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Jüdische Volkszeitung · 1915-06-04 · 23 (4.6.1915) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
21 (1915)
Issue
23 (4.6.1915)
Date
1915-06-04
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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volkjtit»»-. Br. 23 Vom Kriegsschauplatz. Brttkn, dt, 4 3 mit (9(5. $M, htdi, >»d Ms )»-tI>L-cht». k«n f<r «»brrühmt« ichuxdischr §orfd)un jlrtifnib«, hat auf Wnlabuna der d«,Ische» Hcerelletvnig die Krirg«. schauplatze im Lesteu W»d Lfte» desutl. Aaigeude Episode au« diese« Besuche, die sich i» Lotdtzieje iltzauoeriemeut Sumalki) abspielke, erzählt der Kriegtderichterfiatter der .Basfischea Indern Vorbei,-, alt w bei« Kr ühstück saßen und standen, kamen di« Besitzer unsere« Quartier«, die vor vier Togen au« Furcht ®tt eire« Ltroßer.kampfe geflohen »aren. Sie stapften durch all de» herumgeworfenen. zertretenen Kram, durch den engen, winkligen Klur, in den kleinen Kaufladen und ans de» Boden, wo ein giößerer Posten Krptergeschirr stand, ES waren Juden. Dir hatttu e« schon em Türpfosten gesehen, an dem eia Helle« Clreifchen die Stelle zeigte, an veuhe der Bibelspruch angehestei gewesen war. Ei» hagerer, jüngerer Mann, seine Krau und ei» junge« Mütchen in eine» kurzen engen Rock und abgetragenen Mantel. Ueber den Mantel hingen zwei »ohlgepflegte, blonde Zöpfe herab, al« Kopfbedeckung diente ihr ein dreizipfeltge« Tuch, wie e« auch die polnischen Frawen tragen. Sie fragte wich, ob wir die Wohnung auch in diesem Zustande vorgesundev Hütten. Ich bejahte und sagte ihr, -aß unsere Truppen kozdzieje erst gestern ^erowme» und sicher keine Zeit gehabt Hütten, die Wohnung ans de» Kopf z» stellen. Ohne Zweifel hätten die Ruffen ihr« Abwesenheit dazu benutzt. Darauf fragte ste. ob e« wahr sei. Laß die Rosten Ihre Riederlaae wieder an de» Anden auslasten würden. Eie hätten scho» hie und da die polnische Bevölkeruvg zu Pogromen ausgehetzt. Sie nannte einige Ortsna« e» und die Zahl der »erübten Morde und Grania« keitrn. >os ihre« jungen. Nagen Gesicht stand deutlich die Sorge »or solchen Greuel», fall« die Rüsten wiederkehren sollte». Ob da« anzunehmen fei. »der ob sie die Eltern und di« mitgenommene Habe wieder Herdringen könnten. Ich sprach polnisch mit ihr. ein Kollege deutsch, und Sven Hedin russisch. Er bctrochtete da« Mädchen mit de« gleichen Raturfolscherdlick. mi» dem er am Abend die Europäer i« Stroh angeschaut hatte. Da- Mädchen wer von eigenartige« Reiz, nicht so sehr i« Sinne eine« friedensmäßige» oder kriegerische» Flirt«', so»dern e« loa eine Lieblichkeit ,nd Reinheit i» ihrem Gesicht, die 4d) schon öfter bei Mädchen »nd Kraue» der frommen Juden hier .i» Polen sah. und die mich immer an alttestamentliche J«dengeftalten erianert. Ich sah den Ausdruck bei der Tochter eine« Getreidehändler« in Suwalki, der der Frau eine« kleine» Buchhändler«, deren Mann i» Kriege ist und die mit schwerer Rot zu kämpfen hat. Run hier. Die Juden in Rußland habe» ein »iel härtere« Los al« die in »nsereu Graßstädten. Aber um ebenso viel scheint mir ihr Leb« ernsthafter und menschlich bedeutender, al« rin Leben io Luxus; äußerlich ärmer, innerlich reicher. Die Gesichter reden z» deutlich davon, al« daß »an es übersehen könnte. Aber freilich sieht jemand die Schönheit eine« solchen Mädchengeficht« nicht, der nur da« Geschlechtswesen i« Weibe sieht. E« war nur zur Hälfte weiblich« Schdaheit, zur anderen Hälfte der Charme der Gerfönttchkktt. Man muß da« ganze Geschöpf mit der Lied« de« Künstler« und Forscher« bettachteu. wir e« der schwedische Afieuforsrher tat. Ich werde da« Bild nicht leicht vergeffei.: der weltberühmte Mauo und da« blutjunge Ding, -»«errötete, die Hauptstadt van Schwebe» nicht zu wiffen, ober gut die Karte ih/er Heimai stsen konnte. und in de« enge, zerzausten Stübchen die ungewohnte Unterhaltung mit eiue» Takt führte, der einer Dame i« Seidenkleid gut zu Gesicht gestanden hätte. Rnfclaiiö. Z>i« uns,gre»zte Kea»te»»tlß«r und die noch unbegrenztere Sattopenwittsckaft in Rußland können am besten duich aklenmäßig festgestellte Vorfälle beleuchtet werden: Ende August meldete sich der Angestellte der Gegenseitigen Kreditgesellscdaft in Mobilew.Potolsk S. Lb. al« Freiwilliger und wurde nach deendeter Ausbildung au die Front geschickt. I» Febiuar «hielt er die Aufforderung, sich bei de« Rekrutierung«, amt al« dienstpflichtig zu stellen. Er konnte natürlich schon dcrhalb der Aufforderung nicht Nachkommen, weil er irgendwo io den Karparhcn kämpfte. Sein Baker meldete de» Fall dem Vorsitzenden drr Mrlrtärkommiifion. der auch gleichzeitig verwnltungemitglied der Gegenseitigen Kreditgesellschast in Potolsk ist und dem tekanvt fein mußte, daß der Eh. längst in den Reihen ber Kämpfenden stand. Dieser Man» aber hatte die Stirn. so zu lun. als wüßte er nicht«, ließ sich auch »icht über« zeugen und legte de» Vater die gesetzlich bestimmte Geldstrafe von dreihundert Rudeln auf. Der arme Jude konnte natürlich da« Gilb nickt zahlen »ud wurde eingespern. Er hätte wahrichrinlich die ganze Firihensstrafe von sechs Monaten Verbüßen müssen, wenn nicht zufällig noch etwa zwei Monate» die Rach, ncht bei den ffltctn eingetroffen wäre, und zwar Von der La. zaiettbeböide, daß ihr Sohn schwer Verwundet worden sei und. da keine Aussicht aus Genesung bestände nochmals die Eltern Wiedersehen möchte. Es mußte zuerst für den Vater beim Gouverneur um Entlastung au« de« Gefängnis nachgesucht wert,», uas der der Langsamkeit des russischen GerichtSvern fohrevs recht geraume Zeit in Anspruch nah». Und al« dann Ichtteßlicti die Eltern da« Krankenbett des verwundeten Sohnes cireicklen fanden sie ihn — als Leiche. Sogar die „Rowoje Wien,ja*. der man rrahrfcheinlich nicht nachsagen kann, siede, günstige die Juden, bot diesen Fall ausführlich berichtet und die Regierung nicht i ur wegen diese« Einzelfalleß getadelt, sondern im allgemeinen strenge Kritik geübt, daß die Militärbchörde so unnachsichtig »ob ohne Mitleid anch in aaderen Fällen vorgehe. 000 A»be« •«» Warschau a»»ge»i^e». (Rach rusfi. schen Meldungen). Aus Anordnung der Militärbehörde wurde ihnen verboten, in den benachbarten Gouvernement« Bialystok. K owno. Grobno. vrlna ihren Wohnsitz zu nehme». Sie sollen in« Innere Rußland«gebracht werde». 140 Juden »nd 40 Polen wurden noch Sibirien, verschickt, veil sie de« Srnverstar.dmffe« mit den Deutschen verdächtig waren. Die pat»tsch, Krage an» die .Neöe» Z,be»' de» Aare». Der stet« gut unterrichtete Berichterstatter de« .Petit Parifien *, Elaude Luet, der »och kürzlich vom russischen Kriegsminister zu verschiedentlichen Veröffentlichungen ermächtigt war. schreibt im ,Petit Parifien* vom 26. Mai sogende« au« Petersburg: .Die Versprechungen, die bei Beginn deS Kriege« der Groß, first Nikolai Ritolajewnsch den Polen gcmacht hat. werden noch vor Bee»diguag de« Kriege« durch ein von der Duma zu beschließende« Gesetz eingelöst werden. An der Zwischenzeit find jedoch bereit« Maßnahmcv getroffen, die den Uebergang in die neue» Verhältuiffe erleichtern sollen. Vor allen Dingen ist der Gebrauch der polnischen Sprache amtlich anerkannt worden, auch find polnische Schulen eröffnet. Ferner ist den Städten da« Recht z»erkaont. ihre Magistrate zu wählen, wobei Vorsorge getroffen ist. daß eine polrische Mehrheit stetvorhanden ist. Hierbei ist die schwierige Judenfrage sehr ge» schickt gelöst. Bekanvtlich find in Polen zahlreiche Jude» angeseffe». die in den großen Städten, namentlich aber in Warschau, die Mehrheit besitzen. Die Polen find jedoch nicht judevsreundlich und sehen mit Mißvergnügen eine jüdische Mchrheit in den Magistraten der großen Städte. Die russische Regirrbng nun. die jedenfalls auch nicht in dem Verdacht steht, eine besondere Zärtlichkeit für die Juden zu empfinden, Hot mit großer Geschicklichkeit e« verstanden, ihre hergebrachte Iudenpolitck mir de« polnischen Sympathien in Einklang zu drioge». Sie hat nämlich entschieden, daß die Juden in den Städten, in denen sie tte Mehrheit haben, nur zwei Fünftel der Stimmen, auf die sie sonst Anspruch hätten, haben sollen, und daß somit auf alle Fälle die polnische Mehrheit gesichert ist. Durch diesen geschickten Schachzug hat sich die Regierung unter Leiseitesetzung jeder Erwägung des Recht« und der G,' rechtigkeit die polnischen Sympathien erworben.* Man beachte, daß cs ein Franzose ist. der so über die innere Politik de« verbündeten Rußland« urteilt, von jeher hat der Zari«. mu« schonungslos ein Volk gegen das andere ausgespielt, um sich in der Herrschaft zu erhalten. Kusse, dema»ssriere« gege» die Kegtnmng für A»de». Die Regierung hat den Juden Moskaus, welche einen Sammeltag für krieg-notleidend« polnische Juden abhielten, verboten, auch Christen um Spenden anzugehen. — Run wird au« Moskau gemeldet, daß zahlreiche Christen in demonstrativer Weife selbst auf der Straße gespendet oder mittel« Post erhebliche Summen gespendet haben. Kerf«sg»»g a»1ise»itischer Aett»»ge». Londoner Blätter erzählen, dag der Wrlnaer Gouverneur die .Rußkaja Znamja* und »Temfchziva* wegen Ritualmordhehcn (?) unterdrückt hat. Die rmsssstße Zeitung .Rowl Doschod*. die einen uie zensierten Artikel Teilnahme der Juden am Kriege veröffentlichte, wurde^c^ffr mit 2000 Rubel bestraft, bei Nichtbezahlung muß tzdr Redakteur 6 Monate abfitzen. 8chr«k»sh«rr1chast drr S>ß«n I« Sallji««- Knjßtche Gre«et 1» Wata Mich»»». Arme, traurige Juden schleichen durch die verheerte Gaffe. Häuser ohne Dach. Dachftöhle ohne Maser«. Da noch rin Bett «nd eia Tisch, worauf russische Soldaten schliefen und speisten, bi« eine Granate in da« Han« einschlug und im Rn den Lebenden zum Toten, da« Hau« zum Schutthaufen verwandelte. Am meisten verwüstet ist die Synagoge, die zu einem Stall für Kosakenpferde während der ganzen Ruffevzeit vmgestaltet war. Bevor sie abrückten, steckten die Russen da« Bethau« in Brand, wie e« denn überhaupt kein einzige« Judenhau« i« Dorf gibt, da« unsersehn geblieben wäre. 18 jüdische Familien waren in Dolamichowa verblieben, weil sie nicht «ehr Muße fanden, vor dem Einzug der Rüsten zu eulstichen. Diese Aermsten können von nicht« anderem sprechen, als von dem Leid, das sie zu ertragen hatten. Die Rüsten kamen und e« war ihr erste«, den Juden die Kühe und Pferde abzunrhmen und in den Etappenraum nach röckwärt« zu treiben. Der Cynagogendtener allein konnte sei» magere« Köhlci» retten. Auch da« nur dadurch, daß er es in feiner Wohnstube verbarg. Pinka« Horovitz, der neunzigjährige Rabbiner, ein Mitglied der in ganz Galizien berühmten Radbinerfamilie. na Verwandter de« Hamburger Rabbiner«, wurde samt seinem Weib au« seiner Wohnung gepeitscht. In filchtbarem Frost mußte er i« Freien nächtigen. Er undseineFrau erkrankten a» Lungenentzündung. Am folgenden Morgen wurde ihnen gestattet, bei dem Synagogendiener Unterschlupf zu suchen. Zn einer Ecke ber armseligen Stube de« Synagogendieners stand dieKuh, in der anderen lag das kranke Rabbiunpaar. Drei Tage später starbe» beide in einer Stunde, sozusagen in einer Minute. nebeneinander. Um Totenhemden für sie zu nähen, mußte Leinwand von den Bauern gekauft werden, da ihre Toteogcgewänder (die ftommen Juden halten solche stets bereit) von den Kosaken au« ihrn znschlagenen, verheerten Wohnung hinausgeworfen worben waren. Uuter dem Hohn und Spott der Ruffen wurden die beidea Leichen zur ewigen Ruhe bestattet. Um wenigsten« an einander einigen Schutz zu finden, bezogen später alle jüdische» Familien eine gemeinschaftliche Wohnung in einem einzigen Hause. E« war ihnen verboten, die Straße zu detreten, nnb abends durften sie kein Licht in der Wohnung haben. «Allabendlich erschienen die Kosaken bei ihnen und prügelten sie. — .Es ist unglaublich, was wir alle« zu leiden hotten!* — sage« sie alle seufzend au«. Eine Woche nach dem Einzug der Ruffen traten vier Kosaken in die gemeinsame Dohnstube der jüdischen Familien ein. just al« diese das Abendgebet verrichteten. Die Kosaken fielen mit Nagaikahiebeu über die Juden her. prügelten sie alle blutig, ichnitten den Männern die Bärte und die Schmachtlocken, den Mädchen die Haare ab. Al« während dieser Prozedur ein alter Jude sei» Gebet weiterstammelte, herrschte ihn ein Ko^ak an. wa« er da noch zu sagen hatte. Der Jude antwortete, er habe bloß sein Gebet fortgesetzt. Die Rüsten warfen ihn zu Boden und traten ihn mit Füßen. Auch die Bauern hatten viel zu leiden. Auch sie wurden aus ihren Wohnungen venneben, auch ihren wurde Vieh und Pferde abgenommen. Der Gea'eiuderichter wurde auf offener Straße gepeitscht. »eil er sich geweigert halte, den Ruffen die Gebirg«. pfade zu zeigen. Bi« nach Sanok hinauf läßt sich eine unheimliche Reihe blutiger Grausamkeite» der russischen Truppen verzeichnen. In dem Dorfe Zalu« bei Sanok wurden die ^ude» blutig gepeitscht, weil sie sich weigerten, für den Zar zu beten. Ein siebzigjähriger Jude namens Mechel Spechen ist von den Ruffen einige Stunden vor ihrem Abzug lebendig begraben worden, und sein Schwiegersohn mußte Zeuge dieser Entsetzlichkeit sein. Und al« diese Prozedur zu Ende war. wurde der Schwiegersohn aufgeknüpft. In Sziagut bei Sanok wurde der 84jährige Schaje Lustig, weil man einen Spion in ihm vermutete, niedergemetzell. seiner Frau wurde da« rechte Ohr und die eine Wange abgeschnitlen. Die unglückliche Greisin erlag ihren Verletzungen. In Sanok selbst blieb die hübsche Hauptgaffe ziemlich unversehrt. Hier hatten die Rusieu in einem Eckhause ihr Proviantmagazin. Diese- Haus allein wurde vor ihrem Abzug in Brand gesteckt. Drei jüdische Bürger. Mandel Feld. Bernhard Roth und Herz Langsham schleppten sie aber mit sich und ließen die Botschaft zurück, daß die drei, wenn den Ruffea auf ihrem Rückzug eine Niederlage widerfahren sollte, unbedingt hingerichtct werden. Ein Ehepaar wurde in Sanok niedergemetzell. weil es sich den Kosaken, die sein Geld rauben wollten, zu widersetzen wagte. Zn allen diesen Ortschaften «erden jetzt die von den Ruff?» begangenen Grausamkeilen durch behördliche Organe protokollarisch festgestellt. Aie Kusse»-errschaft t» Z>»kta. Das nunmehr befreite Dukla Hane fünf Monate lang die unerträgliche Ruffenherrschaft zu erdulden. Hier war das Hauptquartier de« 12. russischen Armeekorps. Wie überall. Hanen auch hier die Juden am meiste» zu leiden. Allerdings haben die meisten jüdischen Famitten Dukla noch rechtzeitig, kurz vor dem Einmarsch der Ruffea. verlassen können, und e« blieben im ganzen 40—50 -rare Juden zurück, welche keine Zeit mehr fanden, rechtzeitig zu fliehen. Diese jüdischen Familie» konnten eine Fahrgelegenheit nicht mehr erwiscben. und io waren sie die unfreiwilligen Gastgeber der Ruffen während fünf Monaten. Aus den Erzählungen der in der Stadt gebliebenen Juden geht hervor, daß im Jauuar — al« die Ruffen ihre Stellungen in den Karpathen bezogen — eine Unmaffe russischen Militär« die Stadt passierte. E« mochten 80.000 bi« 100.000 gewesen sein. Da« waren böse Zeichen. Die Ruffen plünderten die Geschäfte, wenn sie einem Juden auf der Straße begegneten, ohrfeigten sie ihn ohne jeden Anlaß, beraubten ihn seiner Habseliqkeiten und hatten da« System, jedem Juden mit einer Rute aus die Waden zu klopfen. Und wenn sie wahrvahmen, daß der Jude Röhrenstiefel trug, so wurden sie ihm sofort auf der Straße ausgez»gen und weg« genommen. Eine« Tages kam ein großer Gast nach Dukla. Eö war der Herzog von Oldenburg, ein Schwager des Zaren. Während Teinrr Anwesenheit durfte sich kein Jude auf der Straße zeigen. Al« die Unsrrgen die Stadt erreichten, war der Kommandant des rüsfischen 12. Armeekorps General Ljeich. gerade im Begriffe, selbst zu flüchten. Es wäre ihm auch gelungen, zu entkommen, wenn die Juden nicht ihm und seinem Stabe durch schleunig errichtete Barrikaden den Weg versperrt hätten. Auf solche Weise wurde General Ljesch von den ihn verfolgenden verbündeten Soldaten gesangengcnommen. Unbeschreiblich war der Jubel, mit dem die Juden die ia Dukla emmarschierenden oerbüodetea Truppen begrüßt habe». Sabagöra Wegen angeblichen Verrats haben die Ruffen die 70 ältesten Juden von Sadagora nach Rußland weggeschleppt. Die Deranlaffung zu dieser Gewalttal bot die Auffindung eines Fernsprechapparalcö und das erfolgreiche Feuer unserer Artillerie. )n Schipenitza wurden wegen Begünstigung und Benachrichtigung unserer Truppen 132 Häuser nicdergebrannt und der Ort furchtbar geplündert. Italien. Herr Ka«»i«o — der A«gtiüa»er. Die Geschichte wird für den schändlichen Treubruch. den Italien an seinen Verbündeten schnöden Geldes wegen begangen hat. in erster Linie den Minister der auswärtigen Angelegenheiten im Kabinett Salandra. Baron Sidney Sonnino, verantwartlich machen. Er har sein Vaterland, allen Geboten der Pflicht und der Ehre zuwider, an England verkauft, und seine Handlungsweise (st gewiß auf feine alte, längst bekannte Hinneigung zum Reiche der Briten zurückzuführen. Eine Hinneigung, die sich durch seine Herkunft und Abstammung erklärt. .Sydney* — ein eigentümlicher Vorname für einen Sohn der italienischen Erve, nicht wahr? Er verrät, daß der Lenker der auswärtiger Politik Italienkein Bollblut-Jtalleuer ist. Die Voifahren des Miuifter« kamen aus Egypten nach Italien und entlehnten ihren Romen vermutlich dem Städtchen Sonnino in der Nähe Roms, dem Gebmtsorte des Kardinals Autouclli, dc« allmächtigen Staatssekretärs des Papstes Piu« IX. Des Ministers Vater war mosaischen Glaubens und Bankier in Livorno, seine Mutter aber. Georgine Terry, war Engländerin und Protestantin. Lei seiner Geburt erhielt er den Namen .Isacco*. dann aber trat er zur Religion seiner Mutter, d. h. zur anglikanischen Landeskirche Englands, über und nahm den Vornamen .Sidney* an. Seinem Glauben nach ist also Baron Sidney Sonnino (der Baronstitel stammt aus dem Jahre ) 8IK) ein Engländer, ein Anglikaner. Kein Wunder, daß er sich den Wünschen Englands, seines .Mutterlandes*, so willfährig zeigte. ' _ England. 3r|uubrui| der $tf>u|(ntu Di« cnglische Regierung hat dre Bitte des englischen Board of Dcputies. den öfter.-ung. und deutschen jüdischen Jmerviekten Koscherfleisch zu liefern adgelehnt. König Eearg »tcr K-ttzschikd. In der Jahresversammlung des Hospital Fonds wurde eine Sdreffe de« Königs verlesen. worin er den verstorbenen Lord Rothschild betrauert. Er habe auf Wunsch Eduard VH., Lord Rothschild zum Schatzmeistcr de« Hospital-Fonds gemacht. Der Fond, wie ganz England haben in Rothschild .einen guten Ratgeber, einen unermüdlichen Arbeirir für die Jntcreffen der öffentlichen Wohlfahrt verloren.' Katassina de» Inden Die .United SynagogueS* haben eine Reiolurion gefaßt, daß den russischen Juden Gleichberechtigung erteilt und daß Palästina den Juden emgnäumt werde.

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