Nicht au» der Berührung mit der Erde, erst au« der Vermählung mit ihr duuch die Arbeit vollzieht sich die Wiedergeburt. Die Botschaft der Arbeit wurde verkündet, der Gottesdienst der Arbeit kam Über da» Land. Etwa» von der effäiscden Weihe der Erbarbei! ersteht in unseren Lagen auf» neue. Da« Werk der Wandlung hat begonnen. Und zur Arbeit trat die Wacht, die Vereidigung de« Werke« gegen die Angriffe der Raubgierigen. Die jüdischen Schomrim in Erez I«rael kämpfen einen reinen Kampf. Sie stehen wahrhaft aus der Wacht, sinnen wabrhaft aus nu&t« al« auf den Schutz de« Geschaffenen. Keine bestehende Macht zwingt oder trügt fte in ihren Dienst. Sie dienen dem Kommenden. Eungen Wächtern und Arbeitern kommt — so geringe und bescheidene Menschen sie im übrigen auf Erden waren — der mißbrauchte Name {xtben in Wahrheit zu. Au« sich selber, nicht getrieben und nicht gezogen, nicht mitgenommen und nicht m-tgeriffm. von keiner irdischen Macht befehligt und von keiner benützt ou« der Einsamkeit ihres Leben«, wisse»» und gefaßt, entschloffen sie sich zu ihrer Lache, traten, da« Tor der Welt hinter sich zuschlagend, in sie ein, uvd in ihr stehend wogten, taten, erlitten sie da« Aeußerfte. Ich nenne sie Helden. Ich nenne sie jüdische Helden : weil sie die stolze Sache, der Europa uud Amerika um Lohn dienen, die Gewaltfache der Scheinkultur. Ite alle Güter zu vergeben hat. verschmähten und sich der dürftigen, preisgegebenen. schier aussichtslosen Sache des werdenden Geistes, die auf der Flucht ist. zuwandten, sitz zu ihr als zu der ihren entsckloffen und sich in ihrem Dienst bi« an« Letzte bewährten, mit allen Kräften de« Lebe« kämpfend und doch jenseits oe« Gewaltreiche«. Auch die«, auch dieser Schutz-de« Werdenden, de« Auferstehenden gegen die Honen der Gewalt tft Krieg, wenn ihr r« so nennen wollt; iber rin anderer, einer von ui* wesen hast anderer Art tauschet in die hohe Stille über den galiläischen und judrischm Gräbern: so werbet ihr den Hall der Schofarot anhdm hören, vi.r denen Jericho siel. illas x» 8*m»rt zu« Bache Piu-ker. Da der Jude nirgends*zu Hause ist. Nirgend« al» Einheimischer betrachtet wird, so bleibr er überall ein Fremdling. Daß er selbst, daß auch seine Vorfahren rm Lande geboren sind, ändert an diesem Tatbestand nicht da« geringste. In den allermeisten Fällen wird er als Stiefkind, ol« Aschenbrödel behandelt, im günstigsten Falle gilt er al« Adoptivkind, deffen Rechte bestritten werden können; nie al« legitime« Kind de« Daterlande« Der auf sein Germanentum stolze Deutsche, der Sklave, der Kelte gibt nicht zu. daß der semitische Jude ihm ebenbürtig fe. Qnb wenn er auch, al« gebildeter Mensch, ihm alle bürgerlichen Rechte elnzuräumen bereit ist. so wird er e» doch nie dahin dringen, in diese« seine» Mitbürger den Juden zu vergessen. Die legale Emanzipation der Jude» ist der KulminatronSpuntt der Leistungen unser«» Iah« hundert«. Aber diese legale Emanzipation ist nicht die gesellschaftliche, und mit der Dekretierung der ersteren sind die Juden bei Weitem nicht von der Ausschließlichkeit ihr« gesellschaftlichen Stellung emanzipiert. Georg Br«adeS: Die Sache scheint mir die. daß die Lage der Jude» in Rußland. Polen und Rumänien zu einer Auswanderung auffordert. sobald eine Auswanderung möglich ist. Man müßte ein Kind sein, um sich einzubilden, daß die ra Rußland eingetrctene Revolution mit der Aufhebung der gesetzlichen Feffeln für die Juden eine Veränderung der Auffassung mit sich bringen würde. Der Judenhaß ®ttb nicht io leicht Niedergeschlagen. Nur ein solcher Umstand, daß Trotzki. der sich die Macht angeeignet hat. Jude iß. wird später dazu führen, sich an Rußland« Juden zu rächen. Die Bevölkerung ist zu aufgeklärt, um sie nicht zu verachten und die Juden in Rußland sind noch zu unaufgeklärt. um sich in größerer Zahl unentbehrlich z» machen Joskph Budko, Berlin: Einen jüdischen Künstler werden wir denfMlzeu nennen, der jüdische Art in seinen Werken ausweist Und diese kann nur dann entstehen, wenn man sich in die alt« Schriften vertieft und in ihrem Geiste arbeitet, denn die Form, die den Inhalt diese« Judentum« birgt, wird gleich dem Inhalt eine jüdische Form fern Um aber ganz und gar den Geist dieser Schnstm empfinden und vo» ihnen die richtige Form geben zu können, muß der Künstler in dem Lande leben und arbeiten, von welchem un« diese Schriften zählen — die Erde Erez-Jsrael« wird sei» jüdische« Gefühl beleben und vertiefen. — Te-Halb habe ich am Aufbau Palästina« Jntrreffe — und wie oft sage ich«, wenn ich am »der an der Kupservlatte sitze, »ie einst unsere Vorfahren in Babel. Hermann Struck, Berlin: E« gibt Kunst, die von Juden gemacht wird. Cb darunter solche Werke sind, die man al« Erzeugniffe jüdischer Kunst bezerchuen dark, läßt sich mit kurzen Worte» nicht entscheiden. Unzweifelhaft ober wird aus dem Boden Palästina» nne jüdische Kunst erblühen, sodaß ich freilich auch au« diesem Grunde den Ausbau Palästina« erstrebe. Der Litzauou. «■« Kchal»» Nsch'1 „PalL-rnarn'- UeSeNragea Mn Siegfried Ech«,h. Da« Meer ist in dunvm. gebeimmtvollen Schlaf versunken und über ihm lagert die Nacht, ein schwarze« Ungeheuer, das sich auf die unendliche Fläche hinabgesenkt uud fie ganz bedeckt Hot mit schwärzlichem Gefieder Da» Meer hat sich wie ein Kind an die Brust de« Riesenteere« gelegt und schlummert still; manchmal regt e« sich, al» wollte jetzt und jetzt da« Riesmkind au« seine» Schlaf emporfohren und ungebärdig alle« Dunkel von sich ad> schütteln; dann wird e« wieder ruhig und still. Da und dort glitzert ein wäfferiger Lichtstrers über seiner unendlichen weite hin oder ein glänzender Himmelrfiem spregelt sich schelmisch auf seinem «fcfetignt Rücken Bon fern tönt da« ernste, tiefe Brausen der Brandung, al« wäre e» der schwere Atem de« schlummernden Meere«: schreckhaft klingen die geheimnisvollen Lüne D«b furchtlos und sicher, auf Gotte« Gnade bauend, rieht unser Schiff'seine« Wege« dahin, über sich dm sternbesäten Himmel, unter sich die dunklm Wasserwegen, e« zieht dahin vre ein stiller, geheimnisvoller Sendbote, der die ganze Welt durchwandert, n« irgendwo seine ungetan nie Sendung aurzuführeu; langsam, gleichkam tastend sncht e« dm Weg durch die Unendlichkeit. Wenig Menschm sinh auf unserem Schiffe in dieser Nacht. Die l«te ist e« für da« Schiff, da« fern dm griechischen Gestaden herzieht, um in Syrien die Anker anszuwerfm. Da and dort sieht man einzelne Gestalten auf de« Deck nmherwaudck» oder nachdmÜuh-reglos auf Bänken fitzm; fie erwarten die Movgensonne. die emporstrahl«» soll über Libanon. Ich und sie alle, wir haben da« Gefühl, al« wärm wir verirrte Kinder, btt irgendwo in fremden Land gefangen warm »»d nun noch langem, langem Fernsein mied« ra Mutter» Stutze Mückkohrm sollen ... md ich ich kenne «eine Mutter noch gar nicht. So Harem wir tlle auf die Sonne, die nn» anfgehc« soll über dm Bergen unsere» Hei»aüande« .... Schon merkt man. wie der nahe Lag den Himmel bleicht, und de« Himmel« Widerschein bleicht auch da« Meer. Doch im Hintergrund ragt etwa« Dräuendes, wie der schwarze Schatten eine« Riesen, empor und zitternd! spiegelt das Meer da« dunNe Bild ab. Der Log wird heller und schart tritt de« Riesm Bild au« dem Schatten, mit mächtigen, spitz« Zacken — und jetzt beleuchtet der Tag riesige Schneederge, die hoch in die Dolkm regen. Der junge lag badet sich tn dem Bergschnee und goldiger Glanz glitzert aus dem Firn. — Ich weiß nicht, au« veffen Brust e« sich zuerst entrang: .Der Libanon!' Jetzt durchdringt die S»nve mit glühmden Strahlm die Wolken und den Schnee zugleich; und beide werdm zu einem Flammenleich. feurig-wogmd und goldig schimmernd. Die rosigen Dogen diese« Lichte« stürzen über dm Bergrücken hinab und vermengen sich mit den Meereswellen — Do« Meer erwacht, geblendet vom Lichtglanz, und liegt jetzt lmchtmd und ireudig zu Füßm de» Berge«. Fort iß da« schwarze Nachlungeheuer, frtt atmen die Dellen im Scheine de« Lage« und der Sonne .... Und wir stehen auf dem Teck und schauen hinüber zu Dir. Berg Libanon! Ser gegrüßt. Sonne meiner Hermal' Hnmat sei gegrüßt. sn gesegnet! Libanon. Heil dir. ich bin stvlz aus dich, du Stolzer! Zu der bin ich gekommen, meine Hüter, meinen Stamm zu finden — Hinter mir sieht ein alte« Iudenweidlein. eine von denm. die nacht«, so gut sie kvnntm. den Psalmrnsong der Männer begleit« haben. Erez Israel zu Ehrm hat sie ihre neue Sabbathjacke angezogm mit weißen Spitzen und Sammetbändern. So steht sie hinter mir, ein große« Gebetbuch in der Hand: .Sagt mir doch, ist er da», der Berg au« der Bibäk' .Ja. er ist e«. Mütterchm. der Berg au« der Bibel, der Libanon . . . .* C, du Berg Libanon, du Berg der Bibel, aus. erhebe dich. auf. mühe dich vor Gotte« Herrlichkeit für heute. Leah» Tochter und für ihre liebm Kinder, die sie zurückließ in der Fremde und für alle, für da» ganze Israel. Amen. Selah! .... Auch die alten Inde» Hatz« sich zu Ehrm de» Libanon fatzbathlich gekleidet; sie habm Lavß »nd Lestli» angelegt und. vom Morgenlicht umstrahlt, beim sie. znm wirklichen Erez Israel gewendet, ihr Morgengebet im Angesicht ves Libanon. „Tachath hahar halow käsest* („hinter diesem guten Berg") — sagt einet von ihnen und zeigt Mit dem Finger aus den nahen Libanon .... Tie Jungen und ein paar Kausleute machen ihr Gepäck zurecht, um in Beyrut. der größten Handel«stadt Syrien», zu landen und von dott nach den galiläischen Kolonim zu reisen »Wollt ihr denn nicht zuerst nach Jerusalem, die Klagemauer Rahe!« Srab sehen?" fragen verwundert die Alten. " Wir gehen nicht nach Jerusalem. um dort zu sterben, wir gehen nach dem neuen Erez Israel, um zu leben, um in den Kolonien zu arbeiten" lautet die stolze Antwort der Jungen. .Wunderbar' — murmelt versonnen die Alte hinter mir — .ein neue« Erez Israel. . Ter A»vhalt de« Toten M^re«. Die Gegend de« Totm Meere« ist bekanntlich reich an Asphalt, der leicht gesammelt und zum Straßenbau derwmdet werdm kann. Die Preise sind bedeutmd niedriger al« in Europa oder im nahm Orient. Unzweifelhaft wurde er seit undenklichen Zeiten sür die Tempel und Paläste Affirrrn« und Babylvoien«. sowie für die Zisternen Syrien« verwendet. Do die letzterm noch heute gebrauch»» fähig sind, müßte der Alpha'.-, de« Loten Meere« nach Bearbeitung nach modernen Verfahren und mit modern« Maschinen tür dir Herstellung von Straßen ganz besonder« wertvoll sein, da sich die Wege, wie sie heute gebaut werdm. unter dm Em Wirkungen der klimatischen Pechältniffe rasch abnutzm. Mefotzottmten M sa^nnmwotzene Koetstromlon» zwischen Euftat unb Tigris hat im Weltkriege al» Kamps, platz der mglischer und türkisch« Armer keine geringe Rolle gespielt. Für uu» Joden hat Mesopotamien als Stammland unsere» Erzvater« Abraham» noch eine ganz besondere Bedeutung. Staptab, die heutige Hauptstadt Mesopotamien» birgt noch honte eine große Jndengemestche in seinm Manern. Unter dm 20 Synogogm. welche I