Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 24 (1918)
- Issue
- 16 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I derlcht. wonach da» Bnmtae» ttM (0 000 TO. bfträgl, gib die finanzielle, Bei HIllniffe fich erftenlich »rftelitte» Olirkantvr N e« ft » d l-Berli, sprach d»»a über Ansgestaftung der Peo. »agandn n. richtete a» all« Kaulvre» dnatzliche Auffortein»,, der Hillskvffe deiznlrete». »» sie zu flirten, und s« da» espene Jaieresie zu wahre,. Obwohl sich axch «er Borstnnd eifrig bemühe, all« derechligtex Ansprüche zu eifüllen, sei e< doch xach licht milzlich, allex gerecht zu «erden. Deshald sei e» notwendig, die Beiträge zu erhdhex. VW grtßere Unterstützungen zu »euLhrrx. Durch die fiuauzielle Sicherung «erde es sicherlich gelinge,, den ganzen Stand zu heben uxd sei, Ansehen noch »ehr als bisher zu festige,. Der Krieg habe biiher der An», geftaltung der Propagandalttigleit hinderlich >« vag« geft» »den. jetzt sei jed»ch die Zeit grkommex, diese Lüttgleit IX »ollr» »«fange auszunehwen. Nur s» «erde e» gelingen, der Kaste die rttigen Mittel zur kertögung zu stellen. ,» ihre allmähliche Enimlcklnng zu einer Penfivnskuffe in die Wege zu leiten. — I, der Aussprache fand der »«danke der Prnsionkkaste xielsestrge Billigung. Befonktts' trat der sr. Borsißens«. Llatixerorbneirr 5oQi*, lebhaft für die deschtexnigte Durchführung ein. Der »an Lews« angeregte Plan, eine Kaniorenschule i»t Lebe, zu rasen, fand keinen Anklnog. — >» de» geschäftliche» Lei! schlitz sich ein Lorirag de» Oderlaxlor» «i I h e I, Klei »-Berlin öder »utsprache de» Hebräiiche, i» Gotte«dienst. Gesangliche Borttäge verschiedener Mitglieder deschloffen de» anregenden Abend Htantsche» <Pvs«»>. keine» 80. Seduiivlag seierte der K,ltu«bea«te Jakob Frühling, der beinahe SO Jahre im >»te ist. Soziale Die diesjährige Generalvers»»»l»»g de» Hrtfxveretn» »er Ztenische» And«» findet Sonntag, de» 28. »pul 1918, von». I I Ilhrin Berlin, Gesellschaft der Freunde, PvtidvMerstr. 9 statt. Der Vorsitzende de» Lern»«, Herr Dr. Jane« kimo» »nd Herr Dr. Paul Nathan, der Geschäftsführer i. 9., «erden üder die kätrgkeit de» Hilsinerein» i» abgelaasenen Jahre de» richte», inodesondere Über da» Kriegshilftmerk. fit nene AentrakrootztsotzrtoßeLe der dentsche» Anden ist z«» erste» Male al« vertteterin de» gesa«ten jüdischen Wohljahrtoroesen« ge»einsa» »ft den grvjttn Organisationen der anderen Konfestüue» an die Oestenüichkeit getteten. bei de» >»ft,s. den ans Anregung der Konferenz deutscher evangelischei Arbeittorganisattone» »8 große, zumeist ganz Deutschland »»sastent« st»,Perschafte» der »erschiedenfte» politischen, relig. und gesellschaftliche» Gruppen erlösten. Anher den kirchlichen Vereinigungen, <so der evangelisch» Zerrlinleusichnß für inner« Mlfston »nd dez korttal-verdan» sür da» katholische Deutsch, landj, de» Lehrer, »nd Krane»verbänden, GiMichkeii». und »nlialkoholdereinigunge, zrlchnete, zahlreiche andere soziale Wohlsahrltbestrebuugen.».». d. Insschnß ». Denlsch-Arbeilerkan- »refft«, Gejamtverdänd« der e». ». ». kath. Ardeiiernereiae Deulschl.. Dentsch« Ges. für ve»tikrr»»g«p»lUrI. Ges. f. so». Nejor». Deutsch. Verein für Undliche Nohlsahrr«. nnd Heimat- V,», tt.JUfü.' MM Kkrchlich^wttnIL' »Mirenz, voll«verein str da» katholisch« Dentschlon». Der Anfrnf de- Zeichnet »I» di« »ichtigfte Bvlksgefnndnng da» sittlich reine Ewpstxdex ans geschlechtliche» Gebiet, er sorderh »ohauna«. resvr» und vekstmpfnng de« Alkohols»»,». Ktrderuug rechtzel». Iheschließong und an«k»m»liche Besoldung. Neben d. Schutz der Ingen» ». Konrilte argen d. Prostitution hat d. hpgtenisch« Fürsorge >. d. Gefrtzlechtskrnnkßeiten zu treten. Der Aafrns dors auch in unser» Kreise» »ns »olle Zustimmung rech«». ve, Werer» A»r. Zindergeikstiitt« i» Wo» chisssinge» lSitz Nürnberg) hielt am 24. st. s in N Hanpiversammlnag ab. I» Geschllsttdettcht teillr der vorsttzend« mit. daß bi» jetzt 9000 Kinder, dainntcr (00 an» Nürnberg nud Fünh, Ausnähme fanden. 1917 unter 900 48 an» N. und F Na Antrag aus Armeilerung de» vereintz»«kt durch Aagliederung einer Heilstätte für dem Kindelalter entmachsene Mädchen, di« eine Kur in K. densttige», des. sür im Veras stehende, san» einstimmige »»nähme. Die Heilstätte «. erst nach »nsbri^ung der ersorderl. Mittel errichtet. 2» de» Worstand «nrden Hottawelier Emil L » r ch-Nürnberg u. Nath. Lretzseld- Kftstngen neu genrählt, al» Nevisore» Js. v u r g e r und Fadrikdes. Ed. Etmaun-Nürnberg. -strich. Die »or kurzem gegründete Genoffenschast ,Jübische» Heim' ha» b<>» Han» Lalächer so., in dessen unteren Räumen sich d. «ufgehoden« ,Eafe de Pari»' besaut, gekauft, n« es in ein jüdische« Heim umzumantel«. In den »irren Räume» tvird nach dem khfte» der Volksküchen e. nt. Speise- «ntschast betrieben. Die Genostenschaft tvill e. Pftttelpnaft str da» jüdische Leben «nd eine Stätte für jüdische Kultnr schasse», ohne sich dabei mit irgendeiner Partei z« identifizieren! fie bleibt »len politischen stkichrungeo gegenüber neutral. Srmta. -er Astdisch« Aronrndnnd kündigt für seine Abteilung zur Fdrderung der Krühetze zum I. Mal 2 Auszahlungen »an je 500 M. an junge Lente, die eine Ehe eiugchen wollen, an. vedingung ist ärztlicher Nachweis für eine gesund« Krüh- »he. kchrisilittc Meldungen an Kran Dr Escheldacher, Berlin ki. Orauiendnrgerftr. 08. Pme, nenen Wernt kür Kr»»«» Hai die jid. Gemeint, Hstoonomitz (Mähren) erschloste», die eine «eidlich« Poliziftin »nftelte. Das neue ,»nge des -Gesetze»' hat in den letzte» tage» schon «ine groß« verbrecherd,»de dingfest gemacht. Wer» Ar»z 1. stiriegatzikke Frl. klar« Israel. Leiterin h. Ätgevdftlrsorge-Eharlottenburg. Nsenacherstr. 103; Alote Krontzme». sür frei«. Pslegetäligkeit sett Kriegsbeg.: Frl. Solid Grinseld, Lachter ». Ludwig G. i. Fa. F. v. G p«1»Aaünl. Ach sterst« »l» krommer A»»e! Nur wenig« Mensche» der Jetztzeit habe» den Mot — einer übelwollenden Mehrheit gegenüber — ei» offene« Bekenntnis als .guter' Jude abzulege». Da« klingt paradoz: dennoch ist es so. »er «inigermaß«, abhängig »»» der Umgebung ist, sei es geschäftlich, gesellschaftlich »der ans andere» Grinden, »«erlißt es, »enn a»ch nicht gesliffattlich, so doch nebenbei — ich habe es tausendfach erlebt, — seine Angehtrigkeft zum Judentum z» betonen. Geheimer Ganitäisrat Dr. Map Soldstein, der vor «enigen Lage» die Zeftlichkeit verließ, um z» einem besteren Ieuseit» einzngeheu. legte obige» vekenntnig vor seinem Tod« seine« Freunde. Rabbiner De. Warschauer, ab. Derselbe betonte am Grab« Dr. Goldstcin« besten warm schlagend«« Herz für die jüdische Religion, seine Pietät gegenüber den verstorbene» Elter». I, jedem Jahre fuhr Dr. S. nach Eraco« i. M. seiner Gedurtsftadt, um dort die Gräber seiner Liebe» zu besuche». Bei der vris Milo erhicft er de» Namen Uttel: Lichtdringer. Sein. Vater gab ihm in der Vorahnung, daß dieser Sohn aur Heil und Licht in di« Fanttlie trage» würde, diese» Name». .Er soll uns ei» Lichtbringer sein', waren dessen Worte. Nach reiner Promotion erhielt Dl. Soldstein eine »nftclluog am Krankenhaus der Jüdischen S meinde in Berlin. Don arbeittte er zum Segen der Anstalt und der Patienten. Die Loch tcr de« Verwalteran diesem Hause folgte ihm als Gaittn. als er im verei» mit Dr. LUievfeld eia Eanatorium in Lichterselde Ost «rrichttte. Das Unternehmen gedieh, di« Liebe und Verehrung der Patienten zu ihre« Berater war so groß, daß fie immer M ihm zurückkehrte». Nicht nur als Satte. Bruder, Vater war der Heimgegangene »orbildlich. sondern auch als Menschenfreund. Mir find Fälle bekannt, »o er arme Kranke besuchte, ttotz seiner knappen Zeit fie mit Medikamenten, mir Lebensmitteln, Stärkungen versah und im Verein mit Gaittn und Schwester stet« bemüht war, Not zu lindern, wo es irgend in (einer Macht lag. Bei der Beerdigung sprach sein dester Freund. Rabb, Dr. Warschauer, und zitierte die oben angeführte» Worte: .Ich sterbe als ftommer Jude!', welche Dr. Goldstein kurz vor seinem End« ihm zugemsen halte. Nicht ein Erwerb galt ihm sein Stand, sein Etablistemeni. sondern nur als Linderung- und Heilstätte. Bescheiden in seine» Forderungen, bescheiden als Arzt und Mensch, paß« aus ihn Hamlet« Wort: Nehmt alles nur in Allem, er war ein Mann, wie man so leicht nicht snnesgleichen findet... S. E. Mdststrz. t. Kriegotzikke: Ratsherr Jakob Rosenderg, I. Vorst, d. Kreisshn.-Gemeiode Ottelsburg; Jean Tiieft. sni 40 I. i. Hause Rudolf Mosse-Berli»; Echuhsabr. Moritz Fleischer-Berlin; Seschäftsführer Hermann Lewin-Hamm. vahnhosstr. 32; .Moritz Soldberg. Iah. d. Fa. L. Keloheim Nacht. t. «*ln; Georg Seckeisoh». Mirard. d. Fa. B. Manndein-erverlin, Oberwallftr. 8/7; Caspar Lazarus. Inh. d. Fa. Hopp u. Kurzweg-Berlin; Ksm. Emil Simonsohn, z. Z>. Beamtenftell». b. Bekleidungs-Jnftandsetzgs.-Ami d. I. Armeekorps- Käuigsderg i. Pr. Plot« Ar««;med. 9. JtI.: Ksm. Eduard Jacoby-Berlin; 8. Jtl: Direktor d. Deutschen Grundfteditdank Dr. Walter Jmmerwahr-Gotha; a. Berlin: Geschäftsinh. d. Di»! -Ges: Arihar Salomoasoh», Seneraldir. d. Attrendrauerei-Ses. Friedrichshth«. »arm. Patzeuhoser Kommerzienrat Dr. Koderheim, vors, d. Ansstehlsrats d. Verl. Maklerverejns Siegmund Well; Rabb. Dr. «mtz Etchn-Bmm'; AnttgESietzm»?» Voha-iÄeL - Gesterr Gffz.-Frenz ». Araaz Aos.-Hrden»: Rechisanw. ». Notar Zuftizrar Dr. Kelip Boudi-Dresdeu. 5Nähe. Fansmannojntiltla«. I. 4. veithold Mendelssah», Begründer u. Eeniorches d. Samtu. Enden). M. n. Mamroth Münneüerg b Büren). Abraham Eichenwald u. Fra» Julie ged. Fische! feierten am 17.3. die goldene Hochzeit. Mrandenüarz «, fi. Am 10. 4. «nlschlief in ehrwürdigen Alter »«» A4 Jahren Herr Nathan Nathans«», der säst 80 Jahr« seine Kräfte unei grnnützig in den Dienst unserer Gemeinte gestellt, al« Reprälen iant und Gemeindevorsteher, dis vor eini^n Jahren die Börde dr« Alter« ihn veruulaßte. sei» Ami jüngeren Kräften anzuvettrancn. Freundliches, gefälliges Wesen, allzeit bekundetes Jntmeffe für das Gedeihen der Gemnnde sichern ihm stetes daakbares Gedenken. Hem ünlgarrlche» Peneraltonsnt zu Lerliu. Seh. Kommerzienrat Rondeldo um. der in der vergangrnen Wacht in Sofia weifte, um dort den Plan einst regelmäßigen AnsbNdung bulgarischer Lehrlinge in Deutschland weirei zu sirdern. wurde von Kinig Ferdinand am Schlnste einer längeren Aadienz das Oroßoffiziersfteuz des bulganschen Zrvilverdienftorden» mit dem Stern verliehe». Der Kdnig ftistete gleich, zeittg aus seiner Privaischatnlle einen Betrag von 50 000 Leva für den gedachten Zweck zu Händen dos Geaerallonsul». Pslerr fftzrenz 2. gd: Bankier Martin Jocobi-Berli». Lrriqtrwsft». -» die Tiste ». «echtoonwükt, ciugettagen auch b. Lg. Fiankf» t a./M. Dr. Derlhei»er i. Ba» Homburg v. d. H. — A. ßeT». F«»ö«k»rtchtrr» «iebereraannl: Kfm. u. Sradttat Rudolf Maa«-Eibi»g u. Kf«. Albert Kriedeberg-Magdeburg. er, Ssspräch «tt YUbAer. Der seinerzeit rregen an-cdlicheil Rilualmordes an der Agnc- Hll-za zum Tode verulteitte und zu lcbcnSIünglichem Kerker degoadigte LevPold H,l»ner ist jetzt, »ie bereit» frvher grmelblt. nachdem er iü Jahre seiner Lrrafe »erbützl hat. voll« stäodig begnadigt wdrden. HtlSuer war I<99 vom Echwurgerichl in Kulknderg einder Vi!sch»ld a» -er meuchlerischen Ermorduvg de- Nt-che»- Agnes Hruza sLoldig gesprochen uad zum Tode durch de» tzttang veruröeilt woiden, obwohl eioe sehr lebhafie Propagoodo für den Aogeklogieu entfaltet worden war. An der Epche der Hilsoer-Propaganda stand -er Präger tschechische Um« »erfitLt-profeffor und Parlameotarier Mafaryk. Der Prozeß hatte i» Za- »ad Aaslande größte» Aufsehen hervorgerufev. G«ge» die Lervrieilu»-Hillaers wurde die Nichttgkeii-dc schwer de eivgebracht. Der Kaffattov-Hof hob schließlich da- Uneü auf und ord»ete eire aeverliche Bertzondluag i» Pisek aa. Ar- -wische» war eia schoa eia halbe- Zahr vor der Erworbuag der >gve- Hrvza begangeoer geheiwni-voller Mord an ei»e» ander» Mädchen vowea- Maria Klima eatdeck» wordca. AKerlei Zndizre» wie d»e «erkwürdlge Gleichanigkeü der Lluttstt sühnen daz». daß gegen Hilsarr »un auch die Anklage »egen Mtschuld an dieser zweite« Mordtat erhoben wurde. Die Schwurgericht», dcrhandluvg in Pisek, die drei Loche» in Anspruch nahm. ging begreiflicherweise unter womöglich noch leidenschaftlicherer Anteilnahme der Oeffentlichkeit vor sich. Schließlich wurde til-ner auch von den volkßrichtera in Pisek einhellia der kitwirknag an dem Menchelmorde an der Hruza schuldig ge. sprechen, dagegen ebenso einhellig vom Mord« an der Klima freigesprochen. Da- Pericht erkannte ahermal» auf Tod durch den Strang. Die gegen diese» Urteil eingebrachte Nichllgkeü-. beschwerde wurde vom Kafsalionshofe im April 1901 verworfen. Eia Berichterstatter de- .Az Eft' hatte am 7. 4. in Krem» mit Hit«ner gesprochen, den man dort seit dem 24. März, an welchem Lage »hm die kaiserliche Amnestie mitgeteilt wurde, aus der Polizei zurüikhält. Der Berichterstatter trzählt: Audem jungen Burschen, den die Polnaer Gendarmen wor 20 Jahren verhaftet haben, ist ein zum Skelett abgemagener, aber nicht übermäßig gealterter Mann geworden. Er trägt das grüne zerrissene Gewand, daman ihm bei seiner Ein» lielerung ins Sefängm- »or 20 Jahren abgenommeu und jetzt wieder au-gesolgt hat. .Ich habe', sagte er, ,gar nicht ge. glaubt, daß ich nochmals wieder »ie Freiheit sehen werde. Aber was nützt mir die große Gnade de» Kaiser-, wenn ich nun von Stein nach Krems gekommen fra.' Nur mit Mühe kann man ihm begreiflich machen, daß fich der Poltzeiwachtmeifter von Kremnur an eine ihm unverständliche Instruktion hält. ,Zch möchte^, sagt Httsaer, .nach Groß.Meserittch zum Grade meiner Mutier gehen, die fooiel für mich getan hat und während meiner Haft gestorben ist. Ich will aber nicht in zerrissenen Kleidern gehen und bitte Sie, mir etwazum Anziehen zu verschaffen. Bon meinen Berwandlen lebt noch meine Schwägerin uno mein Prüder Moriz. der bei den Husaren im Felde steht. Ich habe ihm etwas Geld geschickt, damit er zu leben hat. Mnne Schwägerin hat mir sür mein Geld etwa» Lebevsmittel in die Strafanstalt geschickt. Es ist mix sehr schlecht gegangen, so wie allen Sträflingen in der Krieg-Zeit. Zuletzt Hab ich drei Monate wegen Schwäche und Uaterernäh. rung im Spiral gelegen. Jetzt hoffe ich auf etwa- Erholung, aber ich di» immer so schwach. Ich möchte eine Anstellung in einem Kontor in Lien und »och lieber als Dieurr in einem Tempel. Auf dem Lande «erde ich wohl nicht leben können, denn für da- Volk bin ich ja weiter der Ritnalmörder Hilsner geblieben. Aber ich schwöre Ihnen: Noch nie ist ein Mensch unschuldiger veruneill worden alich.* Daalles bringt Hilsner mit großer Lebendigkeit vor. Immer wieder spricht er die Hoffnung aus. daß vielleicht doch »och einmal feine Uaschulo an» Licht kommen werde. Mil großer Freude hört er. »aß fich verschiedene Oiganisationev seiner annehmen werden. .Ich möchte nur noch als ein kleiner arbeiteader Mensch in Ruhe und Frieden leben.* Er nimmt mit »ielem Dank ei» paar Zigaretten an und begleitet dann den Journalisten zur Tür. Als dieser ihm die Hand gibt, sagt Hilsner: .Vielleicht können Sie mir einen schwarzen steifen Hot verschaffen." Der Journalist sagt ihm dies zu ,nb verabschiedet fich. Da»» trifft er mit de« Sekretär der österreichische» israelitischen Union w Wien Herrn Dr Fleischer zusammen, der nach Krems ge- »enigen Minuten ist er aufgeklärt, daß ei»c gesetzliche Grundläge sür eine weitere Zurückhaltung Hllsners nicht besteht. Der Bezirk-huuptman» ordnete die sofortige Haftentlaffang Hil-»erao. Hilsner ist ftei. Arnold Swsigü §cha»jpl«l vom iüdiichsn kitualmord. Arnold Zweigs Schauspiel .Ritualmord in Ungarndadurch Zeafurverbote bisher »on den Bühnen serogehalten wor. den ist. wurde, nachdem auch die öffentliche Vorlesung -untersagt blieb, einem abgelchloflenen Kreise in den .Prinzensälen^ zu München vorgelesen. Der sächsische Hofschauipieler Arnold Marl^ erschien als de» Dichters Verkünder am Vsrtragtlische. Arnold Zweig hat den bekannten Ritualmordprozeß der achtziger Jahre devorigen Iohrhundert», wie es scheint, historisch treu behandelt. In Szenen von durchaus realer Gestaltung erleben wir die Vergewaltigung eine» Bauernmädchen» durch de» Gulshern. der, ohne seinen Villen, sein Opfer erdroffelt. Vir erleben, wie leichtfertiger Verdacht sich auf die Juden des One» stürzt, uud der Gutsherr selbst schün dos Feuer. Ritualmorb ist die AnNage. die sünszeha Juden ins Gefängnis bringt. Der dreizehnjährige Sohn des einen wird durch Foltern und Versprechungen dazu gebracht, gegen seinen Vater und seine GlaudrnSgenosten zu zeuge«. Ader, ein sehr menschlicher Staatsanwalt und ein gerechtigkeitswilliger Gerichtsprüfident glauben de» Knaben nicht. Die Ort-untersuchung ergibt die Haltlosigkeit der Behauptungen des Jungen, und die Angeklagten werden freigesprochen. Diese vzcnen werden umrahmt und dnrchdrunge» von religtös-mysti scheu Bildern. Rach dem „Fauff-Lorbilde wird das Ganze als Kampf zwischen Licht und Frnfternis in die ewige Sphäre gerückt. Das Licht siegt. Und es ist für Arnold Zweigs Anschauungen bezeichueud. daß fein kleiner Gerrüter. der sich selbst umgebracht hat, osn den himmlische» Richtern fteigesptochen wirk', weil tt ja, im fremden La,de lebend, nicht zum bohen Bewußtsein seiner jüdischen Mission gelangen ksnnte. Er wird dazu bestimmt, nochmalgeboren zu werden, al- Bauer im Lyterlande Jerusalem. Arnold Zweigs Stück ist «ne große dichterische Leistung. Die großen Visionen der unrealen Szenen find dichterisch vollkommen gemeistert. S,e find bessnder» stark in den Hatzausdrüchen des Teufel- Semael. wie überhaupt die Jubruast der Gefühle: Liebe, vor allem aber Haß. dem Dichter am besten gelungen ist. Hier spürt man die alttestamentarische Glut. Sie läßt den Verfaffer freilich sehr einseitig darstellea: den Dienern des Lichtstehen die der Finsterni-gegenüber, schattenlos. hart-einseitig gestellt. Die dramatische» Lirkungselemente der Dichtung liegen im Stoff«. Der Dichter selbst har mehr das novellistische Nebeneinander der zu dramatifcheu Bildern umgestalteten EreigniSsolge geboten. Arnold Mattes Bortrng war eine Glanzleistung. Sie war gleich vollkommen in der Glut der Empfindung, «ie i» charakteristrschen Nochbilden der Figuren. Die Fähigkeit, auf der Bühne den Menschen schärfste Kanten und charaktenstischea Schnitt zu geben, bewies dieser Künstler auch v»m Bottrags. pult aus. Und das ist grsßer Beweis. ». B..Z. Richard Rieß.