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Jüdische Volkszeitung · 1916-10-26 · 42 (26.10.1916) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
22 (1916)
Issue
42 (26.10.1916)
Date
1916-10-26
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Jttftfc MtacttMi. Btttka, bta 26 Vit Statt btt 3abta: BuptUtml «« ®t. 9*tt (In nun» früher» Attikel hat» der Lersaffn Eindrücke aas Brrft-Lit»»«k wüdergegeden. Di« nachsolgenden Mittnlnngeu sollen hierzu eine Ergänzung bilden. Eie wuiden nach Gesprächen »il de« Rabbiner «er Bugarmee De. tt n jet ausgezeichnet, der der Ersorschyng der Stadtgeschichte von Brest eifrige Eindien widmete). Mau begreift die Tatsache, daß die Raffen die vom eigentlichen Festungsrayon völlig getrennt liegende Etadtanlage von Brest-Litowsk stnnlos niederbrannten und dadurch für »ehr als 300 Millionen allein Gebtudeschaben «»richteten, ttwas bester wenn »an Hirt, daß von den 57 000 Eintvvhnern der Ktadt mindestens 50 000 Inden waren. Schon Commendoni. . ein päpstlicher Legat, »er im Snstrage des Papste« Polen im IS. Jahrh. »erichiedentlich bereifte, sagte von den damaligen in Polen lebenden Juden: .Man findet tn diesem Lande eine große Anzahl Anden, die nicht verachtet find wie in anderen Lindern. Sie leben nicht vom Wucher, sondern besitzen Enter, befaffen sich mit Handel. Zolleinnahmen und Waren-Lpedition, andere pflegen dabei auch die schinen Wifstnschaften, Medizin und Astronomie. Sie roiren ihrer Handelsweffe gewiß berechtigt, ein bester es Los zu beanspruchen, weil fie Menschen von nettem Eharaltrr find, die fich in der Kleidung nicht von den distinguierten Ehriften unterscheide»' Diese Charakteristik galt namentlich den Juden von BteftLltowsk. die mit zu den vornehmsten Gemeinden in ganz Polen und Litauen zählten. Das moderne Brest ist, da« stehn »an selbst au« seinen heutigen Ruinen, keine sehr alle Stadt gewesen; es ist erst vor 80 Jahren gegründet. Die Borginaerin dieser neuen Stadt, die al» Gemeinde Brilk de' Lila stand srüher auf eine» hbher gelegenen Ran», den jetzt die Festnngszlladelle einnimmt. Kaiser Rikolan« l. beschloß Jahre 1333 nach der Riederwerfnng de« Polenausftande«, an diese» wichtigen strategischen Punkte der Einmündung des Mnchawttzla den Lug eine Festung zu errichten, und wühlte dazu das hochgelegene nno inmitten aller Sümpfe ttockene Ge. blet der Stadt. Die Bewohner sollten einfach abwandern und fich zwilchen den Sümpfen »nfiedeln. Die Abwanderung der Stadtbirger ging aber nur langsam und stockend vor fich. bi« im Jahre 1835 ein großer Brand den kaiserlichen Plünen zu Hilfe kam. Er vernichtete nugesühr 500 Hüuser der alten Stattanlage, und iufolgedeffen, wuchs die nene Stadt Breft- Litowsk in den folgenden Jahren 1830 und 1837 rascher an. Schon i» Jahre 1838 bauten fich die Inden — und es gab damals fast nur Angehbrige flieset Glaubens in der Stadt — ein Krankenhaus' »tt 240 Betten für Mittellose, deffen Bau- und Betriebskosten durch eine Fleischverkanfssteuer wie durch eine Schlachtsteuer gedeckt wurden. »us jenen Tagen datiert schon die Fürsorge für die Armen, die fich bis ln »niete Zeit erhielt, und deren grdßter Stolz e« von jeher wart es dürfe nie ein Jude an« Brest-Litowsk im >n«Iande betteln gehen! Brest-Lüowsk wurde bald zu einer Stadt grbßter Frümmigkeit und Gelehrsamkeit. Bor dem Kriegsbrände zählte es 38 verschiedene Shnagogen und Bethäuser. die ja zumeist unansehnlich und klein waren, west ein Berbvt des Zaren bestand, Synagogen hbher als ein Stockwerk ohne Pegiernngserlaubni« ,n bauen. Im Jahre 1851 entstand in der Masse dieser Eebetshänser die neue große Synagoge. Damals gab es eine allgemeine Bauvorschrift, wonach Bauten von mehr als 10 000 Rubel Weit der Re-, von 8000 Rudeln zu dem Bau als Entschädigung sür da« Mederreißen der jüdischen Synagoge in der allen Stadtanlage und alsfreiwilig« Gabe. Die Synagoge in der immer mehr dem Unter, gange geweihten Altstadt bestand immerhin bi« zum Jahre >842. Als man fie niederleg», fand man in ihr eine Eedenktasel von Saul Wahl, der zum Andenken an seine Frau Deborah die Frauengalerie dieser Synagoge erbaut hatte. Die In. fihrift lanttte: .Der hrchangesehene Saul, Sohn de« berühmten Eelehiten Samuel von Padua, bau» diese Frauenaalerie zu Ehren de« Andenkens seiner Frau Deborah, deren Frbmmigkeit und deren Andenken gesegnet seien. Jh» Seel, sei in der Ewigkeit besonder« behütet'. Mit diese» Sani Wahl hat es eine recht seltsame Be. »andtni«. Sein Later war ein berühmter Gelehrter. Samuel Katzeueleubvgen ans Padua. Dieser sandte seinen Sohn nach Litaneü. weil die dortigen Juden zum Unterschied von denen in Polen als besonder« geblldet und bildangseifrig galten. (Brest liegt, wie auch der Rame .kitowsk' anzeigt, streng oenomme n, nicht aus polnischem, sondern aus Manischem Boden.) Der Sohn lebte lange Iah» in Brest-Lilswak. ohne daß der Later eine Rachricht bekommen Hütte. Da kam eine« Tage« ein First Radziwill nach Padno. dem ans der Reise seme Geldvorräte ansgegangen waren. Derwar es aus ferner Heimat so gewohnt, daß man in solchen Füllen zu» Inden ging, nnd kam mst seinem Anliegen zu Samuel Katzenelenbdgen. Der berühmte Weise gab ihm da« Geld gern und bat ihn um den Gegendienst, in seiner lttanischen Heimat fich doch nach dem Sohn Saul zu erkundigen und Rachricht über sein Befinden zu geben. Das versprach der Fürst und hielt es auch. Er fand den jungen Sa nl in Brrst-Litomsk und erkannte bald, daß der junge, in dreien Sprachen bewandene. erfahrene und Jewandte Mann wie geschaffen zu seinem Hoffnden war. Die ltelnng eine« Hosjnden hatte damals wohl nichts von dem verächtlichen »ebenklang, den fie spüttr bekam. Der Hosjnde war Berater und Helfer seine« Herrn. AI« solcher zog der junge Sani auch mü, als der Fürst Radziwill wenige Jahre darauf zu einer polnischen Kbniaswahl nach Sarschan fuhr »ab dort den Vorfitz unter den Magnaten führ». Heiß erhltzten fich die Kbpfe. da« Streüen wollte kein Ende nehmen, und doch muß» einem alten Gesetze zufolge die Wahl di« um Mttternacht desselben Tages beendet sein. Die Mitternachtsstunde nah», uud der Lürm dauerte fort. Da kg» de«Fürsten Radzivvill der erlbsende Gedanke. Er schmetterte mit lauter Stinone da« alle Bibelwott in den Saal: .llinhig meine Brüder, hbtt ans »tt eurem Girett. Sani soll über uns regieren!' Das wurde rasch erkannt, wirkte „ad ward schnell zur Wahrhell. Saul ward znm polnischen Kdnig einhellig gewühlt mst der Lerpflichtnng, am andern Morgen seine Würde wieder niederzulegen, n« den Magnaten dadurch Zeit zu geben, einen zweüen Tag lang die Kbnigswahl zu betreiben Die Geschichte spiel» im Jahre 158« und trug 'dem Sani von Padua den Ehrennamen Saul Wahl ein. Sie scheint dafür zu sprechen, daß in jenen Zeiten das Verhältnis und die Sllmmnng zwischen Peilen und Juden nicht schlecht gewesen sein kann. Zudem »erden ühuliche Geschichten noch von mehreren Kdnigswahlen erzählt, bei denen Inden oder jüdische Ratgeber ausschlaggedeude Rollen spielten. So soll da« polnische Herrschergeschlecht der Plasten Io gewühlt worden sein: die Magnaten konnten fich auch nicht einigen und beschloffen. der sollte Kdnig sein, der am Morgen al» erster in die Stadt käme. Es kam aber der Jude Prnchownik. Der weigette sich entschllden. erklärte die« für einen Unsinn und ritt, den Piost zu wählen, und so geschah es. Saul Wahl wird im übrigen als großer Wohltüter der Gemeinde von Brest geschildert. 9z bon» verschiedene Synagogen und talmndische Lehrhünser. ein allgemeines uud ein Franenbah. Er verleg» die Fleischbänke ,» hygienischer Welse von den Wohuhüusern weg und best,»»», daß ihre Erträgnisse zu» Bau von Talmudschulen dienen sollten. Sell Sanis Zeiten bildete fich der Brauch heraus, von den Befitzenden und Berdienenden große Summen freiwillig »der als Steuerabaabe znm Zwecke der allgemeinen Bildung bezahlen zu lasten. Die Juden des modernen Brest, die hauptsächlich vom Handel mit Deutschland lebten, die ein defferes Deutsch als da» üble Jiddisch sprachen und fich daraus etwas zugute raten, haben den guten Sinn des alten Saul übernommen. Ein Mittel von ihnen konnte als reich gellen, die übrigen waren wdhlhabend, große Armut gab es so gut wie überhaupt nicht. Geblieben war auch der Bildungseiser. In allen Schulen, darunter in sechs bi» acht Bolksschnlen. wurde unentgeltlich uyterrichtet. Ein von den Juden errichtetes Gymnafium ethielt dffentiiches Recht, aber nur zwei ». H. aller jüdischen Kinder der Stadt dursten eS besuchen. Gepflegt wurde in den Schulen natürlich in erster Linie jüdffche Gelehrsamkeit. Brisk de Lila war ja des Mieten der Ort gewesen, wo jüdische Synoden dar Gemeinden von Krakau. Posen. Lemberg und Brisk statt, sau den. die sogenannten »Lierlünder-Synoden' (Groß-Polen. Kliiu-Poleu, Litauen. Rußland). Die erste dieser Synoden wird in das Jahr 1622 verlegt, die letzte ins Jahr 1760. im ganzen kennt man 42 derartiger Beranstaltuuzen, von denen allein 19 in Brisk ftattsandeu. was ali hohe Auszeichnnng galt. Die Brester Ehronik ,Jr Tehlla' (Stadt de« Ruhmes), dir in Warschau 1888 erschienen ist. erzühll über diese Dinge Ausführliche» und führt namentlich anch alle Werke ans. die in Brest oder von Brester jüdischen Bürgern verfaßt worden sind. Bon diesen und anderen Leistungen der Juden dieser — man kann es wohl sagen — rein jüdischen Stadt Brest erzühll heute nur noch der jüdis che Friedhof, der eine wirkliche Sehenswürdigkeit ist. Man hat hier von allen, längst gerüumt«n nnd verlegten Friedhüsen die Grabsteitze zusammengettagen nnd fie zu sünsen und sechsten hintereinander zum Teil auf ganz stemde Grübet gestellt. Such hier spiegelt fich der Ausstieg der Juden von Brisk und Brest Wieder: vom einfachen schmncklofen Holzdenkma! bis zum vornehmen Marmorstein fhhtt er empor. Die Jnschrisen zeigen die jüdische, polnische, rnsfische uud in den letzten Jahren in vermehrtem Maßstabe auch die hochdeutsche Sprache. Auch Bilder findet man auf den Grabsteinen, was sonst eine Seltenheit aus jüdischen Friedhbfen sein soll, so einen Sabbatlenchtm. der aus dem Gradmal einer Frau steht und an ihre Pflicht der Entzündung der Lichter erinnert, ein Talmudbuch in großem Format, da« vom der großen Gelehrsamkeit de« Toten spricht, während die sechs Bücher der .Mischna' von geringerer Gelehrsamkeit sprechen. Var der verstorbene sehr fleißig, so ist wohl da» Buch auch mrsgeschlagen nachgebildet. Auch andere stamme Darstellungen in Wort und Bild sehleu nicht. \ Was in Brest vor dem Kriege an Juden lebte und wirtte, ist heute in alle Winde zerstreut. Ein großer Teil floh nach Minsk, ein anderer nach Pinsk. Darunter find die begütertsten und reichsten der Juden. Die Riuderbonittellen und Aermeren Rieben und find heute von der deutschen Berwallung zurück nach Biala gebracht oder in andere Etappenone vertellt. wo Ile fich selbst erhalten oder durch Fürsorge ihrer deutschen Glaubenibrüder erhalten werden. Lon den unter deutscher Herrschaft lebenden Juden weiß man. daß fie. wenn auch nicht in früherem Wohlstand, doch auskdmmlsch und ordentlich leben. In welchem Elend ihre Sencffen in den rnlfischen Flüchtlingslagern leben Mägen. davon kann man fich unschwer eine Vorstellung machen, _ Marßcha» In der Magistratsfitzung dom 10. wurde beschloffen: Der Magistrat unternimmt beim Polizeiprüfidum SchNtte. um Neuwahlen sür die jüdische Gemeinde herbeizu- Warschan. Der Lerband der jüdischen Kans. lenke beabsichtigt, den Stadtverordnnrn eine Denkschrift in Sachen der S ch l ie ß n n g be r Seichtste an den So n,n tagen zu überreichen. In der Denkschrift werden hie Traditionen der jüdischen Religimi eingehend begründet, nnd es «tr» darauf hingewiesev. daß die Bestrebungen, die jSdischen Kaufleute zu ndttgen. ihre Geschäfte an den Sonntagen zu schließen, als eine Beschränkung de« Judentum« anfgesaßt werden «üffe. lleberdies wüve die Sonntogsheiligung für diejenigen christlichen Bevblkernvgskreise unbequem, die ihre Einkünse lediglich am Sonntag bewirken kbnuten. — P<u lOOMO. Mittoadrvt in »er Aawnver ».«»»»«che In der von dem Feldrabdiner Dr. Rosenak in Koeono gegründeten Lndendorff-Lvlksküche »nrde am Sonntag das hunderttansendste Mittagbrot verabreicht. An» diesem Anlaß übermiftelle der Feldrabdiner dem Ersten Generalqnaniermeifier Lndendorss.telegraphisch den Dank der Benilkrrung für die Fürderung, die diese« Serk durch Exzellenz Lndendorss aesnnden hat. Ferner wurde ein Danftelegramm an den Hofsverein her Deutschen Inden abgesandt für die reichen llaterstütznngsmvtel, die durch den Lerein de« besetzttn Gebiete und ganz besonders der Gemeind« Kownv zugesühtt werden. Darauf find Danktelearamme von Exzellenz Lndeudorff und Dr. Ja»«! Simon (jüdische« Hiisskomitee für Polen nnd Litauen) eiagegangen. Grodno. Zugunsten des Vereins »Schaar Hoesro' und des .Jüdischen Vereins sür Kriegsgeschtdigte landen 3 Theatervorstellungen statt: am 14. 10. gelangte die .Kreuzersonate', am 16. u. 21. 10. .Da« Jüdisch« Herz' zur Aufführung. Aus Wunsch der Theaterbesucher beschloß die Seroaltnu der Vereine, da« Buffet an« der ssteihe der Wohllütigkeitsbazare auszuschließen, Speisen und Gettünke find von nun an ohne Preisausschlag erhältlich. Die Vereine haben ein Abkommen geschloffen, gemeinsam Theatervorstellungen zu veranstalten nnd die Erträgnisse zu gleichen Teilen für ihre Zwecke zu verwenden. Mkoekaweü. Zum jüdischen Tnrusest trafen über 200 Säfte ans verschiedenen Städten Polen« ein. u. a. Vertreter der Lodzer. Warschauer. Plocker, Kutnoer, Czenstochauer, Tomafchower jüdischen Turnvereine. Am Abend fand eine Vorkonferenz statt, aas der die Frage der Einberufung einer allgemeinen Tagung der jüdischen Sport- und Turnvereine in Lodz besprochen wurde. In der Tagung soll über folgende Fragen beraten werden: Bereinigung der jüdischen Spott- und Turnvereine in eine Zenttalorganisatioa. Einführung eine» einheil» llchen Kommandos. Stellungnahme der vereine zur nationalen jüdischen Bewegung, Ausgabe einer Zeitschrift usw. Pa» ^l«»z» £<*<*- Per Pereiu »er Jntzuser n*n jüdischen Hletigionn- und chkemenlarschnlen hielt am l. 10. von 2—6 Uhr im Vereinslokale. Oststr. 43, eine Bersammlnng ab zur Wahl von 3 neuen Lerwaltungsmitgliedern u. Rormierung des neuen Schnljahrs u. a. — Wau den Tehrsuliuften »er ,flal»nd-H3»r»' Gegenwärtig befinden fich in den 16 Klaffen der Boiksfchnle, in den 3 Klaffen der Webereiadtttlung und in den 3 Klaffen der elekttotechnischen Abteilung über 900 Schüler. — Erifnnn| einet Kinderheims Dieser Tage hat eine Gruppe jüdischer Einwohner in der Altstadt ein Heim für 50 jüdische Kinder erdffnet. - Pie jüdische Gesellschaft kür ^iteratnr nnd Kunst hielt ihre Generalversammlung ad (Borwerkstr. >5) zur Wahl eines Lorfitzenden und der Beifitzer, Verlesung der Satzungen. Wahl derLerwaltung und der Prüfungskommissionu-a. — Per Merein .Zrüeilerhei«' hielt am 30.9. im Vereinslokale Olgoftraße >4 eine Bersammlnng zur Beratung über die Beziehungen zum Zentralbür, der Berus«vereine. — PerHflapierarsetternerein bettef znm 30. 9. eine, Versammlung im Bereinilvkale Mittelste. 23 über den Bestand der Küche. Berichterstattung der Zenttalverwaltnng n. a. — Pr Magnet, der Abgesandte der amerikanischen Juden hat fich von seinem Bllnaer Unfall erholt und ferne Rickreise von Berlin nach Polen angetttten. Ja Lodz traf er vor dem Feste eia. um die Verteilung amerikanischer Gelder unter der jüdischen Bevdlkeruug Polen« vorzunehmea. Pa« denlsche AittswerK Werkln. In einer vom Hilfsverein der Deutscheu Juden gemeinsam mll dem Jüdischen Franewb u n d etnberusenen Bersammlnng sprach Fran Henriette May über die Tätigkeit de« Hllssverein» in den besetzttn Gebieten Rnsfisch-Poleus, die fie im Aufträge de« Hilssvereins besucht hat. Frau May wandte ihre Hauptinteresse der Franen- und Kindersürsvrge zu. Ihr erster Besuch galt Lodz, wo eine Reihe modern geleittter Anstalten diesem Zwecke dienen. Lodz besitzt Rüdchenheime. «uskunftsstellen für Frauen, Master- Werkstätten. Frauenschulln, Krankenhäuser. Hospitäler nnd viele «olks- und Kinderküchen. Besonder« hervorzuheben ist eine Talmud-Torah-Schule. die ihre 900 Schüler dem Handwerk zufühtt. Marsch«» hat ebenfalls zahlreiche Wohltätigkeits-Anstallen. u. a. eine Leihkaffe, za denn Schuldnern 214 Rabbinn gehdren, ein Asyl für obdachlose Inden, Säuglings-Fürsorgeftellen, eine große Entbiudungs-AnftaU und andere mehr. Während diese Anstalten von der Gemeinde erhalttn werden, haben fich die Zionisten de» Schulwesens angenommen. In ihren 16 hebräischen Bolksschnlen erhallen 3000 Kinder in hebräischer Sprache Unterttcht in Elementarftchern. Warschau besitzt sogar eine Einrichtung, die uns im Westen noch sthll: eine Kinderküche für kranke Kinder. Der Initiative einer jungen Lehrettn verdanken die Schulen für obdachlose jüdische Bettlerlinder ihre Entstehung. Fast alle diese.Anstalten werden vom Hilssverein der Deutschen Juden unterstützt, der sür den Bezirk Warschau (68 Städte) 150,000 Mari monatlich ans-ibt. die Zuschüffe für den Lodzer vezllk (35 Städte) betragen 40 000 M. im Monat. Insgesamt erhält der Hilfsverein in 440 Städten350 Volksküchen. 60Teehäuser und 75 Kinder» und Schulküchen. die ein« Gesamtansgabe von etwa eine r Million M ark m , n a 11 i ch verursachen. Zn diesen Kosten wird ein erhebsicher Zeil von amerikanischen Inden beigetragen. Zar Bvantwortung der zahlreichen Anfragen nach vermißten Fämilstnangehdrigen, die au« dewAuilande ttngehen, hat der Hilssverein eine BriefnndRachrichten-Lermittln»,«stelle eingenchtet. die in 58 138 Fällen in Anspruch genommen wnrde. Der Tageieingang der Briesbefdrdernngsstelle beträgt 4 bi« 5000 Schreiben. Der Hilssverein hat mll der GenehmGnn, der Regierung anch die Vermittlung von Geldsendungen, die aus dem Auslande elugehea. übernommen. D« verschiedmienLokalkonuttel des Hilssvereins iberztthen da« Land mü eine» Retz von Hilfsstellen, die nach Aussaffnng der Fran May nnr zentralistischer organißett werden müffeu. um anch über den Krieg hinan» eine Pflanzstätte jüdischer Bolftknltnr Pt werde».

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