Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- 47 (20.12.1918)
- Date
- 1918-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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9h. 47. 6eiU 2. Irdische BolI«z«itu»|- r«. 1218. 3«fal«i M »ldtzlichen «Htknl b« 6«a«flcbct« ift in bt« CifAnnni dich» Sl-tte» thu llrtterdrechu», rmt/tattu. Sumicfcr ist ki« .Jüdische SoHljeitua» m andere Hände 4ter«ei»n,en und «ird in de« oor- Iiezenden Formal rrtzttmäßltz weiter erscheinen. Li, bitten dethalb nnsere Leser, da dal Abonnement setzt adlüuft, um trenndl. »M»-de»»e «rneueeni, entweder bei der Post oder durch dieette Bestellung wittel» einlieg erster Postkarte bei der unlerzeichneten Geschäftsstelle «.tche da» Blatt durch di« Post «berweisen wird. Dl Be,ug«prei« sür da» »ierteljabr beträgt Ml, 1,80. sür da» ganze Jahr Ml 7.—. sür die Bestellung srri Hau» berechnet die Post vierteljährlich 12 Pfennig». »eschtfttßeü, »er Jüdische, «,1k»,eit»»». Kerrittist»»«. »icht krrununß. Der äußer» Frieden ist iw Anzug«. Freilich wird er ander« »««sehen, al» wir ihn UN« »orgestelll haben, aber schon da» Bewußtsein, n» Frieden »u leb,«, ist erhebe»». Da» Gebet um Frieden nimmt gerade bei un» Juden einen »eiten Raum ein. Ist damit wirklich nur der üußere Frieden gemeint? Frieden und Ewigkeit sind ähnliche. ,u einander notwendig gehörend« Begriffe. Da» Ziel aller unserer Bebet« „an jenem Tage «ird der Ewige einig ernjig sein und sein Rome einig-einzist' verbindet den äußeren Frieden mit der innere» Ewigkeit Un» Juden aber tut gerade jetzt die Einigkeit bitter 9iot. Wir waren von dem Traum umsangeli. daß der stegreiche äußere Frieden den nationalen Dünkel entfachen, und den Juden, den bekannten Prügelknaben für den „teutschen" Hochmut, schweren Zeiten entgegensührrn werde. Jetzt, da wir au« den Schlas erwacht find, ist zwar der siegreiche Frieden in Nicht« zerfallen, aber die Sorge um unsere Zukunft ist heute Wirklichkeit ^worden. Di« Kreis«, denen der Krieg «in Mettel zur maßlosen Ausdehnung ihrer Macht gewesen ist, - und di« damit unser deutsch^BatettM^ —«u*i '»miftf näher, ul« t*ri Juden die Schuld an der Vernichtung ansznbüeden, Wichl sännen wie iMtrauen, daß die anvnblicklichen tätsächlichen Machthaber int Harenlatz zu der srüherrn Regierung diese sür dar Ganz« verderblichen Ttörungen nicht wieder durch schweigende Duldung unterstützen, daß ste idnnn vielmehr mit allen ihnen ,, «ebo« stehender Kraft ent- K«gentrelen wekden. Aber e« seblt UN« die Bürgschaft sür die Rachhaltigkeit ibrrr Bemudunaen. In Bettin, in Franktntt a. M. und in der Provinz Posen jind nicht bkvß Flugblätter voll häßlichster Lügen in bezug aus unsen «landenSgnneinschaft verbreitet worden, auch an Auaschreitungen gegen Juden bat e« nicht gefehlt Erinnern wir una doch der geschichtlichen Tatsachen, daß selbst der ödeste Gas>enantisewiti»mus imstande gewesen ift, die Menge gegen uno"a,ijz„re>zen.' Ilad «a« lehren im« Galizien und Polen, wao lehrt UNO Lemberg? Fiir „ns Juden ist der Antisemitioinus der außer» Feind. Wie dem äußeren Feinde gegenüber alle Parteiungen schweigen sollen, wie den Angriffen von außen her die Angehörigen eine« Lande« sich zuiammenschließen müsten und ihre Meiniing-Oerschiedenheilen zurück,ustellen haben, so haben wir deutschen Juden setzt die Pflicht, den neuerdiug« sein staubt erbebenden Antisemitiamu« gegenüber unsere Reihen ,ll schließen. D««halb brauchen wir u^ere Austastungen Uder da« Judentum und seine Angehörigen nicht zu unterdrückcii und sollen e« auch iijch, tun. Sachlich wallen wir auch in Zukunft uuieren divigierendeu Anschquungrn 8u«druck geben. Aber eben nur sachlich. Uebettragen wir ste »icht aus da« persönliche Gebier Nathan« Bergleich zwischen den Ringen — er paßt nur zu gat auch sür die Richtungeu innerhalb der deutschen Judenheit, Und ift denn -ine persöhnliche Befehdung der verschie. denen Richtungen gegen einander erforderlich? Der unfeckige Krieg hat den Zionisten neben den Antizioniften. den liberalen Jude» neben den konservativen und otthodoxen gestellt Im Schützengraben -nd in offener Felbschlacht haben ste in gleicher Weise ihr Leben und ihre Gesundheit für da» deutsche Vatettavd gevpfrrt. Hat damit ans der einen Seite der Zionist seine Zugehörigkeit zu ihm b-steg-u. s, wird auch der Richtzivnist anerkenne,, daß .mm Ziem hie Lehre au»- aeht'. die Lehre, di« die Grundlage unsere» Stauben« barstellt. Allerdings stoßen wir damit svftirt »ns einen gewiff«, Gegensatz zu den politischen Zimnste». >, svsern wir ^rade 'daran« Ivlgern, daß wir Juden eben nur eine Glaubensgemeinschaft bilden und sdaß wir oh» de» Glauben nicht bestehen können. Ader wollen wir nn» rabtmftit* der Tatsache verschließe», daß dir Begründung fivrr Heimstätte sür die in ihrem Lande bennrahigten und Oersaigte, «hndentgeiiaffe» ein Ziel, »an Herzen zu wüusche», ist, Können wir somit auch nnt den Zionistm eine weite Streck» man schieren, so haben auch die liberalen und konservativen Juden ein Zick i« Auge: Die Förderung de» Juden, tum». Rur über den Weg sind sie nicht «mg. »der wir haben jetzt wichtig««« vor al» die« in den Barder» grnnd stell«,, ^innniba, -mle pottu'!" Der gemeinsame Feind erhebt sein Haupt »nd steht pochend vor unseren Toren Darum sei jetzt zurückgkftellt. wa« trmnt. und brtont. wa« UNS änt: Tie gemeinschaftliche karge um linieren Glauben und um da« deutsche Judentum. S-lix Hirschberg. Au» >*tr Der $rrbM> der Sy»ags«en»eret»t für verli, Bararik beschäftigte sich m seiner letzten Vollversammlung mit der Umwandlung der Shnagogengrmeinden «n jüdische Dolks^emeinden. Der Vorsitzende. Herr Dolpe eröffnete die Versammlung mit einem Bericht über die bere:t» von uns besannt gegebenen Gründe, die zur Verschiebung der Dahlen piz Repräsenrantenversammlunq geführt haben. Hierauf referierte Dr. Wltkowski über die jvdisLe Volk«- gemeinde. Nach einleitenden Bemerkungen über die Erfolge de« nationalen Gedanken« bei den Juden der verschiedenen Ländern kam der Redner auf die Er. Närung bei Eenlralverein«, oe« D l O. B. und de« Versande« der Deutschen Juden zu sprechen. Durch diese. Erklärung schließe sich da« deutsche Judentum von der jüdischen Gesamtheit au«, doch könne der Protest der drei Verbünde dm Bestand de« jüdischen Volkes nicht in Zweifel stellen. Gegen die Erklärung baden sich auch dereiis Stimmen au« verschiedenen Lagern erhoben, so hat z D. in Posen die Arbeitsgemeinschaft der thoratrenen Juden den Boykott durch die drei Verbände mißbilligt und sich sür da« Zusammengehen mrl den Ralionaljuden ausgesprochen. Zur Klärung dieser Grundfrage im deutschen Judentum würde nach Meinung des Redner« etn Kongress beitragen zu dem die gesamte deutsche Judenheit ihre Vertreter wählt. Die Beschlüsse diese« Kongresse« würden dann ein deutliche« Bild de« wahren Willen« der deutschen Juden geben. Die jüdische DolkSgemeinde — diese Bezeichnung soll keine endgültige darstellen, denn sie könnte eventuell durch eine bessere ersetzt werden — soll sich von der Synagogengemeinde durch den Umfang ihrer Aufgaben unterscheiden. Sie sollte in erster Linie Schul- und Erziehungsträger! regeln, ferner die soziale Fürsorge, die schon jetzt von den jüdischen Gemeiaden auäaeübt wird aus eine neue Bast« stellen. Pflege al« moraliftfcT**£*!<£und die Wohlsahrtrwichtigste Fraae di, geübt werden. Die soll.durch Lebens. Großgemeinde gelbst werden. Die Parochialgemeinden sollen au« den jetzig n Religion-Vereinen hervonvachsen. zu deren Obliegenheiten die Sorge für Schute, Gotte«- bau» und thorastudium gehören werden. Lb diese neuen jüdischen Gemeinden eine öffentlich rechtliche Bestätigung stnden werden, ist noch nicht abzusehen Jedenfalls muffen sich aber die deutschen Juden heute schon klar werden was sie von der neuen Regierung erwarlen und fordern können. 'In der Diskussion teilt Rabbiner Or. Jakobu« mih daß Einigung«- ^stredungen zwischen den MiSrachisten (orthodoxe Zionisten) und den thoratreuen Vereinen Berlin« bestehen, die zu einer Einigung über ein gemeinsames Vorgeden geführt haben. Ter Redner glaubt, daß die drei Verbände au« ehrlicher Sorge um das Wohl der deutschen Juden aus politischen Gründen di« Existenz des jüdischen Volkes, bestritten haben. Er hält diese Politik iur falsch Tie Juden müssen die Konsequenzen ans der modernen Entwickelung ziehen und tragen, .verr Rothenberg protestiert gegen die Erklärung der drei Verbände und bestreitet die moralische Legitimation der Berliner Leitung dieser Organisationen, namens der Eesamtkörperschasten ohne vorherige Anhörung der Mitglieder Erklärungen abzugeben. Die potitisch, Klugheit de« Pendel« muß aufhören, das lunge denljche Judentum muß eine ehrliche Entscheidung treffen und wird sich zur jüdischen Volksgemeinschaft bekennen Herr Weibaum bittet die Diskussion ausschließlich aus religiöse Fragen zu beschränken. Recht«' anwalt 0r. Leszgzyn«kh macht gegen diesen Antrag geltend, daß der Verband der Synagogenvereine sich stets bei den Repräsentantenwahlen politisch betätigt habe vnd auch heute nicht« an jüdischen Fragen, die die ganze Dell bewegen, vorübergehend und sich in Kille-Sorgen erschöpfen kann. Herr Dech«!er wendet sich gegen die Bekanntmachung der drei Vereine, deren Mitglieder von der Leitung vor vollendete Tatsachen gestellt find. Dir Synagogenvermne find berechtigt und verpflichtet, zu diesen ffimgen Stellung zu nehmen Die Schaffung der jüdischen Dolk»g«»einden ist keine zionistische Parteisache, smchera eine aA^mein jüdische strage von höchster Bedeutung. Aistizrat Plon«ker kmln den Begriff der jüdischen Bolk«gemeinden vom Aioni«mu» nicht trennen, da die Zwaisten in der ganzen Welt mit dem gleichen Programm austreten. Der Protest der drei Verbünde soll da« deutsch« Volk darüber aufvüre». daß die Forderung btt Zionisten nicht die Forderung de« jüdischen Volke« darstelle. Rach eine« Schlußwort de« Resere.!.ten wurde die Versammlung vom Vorsitzenden geschloffen. Auf allgemeinen Wunsch wurde von der Foffung einer Resolution abgesehen. ’ Berit», (ist zutteffeude ssl scharfe Antwort tsf tit aattfemMfche Flajchlattwele, die augeabtickUch über Berü» ni^ergeht. bildet ein Flugblatt, da« heute i« de, Straßen Berlin« verteilt wird, und da» ge« eignet ist. die wahren Schuldigen, die mit der Inszemer»ug einer Judenhetze die öffentliche Aufmerksam- Kit von sich ablenken wollen, zu entlarven. Da« Flugblatt lautet: .Judenhetze in Berlin! Arbeiter und Soldaten! Man hetzt gegen die Juden, weil Marx. Laffalle. Haase. Bernstein. Rosa Luxemburg. Viktor Adler u. a. Juden sind! Man belügt Euch jetzt, wie man Euch stet« belogen hat. Die Juden sollen den Krieg gemacht und verlängert haben! Wer saß zu Beginn de« Kriege« an der Regierung? Wer im Auswärtigen Amt? Der in den Gesandtschaften? Kein Jude! Wer saß im Kriegsministrrium? Der im Generalstab? Der im Militärkabinetl? Kein Jude! Der hat den Krieg verlängert? Wer hat den Krieg verlängert? Der hat während de« Kriege« am lautesten den deutschen Schwert- und Machtfrieden gefordert? Wer hat jeden DerstündigungSftieden al« Hungersrieden und Judenfrieden geschmäht? Etwa die Juden? Die Juden sollen sich au« dem Schützengraben gerückt haben. Glaubt Ihr. daß e« Frontsoldaten find, die so etwas schreiben? Weiß nicht jeder Frontsoldat, wie unzählige Juden al« Eure rreuen Kameraden draußen begraben find? Unter den Machthabern der Reaktion gab e« keine Juden! Unter denen, die für Freiheit und Recht eintreten. gibt e4 viele Juden? Wa« ist der Zweck der Hetze? Die Aufmerksamkeit von den Schuldigen abznlenken. Wa« wollen die Hetzer? Unruhen anzetteln! Sie wiffen. daß die Ordnung mit allen Mitteln geschützt werden wird, für wen und gegen wen e« immer sn! Man hetzt die Juden, abn man meint die Volk«- Herrschaft, die Republik! Die Reaktion, die ihr Spiel noch nicht verlorm glaubt^ versucht er noch einmal. diesmal mit der Judenhetze! Arbeiter und Soldaten Berlins! Laßt Euch nicht betrügen! Laßt Eure neue Freiheit nicht beschmutzen. Verli,. Ei«, ktisertmtitze, Vertreter i« B«rßaade btt Berliner jüdische, Gemeinde fordert eine Eingabe, die der .Verein zur Erhaltung de« überlieferten Judentum«' an die Berliner Gemnndebehörde» gerichtet hat. Die Petition lautet: .Diebevorstehende Wahl eines weiteren Dorstandsmitgliede« gibt un» Der- I anlaffung. an den verehrlichen Vorstand da« Ersuchen zu richten, sür die genannte Wahl eine Persönlichkeit in« Auge zu fasten, die in ihren Anschauungen und deren Betätigung aus dem Dodeu de» konservative« Judentum« steht. Der Umstand, daß seit Jahrzehnt« SA j«r ijiAmwjiWRor&mi) .lediglich aus Anhängern ver sogermnnten «£^»*2 Ntchlung I»ft«Wm>s»hf dem Frieden in der Gemeinde, wie der EntwilKnng ihrer Institutionen nicht förderlich gewesen. Widerspricht eine solche einseitige Zusammenlegung jeder wirklich liberalen Anschauung, so erscheint ste geradezu widersinnig bei einer Körpen'chaft. die in ihrer Verwaltung zahlreiche Institutwnen hat. die im Sinne des Überlieferten Judentums geführt werden müssen und geffihrt werden. Ber einem Rückblick aus den vergangenen Zeitraum dürsten wohl Anhänger oller Richtungen darin übereinstimmen. daß der Anschluß kon'ervativer Männer aus dem DorstandSregime sich als schädlich erwiesen hat. Was sür die Vergangenheit gilt, würde sich aber, wenn der gleiche Zustand bleibt, schon in der nächsten Zukunft geradezu als verhängni«- s voll erweisen. Durch bie politncke Umwälzung der i letz'en Tage stebt die Trennung von Staat und Kirche! unnritlelbar bevor. Hierdurch wird die ganze Grundi läge, auf der die Eristenz der jüdischen Gemeinden i,; Preußen beruht, völlig geankert. An die Stelle de« j Zwanges wird die Freiwilligkeit treten. Starke Der-! lusie an Mitgliedern sind nnausbleiblich. da eine j große Zahl Indifferenter die Gelegenheit, sich der Lteuerpslicht zu entziehen, wohl gem ergreifen wird, l Um so notwmdiger wird es sem^ die religio« Inte-! ressirrten aller Richtungen innerhalb der Gemeinde , enger an diese zu seffeln. damit sie nicht nur in ihr verbleiben, sondern sich auch entschließen, erhöhte Opfer zu bringen. Wir bitten, überzeugt zu sein, daß wen, wir heute mit diesem Ersuchen an den Vorstand heran* treten, uns dabei nicht so sehr der Wunsch nach einer Vertretung unserer Richtung leitet, als der Wunsch, in den schweren Tagen, denen nach unserer Überzeugung die jüdische Gemeinde entgegengeht. die Grundlage, erhalten zu Helsen, aus denen di^e ihre Wirksamtttt entfaltet' «erlia. Da, Wotzitzei» des jüdische, Kr«e,. hiW, da« der Berliner Ortsgruppe de« Jüdische» Frauenbünde« seit einigen Jahren untersteht, bietet etwa zehn im Erwerbsleben stehenden jüdischen junge» Mädchen eine behagliche Heimat zu sein. Die Rachftage nach Betten war viel größer al« die Möglichkeit der Unterbringung, sodaß die Rotve^>igkeit und Wichtigkeit dieser Einrichtung voll bewiesen ist. D«B Heim ist dem Mädchenklub de« Jüdischen Frauenbünde, angegliederb. Im letzten Jahre waren 4« Mädche» längere Zeit. 14 nur vorübergehend auf der Durchreise. oder bi« sich eine neue Stellung für sie f«d. Gäste de« Mädchenheim«. Bei dev Insassen überwiegt der kaufmännische Beruf. E« war der Leiten» da, Heim« und Mitgliedern de« Jüdischen Fnmevbundt, oft mbgkch. den Mädchen beratend und helfend z»