Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- 6 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tu. 6 Jüdische Frauenzettung. Br«io«, den 5. Ztbeuar 191». «m »Znhrerdilanj der dentschen Zranen." vsa Aa»,y v»h». Hinter uns liegt non daadgeschlosse,» Jahr ü>U. Wir haben die Erträgnisse, die Ausgadro. sorgfältig gebuchi imö find in flrchtt als vollwichtige Gläubiger eingetragen. Wer ist nun unser Hsnptfchuldner 1 Eicherlich rumint das Jahr 1914 den gid§'?n Rann in nnfrrpi Hauptbuch« ein. Äs har. an alten Schäden unverbrüchlich festholtend. die Debet leite stark belastet. Vit Rückzahlungen ist es sehr säumig gewelen. Es hat stets neue Schuldcu gemacht ohne um die Abtragung d r alten sich sonderlich zu bemühen. Wir find diesem säumigen Schuldner ge-eaüter sehr nachfihte« volle Gläubiger gewesen. Wir haben ihm weder den Kredit unter, bnadeu noch ihn gemahnt. Allerdings habe» wir feste Liegrn. schoflen a'S Pfaadobjckte erworben. Diese Li^tnschaften. obwohl noch nicht materiell beglaubigt, werden nichtDdcstowenigcr ihren Wert behaupten und später noch eine Pn-ßeigerung erfahren. Große- Anforderungen find von fisten unsercs Hauptgläubigeran uns gestellt worden. Vir wären genötigt, ihm einen ausgiebigen Kredit zn eröffnen, stets neue Summen her., zugebcn. Unsere Umsätze in Naturalien, i» der TeM-Industlie. im Konfektion»« lind Wäschegeschäft waren bed-.ulenb. Ws neuen 8rtifrl haben mir uns handgestrickle Bedarfgegenstände zngelegt. die reißende, Absatz fanden. und nach bene« die Nachfrage iu steter Steigerung sich befindet. Der Krieg vermittttte uns onle Aufträge. Bald hauen wir mir unfern Reserven geräumt, und wir waren zu größere« Anschaffungen genötigt. - Doch wurde uus die Genugtuung zuteil, luftige Kräfte zu erhalten. die den an fie gestellten Avforderrmgrr, vollständig gewachsen waren. Unsere jüdischen Schwestern stellten ein starke« Kanlingcot zu diesen Hilfskräften dar und auch o gau saiorisch leistete« fie «uftcrgiltiges. Es wurden Naturalien an Not» leidende geliefert; an die Familie, der Feldgrauen, Witwen and Waisen wurden vcrforgr. Den heldenhaften Kämpfern a, der Frout sandte« wir WmteranSrüstnngen in Wolle. Leiren. Tuch. fanden Be. schenrngen zum Feste statt, an denen Männer. Flauen, Kinder. Flüchtlinge von außrihalb, sowie diejenigen rcilkalteo. welche den frenu Berufen avgehöttn. Woh»ungen. Mittagstischc; Lesehallen mit Frei-Tee. wurden ebenfalls de» Künstlern, sonne verwandten Berufen zugänglich. .Credo, qoia, absardam est*. lautete der Wahlspruch deS Tertullian. Wir Frauen baden eingesehen, daß der^ feste Zug, die Einheitlichkeit im Handeln — ,nm Ziele "führt. Der Nationale Frauendienst hai/während der abgelaufcnen fünf Monate des Weltkrieges volle Arbeit getan. Nicht rastend, nicht erlahmend; opferwillig bis zum äußersten — angesichts der großen, üderwäitigendeu Leistungen unseres Heeres — war « selbstverständlich, daß Frauen aus allen Schichteu des deutschen Volke« ihr Vollen in T a t umsetzten. Die deutsche Frau hat nmlermn muffen; auch wir, die wir inmitten der Frauenbewegung stehen, haben viel Neues hnizugelernl. Wir haben eingesehen. daß die alten Frauealugeuden: Opftrwiile, Güte. Pstegebereitschaft. Mütterlichkeit. — unS nicht abhanden gekommen st »d. jonderi. als kräftig sprudelnder Quell von größter Reinheit in uns leben und hrrvortreten. »obald der gegebene Äugen» bfick da ist. Die Bilanz ist. nach Feststellung dc» JnventolS, für unser .Haben* nicht ungünstig ausgefallen. Der Uederschuß der Äkttveu über die Pa'fiven ist zwar nicht erheblich, jedoch vorhanden. sodaß für da« nächste Geschäftsjahr ein Saldo übernommen wird, der zu einem gedeihlichen Anfang völlig ausreichend ist. Die Frau der Gegenwart — die denkende und handelnde Frau — rft ein von lautersten Motiven dnrchnänkl.S Wesen. Äualoq dcm Wahlspruch des Milindaftauha. der lautet: .Tue niemandem unrecht, lebe in der Wttt, ersüllt von Luhe und Güte.* So hat die F,au unserer Zeit und ganz besonders die Frau deutscher Nationalität, den Drang, recht viel Gutes zu wiiken. Nicht nur ihren Schwestern gegenüber, nein, auch gegen ftdermann. Sie will Geltung und Leben»möglichkeit unverkürzt genießen, n«. mit diesen Gerechtsamen ausgrftaltct. das Ge« Seihen, das Wohl und die Veredlung ihrer Mitmenschen fördern zu dürfe«. Eie will die kemmendeu Grneraliorcu hinauf» züchten, hinaufcrzi.hen Helsen, um so dem Baicrlande mit allen ihr innewohnenden Kräften dienstbar zu sein. Zür unser« verwundeten. Die Kaiserin empfing am 30. I. mittag im Schloßparkc von Bellevue Frau Konsul Flora Fränkel-Berlin, eine sehr bekannte Philanthicpiu, die Witwe des bekannten Großindustrie' ellcn Hermann F'änkel in Neustad: O./S. um sich ein von dieser dem Zentralkomitee vom Roten Kreuz gespendetes Der» wundetentrankpoitautomodil voifiihren zn lassen. Dieses Fahr. zeug ist für 8 liegende oder 16 fitzende Verwundete eingerichtet, mit Beheizung, elektrischer Beleuchtung versehen und soll bis auf weiterezum Beiwundetentransport io Fernlazaretten dienen. Ihre Majestät sprach sich sehr beifällig über die zweckmäßige Trat Sporteinrichtung aus. Der Bestreb ist elektrisch, doch find die zum Benzindetrieb bei Fernverkehr nötigen Einrichtungen vorgesehen. _ Soziale Msorge. Jlrrfin Die Srlegshilfs-cklommtsst», der jüdische» Gemeinde hat nun auch im Norden Berlins. Brunnenstraße 41. I Treppe vorn, ein Abendheim für alleinstehende Frauen und Mädchen ei öffnet. Es stehen zwei erleuchtete und geheizte Räume zur Verfügung. Außerdem wird Kaff.e mit Stullen sowie ein warmes Abendbrot für 10 Pf verabreicht. 01 ist erwünscht, daß die Besucherinnen sich eine Näh» oder Strickarbeit mitbringen. Ausweise, die zum Eintritt derechiigen, find im II. Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde. Rosenstraßc 2-4. Zimmer 23, vormittags von 10 bis 1 Uhr zu haben. Unter den Veranstaltungen, die zurzeit in den Lazaretten zur tt sterhaltung der Verwundeten statlfinden. mögen auch die Vorlesungen eruähitt fein, die Frau Änna Schwabacher, die bekannte Schriftstellerin. obhält. und in denen fie unseren Kriegern in ihrer Schrnerzenszeit durch den Vortrag von ernsten und heiteren Daibietungen die Zrit zu verkürzen sucht. $rau<n. . Ir», gStiU Kerzt Eine ehrwürdige Matrone, die tausendeu Enterbten des Schicksales, wie die Verkörperung des Eohttunserschien.hat mitihrcm Hinscheiten eine voniehmeFamiste und die hauptstädtische Gesellschaft in Trauer gehüllt. Ihr Watten als Präsidentin des großen Bester isr. Frauenvereines war blos der Mittelpunkt einer weit ausgebreiteten Wirksamkeit. Der schwere Verlust bebte in der herrlichen Trauerrede des Rabbiners Dr. Adler nach. Tiefbewegt horchte man bann der Klage des großen Meister« des Wortes. Hoftat Julius Winterb.-rg. der als Präses des Chewra-Kadischa eine Mithelferin im Werke der Barmherzigkeit in der ihm eigenen klassischen Rede betraueite. Frau Dr. Reinitz verabschiedete den verwaisten Fiauenvercin von der tc ir^n Teten. Der Pester isr. Frouenvercin hielt zum Andenken an seineverdienstoolle Präsidentin am 21. v , M. 4 Uhr Nachmittags im Tempel in der Todakgaffe eine Trauerftier ad. $onR«ilid)t f» der beste wNndheiler. Vs» Dr. Ott» »atthttf. (NckchSnick verb»teu). Dr. Willibald Gebhardt erlitt mit de« Fahrrad einen ge. fährlichen Sturz. „ Die Hände waren stark verletzt, grvße Hautstücke abgensiea. ' Es war «in schöner Sommertag und er hielt ' die Hände tn das Sonnenlicht. Bald trat eine klare, klebrige lymphoide Flüsfigkeit aude« Wundstelle« und überzog diese schützend. Er schonte den r atürlich«, Schutzstofs und in wenigen Tagen waren die schweren Wunden geheilt, und zwir ohne merkbare Narben. Professor Dr. Jäger benutzte die Sonnenstrahlen zur Heilung seiner Krampsatero! Hierbei zeigte sich die wunderbare Heilkraft in sehr interessanter «eise. Als Prof. Jäger die strumpflosen, nur mit Sandale« bekleideten Füße wochenlang dem Sonnenlichte auSgesetzt hatte, waren alle Krampfadern ver. schwundea, nur unter de« danmeubreite« Lederriemen der Sandale. wo die Sonne nicht einwirke« kouute. wa en fie noch vorhanden. Aber auch hier verschwanden fie allmählich, als die Füße ganz unbekleidet der Sonne ausgesetzt wurden. Die Fischer an der Ostsee pflegen die Heilkraft der Sonne stets zu benutzen, indem fie ihre Wunden einige Zntimcter unter der Oberfläche bt» Mecrwaffers in ruhiger Stellung von den Sonnenstrahlen befcheinen taffen. Die Wunden sollen dabei äußerst schnell heilen. Wenn die zahlreichen Verletzungen, welche auf dem Lande namentlich bei der Feldarbeit täglich bei Mensch und Vieh Vorkommen, ohne jeden Verband «eist gut heilen, so ist dies hauptsächlich das Verdienst des Sonnenlichtes. Das Sonnenlicht wirkt bakterientörend, desinfizierend, wie die Erfahrung des täglichen Lebens uud Experimen'e bewiesen haben. Im sonne« o?cn Dunkel (Keller) gedeihen Bazillen, Schimmelpilze dnd die audereu Schmarotzer. Was die medizinische Wissenschaft durch Definftküovsstoffe (Karbol. Jodoform) zu bewirken sucht, erreichen die Sovnenstrahlen einfach und natürlich. Wo die Sonne hinscheint. entsteht Blutandrang. Rötung. Dadurch werde, an den betreffenden Stellen dje Ernährung«. Verhältnisse und Heilungsvorgänge bedeutend gebessert. die Eiterstoffe schneller beseitigt, die Bildung von neue» gesunden Ge- . webe wird begünstigt, also die Heilung beschleunigt. Ferner w.rkt die Besonnung heilsam durch Anstrockenen d r Luukr. In der modernen Chirurgie find alle Maßnahmen darar s gerrchtrt. die Ansammlung von Wnnbfckreten z, ver- »eidrn. Durch das Avstrocknen wi.d auch den Bakterien ihr Nährboden errzogen. Diese durch Sonnenlicht bewirkte Eintrccknung «rfitzt den besten Verband. Die Wunde wirr schnell rein und trecken und b, deckt sich mit einer glänzenden, pergamentartigen Schutzhaut, wa« namentlich auch bei Brandwunden von sehr großem Wert ist. Diese wund.rdare Rat»rheilkraft der Sonncufirahlen kan, uud soll sich jeder stets zu nutze machen. Die uuverbuadene Wunde wird im Freie,, im Garten, in der Beraoda, in Zimmer bei offenem Fenster möglichst lauge, jedenfalls mehrere Stu,den täglich der^Soune auSgesetzt und nachher mit einem leichten trockeucn Vetbande versehen zu« Schutze gege, jede äußere Verletzung. .Die Besonnung stellt die ideale »tifeptische Wundbzhandlung dar. indem durch fie die übrigen natürlichen Heilfaktoren des Körpers besser ads bisher zur Geltung kommen könmn * Pros. Dr. Rollier.) Sonnenlicht ist der natürlichste und beste Wundheiler? Serichtrlaal. Er«sr»v,g eines Illjäßrige» Mädchens. Per MSrber verte»«det eine» Anfchutdlgeo. )« September v. I. wurde auf dem Felde hinter dem evangelischen Friedhof in Qhlan die 13zährige Emilie Sarowski in einer Ackcrfuttzhe tot aufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß da» Mädchen mit rhrem Halstuche erwürgt worden war. worauf ihr ver Mörder noch 3 Messerstiche in den Unterleib »ersetzt hotte. re Erhebungen der Gendarmerie ftrhrten bald zur Entdeckung des Mörders in der P.rson dcs Bergmanns Franz Hlinibowski au» Westfalen, der bald dararck als Reservist in seine Hei»ar einrücken soltte. Hliniboweki gestand tieTateinundgabalc Ursache derselben au. daßdasMäüchen, nachdem e» ihm zu W:llen gewesen sei. ihm gedroht habe, fie werde es ihren Ettern erzählen. Aus Furcht vor Nchhelligkeiten mit der Familie des Mädchens habe er es gelötet. Diesem Geständnisse gegenüber dem ihn verhafteten Geuda men fügte er dinzri, der Jude wir dem fchwarzeu Bart. Markus Ruf in Qhlau, sei an allem schuld. Dieser habe ihn zum Mörder gedungen, weil er das Blut des Mädchens zu rirvellen Zwecken brauchte. Als der Gendarm ihm vorhielt, daß diese Mittäterschaft r*» Markus R»f sehr unwahn'cheinlich klinge, und daß er sich außer des Mcrd<S auch.noch eimrVerleumdung schuldig mache, wenn er eine« anderen die Mitschuld andichte, zog Hlinibowski feine Angaben gegen Markus Rui sofort als unwahr zurück. Dennoch wurde er außer des Mordes auch noch der Verleumdung angeklagt, weil nach Snficht der Slaa'sanwattichaft schon . die erste Angabe über die erfundene Ritnalmorogeschichte das Beibuchen der Verleumdung begründe und der Widerruf die einmal begangene Verleumdung nicht aus^eben könne. Dieser An- Mt war auch daS Ausnahmegericht in Teschen. indem es den Augekiagten des Mordes und der Verlcum''ung schuldig sprach. Das Ur'eil lautete auf Tod durch den Luang. Ueber di.' gegen diese« Urteil ergriffene Richtigkeitsbeichw-erde fand nun vor dem Kussatiovehofe die Verhandlung statt. Die Berufung wurde zurückgewiefen. Dr. Nathan-Hamburg kostenlos zu beziehen ist. Nach einem beherzigensiveitcn Appell an. die Mitglieder, der Gesellschaft und :h:er für den Bestand und die Zukunft unserer religiösen! Gemeinschaft so notwendigen und segensreichen Arbeit auch in dieser schnxren und viele Opfer h.'ischrnden Zeit ihre moralische und fiaan stelle Mitarbeit nicht zu entziehen, schließt der Brncht mit den Dorten; »Sind schon die Früchte unserer Arbeit bisher nicht zu verkennen gewesen, so dürfe» wir dvpp«lte»LMW^^^ von unserer Arbeit in einer Zeit erwarten, von der wir hsffeo, daß fie dem Judentum uud seinen Bekennern mehr al» bisher gerecht werden uud dadurch auch unsere Tätigkeit unter dem * Schutze und der Sonne eine» dauernden Friedens zu noch reicherer Entfaltung bringe» wird. Denn wissenschaftliche Arbeit ist Friedensarbeik. und auch die Wissenschaft des Judentums ist berufen, zur fortschieitenden Entwicklung und zum Ansehen der Länder beizuttageu, mit d<ren Zukunft das Geschick der weitaus größeicu Zahl der Mitglieder der GeseÜ'chafl zur Förderung der Disseuscha't des Indent im» auf ewig und unl trennbar verknüpft ist * | Kunft. ,Haler Htantze« * Im Thomaichewsky'fchen jüdischen Theater in Newyork wurde am U6. November die Premiere eines Schauspieles von Schalom Aich »Unser Glauben* aufgesühn. Der Autor wurde ü'ter gerufen und tn begeistertsa Reben gefeiert.' . Mur Wieder»,«», der berühmte jüdische Maler arbeitet au einer Reihe von Lttho^iaphien aktuellen Genre» und vollendet sein lebensgroße« Bild »Jager mit Hund' und .Wettrennen*. -ritz frxtiiUx, der gefeierte jüdische Violinist hat den galizischen Feldzug als österreichischer Leutnant mitgemacht und ist durch Lähmung seines Fuß » oienstuniauglich geworden. Er ist dieser Tage mit seiner Frau, die ihn als rote Krcuzdame im Spital gepflegt hat. in Newyark zu einer Tourueä au gelangt. Die Presse briogt spaltcalange Jnteroiewö mit dem -ünftler, der auch sonst Gegenstand großer Ovationen ist. Wissenschaft. Die zur Ä-rdernng der Missenschatt de» H,de»t»m» versendet ihren 12. Jahresbericht. Der Bericht widmet an erster stelle den verewigten Herren Prof. Wilhelm Bacher-Budapest und Pros. Zacob Barth-Berlin, sowie dem früheren Schatzmeister der Gesellschaft. Stadtrat Immanuel Laudsberger-Glogau. Worte ehrenden Gedenkens. Die Mitgliedrrzahl ist um abermals 100 gestiegen, -ein Erfolg, der außer der werbenden Kraft der Gesellschaft und ihrer Leistungen auch de« glänzenden Verlaufe der Tagung in Franfturk a. M. und Worms im Juni v. I. zu danken ist. Eine Reihe wertvoller wissenschaftlicher Werke ist im Berichtsjahre erschienen; so der viel beachtete Vortrag de» Herrn Geh. RegiernngsrateS Prof. Hermann Cohen über .Die religiösen Bewegungen der Gegenwan*' und das letzte groß« Werk Bacher- .Tradition und Tradeatrn*. das «ine Anlage zum Bericht mit Recht »die reife Frucht mühevoller Arbeit, das bewunderungswürdige Werk unermüdlichen GelehrtensteißeS* nennt. Die Fertigstellung anderer Werke hat infolge des Krieges eine unliebsame Berzögcruug erlitte». Die Erträgnisse der Ladung Philippson- Gedächtnis-Stiftung find bestimmungsgemäß zur Verbreitung gediegener jüdischer We.ke verwendet worden. Für weitere Eiuzelheireu sei auf den Bericht selbst verwiesen, der von de« stellvertretenden Schriftführer der Gesellschaft, Herrn Syndikus Altertümer Mainz Die ersten bescheidenen Anfänge zur Begründung eines M,st»«» für jüdische Altertümer ha; die Mainzer israelitische Gemeinde gemacht,- indem fie eine«! ihr von einem auswärtigen Göuver zur Verfügung gestellten prächtigen Prunkschrank dazu verwendet hat, in ihm einen Teil der ihr gehörigen jüdischen Altertümer zu einer kleinen Ausstellung zu vereinigen. Der Schrank ist recht voneiihaft im großen Sitzungssaale des Gemeindehauses an ber Haupisynagoge (Bonifazivsstraße) untergebracht. Das Prachtstück ber Sammlung'ft eine alte .Pejach- Hagadah*, eia Bach in Foliosormal. da« Gebete, Gesänge und Erzählungen für die beiden Osterabenbe enthält. Die Hagadah stammt von dem Großvater de» ftüheren Kolonialmiaisters Bernhard Dernburg, David Dernburg. au» der Zeit, als dieser erster Vorsitzender der Mainzer israelttischen Gemeinde war. Sie wurde vor einigen Jahren von der Gemeinde erworben. Da» Buch, auf Pergament geschrieben, ist mit einer großen Zahl der herrlichsten Bilder im Stile altholländischer Meister geschmückt. in druen der Auszug der Kinder Israels auS Aegypten, ihr Durchzug durch das Rote Meer, die zehn Plagen usw. in der naiven Leise des' 16. Jahrhunderts dargestellt wird. Die israelitische Gemeinde lx-fitzt auch eine Reihe gologestickrer und seidengewebter Thoiaoorhänge von hohem Wette, die auS dem Kühe, Mittelalter stammen.