Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- 47 (20.11.1914)
- Date
- 1914-11-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Misch« vattizrttmi-. »t. \1 4-- Stricht« btt zrid-tisilich«« Sabbixtr vr varck an d«n Vorstand d«r jüdisch«« S«««i«d«. Bericht I. Z. Zt. «.. 27. S 14. Ganz ergeben berichte ich über die erste Woche meiner Tätigkeit als Feldgeistlicher; ich bitte die äußere Form diese- Schreibens mit den schwierigen äußeren Verhältnisse entschul« dige» zu wollen, denn ich benutze einen Koffer alS Tisch. Ich habe am 13. d. Mt«. Berlin verlaffen. Um biS zu de« augenblicklichen Eitze des Oberkommandos der I. Armee, dem ich überwiesia bin, zu gelange», waren Bahn uud Wagen« führten nötig, die Tage erforderten. Während dieser Zeit habe ich nur einmal ein fünfstündige« Nachtquartier machen können. Diese Fahrten, die öder L--R.—(5H.—E —Sk. O. führten, haben ober das Gute gehabt, mich mit verschiedenen Truppenteilen zusammenzuführe n und mich damit für «eine Tätigkeit vorzu bereiten. Meine eigentliche dieustllche Tätigkeit begann demgemäß erst mit dem 20. d. Mt». Auf Grund von Besprechungen, die ich mit eins« Adjutanten des Oberkommmandos, und von Unterhaltungen, die ich mit einigen evangelischen und katholischen Divifiouspjarrern hatte, bade ich mir folgenden Arbeite« plan für die erste Woche aufgestellt, de»-ich auch habe durchführen können. ' Ich habe mich für je 2'/, Tage zu den Kriegs- und Feldlazaretten und zu Truppenteilen mit festen Standorten verpeijen lasten. Die« erforderte, daß ich immer, wieder das Quartier wechselte und täglich von 7 Uhr früh bi« *7 Uhr abends fahrend und reitend unterwegs war von Ort zu Ort. Aber es wurde dadurch erreicht, daß mau mich im Gebiete der Armes möglichst rasch und möglichst weithin kennen lernte uud daß ich selbst möglichst bald einen Ueber'olick und eine.Tätigkeit gewann. Die Tätigkeit findet ihre große Schwierigkeit in der weiten räumlichen Ausdehanng and in der Vereinzelung der jüdischen Mannschaften. Die Linien des Gebietes, das der jüdische Feldgeistliche amtlich zu verwalten hat. erstrecken fich, nach verschiedenen Richtungen, über SO—70 km, über oft sehr schwierige Wege hiu. Zudem befinden fich zur Zeit die Truppen fast sämtlich in Stellung in den Schützengräben, und es ist nicht überall möglich an fie hcranzukowmen. Es ist viel Geduld erforderlich. ^Meiue wesentliche Aufgabe bestand fo in dem Besuche der Feld- und Kriegslazarette. Ich habe sie zu einem großen Teile, bisher 9. besucht, und ich habe in fast alle« jüdische Verwundete angetroffen, denen e» offenbar eine große Wohltat war betucht zu werden. Den Angehörigen aller, die fich traf, Hobe ich briefliche Nachricht gegeben. Einen Gottesdienst habe ich bisher ans den geschilderten Gründen nicht abhalten könntti. Zch begebe «ich aber heute nach C., wo mehrere große Lazarette find, in denen ich nach jüdischen Verwundeten fragen will. Dort, in C., ist auch etne etwas größere Anzahl von jüdische« Mannschaften und Aerzten. Zch habe daher bereits alle Anordnungen getroffen, um dort am Dienstag. Abend und am Mittwoch Vormittag de» Jom Kippur-Gottesdienst abzuhalten. Außerdem hat da« Oderkommaudo. auf mein Ersuchen, einen Tagesbefehl erlasse», daß alle jüdischen Manuschaften, soweit die Kriegslage es gestattet, vois Dienstag 5 Uhr dis Mittwoch 7 Uhr abend« dienstfrei bleiben und zu gemeiusamen Gebete fich zusammentun sollen. Ich habe, soweit es möglich war. an der Hand der Feldgebetdncher einzelnen Soldaten die Anleitung zu solche« Gottesdiensten gegeben. Denn ich über den Erfolg mich aussprechen darf, so ist er am grüßten bisher in ideeller, moralischer Beziehung. Ich habe es beobachten können, wie sehr die jüdischen Mannschaften das bloße Bewußtsein erhob, daß ei» Rabbiner fich bei den Truppen befindet. Bon den Kommandoftellen erfahre ich jedes Entgegenkommen und persönliche Liebenswürdigkeit. Die kommandieren- - den Generäle erkundige» fich persönlich «ach der Art und dem Erfolg meiner täglichen Arbeit. Bericht II. Noyon. 15. Oktober 1914. Ueber meine Tätigkeit iu der Zeit vom 28. September bis zum 13. Oktober berichte ich ergebenst: Am 28. September fiedelte ich von Allemant nach Chauny über, um don die Feier des LerföhnungstageS abzuhatt?n. Durch die Kommandantur wurde hierfür ein adg-grenzler Teil -der Kirche »Nolre Dame* bestimmt, da alle sonstigen größeren Räume der Stadt durch Lazarette uud Einquartierungen belegt und alle freie» Plätze von de» Lastwagen besetzt find. Ich setzte einen zweimaligen Pte digtgottesdieust an, Dienstag, den 29. IX., 5'/, Uhr abends und Mittwoch 9 Uhr vormittags. Auf die Bitte der versammelten Mannschaften hielt ich dann noch um 4'/, llhr eine Nellagottesdienst mit Predigt ab. Alle drei Gottesdienste waren in gleicher Weise von den in Channy Stehende», etwa 35—40 Mann, Mannschaften verschiedener Dienstgrade tnjö Aerzten, besucht. Der zur Verfügung gestellte mittlere Teil der Kirche, abseits vom Altar und den anderen sakramentalen Stellen, mit Kerzen beleuchtet, bot einen stimmungsvollen Raum. Die Gebete und die Predigten — an die Muffaphpredigt schloß ich die Seelenfeier an — sprach ich von der niedrige» Kanzel aus; vor ihr waren Stühle für die Brrfümmetten aufgestellt. Zu meiner Freude waren in der kleinen Schar auch mehrere Angehörige unserer Gemeinde. Zch hatte die Empfindung, daß der Tag allen nahe trat; mich, und wohl auch alle andere», hat e» besonders ergriffen, wie in jedem der Gottesdienste die Sätze des- ,O»iou «atkeou* lant nachgesprochen wurden, wie am Schluß der Seelenfeier dasKaddisch von einigen wiederholt wurde und wie am Schluß des Neiürgedetes die Sätze des Glaubensbekenntnisse« den Lusklang bis. bete«. Erwähne» möchte ich auch, daß vor dem Schlußgottesdieaste der Curö der Kirche, der des Deutschen etwas kündig ist, au «ich die Bitte richtete, de« Gottesdienst beiwohnen za dürfen, nnd fich als Andenken dann ein Feldgebeibuch au«dat. Zch blieb in Ehauny eine Woche, am die zahlreichen dort befindlichen Lazarette wie auch die der Umgegend zu besuchen. Im Felde. Brtslo«, 6tu 20. November Chauny wie auch Noyoo. wo ich mich jetzt befinde, find Hauptsammelstellea für die Verwundeten Die Wege nach der 11«, gegeud waren mir don bisweilen erleichtert, da mir au einigen Tagen ein.Wagen zur Verfügung gestellt wurde. Dieser Besuch der Lazarette erweist fich als ein sehr wesentlicher Teil meiner Tätigkeit. Den Verwundeten wird ein Stück Heimat gebracht und ihre Zuversicht gehoben: sie fühle» fich. wie ich oft bemerken konnte, schon dadurch aufgerichtet, daß auch zu ihnen, wie zu den Andersgläubigen, ein Seelsorger kommt. Daneben steht, daß den Angehörige» der Verwundeten regelmäßig Nachricht gegeben werben kann; ich habe an manchem Tage eine ziemlich umfangreiche Korrespondenz auszuführen. Zn mehreren Fälle» habe ich leider auch Trauernachrichtcu an Angehörige schicken muffen. Lei dsn Beerdigungen, bei denen die Toten zumeift in einem Gesamtgrabe bestattet werden, habe ich in Gemeinschaft mit dem evangelischen bezw. katholische» Geistlichen am Grade gesprochen, nachdem ich neben ihae« dem Tranerzuge gefolgt war. Ich habe stet» den Hinlerbliebeue>> hiervon, wie von dem Ort uud der Zeit der Beerdigung, wie auch vorher der de» Hinscheidens Nachricht gegeben. Von Ehauny begann ich daun eine für längere Zeit berechnete Weiterfahrt, die mich zu ven einzelnen Divisionen führen soll. Zn meinem ersten Berichte habe ich erwähnt, daß ich zunächst die einzelnen Generalkommandoaufgesucht hatte, um den «Ägemeinen Ueberdlick zu gewinnen und von den obersten Stäbe» gekannt zu werden. Um noch uäher an die Truppen Heranzukommen. hat es fich mir al« erfordrr.lch herousgestellt. zu den einzelnen Divisionen und Brigaden, soweit möglich, mich zu begebe». Ich habe die gesamte vergangene Woche dem Beginn dieser Aufgabe gewidmet und je drei Tage bei zwei Divisionen zugebracht. Ich habe zwei kleine FeldgotteSdienste im Freien abgehalten und dort, wo die jüdischen Soldaten sich ganz vereinzelt bei einem Truppenteil befinden, diese jeeliorgerrsch aus. gesucht. Daneben habe ich in den Feldlazaretten und Verbandplätzen nach jüdischen Verwundeten Nachfrage gehalten. Diese Kreuz, und Qaerwege waren mit mancherlei Schwierigkeiten und Strapazen verbunden: manches orf, in dem ich Nachl» quartter nahm, war durch Granaten fast völlig zerstört, und die wenigen Häuser die noch ein Dach und einige Fenster hatten, .waren selbstverständlich durch' die. welche stäudig zum Truppenteil gehöre», bereits vorher besetzt worden. Ader alle diese Muhen wurde» durch das liebenswürdige Entgegenkommen der Trnptzenführer, ganz besonder« der Generäle und der sonstigen höhere« Offiziere, erleichtert. Da den Pferden eine bei dem ungünstigen Detter besonders erforderlich« stkuhezeit gewährt werden muß. habe ich mich für einige Tage hierher, rach Noyou begeben. Zch benutze diese Zeit, um die hiesigen sünf Lazarette zu besuchen; außerdem habe ich für Sonnabend, 4 Uhr. einen Gottesdienst ansetzen lassen. An einem der nächsten Tage will ich meinen Weg zu den weiteren Divisionen forlsetzeu. Ich habe noch nicht feststellen können, in welcher Weise meine Kollegen, die als Feldpicdiger einberufen worden find, ihre Tätigkeit einrichten. Nur mir einem ist es mir bisher gelungen. iu Verbindung zu tteten; dieser hat. auf Anraten des den. Oberkommando«, seinen dauernden Standplatz m dem Hauptetappeaort genommen. Nach den Ersahrungeu, die ich bwher gewonnen habe, beschränkt dies das Gebiet der Tätigkeit völlig. Es ist. trotz allen Beschwerlichkeiten, durchaus erforderlich, alle Teile der Armee aufzusuchrn. Rur dadurch ist es möglich, daß. wenn auch vielleicht nicht alle, so doch viele den persönliche» Eindruck u.id die persönliche Gewißheit davon gewinnen, daß ein Rabbiner unter ihnen ist. Es ist sehr wesentlich, daß die jüdischen Soldaten dies erfahren, aber ebenso auch, daß die Andersgläubigen e« wissen. Für die Anerkennung de« ZudcnlumS ist diel unstreitig von Bedeutung, und e« braucht nicht crst darauf hingewiesen zu werde», daß jede Anerkennung der Juden doch zuerst uud zuletzt von der Anerkennung de« Zudentums abhäugt. Es ist auch für die Stelluug des jüdischen Soldaten wichtig, daß seine Religion sichtbar neben den anderen steht. Es ist selbstverständlich, daß nicht alles geschehen kann, waS der Wunsch und der Gedanke deS Notwendigen tun möchten. Die jüdischen Mannschaften find weithin verstreut, manches Regiment zählt nur zwei jüdische Soldaten; die verhältnismäßig größte Zahl. 17. scheint in der Armee, der ich zugeteilt bin, das . . . Regiment zu habe», das ich demnächst auftuchca will. Für das Gebiet, da« der jüdische Feldgeistliche zu verwalten hat. stehen z. B., nachdem ihre Zahl vor einigen Wochen erheblich vermehrt worden ist, 40—50 evangelische Geistliche und eine nicht viel gangere Anzahl katholischer im Dienste. Durch eine geeignetere Organisation hätte manches besser 6*' stattet werden können. Aber cs ist ja zu hoffen, daß kein späterer Krieg mehr e» gebieten wird, die Erfahrungen dieses Krieges nutzbar zu machen. Allein auch unter den obwaltenden Verhältnissen kann hier so manche Aufgabe ihren Platz finden. Ich behalte mir es vor, in meinem nächsten Bericht über den sehr günstigen Eindruck, den ich von den jüdischen Solbaten gewonnen habe. Mitteilungen zu wachen. Darf ich auch von mir persönlich mitteilen, daß mein Befinden auch an ungünstigen Tagen, stets gut war. (Schlutz folgt). Die jttifche» Jet-prediger haben schon wiederholt selbst iu der vordersten Schützenlinie den jüdischen Soldaten Besuche abgestattet und ihnen dort geistlichen Trost gespendet. Bon eine« der Feldraddiner ist bekannt, daß er durch einen Granatsplitter leicht verletzt worden ist. zrldpoftbrirsr. A» E-kecht 94t A«»»g»r,tz*;. Sebr geehrter Herr D. Wie Sie wähl inzwischen von Herrn Unteroffizier Klei, erfahre» haben, ist Zhr Sohn am l5. 10. d. I. verwundet worden, in eine« Waltzgefecht vor der Festung Iwan- *) Der Brief ist vom Felde au« an dev Vater detnzwisLen ge' kalene, Refere«»ara Dr Dzta1s»zyn4ki, in Glatz gerichtet. Ter Suvsch de« Schreiber», feine» treuen Vvrichea ist leider nicht in Srfülluog gegavzen. Red. gorod in Ruff. Polen, ich bitte Sie nicht fich unnütz aufzuregen, Geahr fürbaß Leben Ihres Sohnes Salo besteht nicht, er ist durch (Schrappoellfchuß verletzt und zwar am rechten Hinterarm Muskel) Kleischwunde. Knochen ist wahrscheinlich nicht verletzt. soviel ich beim Verbinden gesehen habe. Die zweite Wunde befiabel fich hinten am rechten und linken Oberschenkel im dicken Fleisch. eS find ungefähr ziemliche Löcher, aber die Wunden werden heilen, hoffentlich auch der Arm. der hat wohl am meisten gelitten. Kurz der Hergang, seit einer Woche ungefähr liegen wtr in Schützengräben 4 Tage und 5 Nächte. Am 13. d. M. abends hatte unsere Kompagnie ca. 2 Stunden dauerndes Walöraodgesecht. dabei wurde von uns niemand verletzt, da die Russen aus ungefähr 1300 Meter schossen. Am 1 4. abends versuchten die Russen einen neuen Ausfall, der jedoch von unserer Kompagnie. welche die vahnsicherung hatte, abgeschlagen wuidc. Am 15. früh kam die Meldung, die Russen wären in unserer linken Flanke durchgrbrochen, dabei starb den Heldentod unser Feldwebelleutnant Dillamowitz-Müllentzorf, von der 2. Kompagnie l Mann, unsere Kompagnie alr nächste der Raffen erhielt den Befehl, die Verbindung,mit dem Regiment 93 unserer Brigade unter allen Uoistünben wieder auszunehmen, kaum 300 Meter waldeinwärts eihielten wir ein Feuer, wie ich eS im ganzen Kampfe noch nicht erlebt habe, trotzdem ich bei 4 Gefechten beteiligt war. Es war eia reines Morden; von unserer Leite wurde weniger geschossen. Mit aufgepflanztem Seitengewehr ging es an den Feind, der in ungefähr zwei Stunden vollständig geschlagen, panikartig die Flucht ergriff. Momente wo einem da« Blut erstarrte und die Nerven die hüchsie^Sparrnung erreichten. Den ersten rusi. Schützengraben, hatten wir im Sturm genommen und waren bereits über den zweiten Graben, als unserer Kompagoieführer tödlich getroffen, verwundet wurde, mit ihm Ihr Sohn, beide dieselbe Verwundung. der Oberleutnant noch ein Schuß durch den Leib mehr, er starb nach drei Stunden, ,d»rch dasselbe Schrappnell. fiel noch der Gefreite Windlocher-Beuthen, der mit Zhrem Sohn zusammen bei den 38ern gedient hak, er war sofort tot. ich selbst, der ich in unmittelbarer Nähe des Kompagniechefs war. blieb wie ein Wunder unverletzt, es ist dieser d.r 2. Kompagnicsührer, der an meiner Seite fiel, bald darauf wurde das Signal. ,da» Ganze Halt' geblasen. Beim Lammeln traf ich Ihren Sohn, er rief mich an: .Zielte, Zielte verlaffen Sie mich nicht, lassen sie mich nicht in die Hände der Russen fallen' Ich schnitt ihm die Kleider vom Körper, verband ihn und fertigte in Eile eine Bahre aus Fichtcnstämmchcn an 3 russische Zelte angebunden. Hier legten wir ihn hinein. Auf mein gütliches Zureden, daß kein edler Teil verletzt sei, beruhigte er sich dann etwa«. Auf unser» Schultern trugen wir ihn auf Umwegen, da recht« und links die Granaten und Schrappnellrinschlugrn, 2 Stunden nach der Verbandsstelle. Er wurde vom Arzt untersucht und er bestätigte meine Vermutung. Kein Knochen war verletzt. Hierauf ging es tormüde zur Komp, zurück, die iu* zwischen zur Ruhe in einem Dorfe übergegangen war. Nachdem ich schnell Mittag gegessen, rill ich mit einem Pferde 2 Paketchen Cakes, Lhokölade, nochmals zu Zhrem Sohne. Er freute sich und war fchr dankbar, am andern Vormittag ritt ich nochmals hinüber, da abends noch ca. 4 Briese und 6 Karten angekommen waren, ich las sie ihm vor. Er freute fich sehr, aber cr schien mir Schmerzen zu leiden. Gegen Mittag kam er in das Lazarett, wohin weiß ich nicht, ich habe die klcmen Postsachen an mich genommen. Geld wird retour gesandt, »0 Mark hatte ihr Sohn roch im Brustbeutel bei fich. Teilen Sie mir bttle, nachdem Sie «fahren haben, wo er liegt, seine Adresse mit, ich wäre Ihnen sehr dankbar. 3« vorzüglicher Hochachtung Z. Wir hoffen alle, daß er bald gesund wieder in Ihrer Mitte weilen kann, und dort oie Reconvaleszenz-Zeit fich gulpflegt, daß der Körper wieder vollständig genesen wird.', Aus ZieldpoAvriefea des Herr» HverKavsarzt Hr Se«i Moos Konll»»; an feine Htter» : ..,20. 10. 14. Soeben wird mit mitgeteilt. daß unser lieber Hasgall ans Gailingen heute früh gefallen ist. Er war Krankenträger und mit der l2. Kompagnie vorgegangen, kam ins Schrapnellfeucr und gleich tot. Für fein Grab zu sorgen ist mir Ehrenpflicht. Lieber Papa! Tue mir den Gefallen und fahle zu seinen Eltern. Wir haben manchen Soldaten zusammen verbunden und gut gearbeitet. Mil Liebe hing er an den Seinen und sprach oft von ihnen. ..21. 10 14. Wie ich auf der Karte schon schrieb, ist Hasgall gefallen. Er bekam einen Kopfschuß, der ihn sogleich und schmerzlich lötete. Bei Einbruch der Dunk Iheit lreß ich rhn durch meinen Krankenwärter holen. Nachdem die Verwundeten alle befolgt und teilweise durch die Sanitätskompagoie abgeholt worden waren, begann daS traurige Werk. Vom Verbandplatz aus fetzte sich der Zug in Bewegung. Durch die stockdunkle Nacht ging cs durch dre arg zusammcugeschoffenc Stadt zum Hospiz ^esnve cl' Are, voraus ein Mann mit Licht, dann zwei Sanitäts-Offiziere (Dr. Mampell uud ich), dann die Babre mit den Toten im Ganzen sechs. Im Garten des Hospiz war schon das Grab eines unserer Leutnants. Daneben machten wir drei Gräber, links Hasgall. dann für zwei Manu der Kompagnie, schließlich für den Oberleutnant mit zwei Mann seiner 7. Kompagnie. Wortlos gruben die Leute — die Sanitälsmannschaften der 3. Bataillons haben fich alle freiwillig gemeldet, da« Grab zu bereiten'. Mit dem Gesicht nach Mierach wurde er gelegt und dann sagte ich laut ein Kadrfch, das alle feierlich mitauhörten. Heule, am anderen Morgen, haben dre Kameraden das Grab mit Palmen, Buchsbaum und blühende» Pflanzen geschmückt. Zch habe eine Aufnahme der Grabstätte gemacht und will fie den Ettern schicken, den Nachlaß habe ich einstweilen an mich genommen. Es war gestern Nacht eine feierliche unvergeßliche Stande, geweiht wie wenige. Ueber da» Begräbnis leuchtete die lohende Flamme brennender Häuser, die alle« mit Purpurlrcht übergoß. Bedauert von allen seinen Kameraden und Vorgesetzten liegt ba in Feindesland ein Ma»n, der tapfer und unerschrocken feinen Dienst der Liebe und Hilfe versehe» hat uud dem alle ein gutes Andenken bewahren werde»-*