Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- 45 (8.11.1918)
- Date
- 1918-11-08
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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3M>HK voN»M»ß. Gemetude-Anzeiger. Srrila», d«, 8 N»v««b«k w. 45 „ #•»» P'» <»° »I« i*Mf4€ Maise-vstäm »a ♦»•Mb»! schlägt die (kilina (il>. Gemeinde f t:. De« rmtzstudl ch.u Sicngcl a» grcigicun Pflegest, llen in j.'tk. Ko ■lli« foQ durch Schoffung ». EiZehungkheime» außerhalb >. Gruß ft a dl adgeholsen «. D. Waisen-Kommisßou hatte Ich»,, dar de» Krieg« »i, »rußen Schwierigketten hei der Uuterdriuauug v. Kindern in städtischen Pflegestellen tzu Itmpfen. Di« veschoffuug gerign. Famlllenpstegestelen mar lchon im Frieden sehr schwierig, j» Kriege h fich diese Schwierigkeiten hededieitt »eimißit. versuche, geeignele Pfleg efteilen autfindig zu rachen, scheiterlen au der Udguust der BerhLlluisse, et ist auch nicht zu eiwarten, daß diesrlb. b. Eiutrrteu uururalrr Zette» bald grundlegende Aenderung erfahren. Die dfiegegeidgebihren, der Beginn d. Krieget 30 Ward »anailich, find aus 40 d. 45 M erhitzt worden, e. Betrag. der »ii d. »eurrungiverhiUlnifien ». GegenwaN nicht im Liuklaag fteht, sab. in absehbarer Zeit mit ata. Erhätzuugcn zu rechnen ist. D. Pfiegegelter, welche die Stad, Berlin sür ihre Schützlinge »ahlß bewegen sich auf e. «esenil. niebngeren Baden, weil die Stadt, welche Teufende' v. Kindern zu versorgen hat, da» d. christliche» Bevblkerung i« Kriege dauernd um lieberweisung d. Kindern eriuchl wird, welche später adovtiert werden sulleu, St hantelt sich hier »eist um kiuderluse »he. ttute. die auch »II d. kleinsten Pftegegeldzuschuß zufrieden find. D. »arserkawmisfiuu har fich i»»er bemüht, die ihr audrrlrautrn Kinder in jüdische» Pflegefielc» uuterzubrtnge». Diet ist leider nicht in volle« Umsang« «dglich gewesen, weil d. Kusgaten d. Kvmmtsfivu, welche durch die Ueberoahme e. grvßen Teil« d. Pfieglrug«, d. Sammelvvrmundschasl und Ueberweisuug vieler Kinder durch hie Stadt erweitert wurden, stark angewachsen find. D. Kommisfivn hatte angeregt, eine WW d. Kaiser Helmen in Berlin zu begründen, in denen ltttbrt 15 Kinder verschied. Kliert nvt. Führung e. gceigntten Lette,« od. e. Leiterin e. samiltenihnl. Srziehuugtgemeiuschait budcn. D. Gemeindevorstand har fich diefwKntrage st^tutl. aaa,schlaffen, »ft der Maßgabe, daß die Einrichtung dü Pfiegrfirßen nicht in Berlin, sin der» In der Provinz, an Ortra, an welchen e. jüd. Gemeinde hestehi, etsvlgeft soll Sers, Gemeindedehdrdrn stehen bereit« mit e. Provinz: fiemeind« In Lerbludung, d. e. geeignete« Haut zur Verfügung nrlen wird. Fa dies. Kaisenheime sollen zunächst etwa >2 Kdabeu und Mädchen v. 5 ii« 16 Jotzreii «atergebracht San $. Erfolge dies. I, Anstalt wird e< abhingea, ob di« lnrimtung autgrdvni ». -nt and. vrle übertragen werden sag. isal« erscheint d. Maßnahmt a!d attign. Schritt zur nng gut,! Pftegesteliev für std. Großstadtaaiseü. Daß rs« Pflegeheime tu V Provinz verlegt »., ist au» pädagog., soz. »ad bevtlderuogtpoltttschen Griridet, v jüd. Standpunkt an» des. zn begrßßor. Mt0«h Jl* Ueprts -Detf. (ult am 28. 10. eine Adendfißnng zur ErlMgnng bringenbet Viirlagen irbr Antrag de« Bvrftande» ans Gewäpnna einmaliger Tenerang». inla ß, u nach beir «dalltchen Säßen un» den in Berlin und »harlottrvßickg getroffenen Regelung,». Sie sefiongrstellten hanptamtlich bet der Gemeinde beschäftigte» Beamteii, Lehr- Sen Und sdnstiaen >ug,stellen «ü »atuahme der Krieg«, äste erh. 'sorgende einmalige Krieasteuerungsgylageu: . tralete ohne Kinder in Grnpp« lv 70V M , Groppe NI 800, Gruppe Ii 900, Gruppe 1 1000 M.; verheiratete mit Kindern sch jede» Kind ld'/z »er »„stehendeu Sätze, mindesten« 1d0 M.. lluverheirvleie 80der Säue sür verheiratete ohne Kinder: Beamte mit freier Staliou der betreffenden Beträge. Jw Heerettienste stehende verhriratete 75der obigen Sitze, un»eiheir„ete erhalten kerne Kenerunatzulage, Rutzegehalltempsinger 70-/, dieser Sätze. Unterstützchugtempfänger fallen »ich, unter diesen Beschluß, kittrengelbempsäugennnen: tu Gruppe IT 800, Gruppe III 465, Gruppe II *70, Gruppe! 040 M. und sür jede« Kind IS'/, der vorstehenden Sitze, mindesten« 75 Bolwaiseu in allen Klassen je ISO M. Dir auf Grund einer Deklamation eine» anderen Betttedf« au« bew Beere»dienste Entlassenen und bet diesem Bertteb« gegen Entgelt beschäftigten Beamten erhallen keine Zulage. Krieg»- btttfträft, <a« I. 10. 1918 l Jahr bei der Geckeinde iittg) verbetratrt« ohne Kinder 800. äteihenü.'/u!»>t l sttud 420' verheiratete mit 2 Kigderu 480, verhettßtkte «tt > upd Weh. ***** Kindern 80Ö, Un«,heiratete 940 ®. «r!eg»btif»kttfle, die mindesten« 9 Mau. hei der Gemriuvg 'D di« mindesten« 0 Mallste tei der Gemeind« ft,, bi, mindesten» 8 Mon. hei der Ge- ,, meinde ft, der für di« übrigen Krieg«hils»krüfte bewifiigteu Beträge. Der finauzteßr Kufwän» fßt dir einmaligen Teuer»»»«. iulaaen für dir Beamten bestatt fich ans 2t>8000 M„ für ie Rnheaetzaltß., Kitwen» und Wrisengeld-Empfänger aus 82 000 Ps,, zusammen aus etwa 808 dvv M. Di» Vorlage wurde von »er tziepr.-Bers. deisilig begrüßt nud einstimmig ängeuomme». — Durch Schenkungen undvcrmächio i s l e find der Gemeind« wieder 21000 M. zugesalleo. S000 wir Erhaltung o»u Gräbern und Abhaltung »an Jahrzeite», 18 000 zur Errichtung einer Sttstuug für arme jßdisch« Kichneriuuen. Zur Borberrtiost» einer Eratnznugäwahl zum Gern.» Vorstand wird ein Autschuß von 7 Mitgliedern eingesetzt, der mit möglichster Beschleunigung geeignete Kandidaten benennen («(. Justizrat Zuliu» Magnn», besten Bestätigung al» Gemeiude-Kellester dnrch dir »nfficht«heh»rd« erfalgt ist, wurde nom Borfitzeuden für sein neue« »Mt verpfijchtr». Geh.-Kat Dr. Minden betante in seiner Ansprache s. Verdienste, die «. fich in «jähr. rätigkett in den »erschiedenen «erwaltuno«. zweig, n«. h. Dann wie« er auf die schm. Zett hin, unter der da« Vaterland leider, die unzerstbrbare Kraft . de« deutschen «alle« »licke trotz aler SchickfaUschläg« oertr«en«vol in die Znknnst. Der «ame Magnu« habe in »er Gemeinde guwu Klang. Der »erst. Kommerzienrat Stadttat Meyer Magun», besten Bild den Kkepr.-Saal schmückt, har der Gemeinde wert- - vale unvergeßlich« Dteufie geleistet, ein gnter Jude, ein ausrrchter Berliner Bürger, den der verewigte Kaiser Friedrich seiner Freundschaft würdigte. Di« segeuüreich« Wirksamkeit diese« gleichnamigen Vorgänger« mäge ein günstige« Vorzeichen fttt dir Kmtüzett de« nengewähiieu Aettrstro werde» — De, ver.in sür jüd ürankei,pft«ge>tnn<u, de, bereit« eine Schwcster al« "»bamme or «bilken ließ, die heule mit gutem Erfolg« im Kraukenhause der Gemeinde tätig ist, eihätt ,l« veittag zu deu Au«biid»ug«kosteu einer 2. Schwester einen Zuschuß von OSO M. Auch diese soll im Krankrnbaute der Gemeinde a!« Hebamme oertreudet werde». — Zer «ppiouieruug eine« bi«. in für gäituerisch« Zwecke verwendeten Geländeftreiftn» auf dem Gemrinde-Friedhoi krißensee, der setzt sür Bendigungen grbroncht w.. werden die Kosten Mil 12 000 M. bewilligt. Ein neuer Leichenwagen, der znm gleichzeitigen Draniporl von 2 Leichen eingerichtet ist. ctsordett 9700 M , die noch kurzer Debatte über Zweckmäßigkeit und Schdnhett dr« lugedotenen vagen« bewilligt worden. — Den Rest der Sitzung füllt die »»«sprach« über eine eveulurlle Lnschtebuug der 8i-pr,-8ahlrn, ähre die iu vor. Kt. »»«tühriich denchtet ward Mannheim. Her Kpnagogeneat hat mit Genehmigung de« Gr. Odettat« »er Israeliten dem laugj. Sekretär und Rechner unsrrtt Gemeinde I. E chorjch den Titel ,8üeo> direktor' »erliehen, Kritatfflrforgt. fi«< Ktiftuug fit jüdisch« Kriegobeschiipigt« äei »er chrotzlez, für Hentschkan» M- H. M. M. hat Kommerzienrat oemieri Levy.Berlin mit einem Kapital von >0 000 M. errichte,. Die Srtiäge find in I. Linie für Ktiegädeschädiglc »drr deren Angebt,ige ». d, Keihen der Berliner Loge» U.O. 8 8. deftimml. Wenn leine vewerdungen »oiliegen, dürfen Kriegtdeschädtgie, dezw. deren Familien, welche Mitglieder anderri Logen de« deulsche n Bezirk» de« U.O B B. find, derückfichtigt »erden, gegebenenialli kdnne» auch andere jüd Krteg«beschtdigtt dedacht werden, Hlitnell» -affee.chrsatzmitttk sR.K.S.) macht der Maaiftral iu Leipzig bekannt: Für die Mitglieder der iftael, Religionsgemeinde »erden künftig bei den allgemeinen K,E.» verteilunaen, nstmalig bei dn 8, K,S,V, bi« aus weitere« rituelle K.E. fitheigeftellt, Di« Betartlenmeldung hat zur gleiche» Zett und »ii der sür die jeweilige allgemrine K,S,8, Äen Maike in besonderen Geschäften zu erfolgen, die im Heu Teil dkl Zeili.ug »ntstrutlicht find. Diese Grschüsle find nicht berechttgt, Bedär skaumrlduugru aus »udeie »I« rituelle K-S, anzunehmen. Bei deu solgeudeu K.E.L. wird für die Kuägabe drr riluillru K,E. eine drsande.r Bekanntmachuua nicht mehr »taffen, ik« finden dann die Bestimmungen dieser Bekanntmachung über riturlle K.S. in Verbindung »ii btt jeweiligen Bekannt machung über die ullgrmeine K,E,B enlsprecheude Anwendung. SaddiAn, Alkn. 18. 10, Einführung d. Rabb. Di, Koder, W4eoä»d«n. Einführung d. Stadtu, Bez-Rabb, Dr, Paul Lazarn» durch KaMMerherru o. Hrimburg <al« Bertr, », Reg,. Präs. n. Polizeipräl l Jarwfitdt, Rabbiner Tr, I t a! i! u«r, seit Krieg» beginn Feldgeistlicher, hat seine amtlich« Tätigkeit hier »jeder aufaenommen und am 16. öktobtt ln »er Hanpisyuagog« gepttdigl. I. ist «s Sirksamk. all Krmrerallb. der 7 Armee aus dring. Reklamation seiner Gemi in die Heimat zurlltkgrkehrt u. hat seinen Dienst «jeder ausgendmmen. >u« diese» Anlaß fand Samthig, 20. 10. riu Festgatteddienst statt, bei dem Radb. Dr. J. bet Gemeind« «ine zu Kriegdbegiuü von Ihm mit hiua»«aeuowm«ue Thoiardllk zurückbrachle, die al» Glauben«, qnele Tausenden jüd. kaldalrn bei den Andachten im Feld« Trost n,d Mut arspeudrt hatte. Zur Erinnerung au diese« Errigui« gab Dr: J bi» Anregung zur Gründung einer Thoraftiftuug, bereu Ettrag jetzt züt -iudmenna der Krieg«»»t, später für wobliäiige Zwrcke verwandt werveti soll. -tuttgari. Am 29. 10. «ollenbrte der 2. Stndträblllnn Dr. David L i äßel. zugleich Bezirkdrodbiner uou Eauuftail, Etzliugeu, Lubwigdbnrg und Freudenihal. sein 70. Ledentjahr. Der B» sein er wiffeuschaftlichen und beruft. Auddildnng sühne ihn nach «tzttuch der Rnbblnerschnlc zu Pießburg und Ableguug der R Nfeprusullg n»ch Prag, w» er Philosophie, Geschichte, Dilentalia ftudinle, I» Lkipztg pr»««»i>rtc er NNW lauüe, brstäüb seine Rabdinoieprüfung IU Prag .Stil Vorzug' 35 Wtntemderg legte kt setüe 2, Dienfiprüfunß 1880 »h. Die 87 Iah« Tätigkeit in Stdttgmi und Bezirk waren Jahr, friedlichen J usammkNwiikeu« mit allen Gemeindegenaffen, wie mtt deren v enieltrü, Fahre treue» »rbeiten« al« »er. tttter nielcr Sah liäti gkr>t«»eretne btt Gemeinde Die stet« herzlich« Ltebeukwürdigkett im Verkehr gewann dem Jubilar die Herzen der Alien wie der Jungen, Aown», Die Ahschiedtfeirr für Armee-Rabdiner Dr, Rosenak am Aon nahend obeud uereiuigie Rabbiner und Vorsteher der hies. Gemeind« und d, hier fialiouieNen jüd, Soldaten iu d. Ludeudorff-Küche. Zunft brachte d. Milftlrgemeind« dem scheidrudrn Oberhaupt Dank u vnehruug zum Auddruck. Daun dankten die Radbinei Rament d. Gemeint« für seine Berdienste um b. jüd. Zivilbeudlkciuug, des. für Gründung d. Ludeudoifi-Küche, Wiederndffnuug d. Talmud, schule) Slobatka, d. »aiseuhau« u. a. «. Zuletzt sprach Dr. R.'den Rabbinern, varstehnn u. Dame» d. Bolttküch« s. Dauk s. tatträft ig« Uulnstützung au» u. schlatz mtt d. Gedanke», daß in alln Zukunft die »nftalteu »eitndlühen mdgeu al» Zeichen d. Fürsarge der deulschen »nwaltung während der Okknpationtzeit. cedrer »>d Kaatoreii. Stelennachwet»: Rrlal. « u. Sch. i. Mkeicherod« i««>. Au,.), Kdulgedng i. R., Rrlal. i. Kempen n P., Eanlor,n Berlin Lippm. Tantz-B. «Rth »n«k. .eN. bei Eiusendg. e. Pastkartt d. «eschäfitft. d. Jüd. volttztg.) Anwa. >u d. «rippe starb Lehrer Samuel Löwenftnn. S4 3-, faft 80 5. hier. 7 Redner sprachen: im Trauerhausc Ratb.-Ass. Kuustadi. Lehrer Sttauß-Gelnhausn,. Sen.-Rai Dr. Stern, auf d. Friehh. Prav.-Radb. Dr. L. «ahn, Dirrktar Dr. Lauge-FranksuN. «l,u»r,»». Dr. Lorsch, Lehrer Gau»-Ried«i. anla. Aor dkn citrratur»«rei«A. Pi, )«»en i» itnt* 7ßis,fOPßie Soher kommt die enge Berdtudung zl0iiä«c! I^duku« uid Philosophie? Diese Frage warf Profcffor Dr. 8 u d w ig S t ei n a« 17. 10. t» s. Vortrag i. Verl. ,B. f. j. G. u. 8 * auf. Er sucht sie. indem er in seinen fesselnden Betrachtungen von Hermann Eohea, de» letzte« Philosophen großen Stil-, aützging, damit zu tzeant« Worten, daß Heide — Philosophie und Jude»tum — Ewig, kettsarhe» Hatzen» woourch das Iudeatum mit seiner Kottesvorstelluny und seinen Mesfiantamus EwigkeitSreliglo». die Phi» losophre Ewigkeit-wissenschaft ist. Ueberblicken wir ein wenig die Entwickelung der neuen Philosophie, so ist es erstaunlich, wie viel jüdischen Namen wir begegnen. Bon Spinoza, der die Delt logifierte, b?< zu Veryson, dev den 2"lnitivi-mu- SchellingS wieder beletzte. m:d zu Lohen, der als Vollender Kantdie Delt ethifierte. LazaruS David und Salomon Maimon find ^kanls Herolde. Der jüdische 8rzl Mark«-Herz nicht minder. 81« letzter Hegelianer ist Adolf Laffon, der in seinen jungen Jahren Lazarussohn hieß, dahingeschiedea. Die erste« Apostel des große« Metaphyfiker- Arthur Schopenhauer, der auseiner Abnetguyg gegen »ie Juden nie ein Hchl ge- «acht, find Juden: Frauenstädt und David Ascher. Unter den Vertretern der Schelltngschen, nicht minder d. Metzscheschen Philosophie finden wir eine ganze Reihe von Juden. Die Sozio» looie, dieser neueste Zweig der Philosophie, ist fast ganz jüoisch. Nicht bloß in Deutschland, auch in Ungarn, Frankreich, England seh'en wir als die nahmhaftesten Vertreter der verschiedenen philosophischen Disziplinen Juden. Rur meiner philosophischen Richtung fehlen fie so gut wie ganz: in der materialistischen. Bezeichnend ist, daß der Talmud die Beschäftigung mtt der Philosophie de-wegen erlaubt, damit «an den Vatrrialisten ^Epikuraeern) antworten kann. Aber die große Schar dieser Philosophen, deren Geiste-, richiung Stein mtt einigen kurzen Wendungen kennzeichnet, find gleich Spinonza nur philosophierende Juden, nicht jüdische Phllosophen. Ganz ander- Moritz Lazarus. H. Steint h a l und Hermann Eohea. Jbre Philosophie erwächst audem Judentnm. Lazarus, der es audem Verstände erschaut, sucht es homitletisch au-zu deuten und wacht e< zur reinen Verstantzesreligio», Steinthal, der es erfühlt, zur Gefühisreitgion, Cohen, der eethifiert, zur Willenkreltgton. Wie Kant als der Philosoph de- Protestaoti-mu-, so kann Cohen alder de- Judentumangesprochen wrrden. Beide zeige«, daß daletzte tiefste Wesen der Welt nur vom fittlichen Dillen begriffen werden kann. Der Einheit-punkt der Welt ist Gott aldie Erfüllung der fittlichen Weltordnung. Und wenn wir auch heute i, diese» Bluttaufch an dieser Weltordnung fast verzweifeta mögen, wir dürfen nicht außer acht lasse», daß das Einzelleid schwindet und die Gefamtmenschhett doch vorwärts schreitet. Wir letze« ln den Oednrtswchen einer neuen Zeit. Gottes Aketch, »ie es 1 Jesalas verkündet, wie es Kant uns Cohen iu philosophischer ' Abklärung vorahneud schilderten, wird kotz alle« komme«. Prof. Dr. ing. Albert S r o t t e-Pofe, sprach über alte und älteste Synagogenkuust in Deutschland und den angrenzenden Gebieten. Die Hchher allgemein geltende und »on Autoritäten wie Cornelius Gurlitt «stützte «nficht, . daß da- Judentum überhaupt keine Kunst besessen habe, «rirt* er zurück. An der Hand einer Fülle charakteristischer Lichtbilder, zeigte er, wie der Synagogenban der ältesten Zeit schon künstlerisch hochstehend gewesen ist. Bilder der Eyna« gegen von Prag. Eger, Posen, deren heilige Schreine fich durch große Pracht au«zeichnen, belegten seine Behauptung. Dann find, bedingt durch die gedrückte Lage der Judenheit, alle Spuren von Synagogenbauten in Deutschland verschwunden. Etwa -7 Synagogen in Böhmen aude« IS. u. 18. Jahrhundert konnte er doch nachweifen, die alle denselben Typubefitzen. Jnttreffante Lichtbilder zeigten zahlreiche Holzsyuogoge« in Polen und Westpreutzen, die äußerlich vollkommen unscheinbar, im Innern heilige Schreine und Leuchter ent. halte», welche wahre Schmuckstücke der Kleinkunst find. Die östl. Juden brachten den Synagogenbauftil ihrer Heimat auch nach Süddeutschland. wo fie fich nach Aushebung der Juden« anfiedlungsgesetze nieberließen. Ein Ausblick auf die künstlerischen Zukonft-ausgaben der Synagogenbaukunst beschloß den interessanten Vortrag. Uunft. Prestzeu. Die Musik der Synagoge wurde jahrtausendelang der mvnbltchea Tradition üverlassen. Erft Sulzer und nach ihm Lewanbowsky sammetten die Gesänge und brachten fie kunstgerecht zu Papier. Ihnen und de» Münchener Kantor Kirschner und dem Lehrer Knote-, war da- Konzert gewidmet, das Dr. Leo Fant! mtt seine« Synagogenchor t« Vereinshause leitete. Dr. Fantl hat fich schon viele verdienst^ um die Pflege der jüdischen Mnfik in Dresden erworben. Seine Sy nagogenkonzerte erregten starkes Intereffe und es war darum begreiflich, dah die Bolksfingakademie fie eine« größeren Kreise zugänglich wachen wollte. Deshalb hatte die Direktton zu dem am L. v. M. stattgehatzten KonzeN Herrn Dr. Leo Fantl eigens aufgefordert, dasselbe mit de» Syuagogenchor za übernehmen. Die Mufik entbehri stärkerer Reiz«, bewegt fich stets in leicht faßlichen melodischen Gängen und wurde darum passenderwetse von weiche« Harmonien umgeben. Sie schmeichelt fich leicht einem empfängliche» Hörer ein. otz fie nun auf tzentsch oder auf hebräisch gesungen wird. Die Psalmen tzrltze» »eistendie daoktzare Unterlage, und Solo und Chor wechseln ab.-wodurch eine gewisse Eintönigkeit der Stimwnng ge«ider »ttd. Für Frau Fraas-Branünburg. die adgesagt hatt^, sang Frl. Kipper eia Sovransolo. der Mt war durch Frau Lydia Borger-Semmlrr recht günstig vertrete», ein Barttvasolv brachte Karl Rotzertso» vielen Beifall ein, »ad die «eiste» Soli fiele, seltzstverständtich de« Kantor Rafael Dosstein zu. der sich ihrer »tt fachgi mäßer Routine entledigte. Der Organist Max Bin» führte nicht nur alle veglettnnge» aus. sond^ hatte den Abeatz auch durch et» Frstprtludtu« Lewantzowskys eröffnet, worin d. Vorzüge u. Schwäche» dieser orientalische» Mnstk douUch z. fühle» waren. Dir zahlreiche, Anhörer ». fichUtch gefeffett.