Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- 22 (2.6.1916)
- Date
- 1916-06-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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JWPy WByü»|» Braks, fcs 2. 3ni fM. Br. 22 $km Zch«W»»»«frst. (De« tag« Mt OffeaMnug) 1916. fte M M M* J4Mf4e» t» P*atf4<s >oete yäliit ta Jtartf(en MM! febeu«m«nn ll I CMg’ «Mt au dunillr Meere» nacht: Da» in Fäle «ich enthülle Det»«6 Lichtes, Mut gatfea Pracht; Demi es höret aus ihre» taufen» Segen Sein« Strahle du Welt entgegen. i<t{nni(y(tt In M Irrwahn» e»ig finsterer Gruft, Bis zur Stande, Wo die Kante Seines Daseins Gatt zur Erde rast. War die Veit. Dach schk es kam die Sonne Und mit ihr des Lebens Licht and Wonne. Deiner Wahrheit Cw'ge Klarheit •oft M a«4 auf Israels Geschlecht; Deinen Willen i- «fftlet, Waide Inda dein erwählt« Knecht. Aett, dein Lall, das da pn Licht erkoren, Seine Wahrheit hat es nie verloren. Frendig bebet, Stal« erhebet . Sich »ein Sag i» innersten tkmüt: Der Gnnählten, Gatrdeseriten Einer din ich. an» inein Inge steht Lei nnd glänzend nach die rein Mwahtte Lichte Flamme, sie er offendorte. Und den Meinen Sal es scheinen, Sprich« der Herr, »er «'gen Wahrheit Licht, IM Me Sonnen Sind (Mttomcn, Und sein Strahl der Erde Nacht durchdrichl. Dann »il ich ench ja den Völkern senden. Meines Staufen* Segenslicht zu spenden. Nicht zerstreuet, Kdii gapci^t Für die Wahrheit heikge« Pdestertuw, Nicht Verloren, Nein erkoren, Uederal «n Unten Gottes Ruhm, Sind »tr Zn den Ldtkern al gekommen, Und die Weit hat Gottes Won nernonunen. Herr, Dir (tagen Sander Klagen Deine Leuchte Ich »eigen» dnrch die Belt; Herr, »tr leiden, Doch mit Freuden. Senn dn hast zu Knechten nns bestell, Gis die Nacht vom gongen Erden doll sch»indd Und dein Bad ist aller Weit verkündet. Map Emannel Stern. Bittflt v« te SthNWEkt mrt Mt Btttstaf 3fr «d* fflr Mt «»fchtztit. Es ist einer der munderdarsten Momente in der Geschichte der Menschheit, die Sedurtsstude der Neligtan des Geistes. In den Gewitterschauern des Sinai steigt der Gott der Offcntarung selbst herad ans die Erde: hier Hoden mir die Morgen. rt(e »es Tages, der ansgehen sollte über de» gangen Menschen, geschlech«, nnd nnter den grdhten Stnblichen. welche jemals ans dieser Erde gewandelt find, wird Rose stets einer der grdhten »leiden. Kot Carl Heinrich Cornill's Geschichte des Lowe« Israel Mn den ältesten Zeiten dis gut Zerstörung Jerusalems durch die Ndtuer — 186» Chicago, Verlag; The Open ConN Publishing Company (Leipzig, Otto Harraffowitz) — S. t». » 1-9. > Iber nicht dieses letztste <da« Fremdartige in der geistigen Entwicklung Israel«) ist es, was uns angdü. Vielmehr deraniaht »las der Umstand, »ah dieses kleine Völklern einen »dt größeren Etnstuh aus den Verlaus der gesamten Renschheits- «schichte gemonuen höl als die Suchen und Ntmer, für uns in »eit »ehr Beziehungen vorbildlich geworden ist als diese. Unser heutiges Denken und Fsthlen, unser Tun und Tretten »trd »ei wettern mehr beeinflußt van der Gedanke». und Gefühls weit, »eiche Israel rrgeugt hat als von »er Noms nnd Griechen. Innds. Untere gesamte heutige lioltnr ist tief dnrchsttttgt »it Nichtnugsn und Trieben israelitischer HÜkvnft. Es ertlsn sich dies' oder daran«, »aj sich in Israel et« Sei» menschlichen Wesen» zu grdhter Vollkommenheit eutmiskeit hat, »eiche van vtd allgemeinerer Vedentug ,fstr die Mensch, heit ist Ol« Konst und wrffenscheft, Nrchts leben und Phllosophll. Wührvtz in Hellas an« der Mvthvlogll sich die ^tlosopie und damit mttlllbor die Wissenschaft entwichest, folgt in Iseuk ans. die vqthalagtsche Epoche die »er MeUgtoo. Und zwar ist ^lindf mmjm fit in Mt «eklgiu der Menschheit schlechthin als die Griechen deren »erdende Phiiosophll. Es ist Israel ohne ans fern Gebiete »er Religion old epoch« scheu »er, etngig artiger, gewaltiger ansgetreten als ans»« Gebiete de« Staats« die Ntmer, aus dem der Kunst und Philosophie die Griechen. Ins Bernhard Stade'« Geschichte des Volkes Israel. (In Oachens Ugenidnee Geschichte Bd 6, 7.) — 1967, Berlin, Verlag Grote —Bd. I. S. 6—4,3. 1* n. n. M» 2 i. a. femtMdk» fti »an AeMwOfdt Herr, Dn sendest Tan nnd Regen Und belebest Flur und Feld; Und es sprießt empor Dein Segen, Der aus nähret nnd erhält. Herr, Sn sandtest Licht und Helle Einst tu dieser Erde Nacht; Da erstund an hetssg« Stelle Strahlen» Derne« Wesen« Pracht. »so schirmst Du Leib und Seele, Herr, in Deiner Huld und Gnod', Daß »;» Lei» das Brot nicht sthle Und die Leuchte unser» Pfad. Sd gepriesen sür die »ehre, Die der Erdenstnr entsprießt, Sd gepriesen sür die fehre, Die den Himmel uns erschließt. llnh erhör' uns, Gatt der Treu, Ja des Feste« Gnadenstund', Daß sich user Herz erneue Für den alten Gottesbund. ». Vorwitz. Blüh, otet »k »tr flr Mt «fitibam-ilthkt ltdti »l»b ltiht» sslt». <*«• einer >4<»ae«9-IteMfL) Was unsere alten Lehrer von der Helligen Schrift im all. meinen sagen, daß fie auf unzählige Weise gedeutet und aus. gelegt werden kann, das gilt ganz besonder« non den zehn Grund, geboten nnsererstieligion, deren Offendarung das heutige zeftfeieN. Sett den Tagen devPropheten werden fie zur Erbauung nnd Er. weckuug der Menschen eNäuteN und besprochen, und dennoch ist ihr Inhalt. noch nicht ansgeschöpft und ihre Tragweite noch nicht ansgemessen : fie ossenbareu uns immer wieder neue Wahrheiten nnd enthüllen uns ungeahnte Schönheiten, so oft wir an ihre Betrachtung gehen. Nichts in aller West reicht da fie heran. Sie find ein Gegenstand der Se»natetang sür die neue »te für die alte Zeit; sie find das eigenste Werk jene« Mannes mit der schweren Zunge und den schwersten Gedanken. Einzdne« mag ja auch andnswo zu finden (dn. Iber nur ein höchst genialer Geist kaute ln so riesigem Stile, mit so wenigen dn. suchen Worten die Fundamentaljätze der göttlichen und mensch. liehen Ordnung aueinuuderreihen und gleichsam au» granitneu Felsdltcken einen Ba<auikShren, der die Wandlung aller Zellen üderdaneN. Die Gleichntsrede unserer Ilten stellt fie in ihrer Bedeuwng nicht mll Unrecht den zehn Schtpsungswanen des Weiten Herrn an die Seile. Zehnmal nämlich sprach dar Herr im Anfänge das Schtpsungsmort: .Es »erde! .dornst dos Licht den Weltenraum dnrchstrtme, der Himmel sich wölbe, die Erde sich dehu, du Meer sich begrenze, damit die Wanzen sprossen, die Tiere sich regen, die Sterne in ihren Bahnen kreisen, bis daß das Reich nattillicher Weltordnung »allentet war. Da schuf Gott den Menschen in sein« Ebeodilde, und indem et fern die Erde zu eigen gab, üderirng er ihm den Ban der sittlichen Weltordnung. Iber Jahrtausende verstrichen, bevor er die »nsgabe zu lösen vermochte. Erft Mosen offenbarte sich »er Ewige : .Und Gott redete alle diese Worte', und als Sott alle diese Wüte verkündet hotte, da war auch da« Reich der sittlichen Weltordnnug begründet. — Ist es nun nicht merkwürdig, daß uns von unfein Weisen, ungeachtet dieser überreichen Gedankenfülle des Festabschnittes, noch eine besondere Erbauungsauelle dargeboten wird, nämlich »Os Büchlein Roth, eine einfache Erzählung aus der Richter, zell unseres Stamme«, in der uns die Schicksale eines moa. bittscheu Weibes geschildert werden 1 Sollte bloß der nebensächliche Umstand, daß die Handlung in. der Zell «er Weizenernte spielt, in die auch unser Fest, wenigsten« in unser« Stammlüde Palästina, fällt, die Veranlassung gewesen fdn, diese« kleine Buch neben die finaitischen Offendarungswone zu fetzen? Gewiß nicht. Der Grud muß tiefet liegen. Wir meinen, unsere Weisen wußten bereit«, was uns durch die geschichlliche , Erfahrung vielfach bestätigt wird, daß sich der Nllusch durch j bloßes Betrachten und Erwägen dos sinaitische Gesetz ebenso ' »entg aneignen würde, als er es an« eigener Kraft zu finden ve«achte. Gottesfurcht uud Sittlichkeit können durch bloße > War« nud Lehren, und seien diese noch so tief und »ahr, ule. j mal« Mm Menschen in wirksamer Weise eingeprtgt werden. Die Religion ist ja keine Wissenschaft, Reiiglon ist Tal und Gesinnung, Religion ist Leben, und Leben kau nur dnrch Leben erzeugt wüten. Darum »ttd uns heute die Geschichte der Ruth »orgefühtt, uw uns durch da« Leben edler Menschen zuveranschanlichen, mos das Zehnwott in uns bewirken will. So mag denn auch nufere henttge Festbelrachtung dieser »nortunug folgen, und die edle Ruth soll uns zeigen, wie »ll als Inden als Träger der Offenbarung, leben und leiden sollen. Einfach ist da« Leben, das nn« in dieser kleinen Erzählung geschildert »lld. Iber so wll.dot Edelste und Erhabenste zn asten, Zeiten im schlichtesten Gewende anftrllt, so oßttdbart nn« ' onch diese schmucklose Erzählung da« höchste Gebot der ReÜglla, also daß »ll alsbald begreifen, »aium sich ihr Inhalt selbst jenen weltbewegenden zehn Worten würdig an die Sette fielt. Schon der alte Prediger, R. Selra, hat Mt Tendenz dieser Schrift, Me keinerlei Anordnungen über Erlantte« an» Verbitten«» enthält, einzig und allein darin erblickt, daß ihr Vorfasset zeigen wollte, »ll beglückend und versöhnend Me Menschenliebe zu wirken vermag. In »er Tat, Menschenliebe bildd den Inhalt dieser ganzen Erzähtung;'Menschenliebe übt Me Stoa titerin Ruch, Me den Schmerz Aber den Tod ihres Gotten überwindet, um chrer vereinsamten Schwiegermutter Noomi, der »och olll größeres, Leit widerfahren ist, ln ihrer Vdt beizustehen. In statt »ll Me andere Schwiegertochter in den Schoß chrer Fomilll zurück» znkehren, acht fie alles preis, Elternhaus und Hdrnot, um Me verlassene Greisin zn ihren Landsnnd Glaubensgenosse zurück- ,»führen; fie sorgt dun auch für Me Ernährung der Matrone, und sie verschmäht es zn Meiern Zwecke nicht, wie eine der Innen und Elenden' auf dem Felde die lehren ufgulesen, welche Me Schnitter Mi ihrer Arbeit verstreuen. Menschen- IllM übt auch der Judüer Boas, der Me aus seinen Feldern sammelnM Ruth mll zarter Schonung und edler Rücksichtnahme behontott, der ihr oft opserwilliges oder gebeugtes Herz durch sdneu lllbevollen Zuspruch wllderaufrichtet, und der ihr Berllaueu aus Mn Ewigen. Mn Gott Israel«, rochtfertigt, indem er chr Hand ud Herz udlellt und in seinem Hause eine neue Heimstätte seligen Friedens bereitet. Ja noch mehr! Indem Herzeusdunde zwischen Boa« und Ruth reichen sich zwei feindliche Bdlkrr, Inda ud Moad, zur Versöhnung »ll Hände; edles Menschentum siegt über engherzige nnttonole Absonderung, ud der hochgeprllseu König David, der gekrtnll Dichter und Säuger Juda«, zählt diese« edle Paar zu seinen glorreichen Ihnen. SU ist der Inhalt der Erzählung, die uns heute üben Mm Zehnwotte zur Beherzigug auheimgegeden mit», nud wahrlich, fie verllltt nicht» von isüem Wette neben der Erhobenhell der fiuttischen Offenbarung. Im Gegeniell, aut dieser Zusammenstellung erkennen wir erst, daß »ns in Ruth uud Boas, d.h. iu ihrem LeMu und Wirken, die Blüte und die Frucht de» zehnifiige» Bonme« der Religion enthüllt werdrn soll. Denn in der Tat, Menschenliebe ist da« Ein und Ille« unserer Religion; wo tiefe Wunderblume im »ernüll keimt, da wohnet Gott in seiner Heiligkeit. In dieser Lehre gipfelt auch die Predigt unsere« Festes, da« Israel bereis sell Jahrlausenden als Fest der Gesetzgebung sdett. So verstehen wir erst Me merkwürdige, Erscheinung, daß da« heutige Fest in seiner fhnagogaleu mll häuslichen Feier von jeder zerernvniellen Kennzeichnnng fteigebliebe» ist. Während nämlich dll uMten Feste de« Jahre« ihre geschichtliche oder religiöse Besonderheit schon dnrch Me ihnen zugeeigntte Zeremonie zur Ausprägung dringen, wird die BeMutung unsere» Feste« durch kdnerler Shwbol veranschaulicht, »der dll Erklärung liegt eben darin, daß hier dU Shwbol dazu nicht ausreichen würM. Jedes andere Fest, sd es du geschichlliche« ober religiöse» Fest, sd es nu, dn bestimmte» Ereignis oder du besonderer »organg im religiösen LeMnderGemeinMifie find samt und sonder» nur Tdlerschdnuugen der Religion, dll inihrerSesouderhett Ihmbolssch dargestellt werden können, währen» da» heutige Fest dll Rdigion in ihrer Gesarntheit friert. Heute nun. wo uns dll Religion ihre Seele enthüllen will, muß fie jeM Zeremonie adlehuen, fie kuu uns ihren Wesensinhalt nur in Menschen wll Ruth und Boas aufzeigen, Me dnrch ihr Leben und Wirken davon Zeugnis adlegen, daß der Kerngehalt unserer Religion in der Lehre de« Propheten besteht, dll also lautet: Er Hai Mr gesagt, d Mensch, wo« gut ist, und Ml Mi Ewige von Mr sordett: Berechtig, kell üben, Lllbe Mtättgen und in Demut wanMlu vor Gott.' O, daß euch doch dllse uralte Erkenntnis stets gegenwärtig blieb«! Unsere Widersacher würden dann aus euch wenigsten» keinen Eindruck machen mll ihrer neuesten salschen Behauptung, daß da» Judentum aus das Zermouialgesetz »asselM oder ein noch größeres «ewicht lege als auf dll Bttätignug der Menschen- IllM. Früh« sprachen sie uns dll Lehre von der Menschen- UeM überhaupt ab; seitdem ater solche« Ibsprechen durch den Fortschritt der Wissenschaft unmöglich gemoiMn ist, soll »ll MeuschevlioM zwar uch vom Judentum gepredigt, aber dnrch du Zrremonialgdetz hier vtllig Überwuchett worden sein. Run ist uns allerbing« dll Zeremonll von hoher BeMutung. und mll wollen fie pfiegen als das beste Mittd, dll gotterfüllll Stimmung der StuuM sür die ganze Lebensdauer ftstzuhallln. Iber sag« an: wen hattet ihr für den besseren Juden, den, der sich dloß an dll Zermonll hält, ober den anderen, der auf jeM Weise und nach Kräften Menschen liebe betätigt f Ich zweifle nicht, daß ihr den legtet» als den besseren Juden. M» zeichnet. Aud diese eure Inssassug ist euch von euren Borfahren üMrliesett worden. Sll ist eben nicht etwa eine Errungenschaft »et Neuzeit und nicht geschöpft aus Mm Gdfie Mr Tochterreligiou, in Mt ja Me Menschenliebe ohne den GluMn gar keinen Wett hat, sie ist vielmehr du Ergebnis eurer jüdischen Erziehung, eine Frucht des jüMjchen Geiste», Mm sich Me Religion nicht im GlanMu, judern in Tat und Gefiunuug ausprägt; fie ensspricht genau der Inffaffnug unserer Talmudwdsen, Me «eu eutscheitenMn lusprnch taten: ,In drei Kennzeichen so» man Mn Israeliten erkennen, an Mr Barmhttzigkeit, an Mr Schamhaftigkett, an Mr Wohllätigkett'. vtchtchW«. (MMW. JUf«, 4-«). Merke auf mich, mein Volk, höre mir zu, mdne Nation. Dll Lehre geht von mir hinan«, ud meine Wahrhett will ich hinftellen zum Lichte Mr Vtlllr. Rahe ist mein Heil, ansge» -ist mdne Hilft; mdne Arme richten Bsikrr; ans mich Eilande, und uf meinen Arm harren sie. Erhebet zur - - ‘ ‘ " » « 4u.M. * «SU Himmel eure Ingen und schauet ans dll Erde unten. Dll Himmel urgehu wll Rauch, dll ErM zerfällt wll ein Gewud, und chr« Bewohn« sterben wll Mücken dahin, ad« Hilft wird ewig bestehn und mellt Hell nicht, schwinden.