Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- 44 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Itidilchr voIkjttt,«g. Patriotismus und Kriegsfürsorge. vrrria«, de» S0. Vttodn kkr. 44 P«* .9*<t Are»»' ») Mt Zntifewltt»«,». Dn stellvettretende Militärinspekteur btr freiwilligen.Kranttn! ststeAs, SBift Hatzseid, Herzog zu Trachenderg, schreibt »nie de» L. Oktober au die .Mitttgn. de« «. z. Abwehr d. »nttsem.' 8« ist mir »iigeieiit worden, daß Ihrem Verein Material zn-egangen ist, au« dem sich da» Bestehen antisemitischer Ten denzen im .Roten Kreuz' ergebe» soll. Ach wäre daukbai, »en» Sie mir Einsicht in do« Material verschafften, nm ein ■ Peüsnng und Klarstellung zu ermdglichen. Ich würde e» seh bedauern, wenn — selbst von einer untergeoidnete» Eielle — ii > .Roten Kreuz' eine antisemitische Handlung begangen worden wäre, und Ich würde dann unnachfichtlich und nachdrücklichst dagegen einlchreitea. Hatzfeld. , Unsere Freunde werden gebeten, etwaige Beschwerde» nov zu übermitteln. Wir werden nicht »erschien, fic der zuständige» Etelle zu unterbreiten. filu wohltätiger ZSnrger k.6. Der Generalsekretär der deutschen Akizteschast, Herr 8 an!- tätsrntDr. Oliven in Berlin - Lankwitz, ein geborener Breslauer, hat ein vorbildliches Beispiel bürgerlicher Hiistbs reitschaft gegeben, da« in der Ocssentlichkeit bekannt zu wkid verdient. Ja seinem ausgedehnten Befitz in Lankwitz bei Berti:. wo sich seine Nervenheilanstalten und Sanatorien befinden, hat Dr. O. einen Pavillon lediglich zur Ausnahme von 00 v< wuudetcu Kriegern Herrichten lasten. Ja 4 geräumige» Säst find die Berwnndelea untrrgebracht. Blumenschmuck, neben d freundliche» Ausstattung verleihen de» Sälen einen anheimel! den Eindruck Zwei Schwestern find beständig um die B wandelen bemüht. Ein Arzt ist zu ihrer Beifügung. Rebe»! befindet fich der große Operationlsaal mit allen technisch! Neuerungen ausgestaltet. Mehrere Aerzte fiod darin tät Auch Billard- und Spielzimmer befindet fich in unmill>ldat Nähe. Der groß« Park und Wandelgänge diene» zur Erholung der Promenierenden. Die Beköstigung laßt nicht« zu wünsch» übrig. Auch an Erfrischungen fehlt e« in keiner Weise. Ale diese wirklich vorbildlichen Einrichtungen werde» ohne Zuzahlu >g von irgend einer Seile geleistet. Herr Sonitlätlrat Dr. Alb rt Oliven unterhält diese Pflege- und Heilstätte für unsere tapsri m Kämpscr a»i eigenen Mitteln. Wahrlich e« gehört neben bedeutenden Mitteln auch ein guter Wille, eia mitsühlende« Herz dazu, eine solche Ausgowc auf privatem Wege, in aller Stille — während der ganzen Dauer de« Feldzuge« — zu lösen! j Dm», sobald ein Teil al« geheilt eutlafien wird, rücken neue Anlömmlinge ln die frei gewordenen Plätze ein, sodaß »er Bestand stet« gleich bleibt.! Herr Olive» ist, wie viele» bekannt sein dürste, der Generalsekretär der deutschen Aerzteschast. Unter seiner umfichti; en Führung haben die Studienreisen deutscher Aerzte nach Ep tz berge», Teneriffa, Spanien. Italien, Nord- und Südamerika, England stattgesnnden. Ueberall war er an de» Häsen « Doyen der Aerzte, erhielt viele Au«zeichuunge» und sollte i» diese« Jahr gleicht»!« eine Studienreise mit seine» Tolle, «n nach Süo-Ost-Afrika unternehmen. Er halte schon einen Damp ser zur Uebersah« besorgt, da trat der Krieg ein und machte v >rerst allen Plänen ein Ende. Herr Dr. Oliven ist auch Milbefitzer der Heilquellen >on Karlsbad. Merlin, 2. Oktr. Bon den Schwestern de« Verein« ür jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin find 40 Echwester» in Reservelazarettea oder im Etappendienst beschäftigt. Die Einberufung noch weiterer zur Verfügung gestellter Schwest in steht bevar. Hre»de». Wie In der Sitzung de« Rate« der Stadt »iigeteilt wurde, hat die Bonlfiema Gebrüder Arnhold anläßlich ihre« övjährige» Bestehen« 50 000 M. zur Linderung ter Krieginot gestiftet. I k. tzfvseu, 28. Oktober. Außer dem bereit« vertffentlichtm Spende» zu Kriegszwecken seiten« der hiefigcn jüdischen Mitbürger weiden noch auszugsweise mitgcleilt: Zur Ralionnlftrsiung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen: Ehemisch« Fabrik Aktiengesellschaft vo>m. Milch & Lo. 2000 M. Kommerzienrat Razary Kantorowicz >000 R., Siegfried Leier 1000 M, Fabrik Direktor Dr. PietrkowSki 500 M. und mehrere andere ln Abstufungen «n 5 bi« 100 M. Ein jüdischer Gnt«befitzer au« Rufflsch-Pole» stistete für ha« Rote Kreuz >000 R. Der »erst. Kfm. Nathan Neusrlt bat der Stadt Posen ein Legal von 5000 M vermacht Die Stadt erklärt« fich nach dem Anträge de« Etadtv.-Vorft. Justizrat» Placzek mit der Aunahmc de« Legat« einverstanden. — In da« Kuratorium der Bergersche» Stiftung wurde Stadtrat Schleyer wiedergcwählt. — | Kn» demPlesernelnznrett »er Asrnelitisch« firztehnngsans zu Ahle». Seit nunmehr 8 Wochen ist da« Reserve-Lazarett der raelitischr» Erziehungs-Anstalt zu Ahlem mit seinen ca. 80 B« voll belegt. Di« Lerwundelen erholen fich dort fichllich nehmen schnell an K»,pergewicht z». Hierzu trage» nicht wt die günstige Lage de« Grundstück«, di« prachtvollen Balkon« di« weiten GaN enanlagcu bei, die von den Verwundeten, soi sie dazu in der Lage find, fleißig zu Spaziergänge» de, werden. Dank dem Entgegenkommen de« Herrn Dr. mack. E<lrö Hannover konnte eine »edicomechanijche Station eingerichtet und dem Lazarett somit ein weiterer Heilsaktor gewonnen «er«». Den Verwundeten wnrde manch« Freude und Anregung geboten. Hannoversch« Künstler, Mufikcr, Opsrnstnger, Rezitatoren sowie Instrumental-Vereinigungen und Gesangvereine wetteiferten in dem Bestreben, den tapstre, Kriegern angenehme Stunden zu bereiten. Eiue ganz besondere Freude wnrde de» Verwundeten durch den Besuch der Fr»» «e ner » l. Ob« rft von Hindenbnrg zuteil. Unter Führung de« leitenden Arzte«, Mebizlnalrat« Dreve« und der Kommission für di« Ernich» tuag de« Hilsrlaprretl«, Frau Marie von Alte», Herrn und Frau Sartoriu« Reinhold, Herrn nnd Fra« Lantrat Kioßmaa» und Herr» und Fra, Direktor SUberberg, besteh. N tigte ihre Spellenz, hie in Begleit»»» der Gräfin Erayenberg erschienen war, di« Einrichtung«» de» Lazarett«. Aus eine Anspmch« des Direktor« Silberberg, bi« in einem Hoch aus de» um sei» Vaterland so verdiente» General-Oberst nnd seine Familie endete, dankt« Frau von Hindenbnrg fichtlich erfreut und versprach, ihre» Gatten von den im Ahlemer Lazarett vrrlebte» Stunden zu berichte». Eine von Ihrer Epellenz in Ansficht gestellte Wiederholung de« Besuche« wird de» Verwundete» Ehre und Freud« bereite», dann die lieben«würdige Weise der Gattin unsere« Hindenburg ist von tiefem Eindruck bei allen i« Lazarett Anwesende» geblieben. Wien. Für den Zustand de« jüdischen Heldenmädchen« Rebekka Henoch gibt fich allervrte» da« weitgehendst« Jntereffe kund. Zu ihrem Krankenlager kam di« Erzherzogin Elisabeth und überreichte ihr Geschenk«. General-Adjuiant Paar schrieb an die Spltalsleitung: .Seine Majestät geruhen, der Rosa Henoch, weich« während der Labetieofte bei de» Kämpfe» um Ravarutka verwnndet, und ter de«halb der Fuß abgefchnittea wurde, da« mitsolaeud« goldene, mit einem allerhöchste» Ehistre- Anhängsel in Brillante» gezierten Halskrltche, und ihrer Mutter 1000 Kronen zu senden. Seine Majestät wünscht auch all« Herstellungskosten eine« künstlich«» Fuße« für die Henoch au« > Seiner Pttoalkaffe decken zu laffe».' |' Budapest. Wwe. R Roth ließ ihr« Wohnung zu einer; provisorischen Synagoge umwandel», um so einer großen Schar : aalizlscher Flüchtlinge die Möglichkeit zu diele», nach ihrer Weise ihre Andacht zn verrichte». $oItate»Strforge. Ak» ^»zarettpredlger wurde Dr. Martin Joseph-Berlin nach Spandau abkommandiert. Zogleich ist ihm Im Gesänge,- Läget die Seelsorge der rufllschen Soldat«» übertrage» wordea. Snmnltl. Wie eine» Feldpostbriefe vom 29. September zu entnehmen ist, war durch einen Armeebefehl sämtlichen jüdische» bei Euwalki stehende» Soldaten Gelegenheit geboten worden, fich am Versihnnngttage zu eine» Feldgottesdienstr zu versammeln. Zokderz, 17. Dktgher. An sämtlichen Feiertage» waren die Mannschaften aller hiefigen Truppen vom Dienste beurlaubt und halte» nebst de» Verwundeten ta de» Reservelazarettea Befehl, an dem Gottesdienste teilzunehme». Da jedoch in de» Gemeindetempei wegen de« beschränkten Raume« nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl der Soldaten Platz fand, so wnrde an den beide» Nachmittag» de« Renzahrssefte« ein besonderer feierlicher Gottesdienst in der Hanssyoagoge M jüdischen Kur- Hospital« abgehalte». Zu de» jüdischen Iteiertage» ist bei de» württembergischeu, bayerische» und badischen Trupp«, dnrch Armeekorpsbefehl bekannt gemacht worden, den israelitisch«, Maunschaften weitgehendst zum Besuch« de« Gottesdienste« entaege» zu komme» und, wo es die Verhältnisse erlanben, dlenstfrei z, gebe». Sogar am Jom Kipnr Kolon find fik durch Parolebesehl zum Gottesdienst beordert worden. Ctfaagt*$lrf«rgt. f. Meitze Lehrer und Chorleiter G« d I e w » ky-Kattowitz, Schwiegersohn be« Kantors Gort«» in Pose», ist iufolge de« Kriege« zum L a, a r e It-Jnspekt » r in Reiß« ernannt worden. Er hat in den dortige» Kaserne» «tue. Gesamtaotlesöienst an den hohe» Festtagen für die jüdische, rusfische» Gesänge»«» geleitet. Unter den gefangen.-» Russe» befanden sich Ib (nach unsere» Bericht in vor. Nr. 22) jüdisch« MUItä» ärzte. Die jüdische Gemeinde Reitze hatte »»für Sorge genügen. daß l» entsprechender Zahl Gebetbücher zur Berftlguug stände», auch sür Laichs» und rituelle Requifiten war gesorgt. f. tzknsenEi» Gefangen-Gotletdlenst fand io de» nicht »äit von hier entfernten Miedr»»ü»lTropp«n.Il«bu»a«platz) statt. Ungefähr 60 jüdisch« Soldaten nahmen an der Andacht teil. Dir Kultusdeamte au« Brutschen, welcher zur Fahne elaberufe» ist, fungierte all Vorbeter. — stlogase», (Posen), 16. Ott- Im hiefigen Reservelazarett find unter de» bisher eingelieferten deutsch«» Verwundeten keine Glaub,nsgcnoffrn, während fich unter de» Rasten schon mehrere Jude» befinden, die «eistetl« leichtere Verwuntnnge» habe». Rur einer derselbe», Leib Kahn au» Schmargo, in Gab. Wilna, der einen schweren Bauchschnß hatte, starb 2 Tag« »ach der Eiuliefcrung an den Folgen seiner Verletzung. Wahrend seine« schweren Leiden« hatte der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Dünner, auf Erlaubail de« Lazarett-Chefärzte«, Herrn Dr. PhllippOhal, Tag »nd Rächt Wach« bei ihm gehalten und ihm in dm letzte» Stunden die religiösen Liebeldieustr erwiese». Die Beerdigung l fand unter großer Beteiligung »»»seilen der Gemeind« und mit I alle» Ehren, die einem verwaadetcn Krieger zukomm«», ins dem I hiefigen jüdischen Friedhof« statt. Am ließ Herr Dr. Dünner im Lazarett -»no blase», und am rvvu brachte er den Verwandele» arvun vdrb, Leider hat da« Gencralkommand» de« 5. Armeekorps ln Posen auf «in diesbezügliche« Gesuch de« Herrn Rabbiner«, die Gewährung ritueller Kost sür die verwundeten Rust«» au» militärischen Gründe» nicht gestattet. Da aber einer der Patienten in religiöser Festigkeit die Annahme uurilueller Kvft verweigert« und etwa 8—4 Wochen sich nur von Brot »nd Kasse« ernährte, erlaubte der Chefarzt ly Anbettacht diese« Herol«»»«, daß diesem Gefangenen nunmehr rituelle Kost »eribsolgt «erbe, die ihm au« der Küche de« Herr» Rabbiner« von diesem selbst, da anr 4hm der Zutritt gestattet ist, gereicht wird. Durch Vermittlung de« Herr» Rabbiner« Dr. Cohn in Basel ist den Angehörige» der Patienten in Rußland vom Befinden derselben Mltteilchig gemacht worden. Aal«. Im hiesigen Gesangemulager befinde» fich »nter anderen auch über 20 jüdische Rüsten, die I» de» oftprerchischeu Schlachten gefangen wurdeu. Im Einvernehmen Mit dem Generalkommando wurde denselben für de» Jom Kipbur die Abhaltung einet Gottesdienste« gewährt. Gemeinderabbiner Dr. Kahlberg hat de» Kriegsgefangenen Machsorim ns», »erschaft. Di« ebenfalls dort untergebruchteu .echt rusfische»' Poben habe» als» Gelegenheit, jüdische Giaubenttrene an« nächste, l Nähe «itrrlebe» z» mästen. Aannooer, 19. Oktober. Herr Laudmbbiuer Dr.Gro Neman», Hannover schttibn In dem Lager zu Münfter, Provinz Hannover befinde» fich außer de» militärischen Kriez'zefaugenr > gegen 800 Zinil- Krieg«gesa»ge»e jüdischen Glaub««. Es fiad dieses meist Raff«, welch« in Lüttich studierte» »nd ohne, baß fic am Kampfe fich beteiligt »der Feindseligkeit« gegn da« deutsch« Heer unternommen hatt«, lediglich deshalb interniert Word« find, «eil fic Angehörige eine« scindlich« Lande« find. AI« gebildete Mensch« Hab« fie den Wunsch nach geiftigtr Beschäsligung, doch ist diese« nicht möglich, da den Kriegtgefang«« grundsätzlich das Lese» von Bücher» »erbot« ist. Jndeff« ist ihnen aus ihren besonderra Wunsch »nd aus meinen daraus erfolgt« Aattag da« Lesen in der Bibel gestaltet worde, und »ende Ich mich »eshalt an »nsere G1a»de»«ge»off« mit der Bitte, mir verfügbare Bidelepemplare in deutscher, »der was dies« Kriegsgefnngene» noch erwünschier »» sein scheint, in hebräischer Sprache zur Uebermltlluno an dicfrlden zuzus«den. Aoksterg- Die verwundeten Kitegsgesangeacn aus Rußland durften an de» Gotte»di«fteu nicht teilnehm». Statt best« verlangte die Behörde die Abhaltung besonderer Andachten in dm einzeln« Lazarett«. Da» war jedoch »nmtglich, da die l l jüdische» Gesängen« in »erschitdmen Krank«häusem, deren Zahl uagefähr 20 btträgt. 'Untrrgebracht »arm. Ader es »nrdm ihnen »«detdücher »nd Machsorim zur Privatandacht znr Berfügnng gestellt. B«i» Ootkeodieust. Hammerftei», dm 22. September 1914. Rach beendetem Dimst fitz« ich jetzt »omds gemütlich in «einem varackenstübchea, die Nein« Pelroicnmlampe brennt ans dem Tisch, ich rauche eine Zigarre, denke an Euch, »nd laste die Ereignist« de« heutig« Tag« an mir vorüberzieh«». Ich hatte sür »ormitlag« d« Befehl erhalt«, di« Oberaufficht über dm jüdisch« Gotte«dl«nst, der sür die mosaisch» Gefangenen stattfiad«, sollte, zu sühren. Um '1,0 Uhr wurden di« Soldat« an» den 8 Kvmpagni« mich einem groß« Reithanfe gefühn, wo fie fich ans Holzschemeln'nlederließe». E« durchfuhr mich, ich weiß nicht, wie Ich diese« Gefühl beschretb« soi, al» ich d« Zug in Empfang »ah« und »ach de« Reitftale leite«, und al« ich die verhältnllmäßig ungeheuerlich große Zahl sah, di« fich da »«wärt« bewegte. Durch Umfrage unter d« Gesangeaen ist nicht nur der Beruf eine« jeden, sonde« auch die Religion sch,«stellt Word«, «ad e« ernad sich, baß unter d« hier defindllch« etwa 6000 Kriegsgefangenen fich bei »er 1. Ko«pag n ie l80 2. . 268 4. , 248 zusamm« 688 jüdisch« Gesang«« - dchnd«. Dieser groß« Zug jüdischer Soldat« degan» da»» nm 9 Uhr »ra Gottetdieust- Au« roh« Kifteudrrttr« hatt« fie fich ein« Altar (Betpnltj zurechlgqimmert, d«a»f sechs Lichtt defefügt »nd «u^züudet, »nd «, russtschar Soldat au« Attin« mit »inam »»«Bmnnmrsfiii» gckwdmin i . fun^erte als Kantor. W«a auch die Absprache de« Hebräisch« fich sehr von dechnig« »nterscheidet. wie wir es in uns« Synagog« hör«, so rührte e« ein« t«ch, weu» mau b«»«kt, daß diese Meafch«, den» Muttersprache mau nicht »erficht, z» ihrem Gotte in derselb« Sprach« dett» wie wir deutsch« Jud«. Wie ttn Raujch» ging c« dnrch die Hunderte der Gosangen« als der Lordaier das Schma Iisroel sprich nnd als eine kleine Thorarolle herumgettagea wurde, drängt« fich die arm« »«scheu an fie heran, um fie ,, küff«. Biele inte hotten klein« rascheugedetbücher mit fich, ander« fprach« die Gebete auswmdi, mtt. Auch auf einem »«» der Hammersteiner Gemeinde «Mehr»« Schosar wnrde gedlas«, in etwa« «»derer Att wie bei UN« i aber es «in, einem dnrch »nd durch. Zu» Schlitz de« Gottesdienstes sammelte fich infolge Ausrnse« eine» der Soldat« «tue Schar »m kra Borbeter, der eine schr schön« Teuorsti»me hatte, uud »nu erklang« in vierstimmig« Ehtnu Tempelgesäug«, „» 60 Mt 70 Säugern »orgelrag«, mit Sologelang. Traurig« schwermütige Melodl«, wie ich fie »och nicht gehött habe, mqweifelhast die Kompofitloue» echt rusfisch-jüdl. scher Tor.küostler. Mancher Gefangeue schi« bei dies« Kläna« an sei« fern« Ach« jt d«ken, manches Ang« sah ich bei jünger« und älter« Männer» »oller Tränen. AU die »*- dacht mit einem gemei»sch«ftlich» Gedei geschloffen wurde, erbranste a«h eürmal di« groß« Hall« »oudem Gedet« »er sauz« Schar, von drautz« schtt» dl« Sonne herein. Zwitschernde Schwaiba fiog« i« «onme hi, uud her, »nd dett» Herallsgeh« drückt« fich »iel« die Hand, die sonst i» Lager gettrnnt find, UN» die sich jetzt wichersah«. »«che halt« ihr Brot uud ihr« Eßnaps mtigeuomm«, »«mit es ihn« nicht während ihrer »bwes«hett »»» d« «aber«Mubi^» Gefangen« «nommm »erb« künntr. Ich sprach »och nit einem der L«te, es war ein jüdischer Astestor, ei» stattlicher, -synlpathisch Mtssch«u«»er »ann. — Ich war mittag» nm 12 Uhr mtt der »nffichl fettig und werde diese« Krieaterlebni«, das ln mir uuwttlöschllch« Eindrücke hinterlaffe» hat, nicht »er,eff«. Bei de» «»fisch«» Atoilllriagsgefaug«»« t» B«tzleöe». Hier find nugefähr 1400 Person« aus der Re»»d«hn tu «»hieben „tergedracht, für die eiue verhältuUmützi, kleiue Bewach«« Vorhand« nnd auch nur »btt, ist, da die Gesang«« fich selbst zu »«usfichtigea habe». Sie find in Gr»»»« vmi 10 di« 20 Person« elugeteill, üb« die ei» inte»ig«ter Zivilkrieg«gefa»g«tt gesetzt ist. Dieser ha» ans sttvngst« Orvnnng und Reinllchkett z» setz«, und sein« An»rd»nua« ist unbedingt Folg« zu leist«. Anfang« kam« Reiterei«» und Undoimtßigkttten vor, dl« fofott streng bestraft nchrd«. Es stritt fich »tt der Untersuchung heraus, daß zn Mannschastsführer» Leute mosaisch«, »lanbeng enuomt Word« war«. Dies« wvllte» öle Ruff«, nicht ,1« Vorgesetzte »ue-rckenne», »nd fie glandt« tu Tttutschland ekuns« mtt d« In»« versähe« ,» köan« wie ln ihrer Heimat. Erst btt Erklärung, daß in Änttschlan» kein ll ««schied Poisch« Anhänge« der verschied«« Kv«. fesfion« gemacht werde, brachtdie Leute znr »che.