Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- 43 (2.11.1916)
- Date
- 1916-11-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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3WW« PdhuttMg. Bmlo, tat r. notxmfcr Br. * : Baaäiita. Pu fbab kl }Mn i» yniain Der dekimtte Rechttzamuatt Le» Malttotzn i» Retu-Kart, eia grtot'nti rtnmiSne anb angtftbtntr Führer dir i»«ä»ijchen J»b« t» lwaifa Dnöffmliidjt inirt btt Ueberjchtist: ,8or btt« Gericht btt jimlljititt« Stil' folgrnbnt Pro letz gegttt Sumdittn. Ach klagt Muatdnitn bar btr zuWeriea Wtil a», »eil ei mehr dU ttnt Btenelmillio» Zube». btt ba« klag lack habt«, i» bltit» Lande zu lebe», uuleebrückl, btrfalgl und ntaitrrt. Ich bejchulbrg« btt rundtrifdtt Regleruug, bäh fit graulame »ab »««tttlchltcht Gejetze gtgtn btt Juben gemacht Hai, wttl fit Mm bbjtn fibfichtta «ab tos schädlichen Plänen geteilt! «rb, Me jübljche StDiitning ju schäbig»!. Ich beschuldige Nuuämen, baß e» jebe« Gesetz zau»g»aften bet Juben kämmen, kitrl. Die Jude, «drtne» daher ban der rumänischen Regierung keilt Gerechngketl ermaile», Ach betzaugle, baß Rumänen da« Letspreche» gedibchen Hai, da« e« buech den Berliner Vertrag abgegeben hat, den Artikel «4 barchjusähren, und dag es durch allerlei SÄUM u«b Kälschuugea buse bat Znbeu ga> ruukierleu Hechle tuenlo« und illusdrisch gemacht hat. Um oie Saheheil meiner velchulbiguagea zu bemeiseu, »Ul ich hier die vescheäakunge» ausöhrea, denen bi« ruutluiichen Juden durch ' hie Gesetzgebung »»teribdrsea fiud: Die Juden »erden nicht all rumänische Bürger deirichlei, ja uichl eiumal al« rumänische Uulerlane». Sie befind,» fich in bei Lage ban fiusländern, bhrte aber irgeudmelche» au«ländische» Schutz zu geuichen, 6te kbuue, da« vürgerrechl nur ermerde», durchdejandere Zustimmung de« Pariameni«, melcher 8«g durch sei»« slaugmierigkeu und zkbfisptellgketl s»ft »umbglich ist. Sie brlrsen ketue bffeutlichea »emrer bekleide», sind «u«geschlaffe» vom Siaal«bie»ft in Stab! »nbLaud, find jebe» vahlrechle« beraubr. Sie haben bie Pfltchl, beim Militär drei Jutzee »l« Kaldaie» zu bleuen, find aber bau jedem militärische» >b»»ceme»l »»«gtschiebe». Zn den Dbrsrr» habe, bie Juden kein «ahtrirchl. Sie dürse» fich »U Gelbuub Laudarbeii nicht beschäftigen, fiud überhaupt bau jeder lg tj haut atrlgeichlajsen, Zu de, durse» keine Recht«. ambätt« sein, rumäuische» Rechtbanmälte» ist e« berdaieu, jüdische Isßfteuleu zu Hallen, Ei» Jude bars uichl ben Berus eine« Pharmazeuie» ausnben, Rur in ganz geringem Prazenliatz srtrd Juben al« Ajtalhekergehüseu zngelaffeu. - Za keinem Direklaeiam einer »klieugesellschast dürfe, Jude» die Mehrheit bilde». R»m1»ische Schiffe, bie uulee rumänischer Flagge fahren, dürse» keiue jüdischen Ossiztere haben. Uuler der Mannschaft bars fich uichl mehr al« er. Drittel Juhen befinde». Juden 'dürse, fich uichl al« Zmporlagenle, betätigen, Haubelägllden und vereiniguugen dürse» Juden nicht al« Pkilglieder aus- Nehmen, Fabriken jüdischer Eigentümer ober solche Aabrike», die ba, Inden nermaliet werde», muffe» mindeste»« ben drille» Dell ihrer Irbetl a» R»»L»ie» abgebe». Jude, ist e« »er. Mir», fich mir de» Handel »der der Pradukttaa bb» geistigen Gettlukru za deschästtgeu. Oeffetrülche Irbeilen muffen an Rumänien abgegeben'«erden, selbst «tun fie 5 Praz. mehr all der jüdische kkbnknrrenl betlauge», ll» Schulbildung zu bekommen, müffe» die Juben sür jede« Lind eine besaudere vilbuugafteuer zahlen. Juden, die bei der Regierung » beliebt find, Ii»»en über Sachs »»«gemiesen meiden, «ranke Zbube, dürse» in eiuem Srabr.Halpttal, sall« man de» Platz ur eure» Rumänen braucht, nicht ausgenammeu werde», Ei» S»bt bars nicht neranitooriltcher Rebakleur einer Zeiung sein. Schule», dir bb» Jude» gegründet uub erhalten »»erben muffe» eure bestimmle Zahl rumtaffcher Lehrer anstelle», die bau speziele» Geldern, die bei ben Ilde» gesammelt «erbe», bezahlt «erbe». Da« alle« find, nur einzelne Zttale »an grausamen und herzlose» Gesetzen, Me i, de» letzte» 40 Jahren speziell dazu geschaffen würben, um da« jüdische Leben t» Rumänien zu verkrüppeln und z» schädige». Diese Gesetze »erben mnuchmal etuta« strenger, manchmal etwa« wilder aagetbendet. Sie mache» aber da« Lebe» der Jude» i» Rumänien unmdzlich Im Jahre 1878 (Berliner Songreß) wühlen die europäische» Blächle mahl, uuler »eiche» verbällntffen die Juden l» Rumänien lebe» müsse». Die Mächte »erlangten daher bau Rumänien bie Garantie, die Emanzipation der Jude» ge- «lfferhasi »ab ehrlich burchzusühre». Rur unter Durchsühruug diese« Putttte« ist bie rumtuilche Unabhtugigkeil anerkannt morde». R»mü»ien hat bamal« bie Gleichberechliguug der Juden «erkauut uub die« durch ihrfRepräseuianten Bratiauu und Kogolnikschauu unterzeichnen laffe». Der Arttkel 44 besagi i» kurzen Worte» daß die Zugehdrigkett zu irge»b euer Religion kein Grünt sei» bars, um eiuem Eintvohner Rumänien« die volle bürgerliche Gleich, herechligung z, verweigern. Um diese» Punkt burchzusühre», mar e« »okmenbig, eine Bersoffungsäudernug borzuaehmen. Bei dieser Aenderung Hai aber die rumäaitche Regierung einen Puntt hiueiagestetzl, der er» Schandficck für Rumänien bleibe» «iib, »eil e« eine» Trick darftestl, um ei» bar der ganze» Welt gegebene« versprechen einer Ration gewiffenlo« zu breche». Die rumänisch« Regierung har »ümlich solgenbe« Smendement hinzugesngi: ,J» Rumänle» lebend« >u«IL»ber, die fich unter keütem «iMlänbtsche, Schutz befinden (damit find btt Juden gemeint) Minen durch et» Gesuch »» da« Parlament ihre Raturalisatio» erlange». Da« Parlament wirb da« Recht habe», die Ratnraltsaiio» in solche» Fälle» zu gewähren, in denen fie ei sür richtig anerkennt.' E« versteht fich von selbst, daß die Ratttralifierien alle Bürgerrechte bekomme», >ber austatt die Iudenwaffe «I» naluralifien zu erklären, wie ei der Berliner Kongreß verlangt Hai, Hai die rumänische Regierung beschlbffeu, ihre Juben einzelweise zu »alurallfiere». Die Folge dieser ehrlose» Polstik war, daß im kaufe der letzte» IS Jahre »nt einige hundert Juden emaazijfien wurde», während »ehr »U eine viertel Mistion Jude» hüte noch al« Arrmd« s» Land« beirachter wer dem Da« Schlimmste «» diesem Akt war, baß, «ährend vor dem Pettiner lkonorrtz die Jude, al« rumänische Uulerlane» «rtgesehe» morde» nub fich »ater dem Schutz der rumänische. Regierung besnnbe», fie durch diese« Ante»dement plötzlich aU i« Rumänien lebende >u«lä»ber ohne ausläubische» Schutz erklärt wnrden, Große Muffe, bo» Jude», die seit Seneralim«, in Rumänien lebe», Ihre Militär, und alle ander» staatlichen Pfilchie» ersüllen, find eine« schöne» Tage« schutzlose Ansltabee ge»orde». Diese Tatsache wirb eure der Schandrarr» bleibe», die jeder Gerechtigkeit und jeder Gesetzlichkeit Hohn spricht. Sr« wirb ei» Schaubfieck bleibe», bi« Europa ihn schließlich erkenne» und diese» Zustande ein Ende machen wird. Ich appelliere an die ganze zibllifierte Mensrbheit, ich protestiere gegen Rumänien! Amsterdam, 22, Oktober, (Telegramm der Schlefischen Zeitung.) Sie ich au« bester Quelle erfahre, habe» England und Frankreich dieser Tage in Bukarest Schritte unternommen, um bi« Gleichslelluug der rumänischen Juben mit ben übrigen Staaikbürger» zu verwirklichen, wie fie schon im Berlmer Bettrage von 1878 vorgesehen wurde. Die Vertreter der beide» Sestmächle sorderlen eine sdeutliche Zusage der rumänischen Regierung in dieser Frage, Allein die letzlere lehnte jede Einmischung in ihre innere Politik ab, worin fie äugenlchemlich von Rußland unierftützi wird. Rar so viel hat Rumänien versprochen, daß es der israelnischen Bevdlkerung von Siebenbürgen und der Bukowina, fall« diese Länder ihm zufalle» sollten, dielelben Bürgerrechte zuerkennen würde, die fie heute »nter der üfterreichisch-ungarischen Herrschaft genießt. England und Frankreich geben fich »st dieser Antwort nicht zufrteben, und die Verhandlungen dauern fort. Baftlart |>U )»de»ref«r« »»fßeschsüe». Der bekannte echtrnffische Dnmaabgeordntte Pnrifchkewitsch erNärte im Kreise von Ndgerrdnelen der Rechten, daß ihm Ninisterpr^fident Stürmer Ruf bestimmte Vorbehalte hin erftdrt habe, bah vorläRfig aa eine Aenderung der Recht-lage der Zudea io RllstlaBd nicht zu denke» sei. da da< inBere Raßlaad heute wesentlich wichtigere Dinge zu lua habe alfich mtt ei»er neuen Lufrollung der Iudenfrage zu de» schädigen. Dle Juden sollten fich über ihre augenblickliche ^age nicht beklagen. Deo» fie von einzelnen Unlerorganen scharf aogeiaht würden, so sei das nicht weiter verwunderlich, da da« Volk mrb vor allem die Soldaten fich sehr erbittert gege» die ZNben zeigen. Die Juden sollten teilnehmen aa dem Kampf zu» Dohle de« Daterlande«. bavn würde» fie ganz aatomaNsch die Rechte erhalten, die fie heute erstreben. Stürmer erklärte schließlich, daß er eine 8enderu»g der Recht-lage der Zudea nicht dulde» werde. (Worte, nicht« al« Dotte, während die russischen Zuven ihr Blut für« .liebe' Haterland z» Hunderttausendeu vergossen haben). «kirchk^oii». Lus Wird gemeldet, daß die provisorische (revolatiaaäre) Regierung-ke -Juden der Iahresklaffen ISIS bl« 1916 uaker Androhung ihrer Verhaftung avfgefordert habe, fich bi« spätesten« 2L. 10. zu stellen. (Die Juden stehen nämlich treu zur Regierung). _ Ln-land. Aagka«-» A,»Nefer«»§ »erfakgter Htasse» Während de« ganzen Kriege« ist na ziemlich starker Strom von wehr« pflichtigen Xuffen durch Kristiania geflutet, weil fie heimkehren mußten, um fich unter die Fah»en zu stellen; aber iu den letzten Wochen find Raffen eineranderen Kategorie dort eingekehrt. Q* find russische Klüchtlirge. die nuo au« England sortgezvgen find, wo fie fich ein paar Jahre ausgehalten haben, well vor kurzem ein Umschtzig im englilchen Asyl, recht für polnisch Verfolgte stattgefunden hat. sie gehören zur gebildeten Klaffe. Advokaten. Künstler. Studenten. Und alle miteinander batten fie Dinge mitznteilen. die in hohem Grade geeignet find. Aufmerksamkeit zu erwecken. Die Flüchtlinge erzählen — so berichtet die norwegische Zeitung .Verben« Gang' — daß die engli'che Obrigkeit während der letzten Wochen russische Flüchtlinge, aber nicht etwa Deserteure, ivndern politisch Verfolgte und Zuden, die «ährend der Zudenverfolgungeu geflohen waren, zu Tausenden über die Nordsee nach Archangelsk und Slei-anoww sandte, nachdem «an ihnen die Wahl gestellt hatte, an die russische oder englische Front geschickt zu werden. Wenn man mit diesen Menschen spricht, merkt «an gleich, daß e« nicht Angst vor den rein phyfischen Anstrengungen de« Kriege« ist. die fie gegen England erbittert Hai. Der Grund liegt tiefer. Er liegt in einem moralischen Schmerz. Sie hatten z» wählen gehabt zwischen Lidikien und Landesstucht, oder vielleicht zwischen dem Galgen und dem d^tl. E« gelang ihnen nzohldehalken über Rußland« Grenzen zu e»lko«meu und fie landen einen friedlichen ZuflvchtsoN. wo fie vor Ber« folgungen geschützt waren. Run erzählt ein ruifischer Advokat in .Verden« Gang', .daß allein in London über 300 000 russische Flüchtlinge fich «»fhalten, von denen dir «eisten )uden find. ViSher haben fie durch Tag und Rächt an den 8>«rüftungeardetteu für da« »gliiche Heer teizgeaommen. Sie waren Handwerker, bie fich emsig und arbeitsam ihren Unterhalt damit erwarben, Tausende von Umformen. Stiefeln. Zellen untz Bettzeugen aozuferttgen. Ader au« einer Kolonie von 300 000 Russe» kaan man eia hübsches Nein« Heer schaffe». Die englische Obrigkeit hat 23 000 junge Mctnser au« dieser Schar rusfilcher Flüchtlinge au«heben taffen und ihnen die Wahl gestellt, fich a» die West, front schieden oder aa Rußlaad ausliefern zu lasse». Diese 23 000 Mann stehen Tag und Rächt unter polizeilicher Be- »achuag. Zch war eiaer vo» ihaen. aber es gelang mir. zu entkommen. Rußland schlägt auf diese Werse zwei Fliegen mit eiaer Klappe- E« bekommt 23 000 verhaßte Zaden. uad da« ist ei» gute« Kanonenfntter, uad zagleich bekommt es alle die in seine Gewalt, die e« früher vergeblich z, greife» suchte. Vielleicht wollen fie uv« an die Fro« schicke» »ad so ver¬ I meide», daß fie »v« s» schnell wie möaltch' loswerde». Aber e« ist wahrfcheialtch. daß fie »a« aa den Galg«, »der »ach Sibirien schicke» wollen. Unsere Rame» find ja bloß »aserea Angehörigen »atz der Geheimpolizei dekanat. Kei»er wird snl und die verhaßten Jude» vermiffea.' .Za der Friedeatzeit lebte, wir unter schlimmere» Ver» hältniffen, als wev» es Krieg gewesen wäre. Wir wurde» lag und Rächt verfolgt, »usspioaieN und beleidigt. Run find wk gut genug und allesamt dazu verpflichtet, für unser Vaterlaad in de» Kamps zu gehen. Bsterland l — Wir wurden aa Vord uoo Segelschiffe» verstaut, genau wie die Negersklaven in alte» Zeiten, und die Schiffe gehen direkt nach Alqrandrow oder Archangelsk- Jede» Tag während mehrerer Wochen find solche Fahrzeuge über die Nordsee gegangen, und auf diese Weise wird «aa fonsahren. die wir sogenannte» 8onde«verräter auf russischer Erde in Sicherheit gebracht find.' »Ich sage, daß wir nie eine andere Behandlung erwartet hätten, aber ich frage: hätten wrr nicht mehr Humanität von England erwarte» dürfe», dem großen Beschützer der Kleiaea und Unterdrückten?'- Die« ist der Hauptinhalt der Klagen des ruifischen Adoocate» ia .Verden« Gang.' Oagklsch« Hl»sse,a»ße1er. Während die englischen Liberalen fich an der ruffffche» Frage verlegen vorbeidrücken, haben fich die Konservativen uno mit ihnen allerhand reakttonäre Elemente die Pflege ber Ruffen« freuadschast zur Aufgabe gestellt. Diese denke» gar nicht daraa, Rußland ia europäisch-freiheitliche« Sinne beeinfluffen zu wolle», sondern fie schmeicheln im Gegenteil de« zarischen Rußland und fiadeu gerade an de» ruffifchen Schattenseite» ihr Entzücken. Al« ber Mittelpunkt der ruffophllea Bewegung in England gilt die »Ruffian Society'. Zn dieser Gesellschaft haben die rückschrittlichem Elemente die Führung an fich geriffen. Zn welchem Sinne diese Elemente die englischruffische Annäherung auffaffen. beweist da« Rundschreiben, ba« dle .Ruffian Society'' an die Schulleitungen in England gerichtet hat. Darin wird auf« oachdrücklichste die russische Sprache al« Lehrgegenstand empfohlen, aber davor gewarnt, russische Zuden. politische Flüchtlinge oder überhaupt PersoneR extrem.politifcher Gesinnung »l« Lehrer anzustellea. Als Begründung wird angeführt, daß die russischen Zuden die russische Sprache nicht genügend beherrschen, und daß die Wirksamkeit pvlitisch desperater Elemente der a»gestrebten Sache Abbruch tu» würde. Die -röße' englische .Autorität' in ruffischen Angelegen- Herten. Stefan Graham (bi« letzt hat er neun Bücher aber Rußland veröffentlicht), tat den Ausspruch, daß England bei Rußland Kultur lernen möge. Der englische Schriftsteller Ehesterion veröffeatlichte unlängst eia Buch .Die Barbarei von Berlin', worin er dev Russen einen waren Hymnus fingt; eia russischer Kritiker nannte ChesteNons Luch eine Rußlcurd- Apologie. Bon einem Wunsche, daß in Rußland riae beffere Ordnung Platz greife, ist in dem ganzen Buche mit keiner einzige» Zeile die Rede. Dre Lerblenduug geht so »>eir. daß auch dort, wo nach objektiver Statistik der Sachverhalt genau seststeht, die wildesten Meinungen herrschen. So laffen sich die Eudläuder von einem Herr» Denis Carstein widerspruchslos erzähle», daß die Rot in England grüßer ist, al« in Rußland. und er oerfteigt fich zu der Behauptung, daß die russischen Eisenbahnen höher stehen, al« die eaglrschen. Da« Entzücken für alle«, wa« russisch ist. bringt et mit fich. daß die dunkelsten russischen Erscheinungen liebevoll entschuldigt werden. Man geht in Englaab so weit. Maxi« Gorki dafür zu tadeln, daß er Krittk an Rußland üdt. Ata Irländer, der doch wiffea muß, was nationale Freiheit bedeutet, veröffentlichte unlängst ein Buch über Rußland, worin e« heißt, die drei größren russischen Mängel seien: Die Cholera, die Zigeuner uad die Zuden. Charakteristisch ist. daß alle diese nngeheuerlichen Begriffe über Rußland gerade von der handel-kapitalistischen Preffe und ihre« Anhang übernommen und verbreitet werden. Augenscheinlich stegen diesen Kreisen ihre Geschäfte ia Rüßland mehr am Herzen, al« ibeale Forderungen. _ Brief am 6er Sfirlet. Konstaatinopel, d. 24. 9. IS. 8. Vielen Dank für die regelmäßige Zusendung Ihrer Zeitnng. Soweit von der Heimat entfernt, ist «an immer sehr froh, auf diesem Wege etwa« auden uu« besonder« interesfiereude» Kreisen zu erfahren. Selbst ranne hiesigen Bekannten könne» da« Eintreffen Ihrer gesch. Zeitung niemals schnell gmng eri warten. Heute sende ich )hnen wieder einige Notizen ein. welche ^für Sie vielleicht von Zntereffe sein dürsten. — Dernenede»tfcheE«»f»r»s»A»ß», HerrM. Schobinger. stattete kürzlich dem hebräischen Gymnasium dieser Stadt einen Besuch ab und wohnte den türk, und hebräischen Unterrichtsstunden bei. für welch letztere er sich besonder« interessierte. Der Eonsul beherrscht die türk. Sprache vollkommen and hat in der hebräifchell Sprache auch gewiffe Kenntniffe anfzuweisea. Beim Berlaffen der Stunden sprach er fich sehr lobend über die Leistungen dieser Schale au«. — Der £!(ft»mi» der deutsche» A»de» beabsichtigt demnächst die Eröffnung eine« lOklasfige» Lyren«« für junge Mädchen. »Höhere Töchterschule m KoaftanttRopel'. Die Formalitäten haben bereit« ihren Abschluß gesunden und hofft mau schon im nächsten Monat damü beginnen zu köune». Außer der türk. Sprache sollen aa diese» Institut auch gelehrt werden: Deutsch. Hebräisch, Eaglffch ». Französisch. — , Der »au n»«iLa»ische Botschafter» Herr M. Abraham E lk u«, ist vorige Woche »u seiner Gattin and seinen Kindern hier eiagetroffea. Die gef amte türkische Preffe beglückwünscht ihn^ znm Antritt seine« aene» Posten« «U lauge», herzliche» Artikeln. Herr Vkus beabfichttat i» Laufe dieser ^Woche sämtliche hiefige Synagogen zu besichtige». Aach will uad wird er der türk. Zadacheü, iusdesoadere der arme» Bevölkerung der Hanptsindt, dasselbe Zntereffe e»t-«grnbnage». ats e« sei» Vorgänger Morgenlhan tat. —