Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- 5 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/6682508-6377551-6450288--0191-4850026- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ZS-isch« v«Urj«tt»»g Vom Kriegsschauplatz. vreiiai. so 2-, Zauuar >9>5_ Sr.» Sefterrtich-Ui-ar«. P*ftf iln tic JiMf4n K«l»«tn> Der Redakteur btt nngnriste« Slottrt ,Sggfali)>g*, richtete an den Kotpitomuanbaittcn, Erzherzog J»1«I> die Bitte, leg Erzherzog möge seine Meinung über tie Haltung der seine» Kommando unterstehenden ongorischen Soldaten Indischer Konfession obgeben. Der Erzherzog autmortcte daraus mit fokgeude» Schreiben: .Ich hatte häufig Oiegenhrit. meine Kotdaten indischer Konsesfion zu deodachten und tand leineu Unterschied zwischen ihnen und «erue« anderen Loldate«. Ahr H«lken»ut ist bewnuderndwerl, ihre EntschlofteNheil öder altc« jkod erhaben. Sie kämpsen unter den ongorischen Btaanlchastru al« wahre Ungarn Schulter an Lchnltrr gegen die blotrnnstigr» kerben und die Russen. sie haben an »»seren Er'olgen denselben 8,teil wie ihre Kameraden- Unt»r ten hrrrorragendr» Helden gibt es nicht wenige ungarisch« Juden. £it sah ich diese mit »einen Augen iamitte» de, wr> zweiscltrn Phasen der entsetzlichen Kämpfe nab bewunderte ge> hodenen Herzen« ihre» Hctoen«nt. Auch der Jude hat gezrigt. dah er ei» ebenso gntir ale tapferer Soldat ist wie die andere,.' K»»dnrg Oberingenieur Eugen Munk ein geborener Wiener, sei! nieten Jahren oder in Hamburg, erhielt s!r Topsokeii »or de» Feinde den Orden .Signnmlanbi«' und da« Mititärderdienstkrrnz mit der Ariegsdekorotion unter gleichzeiliger vefirderung zum Oberleutnant im 5. Hoaved-Husare»- «egiment. Ueber da» Reilllftückchen, da« ihm diese Auszeichnungen eindratte, tritt er solgende« mit: Ich war oor drei Wochen mit einer schnochen Patrouille in er» Tors geschickt, wo »an Russen «rmulele. Piützlich wurde» wir. di« wir »om Pserd ntgeseffen «an», »o, einer dahersanfenden Schwadron Kosaken überfalle» und in de» Ktraßengrabeu geworfen, «nßteu uni ergehen »nd die Waffet oblegen. Da drehte sich plitzltch da« Pserd de» Aofakenosfizirt«, scheu geworden, gegen mich. Ich besohl rasch he» neben mir stehenden Hnsaren, mir teuren Karabiner, der ans der Erde lag. z, geben, er sagte e» weiter, und sofort schossen wir aus die bet un« stehend« Schwadron. Diese rannte panikartig davon, wir schaffe, poch, holte» den Ossizicr, zehn Kosaken herunter, »ahmen drei Stück samt de» Pferden gefangen »nd «achte» na« rasch an« dem Staub«. AI« die Kosaken zur Beff»nung kamen und zniöckkehrteii, waren wir aus und davon. .Ga» zweier Aeschitaschüler Alexander Breuer au« Dtszel <Eom. Zola), ei» desonder« fleißiger «ad braver Schüler der Pozsonyer Jeschiba. ist a»f dem nördlichen Schlachtselde ge. solea. — Tragischer ist der Tod de« zwanzlgjährigru Adolf Duschlchlog. Er weilte gerade bet seine» Eltern ia Jzbugyradvany. alt tl von der Raffeninvafion heimgesucht wnrd«. Die Kosak«» veranstaltete, dort ein ssirchlrrliche« Blutbad , sie drangen i>« Wirtdgeschäst seine« Bater« ei», erschlugen seine Mutter, erschaffe» lhn selbst z seiner Schwester, die flüchte» «vite, zerschossen sie ei» Bei», und nur dem Bater gelinge«, heilz»entkomme». Wie»!» Kammer Jude ütrßt. An«Dorna.Sart» wird gemeldet>1« nach de, letzte» große, Kämpfen tu der Bukowina da« Schlachlseld geräumt wurde u»d Freund und Feind in« sticdlich« Grab gemeinsam gebettet werde» solle, da demerkte ma». daß einrm toten rnistschen Soldaten an die linke Hand ei» klein,« Säckchen geb»nden war. E« wurde adgeldst und darin, «eben einige» Silberminzeo »nd etwa« weißer Kalkerde auch »och «in Zettel gefunden mit der Bitte, tai Geld dem zunächst Itegend«, .Heilig, n Beretn'zu übet geben, um den Brrftoihenr» auf eigene Kosten i» eine« jüdischen Grad nach jnd. Sitte rn d,statten. Ma» svstte de» Wunsch de« kleidenden nicht adschlagen und »cn seinem Lot« den Bater. de» Raddiner von Odessa, »eiständige». Die Leiche wurde tatsächlich der tfhewra Kadescha ttf zunächst gelegenen Orte» übergeben. Bei der Enlkleidnug der Leich« w»rde entdeckt, daß der Mann «nter seinem g,a»e» Militirwoatel da« ga»ze vorschristsmäßige jübische Steihegewand angezoge» hatte. Er wurde begrade» mit dem Haupte ans dem Säckchen mit der »eiße» Erbe an« Palhftiua. Kt»» »er Eeta,ge»sch»st matstamme». Der Lgndfturwwaun Abraham Grummet geiiet mit einem seiner Kamriode» vor der Räumung von Rotontz duich unsere Trnppen infolge verlpätrt.n Ei»,ücken« oow Dienste in die Ge- Io»genschast einer rnsfifche» Patiauille. Eine gekörte von zwei Mann sührte die Gefangenen dem Sachkommontauten eine« lleinen Dorf,« vor Radaütz vor. der ffe über Stärke unserer Tiuppen »nd über andeie militätische Dinge befragte. Sie de» nützten einen günstige, Moment, er schlugen de» Aammondanten und die brstüizt dastehende Et körte und «Ule» au« d>m Hause. Zwei Pfeide. die vor dem vachthanse standen, «»den laich deftjegen und im Galopp daoongejagl. Die wackeren Kumpane kamen aus schoumdcteckte» Pferden wohlbehalten zu ihrem Trnppenkitper »ach Nadantz »nd meldete» dort ihrem Borgesetzten, wa« ffe getan. Sch m« Eia atrannt unsere« Blatte« schreibt »ui: Ltdliche Ridoktio»! Bezugnehmend »ns Ihren Bericht -Der Sch marus lm Feuer' in Rr. 3 Ihre« gesch. Blattt« will Ith ergänzen, daß die i» Oderderg «»gekommenen tschechischen Seldateo. die nicht sehr fud«»fieu»dllch gesinnt sind, selbst erzähll habe», daß die jüdrsche» Soldat,, bei Sinimangitss oder tM Kugelst ue, Schema rufe» und die Kugel» scheinen sie zu weiden, n»d,fie «ersnche» die gleiche» Worte »achzuiprechen. und, da sie e< nicht r,cht veistebe», so htn man taö LoN mit tschechische« Klang rnfro: Etz'ma. Hochachlnugevoll S. (Tlrtrt. Sie HieH»»dk»»g »er Asraelite» in der Türkei mußte seit uddinch de« Kampfe« der Türken gegen den Dreiverband Gegenstand eihihler Aufmerksamkeit i» diplomatische» Kreisen weitin. Belcnter« der cmeiika»ische Botschafter Morgenf h a n hat sich die Sache seiier Glaubenögenoffen angelegen sein laste, «nd fand tatei die Unterstnßnng seine« de»tschen Kollegen. Baron Waugenheim. Berte erreichten, daß die insfischen Juden ohne Esöflnng der sonst oorgeschried«»«» Ftemlichkcitcn gegen eine Enlrichlvoa von 40 Franc« prp Kopf sogleich otiomanische Staatüaugehdrige werde» kounten. Dafür war eine Frist d,stimmt, die »on den Israeliten in ei»er Reihe von Fällen nicht eingehalten wurde. Tie« führte dazu, daß einzelne Inden »»«gewiesen und nach Aegypten gebracht wurdrn. Dem Eingreifen Morgenthau« und Vangenheim« gelang es aber, eine Berlängerung der Frist darchzufttzen. -Zwangemagregeln zum llebrrtritt der Israeliten in die tü,tische Ltaaieon gehdrigkeit sind weiter nicht augrwendel worden. Die nicht übertretepde» russischen Juden haben allerdittg« stioe Büigtckasl. daß sie im türkischen Reich dauernd bleiben könueu. Eo ist d:u Umständen noch nicht möglich, für ruifiiche Jdroelilen eine b,steil Behandlung zu erlange», al« sür die russiichen Christen, die audgewiescn worden sind. Oerrlichen Belästigungen von Juten, besonder« in türkischen Proviuzia'.ftidien. kann durch die Konsuln Deutschland« und der Bereinigten Ltaalen und durch die Bot. schafter beider Mächte in Konstontinopel abgeholscn werde». Im allgemeinen muß anerkannt werde», daß die Türkei sich gegen di« Angehörigen der ihr seindlichen Mächte humaner »erhält, al« etwa Rußland. Frankreich und England gegen die in ihrer Gewalt befindliche» Deutschen. Der alte Ruhm der türkischen Toleranz gegen Anderogläubige hat auch in diesem Kiiege noch nicht gelitten. _ Spantei. Sie spanische Plegiernug hat, wie -Jcwish Gazette' meldet, den lpaniolifchen Schale« der Alliance israelite in Marokko eine Subvention bewilligt. Ai» -riet px. JSu Hlvrbans Dr. Max Nordau. der sich gegenwärtig ia Madrid befindet, sandte an den früheren amerikanischen Botschafter in Koustaminvpel, Oskar Strauß, ein Schreiben, in dem er «itteilt. daß er sich gegenwärtig ge. sundheitlich sehr wohl fühle und ihm der Aufenthalt in Madrid lehr behage. Zusammen mir den bekannten Gelehrten Dr. Iahuda. einem gebürtige» Palästinenser, arbeitet er für das Wohl der Juden in Siez Israel, und erlreue fich bei vielem Werke der Unterstützung maßgebender Kreise. «jrairtrrid). Pie frsnzöstfche hat eine Subvention von <0.000 Krone« der franzbfischenLlliancejchule in Marokko bewilligt. -nttfemttismns i« srnnz-fische» Leere. Die^.Guerrc Soziale" schreibt: „Darf man sagen. daß di« Zuave« des ... Korpö idie Ziffer wurde voo der Pariser Zensur entfernt), zumeist algerische Jude«, Opfer de< dummen Antisemitismus find und bei allen Verteilungen von warmrn Kleidern ausgeschlossen wurden? Dürfen wir die Hoffnung äußern, daß die Mit teilung diel» Tatsache genügt, damit dort rasch Ordnung geschaffe« werde?' England. K»ßtn»bs Knrcht. In einer Versammlung des ^Barrow Eourcif wurde bejchloffen die Negierung aulzufordern, die ,B< «rohner von Whitechapel' (das Judeuvierlel) bester zu beobachten, da sie zumeist Feinde der Enteule find. Imyiddrschen Theater wird jetzt ei, Spektakelstücks ,Der Krieg .von 1914' gnfge» führt. Nachdem die Polizei auf bit angebliche,oniipatri»tis<A* Te«denz diese« Stückes aufmerksam gewacht wurde, brfindeo fich jetzt jedesmal Detektive i» Theater, welche aber sehr zufrieden gestellt find. $«* jüdische AnlaiRv» Lord Kitckevcr hat den snicht genug zn verdammenden) Vorschlag Zangwill's, eia eigenes jüdisches Bataillon zu bilden, angenommen. Sir ffcstr Mvnteßsre ist in der letzten Konferenz der .Aaglo-Jewish Ecciation^ für die Eoncentrakion der heim«kS (oftn Juden in Palästina (ingetntcn. Ja dieser Sitzung wurde auch drschloffen. die uolleidendeu Juden in Palästina zu unter stützen. (Wie wird damöglich sein?) Da» <£•* der gef«»ge«e» A«tz«u in ch»ata»tz. Unter den in England gefangenen deutschen und österrcichilch-ungarischen Staatsangehörigen befindet fich anch eise große Zahl von Juden Der Grund für ihre Lei Haftung war bei fast allen ihre angebliche Spionage zn Gunsten Deutschland- und Oesterreich.Ungarns. Wie ..Dos Jiddishe Folk" auf Grund ciner ihm zugrkommenen Londoner Depesche meldet, babcn die Manchester Juden zu dem Staaisfekretär des Innern eine Deputation entsendet, mit der Litte, da- LoS der lv des Konzentrationslagern g, fangen gehaltenen Juten zu elleichttln. Ebenso wurde der Londoner jüdrsche Board of DeputirS bei der Regierung in dieser Angelegenheit vorstellig. Der Board of DeputieS de-chloß ferner, auS den ihm zur Verfügung stehe, den Mitteln einen eigenen Fond mit der Bestimmung für in England krieg-gefangene Juden zu bilden. Noch in einer zweite« Angelegenheit hatte der B. o. D. zu intervenieren versucht und zwar handelte eS fich von der Negierung die Aufhebung der Verordnung zu bnDirfrn, -er zufolge cingewandeneIude«, trotzdem sie das englische Bürger recht besitzen, nicht als Polizisten ««gestellt werden dürfen. >,DvS Jiddische Folk" knüpft daran folgende Bemerkung : ..Vas doch in dem freien England heutzutage allemöglich ist! Man «acht Ausnahmebestimmungen gegen die Juden. Echo« bald wie in Rußland. . . " _ Rnfelaaft. JU de« JV*«« Gebückt am Strand der DeSna ruht, Sin armer hilfsbedürft'ger )ud Er schauet in die Flut hinein, In später Nacht — beim Moudenschein. ,O Herr, beschütz mein Weib «nd Kind. Die ferne von der Heimat fi«b!J So spricht der arme, alte Jnd Und weinet nm sein Hab und Gut. Und Rache schwört er dem Barbar. Der jetzt venreidt die Jndeufchaar. Auch ihn vertrieb er aus de» Land, O Rache komm' von bentscher Hand! Die Rache wird einst kowwen, Jud. Denn nicht «»sonst stießt all das Blut T« Deu.fchen in dem große« Krieg, — Laßt freuen voS auf «nfern Sieg! Alfred Pacyna. Indische Hfftjiere. Der jüdische Freiwillige «. KatzM VUna ist wegen einer Reihe außerordentlicher Taten, «fc Rettung seines Kommandanten und der Fahne. Flucht leut'cher Gefangenschaft etc. mit zwei Ocden und dem Olfizia-. ra.:g delodnl worden, so erzählt wenigstens dajüdische Tag. dlatt in Warschau. Derbst einer Kittsalltis». In Petersburg wurde ek Komikö znr Unterstützung der jüdischen flüchtigen Beoölkernns gegrnndtt, Di? Aktion wurde von der Behörde verboten s» mchre-e Mitglieder verhaftet. ^knlftsche tzr«»ett«te,. Vie«, 21. Januar. AuS dem Kriegspreffequarlier wird über ruifischc Greuettate« gegen die Juden gemeldet. Sie dmK amtliche Erhebungen fkstgestellt wurde, haben die Ruffev nach der Besetzung von Galizisch-Dolhopole einen Bewohner er» schosse« und einen zweiten Bewohner an zwei zusamNengtz. wachlenen Fichten gekreuzigt, vor dem Gemarterten u«Ät dielten fie drei Tage lang. bi< er starb, eine Dache, «ni krank im Bett liegende Indio wurde buchstäblich abgeschlachtet, der Mann wurde niedergeschoffe«. In Dichtinetz verbranntendie Russen 42 Häuser, darunter alle Häuser der Jude«, die LolkSschule und dos Gemeindehaus. Die Bewohner der Häuser wurden fast nackt h'mau-gejagt. An de» chebetriemen anf§etzsi>ßt. Wie dem Newyorka .Vorwärts* von einxm Augenze»gen berichtet, haben die Rufi» in Zikow den 72jährigen Mendel Lchiffmann. dessen 48jährige> Sohn Herschrl. den 50jährigen Leser Perlmutter, deffe« -ida» und den 7t)jährigrn Josef End. wegen Bewirtung der österreich» ungari'chen Soldaten an Gebettiemen anfgehängt. pie Akncht de» -sfiner ^tabbi. Der Warschauer .Mo. wem' crtählt von der Fltcht de« Kosiner RabdiS, der über lv.VOÜ Chalfidim gebietet und ein Sproß deauch in der Lit» ratur verewigten Kosiner Maggids ist. Sie flohen Freitag Nacht- und der Rabbi rettete^nichts. als zwei alte Thorarollen, die sein Ahn eigenhändig geschrieben hatte. Der Rege« floß i» Strömen und der Rabdi zog seinen Rock auS, um ihn um die Rollen zu wickeln und lief ,m strömenden Regen im Hemde durch die schwarze Nacht. Jetzt befindet er sich in Warschau. Sein Haus ist vollständig zerstört worden. Aürse'meiger »it Tränen. Als die Deutschen in Maria« pol cinrückten, nahmen sie den Magistrat als Geisel mit. Sie forderten einige Bürger auf. das Bürgermeisteramt zu über« nehmen, w.'lche fich mit der Ausrede, nicht deutsch zu verstehe» lokwa chten. Schließlich haben fie den Juden Gersvnowitsch auf. gefordert, da- Amt zu übernehmen. Derselbe übernahm das Amt weinend. I» der Tat wurde er nach Abgang der Deut» scheu zu 6 Jahrc« Ge'ängnis verurteilt. Wie die Staffen in N*«a»sw tz«»ße«. .Ich bi« gestern von einer abenteuerliche« Reise hierher nach Mährisch. Ostrau zurückgekehrt. Ich hatte Zeitungsberichten entnommen, daß die Stadt Aymanow in Mittelaalizren wieder von de« Russen gesäubert fei. Daher trat ich am IS. Dezemtzer «ei Reise über Ungarn dorthin an. Biele Tage lang habe ich keinen Bissen warme Speiie genossen und unter freiem Himmel auf dem Vagen geschlafen und tüchtig gehungert, da in der ganzen G gend nahezu nichtaufzutreiben war. Am 21. Dezember kam ich in die Nähe Rymanows und zog eS vor. mich erst gegen Mitternacht in der Stadt einzuschleichen. da ich Kanonendonner hörte. I« Rymanow bot fich mir ein entsetzlicher Anblick. Drei viertel die Stadt sind «iederae. brannt. sämtliche Geschäfte und die Keller von den Russe« geplündert worden. Ich kann als Augenzeuge bestätigen, daß die in Rymanow und in den benachbarten Orlschaften anqerich« teten Verheerungen alle Begriffe üdenchreiten. Die Russen haben wir Btstien gehaust. Frauen geschändet, zahlreiche Juden ermordet, nachdem fie sie vorher Folterqualen auSgesetzt hatte«. Nach drei Stunde« verließ ich Rymanow wreder und am näch« sten Tage zogen die Russen in die verwüstete Stadl abermals ein.* — Nicht ander» erging e- DuNa und den umliegenden Ott* schäften. M-rschan. Die Stadt ist ein großes Lazarett. Täglich kommen Taufende von Verwundeten, für welche alle öffeotlichen Gebäude und auch Privathäuser in Anspruch genommen werden. Das Elend wächst mit jedem Tage, denn zu den tausenden Fa« milien, denen der Krieg den Ernährer genommen hat, kommen die unzähligen Flüchtlinge aus der Feuerlinie. Vir alle darben, und die Ungewißheit, in der wir leben, drückt noch mehr older Hunger. Die Kohlen werden jetzt, nachdem die Zufuhr von Drndin. Loßnowitz uiw. adgeichnmen ist, per Pfund verkauft und zwar zum Preis von 80 Kopeken dis einem Rubel per Pfund. Wie das Ende sein wird, kann kein Mensch sagen. Der halboerbungerte und verwahrloste Straßenmob nimmt eioesehr drohende Haltung an. ES ist bald gefährlich, fich mit eine« ganzen Rcck auf der Straße zu zeigen. Ihr in Amerika, wißt garnichr, w e glücklich ihr fei», daß euch all dies erspart bleibt. Hftrowe, Kreis Kutnv. Dir leb n in beständiger Angst. Da- Kort der Tochacha: .Morgens spricht man. o. käme doch der Abend, und abends ersehnt man den Morgen^, ging buch» stäblich in Erfüllung. Lebensmittel find auch für teure» Geld nicht mehr zu haben. Dazu beständige Lebensgefahr. Die Polen verleumden uns bei den Ruff«, und diese machen kurzen Prozeß. Da- Leben eine- Juten hat jeden Wert verloren. Die Stadt ist voll von Wttwen und Waisen und darbende« Familien, die ihres Ernährerberaubt find. Daß wir dos auf unsere alten Tage alle» erleben müssen, daist da» Schreik. lichste. Da» Geld von Amerika kommt nicht an. Und wie che wißt, lebt auch ru Friedenszeiten ein großer Teil der Bevölkerung von Unterstützungen seiten» der »naehöriaen in »merikn. Wie soll das nun enden? Hstrstenst», Gouv. Lomsch«. Das wir in unserem Städi» chen. M.schnitz, erlebten, ist die Geschichte von der Sustreidnn, auS Spanien, wie «on fie in alten Büch.rn lesen kann. Wir mußten alle plötzlich aus unfern Häusern und au» der Gradl und wußtei nich», wodm. U.isere Habe mußten vir dem pol« mschen und rusfichen Raubgesindel überlassen. I« RaSfchane und anderen Orlen ging eS den Juden ebenso. Dagrößte Unglück ist, daß man mchi mehr nach Amerika flüchten kan» da alle Grenzen besetzt find.