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Jüdische Volkszeitung · 1915-12-31 · 54 (31.12.1915) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
21 (1915)
Issue
54 (31.12.1915)
Date
1915-12-31
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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iiMfät vokkzrit»-. Zur jüdisch-polnischen Frage. Breslan, tat z>. vezemdnMS. Mt- . S«r Kilt« tat poliisch«! Znta«. Die Ehrfurcht vor de« Rabbiner »nd der religiösen Leben«, führvog ist öder nicht i»»er mit Würde i« GottertzL»» oder bei» Gottesdienst verbunden. Die Stimmen der .Jüogel' heben sich bei» Gottesdienst kreischend hervor, die Männer gehen bei» Gebet durch die Rethen auf und ab. Taschentücher und ihr Gebrauch find wenig bekannt. Ich hatte in Dilkowischky i» Aufträge der Zivilverwaltuug eine Versammlung aller männlichen Gemeinde-Mitglieder zu« Zwecke der Organisation der Gemeinde einbervfen. Der Krei-amtmauo hatte sein Erscheinen zvgesagt. und olr ich kurz vor der aaberaumten Zeit i» die geschichtlich und baulich beachtenswerte Synagoge kam, in der die Versammlung stattfivden sollte, standen im Borraum »och einige Inden. Einer warf den bre»«enden Zigarettenstummel auf de» Boden de- Borraum», und ich konnte meine Ber- »underung darüber nicht verschweigen. Da trat ei» schlagfertige- Gemeinde-Mitglied an mich heran und «einte: .Herr Rabbiner, bei Ihne» in Deutschland ist deffere Ordnung, ober wir st»d täglich und den ganze» Tag in der Synagoge. Bei Ahnen geht «an seltener; wenn man nun Besuch macht in eine« fremde. Hauwie bei Ahnen in Deutschland, da nimmt «aa stch zusammen u»d denimmr sich anständig; wir find mit de« lieben Gort so bekannt und in der Schul so zu Haus, daß «an sich'- schon bequemer und gemütlicher machen kann'. In den kleinen Städtchen find dir Synagogen-Lauten und Ein. richtnngeu über alle Maßen einfach. Rur in den größeren Städten ist »eben der Neinen heizbaren .Winterschnl' eine arüßere und besser ausgestattete ,Eo»meischui' zu finden. Ne Beter nehmen regen Anteil am Gebet und folgen mit Begeisterung nnd BerstLndmde« Vortrag eines guten Borderer«. In DUna kam am Vorabend de- Eimchas Tauroh» Festedie Begeisterung für de« Bortrag de» außergewöhnlich «tten Vorbetersogar in lautem Händeklatschen und Zuruf zum Ausdruck. Einfachheit und Prunklofigkeit in Synagoge und beim Gotte-dtenste ist das an-zeichnende Merkmal, ganz im Gegensatz zu der griechisch.katholilchen und römisch-katholischen Kirche, die durch das Bestreben fich gegenseitig in ihre« Einfluß auf die Bevölkerung zu überttiffen. fich überdielen in prunkvollen Gottes. Häusern und gold- und filderstrotzender Ausschmückung ihrer Gotte-Häuser. Der Geist der religiösen Einrichtungen ist den Jude, alle-, die äußere Kor» dagegen »ubedeutevd. Der religiöse Geist begletttt nun den Juden auder Sy» »agoge ins Haus und ins Leben. An der Art, wie fie ihre Gest« begehen, erkennt man den Wen de- Menschen. E» ist _ et» erhebender Anblick, wenn «an am Freitag Abend die Juden durch die eugen Straßen zn« Gotte-ßmse wandern »ud in den Neinen Stuben die Sobbottichter durch die Fenster leuchte» steht. Ein neue» zieht Vit de» Sabbat iu dir Jnde«goffe rin. Bizu» Kriege stad a« Sabbat nud Feier» tagen alle jüdischen Geschäfte und Betrieb« ausnahmslos geschloffen gewesen, der Krieg und die notwendigen Forderungen ber durchzteheude»Truppen haben hier etve UrvtetuugzuLegegcdrachr. Feier der Rnheiage bedeutet innigen Zula«menschluß der Familie. Her Aa«tAe»ß»». die Liede zu« eigenen Blute rst eine lebenspendende Wurzel de- Juden»«-. Frauen, deren Männer. Eltern, deren Söhne als russische Soldaten iu den Krieg gesogen find uud gefangen wurden, fanden «icht.Ruhe, bis fie oe» Aufenhalt ihrer Männer oder Kinder in Erfahrung gebracht uud ihaeu eiu Lebenszeichen gegeben oder von ihnen ein Lebenszeichen erhalten hatten. Wie Pietät gewahrt wird, habe ich an eine« ganz unmenschlich traurigen Falle kennen gelernt. Es war in Kalwarja: ich kam am Freilag Nachmittag in diese Elodt, die zum allergrößten Teile von de» Ruffen selbst in Braud geschossen und zerstün war. 8« Freitag Abend ging ich in di« kleine Belstude. in der die wenigen überlebenden oder zurückgebliebene» Juden fich versammelten. Am Schluffe de« Gotte-dieufies trat ein alter Manu von 75 Jahren mit einem kleinen Knaben von 4 Jahren an der Hand neben den Bor» beter und sprach de« Kind« das Kaddrfch für Trauernde Wort um Wort vor. kaum, daß dos kiod die Worte uachsprechen konnte, und lange dauerte diese- Gebet, aber atemlos und ohne dagenvgste Zeichen von Ungeduld stand die Gemeinde di« zu« Schluß. Dem Kind« war die Mutter durch eine russische Granate töttich verletzt worden uud war nach S Tagen ge» ftorden. der Knabe blieb mit zwei Neinen Schwestern bei feinem Großvater zurück. Ich habe ei» Mädchen von JO Jahren gesprochen, da« hundene von Kilometern zu Wagen, zu Fuß und zu Schiff zurücklegte, um allen Gefahren zu« Trotz die Leich« il res von de» Kosaken erschossenen uud auf dem Felde verscharrten Bater« aus einen jüdische» Friedhof zu dringen. Zum religiöse» Leben des Juden gehört die Wohltätigkeit: Do h l t i g ke i l an Lebenden. Wohltätigkeit au Toten. Nirgends fehlt e» a» Lltersheimen und Waisenhäusern. In größeren Städten finde» wir jüdische Krankenhäuser, die vorbildlich find durch ihre Einrichtungen. Wahrend der Jude iu seinem eigenen Her« eine auffallcrde Einfachheit zeigt, ist iu de» wohltätigen Stiftungen iu keiocr Werse gespart, um denen, die von der Sttstung Erdrauch machen wüfir», alle Annehmlichkeiten zu gewähren, gleichsam, al« wollte man ihnen durch solche BegueuUtchkeien über den Verlust des eigenen Heim« hinweg» helfen. Krankenpflegervcrerne, Gesellschaften zur Brotverteiluvg der Armen finden sich allenthalderr und haben, wenn fie nur die Mittel zur Tätigkeit fanden, eine segensreiche Bc> tättgong in dieser schweren Zeit des Krieges gezeitigt. Die .Herl,gen Vereine', die die Totendestattuug fich zur Ausgabe »ache«, find unermüdlich, di« durch ihr Alter ehrwürdigen Friedhöfe find sorgfältig gepflegt. Die Wohltätigkett durch Bargeldleistunge» stellt zumal rn der gegenwärtigen schweren Zeit an die rnsfischen Juden ganz ungeheure Forderungen. Es find »ir Fälle berichtet worden, wo einzelne, allerdings vermögende Juden, fich eine monatlich« Wohltättgkeil-berfteuer von 5000 Rudeln avferlegtev. Die Stadt DUna Hot 100000 jüdisch« Einwohner, und diese 100000 Jude» habe» «ouarelt»g 100000 jldrschr Fluchlinge bei fich ansgenommen und «*r de» Hungertod« bewahrt. (ll-ttse,. 3i« polnisch'jStzijchti Problem (Etue NoSeiilondersetzurtz aut den .Preislichen Jahrbüchern'). In den beiden letzten Heften der .Preußischen Jahrbücher' findet fich eine intereffante AuSeioavdersetzung über das polnischjüdische Problem zmischeu Herr« Vernarb Lauer, der den Standpunkt der polnisch'jndischen Asfimilanten vertritt, und Herrn Nachum G o l d m a n n. der die Sicherstellung de« national-kulturellen Rechte der polnischen Judenheit fordert. Wir geben i« Folgenden den Gedaukengang de« Goldmann scheu Aufsatzes wieder, der iu scharfer nnd präziser Weise die Gesicht»- puvkte formulien. die Deutschland veranlaffen muffen, die natt« nalen Rechte der polnischen Juden sicher zu stellen. Einleitend weift Golbmann darauf hm. daß Artikel wie die des Herrn Lauer irreführend seren. .denn fie treten mit de« Anspruch auf. Repräsentanten der Wünsche der Majorität der polnischen Judenheit zu sein, während ihre An'chauuogen iu Wahrheit von der übenvältigcnden Mehrheit derselben auis Schärfste abgelehnt und bekämpft werden." Die polnische Judenheit bildet einen geschlossenen und voll entwickelten nationalen Organismus und besitzt alle Merkmale eines solchen. Schon allein die Tatsache, daß von 1957000 Juden, die in Polen leben, im Jahre 1913 1942000 da« Iüdischdeutsche alihre Mutter- und Umgangssprache angaben, beweist auf Schlagendste ihren nationalen Charakter. (.Handbuch der polnischen Statistik'. Krakau 1915). Die Forderung de« Herrn Lauer, man sollte die Regelung der polnisch-jüdischen Frage allern den Polen üderlaffen. muß zurückgewiesen werden. Denn die Frage der nationaleu Existenz der aumerisch zweitstärkftcn Nation Polen« ist für die Zenlralwächre eine Sache von viel zu großer Bedeutung. alS baß fie auf ihre Mitbestimmung bei ibrer Regelung verzichten könnte». Es ist ferner fittlich nicht gerechtfertigt, der polnischen Judeuhert da« Recht zur nationalen Fortexistenz adzujprechen. da fie als existierende Rationalität auch da« sittliche Recht auf ihre Forlerhattuag besitzt. Aber auch da« politische Interesse Deutschlands gebietet die Erhaltung der jüdischen Ratton iu Polen. Da« Hauptinteresse, das Deutschland an der polnischen Frage besitzt, besteht vor allem darin, in Polen ein Bollwerk gegen Rußland zu schaffen und dieses Land, das jahrhundertelang dem westeuropäliche» Kulrutkreis aogehörte, wieder an Mittel, und Westeuropa anzugliedern. Deutschland hat mithin alles Interesse daran, diejenigen Bevülkerungsteile tn Polen zu stätkeo. von denen ein Widerstand gegen die innere Diederangliederung Polens an Mitteleuropa am wenigsten zu erwarten ist. Wer aber müßte diese Rcueindeziehung Polens in den mitteleuropäischen Kultutkreis freudiger begrüßen und unterstützen als die polnischen Juden? Denn abgesehen davon, daß fie von Rußland nicht« Gutes zu erwarten haben, kommt noch ihre Verwandtschaft mir dem Deutschtum hinzu, die durch die jüdisch-deutsche Sprache bedingt werde. .Und hieße es nicht mithin für die deutsche Politik, sich in« eigene Fleisch schneiden, wollte fie die polnischen Juden den Polen ausliefern, uud fich damit zwei Millionen treuer und sicherer Freunde entziehen?' Herr Goldman« wendet fich sodann gegen den Borwurf, der gegen ihn erhoben wurde, daß er die polnischen Juden germanisieren wolle, und betont, daß er ihre Gerwanifierung ebenso wenig wünsche wie die Polonifierung, vielmehr die Erhaltung der Juden alS Juden fordere, die eben im Jntereffe Deutschland« liege. Sodann tritt er dem immer wieder vor« gebrachten Argumente eutgegen, die Forterhaltung der polnischen Jude» als Ration werde den Friede» des Laubes untergraben, er »eist auf de» brutalen Egoismus hin. der fich in dieser Argumentation ausdrückt und forden von den Polen soviel GerechttgkeitSsinn. daß fie die Existenz der jüdischen Ration neben der ihrigen anerkennen und ihr das Recht auf da« Dasein nicht bestreiten; daun werde der Friede des Landes nicht bedroht sein. Hingegen würde der Versuch, die polnische Judenheit zur Aufgabe ibrer Rationalität zu zwingen, in Wahrheit den Frieden de« Landes untergraben, da diese naturgemäß mit aller Energie und Leidenschatt fich gegen solche Vergewaltigung wehre» würde. Nachdem der Artikel noch kurz darauf hirwerst. baß der außerordentlich scharfe polnifch-jüdische Gegensatz in erster Reihe die Folge der reaktionären ruffophilen polnischen Politik der letzten Jahre sei und mit de« Zusammenbruch dieser Politik in diesem Kriege schwinden muffe, schließt er mit folgenden Sätze»: .Die Lösung des polnisch-jüdischen Problems durch die Anerkennung und Sicherstellung der polnischen Juden al« Ration ohne irgend welche An der Germanisierunq ist die einzig mögliche und ftuchrbringende. Sie gibt beiden Parteien das. waS sie fordern dürfen: den Juden da« Recht zur Fortexistenz. den Polen olc Anerkennung de« vorherrschenden politischen Charakter« diese« Landes. Für Deutschland aber ist diese Lösung darum vog größtem Nutzen, weil fie ihm in den Jude« sichere und treue Freunde und zuverlässige Wahrer der Lande gibt, die Polen in Zukunft mit Mitteleuropa verbinden sollen.' _ Worscha» (Statistik der N«gangsf»roche.) Hin werden jetzt Vorbereitungen getroffen, eine allgemeine Volkszählung durchzuführen. DaS Zeotralbureau der jüdischen proftsfiooelle» Dernne. da« zwölf Vereine mit etwa 10000 jüdischen Arbeitern vereinigt, bat rn dieser Frage folgende Resolution gefaßt: In Andeirachtß der ungebeuren Wichtigkeit der wahrheitsgemäßen Angaben feiten« det jüdische» Bevölkerung hiufichtlich der Umgangssprach« erscheint eS al« durchaus notwendig, auf die jüdische» Lolksmaffen. die sich der jiddischen Umgangssprache bedienen, einznwirken. dies bei der Lolkszählung zu dokumentieren. v« vtrdrtitmlgrireir d» jidisch-taitlcheii Dmltfts. Erft ar« Keldpnftbrilsen. Beiordnungen und Prok>amalioncu höherer rrupprnfihnr Hai die groß« Orssrutiichkril in Deutsch, lanä erfahren, eine» wie großen Brrbreitongsbezirk die deutsche Sprache iw westliche» Rußland dad»ich Hai, daß fich die dartigk jüdische Bevölkerung heule wie seit Jahrhunderte» ihrer all Muttersprache bedient. Die wlttschastiiche Bedeutung dieser Tatsache war drnen, die nach dem Osten Handel lrieben, längst bekannt uud mit den deutsche» Exporlintereften eng verknüpft. Wie weit der Sprachgemeinschaft — oder- Berwandichast — — po'.istfche Bedeutung für die Zukunft inkommt, läßt fich heule nnr nicht gang übersehen. Geboren scheint es aber, die «luimerkiamkeil zunächst aus die latsüchlichen Berhällnifie hiazulenken. nicht nur wegen der Vorgänge im Osten sondern auch im Hinblick nur die Reichweite und Einfiußzone de« Deutschen im künftigen Wettkamps der «eltsprache» . Da« von den Oftiuden gesprochene Idiom ist ein oberdeutscher Dralekt. Jargon, auch Ziddisch genanni. Mil der großen Wanderd-wegung der Juden infolge der Bers.lgangen in 14. und 15. Zah,hundert verpflanzte fich die Mundart van den damaligen Wohnsitzen im Rhein- und Maingebikl nach den Ländern der polnstchen Herrscher. Die Äninah ne slawischer und hebräischer Brocken in den Sorttchatz hat UN ihrem deutschen Krundcharakler ebensowenig geändert wie die IonSereutwicklung. die fie in'olgc jahrhundertelanger »bgeichlostenhcil nehmen mußte. Lre Hai auch noch zahlreiche Bestandteile de« Mittelhochdeutschen bewahrt, die dem heultgcn Schrijldeulsch »erloicn gegangen find, trür die Zwecke de« mündliche» Verkehr« ist dem Hoch, deutschen, zumal dem Norddeutschen da« polnische .Dailsch' leichter nerständlich als das alemannische-,Dielsch' am Oberrhein und Bodensec. Da 87 Prozenl der im wcstrusfiichen Snfiedlungsrayo» icbcndea südlichen Bevölkerung jüdisch-deulich als Multersprache ongeden. läßt fich berechnen, daß in Polen («eichselgouvernemenis) l.7 Millionen, in Liltauen 1.8 in Wolhynien und Podolien über 2 Millionen Menschen leben, die man deutsch aniprechen kann, um verstanden zu werden uud verständliche Snslnns, zu erhallen. Die Wand-rbewegung der leßlen Zahrzchn'e Hai die Mundart sowohl nach der Levanle wie nach der neuen Well geführt. Ja den Bereinigten Staaten leben allein 2.4 llllillionen südliche Einwanderer, die ihrer Muttersprache treu geblieben find und in ihr eine zahlreiche Buch- und Zeilnngrlileratur ualcrhallcn. Die lsid-ische Sprach« in Amerika. 3b »er Kerlammkuug »er N«hkt«tlgteils>chesellsch»lte» i» Mitwantee Kam es zu Kuseinander/etznnge». Am 21. November kam es in Ser Versammlung der .Federated Jewijtz Charities', welche im Vestry Zimmer deS Tempels B'ne I esh u ru n stattfand, zu ziemlich erregten Ausemandetfetzungen. als Rabbiner EharleS Levy dafür eintrat, daß die yiddciche Sprache nicht weiter gelehrt werden lolle. sondern ruhig uussrerbm könne. Die hiesigen Juden wollen nämlich von dem Schulrat die Erlaubnis haben, in der neben dem Abraham Lineal« #au« an der Neunten Straße gelegenen öffentlichen Schule an Sonntagen Unterricht in der yiddischen Sprache und der jüdischen Geschichte erteilen zu dürfen und kam es hierüber zu der oben erwähnten Aeußcrung deS Rabbiner« Levy. Herr Levy sagte etwa da« folgende: ,Eö würde wohl die unrichtigste Bewegung sein, die irgend ciae jüdijHe Gesellschaft machen könnte, wenn sie sich der Erhaltung der jüdischen Sprache angelegen sein ließe und diese gar öffentlich weiter lehren würde. Je eher diele Sprache anssurdi, je Vesser wäre es für die Juden in Ametika. Sie ist überhaupt von keinem Nutzen, schon wnl fie gar keine Gramm itif und fernen geschichtlichen Wert hat. Sic ist auch mehr als alles ander.' gegen den Amerikanismus gerichtet. soll»e das Komitee, welches die genannte Schule für diesen Zweck erlange» will, Erfolg haben, so würden dadurch die guten Beziebunzen oe« Staate« zur Religion gefährdet werden.' Kanm, daß Herr Levy seine Rede beendet hatte, fprang Herr MoriS Stern a ui, chm zu antworten. Herr Stern ist ein Mitg lie d des Schulrates und er meinte, daß er keine Gefahr darin sehe, wenn eine Anzahl Juden diese Schule für den Zweck der Fortvildung et 'ige Stunden in der Woche benutze. Herr Stern selbst war am Sonntag morgen in der Schule uuv er hqbe dort nichts gesehen und gehört, welches hätte beanstandet werde« tollen. Rach Herrn Stern sprach noch Raddiner Sam u c l H i r j cd b e r g, welcher auch gegen oie Anncht de« Rabbmers Leoy sprach. Schließlich wurde^der Präsident ersucht, das Komitee zu beauftragen, vor dem Schulrat zu ericheinen um mit diesem die Angelegenheit zu erledigen. Herr Robert Heß, ein Mitglied deS Komitees, welches den Schulrat be'uchc-: toll, mriate noch daß ein Jude, welcher ein guter Amenkaoer werten will, erst crumal vor sich selbst Achtung haben muß. Er muß daher die Gesckrchle seines Volkes Kennen und d.ffen Sprache. Mi: der Religisn hat die ganze Sache ubcrbaupt nichts z. ntn. Lpatcr wurde dan« zur Bcaiutcuwahl geichrrtten uud wurden alle ftützere« Beamten mit lebhafter Zustimmung wieder gewählt, nämlich: Pr.indent —- H Saltzsteiu. Vizepräsident — Rathau Gltcksmann. Schatzmeister — I. ,n. Rewman. Protokoll. Sekretär - R. M. Heller. Finanziekretär — Äax Freschl. Das Direktorium besteht aus Frau Simon Kander. Charles Fttend. E- D. Adler, Rat. Stonc. Arthur Polascheck Morn« St,ui. Frau E. M. Phillips. Henry Gollusch. Rabbis Samuel Hirschberg. Levi uud Schktn'eld Aue den Berichten geht hervor, daß das letzte Jahr sehr errolgrerch gewesen ist. Es wurden nicht weniger als M. 21.019 «ngesammelt. Herr Morris B. Hext er, Superintendent der Affocrauon verlas die oerschieoeaen Vcrrchte der Hilfsgeielltchaiten. Hi» jtdisch-denttche, Mörlertuch mit Velück^ichttguug der viel gedr«uchte» hebräischen, poluiichen und ruffischen Wörter wrr) der Geheime Konfistanalrat Proseffor Dr Hermann L. vtrack m Berlin herausgeben. Das Jüdiich-Deutsche ober Jiddische von wehr ,ls s«h4 Mtlionc» «e>schen in Polen und westlichen Rußlo.ld gesprochen, hat seit de« siebzehnten Jahrhu«dert eme beachteiswerte Ltteratur entwickelt, und dennoch M es für das Lerstantzm, dieser Sprache kein ueur» ausrnchendes Hrffs«,nel. «,t großer Mühe bat Professor fctrorf den Wortschatz aus Büchern und Zeitungen gesammelt.

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