Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 20 (1914)
- Issue
- 40 (2.10.1914)
- Date
- 1914-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Jüdisch« Polbyifug Nr. 40 -4 „Meine lieben Inden". vrnla», de» 2. chttoder?»?4 «t» „jiddisch«" «»fr»?. vir berichtete» von bm Rnfraf. drr un kr» nnkünkrttn «Krrrtlrimngr» an ki« Juten in Russisch-Pole» in btbtiifcktr Sprach« nnk I« .jüdischen' Deutsch lZargonj crlaffen mnik«. ®irftr»nfrnf km mir in hebräischem Koilinul nnk in kmijchrr lledersetzung bereit« abgedruckt haben, ist für dir Wichtigkeit, die di« Leitung kn österreichischen nnk k«r krulfdjrn «rmctn ö«t jüdische» »evölkrrnng Russisch-Paleu« und ihrem Einfluß dri- «essen, gewiß bezerchnmd. Er ist in der Sprache der russischen Jud i: »ersaßt nnk ketoni alle jene Punkte, die stzr die Inden van außerordentlicher Bedeutung sink unk die ihr jahrzehnte lange« Sehnen, Deuten und Kühlen ausmach.». Di» Kriegsberichterstatter haben vor kurzem mi, Genehmigung de« stttcg«preffeauartier« van d«r dankenswerten Hilse, die die Jude» Russilch-Palen« den verkündete» Truppen geleistet hake»,! J", unk van der Begeisterung, mit der die Juden die Deutschen unk! Oesterreicherbegrüßten, derichtet. Da« Original.Datnmeut lautet: ,Zn die Jideu in Paulen.' Die heldische Armee nun die giauße miteielropäische Reojernngen Deitschland und Eftenrich-llngarn, sennin areiu in Paulen. Der «echtiger Marsch nun unser» Armee« hat gezwungen die despotische rnssische Regierung zu anilausrn. Unsere Kähnen krengm eich Recht un Freiheit: gleiche «irgerrechte, Kreiheil varn «lande», Freiheit zn a,keilen u». Seftett in alle Zweigen nun etvnamtschcn um kulturellen Leben > eier «eist! Z» laug hat ihr sich geplagt unter de« eiserne» moeto- «itischen Jach. Wie Fremd kummen wir zu eich, die barbarisch« fremde Regierung ist au«! Di« gleiche Recht v.r Ziten sall weren gekaut aus seste Fundamente». Laßt eich nischt, wt« aßech mal sriher, akuarre» durch, chanrrsedige Bersprechungen! Zu hat nischt auch in IftOi der j Zar gesagt die gleiche Recht von Irden, un zu hat. er »licht i darauf gegeben den hechften Manifest 1 { Bi« hat man eich vkgezahlt de« kastge» Shanw, »o« «an hat auf fich geriummen var der ganzen Be»? Gedenkt da« A,au«t>eiben, wo« man kerbt logteglich die | jidische Mafien nun leiere eingesefime Mekaumau«! «edcr.lt stischinew, Hamei, vialystak, Siedleß un viel Hunderter andere > blukge Pogrom« Gedenkt de« Beilis-Prazeß »n die Arbeit nun die darj dorisch« Regierung, zu verbreiten dem schrecktichm Lrgen van Blutoeboauch bei die Jidcn! t »sau hat der Zar gehalten sein «anarchisch Wart, wa« er! hat gegeben, elendig In die Ale««! Er ist letzt wieder in die Klemm I — Ct, da« i« die Sibah nun seine Versprechungen. Eier heiliger Chau» ist ajetzt, zusammen zu nehme» alle Krefteu, mitrnarbeitm bei di« Befreiung. Alle Bolkekresteu: eier junger Daur, eiere Xrhillan«, eiere Ehewrarr« müsse» sich schtellen wie ein Mow». mitzu Heise» zu die heilige Sach: Mir erwart»», a« ihr wet beweisen durch Kakle» eier Berschtand und »» eier Nebergegrbenheit. Bendel sich mit de« grrßten Litachan fn bst stammantauten nun unsere Militär in die Oeiler wo« eine» rwhent zu eich. All« Sartcu Lieferungen wellen bald un gut bezahlt. Bahnt de» Weg, zu bezwingen im ganzen km Ssoune un zu brengen brn Rizvchaun nun Freiheit und Gerechtigkeit! IN« aller« Leitung »»» die »erllindet deitsche »» esterreichisch-nn,arische Armee» 9k .gekielten A»de» - stasakengrenel in Russtsch-Pvlen. B«W M»«e. der «»4 R»sßsch.P^ni zuiökk tß, ntz«»», wir fsf|rntt Echildn»v§fi». die Mr hier »icfcttfrta,; In de» kleine» Stäbchen Russisch Palen« spielen fich jetzt unvergeßlich« Szenen ab, manchmal tragikomische, manchmal blutige. Di« Kosaken, die weder in polnische Dörfer und Städte eiugezvgen find, wirtschaften dort aus die ihnen eigene Art. >l« ich in Radom in einem Gasthof saß, da sah ich Plötzlich ein« Abteilung stvsaken, die durch di« Stadt galoppierte. Himter de» stvsaken her eilte eine. Menschenmenge. Zn ihrrr Mike wurde» unter Bewachung drei Juden geführt — einer in festliche« Seidenkasta», zwei andere in den Nachtkleidern —, fast entblößt. Alle drei blaß, erschrocken und betend. Di« Menge Ihrer Glanbenggenaffe» umiittgle sie «einend. Der stillt. In dem zweiten Zimmer waten die Gesuchftcller, fast lauter jtüdische Kauslexte. Bevor sie var dem Gesicht de« stoi Mandanten erscheinen ktnnen, »erde» sie van einem jungen, etwa zwanzigjährigen, stark gebauten, energischen stvsaken in Reihen ausgestellt, geordnet und ermahnt. Der junge stasak spricht zu jedem der anwesenden Inden dieselben kurzen Warte: .Geld hergeben!' E» verschwinden in der Hand de« stvsaken Neinere Silberstücke, ast auch ganze Rudel. Der stasak laxiert die Jntereffenten nach chren stleider» und ihrem Aussehen. Lei jede« jedoch macht er die Bemerkung, er habe viel zn wenig Geld de kämmen. .Wer fahren will, muß auch zahlen. Geschäfte »all'ü ihr machen, aber euren Bruder wallt« Ihr nicht« verdienen Und zum zweitenmal sängt er an, da« Geld einzrrkasfiere». Wiederum klingt da« Geld, kleinere und grdßere Geldstücke. Da, unerwnrtet salzt ein Theatereffekt. Die Tür wird wirklich geöffnet; aber nicht die Tür, die in die stanzlei de« Komma»- danten führt, sondern die recht«, die in ein anderes Zimmer geht. Der junge stasak packt die am nächsten stehenden Inden, stößt sic gegen diese« Zimmer — ungefähr zwanzig Rauflenke fallen in die Arme der stvsaken, die hinter den Türen schon warteten. .Jetzt werden wir Such »a« zeigen! Bartet« nur!' Die Raga-ka beginnt zu pfeifen, man hört entsetzliche« Schreien, da« nur durch die schnell zugedlückten Türen gedämpft wird. Der junge stvsak schaut erst die im Wartezimmer gedliedenen Inden an und beginnt artig zu wiederholen: .Geld hergeden!' Die Szene, di« var eine« Augenblick stattgesunden, hat ihren Zweck nicht verfehlt. Der stasak nimmt jetzt eine noch reichere Steuer ein. Ader var den stammandanten werden nur wenige gelafien — die dem jungen stvsaken gefallen. Die übrigen Inden werden in den Hof Hinausgelrieden. llnd sie sind nach üderglücklich, daß man sie nicht hinter die rechte Tür schickte, wo man die Steuer mit den Schlägen der Reitpeitsche qustliert. Wir fahren au« der Stadt hinaus. Es ist ein Wunder, daß ich überluiupt einen Wagen bekomme Hab«. Ein graue« Pferd, bei dem man alle Rippen zählen könnte, zieht resigniert den Wagen, auf den ich mit meinem staffer hinaufklrttere. Rur die i« voran« bezahlt,n sieben Rubel hatten den Kuhrmana — einen jungen Juden — bewogen, daß er mit mir binauefuhr. Beide Hallen wir Pässe — nnterweg« untersuchten einige stasakenpakvuillen unsere Papiere und fanden sie in Oidnung. Sv fuhren wir unbehelligt durch einige Dörfer, die an meinem Wege lagen. Schon sehe ich die erste» Hütten de« Dorfe«, in welchem die Pflicht meine« Auhrmanue« beendet ist, und van dem er nach Rada« znrückkehren soll.. Da ertdnk au» einem Gebüsch der laute Ruf: .Stehe n bleiben!' In demselben Augenblick halten wir di« Pferde aus. Wir sehen stosakenlanzen. Dem Wagen nähert sich der Potrouillenkvmmandaut. .Püffe hergeben!' Die Pässe weiden vorgezeigt. »Sie sind ein Pole?' .Jawohl' .Du ein Jewrh iJud»)?' .Jawohl!» Der stommandant wendet fich an mich. »Steigen sie vom Wagen sasart herunter; den weiteren Weg werden Sie zu Fuß zurücklegen!' Ich strenge mich an, de« stasaken zn erklären, daß ich den Wagen schon bezahlt habe und daß ich jetzt genötigt wäre, den schwerm staffer allein zu tragen. Ich bitte ihn, er solle «ir erlauben bi« in« Dmf hinein zu fahren. Eie werden zu Kuß gehen, habe ich schon gesagt!' wiederholt der stasak «it fester Stimme. Der Tau seiner Rede war so eutschlaffen, daß ich vom Wagen hinnntersticg und den staffer in die Hand nahm. .Marsch, weiter!' ermutigt mich der stommandant. .Da haben Sie nicht« zn suchen!' Ich mtserute «ich nach dem Darse. Hinter ganze unheimlich« Zug giu, in drr Richtung nach dem nahen tönten zwei gedämpfte Schüff«. Al« ich «ich umwendete, sah Staatwäldchen. ich auf der Straße den jungen Jude» bei seinem grauen Pferd« an.» ia - .. -liegen. Die stasaken Patrouille zag weiter. »Vas ist geschehenk' fragt« ich neugierig. .Di« drei Inden werden gehängt', antwortete «ir kurz ein Man». .Man hat alle hiesige» Inden zusammengetrieben, damit sie der Hinrichtung zuschaue».' /Was haben sie denn angestellt?' Mo» kannte mir keine genaue Antwort geben. Wahrscheinlich dürften di« drei armen Jude» de« Preußischen Militär gehvife» haben. Rach kurzer Zeit war die Exekutivst vorüber. Wie eine Echafhrrd, van den stasaken getrieben, kchrten die Jude» jammernd in die Stadt zurück. An einer Straßenecke hat eine Jüdin ihren Standplatz, wo sic Obst und Süßigkeiten verkauft. Ich kauf« bei ihr Birnen. Da tauchen neben mir zwei stasaken ans. Die Gewehre aüf de« Rücke», in der Hand die Reitpeitsche, die .Rogajka'. Die stalaken gehen daran, ihre Taschen «it Obst zn füllen. AI« kein Platz «ehr in de» unheimlich «lesen Hosentaschen ist, mtserute» fich die beiden in größter Ruh«. Die verblüffte Jüdin wagt schüchtern zu bemerken: .Sin Bund Birnen koste« sech» Kopeken.' - .Sech« stapejkenk tharoscha <g»t!)• Mit eine« starken Fußtritt wirst der stiffak den starb «Ü Birne» ,»d Zwetschke» um, der andere Kußkitt schickte die stochen aus die Straße. Der zweitt stasak salgte de« Beispiel seine« Genosse». .Da Haft d» deine sech» stapeken!' J« Bureau gibt man Pässe sür die Reise »ach Warschau Uns. Die Formulare «erden i» einem Zimmer va« rangälteste » stasak«», wahrscheinlich eine« stammandanten, onsge- Ml« die Htulkeu die.Netze» And«»' tzetzandek». Schon gleich nach Beginn de« «kriege» wurden in Rußland di« scharsrn Ausnahmegesetze gegen die Juden etwa« gemildert. Und ein Erlaß M Zaren, in dem er seine »liebrn Inden' an die Wahltaten erinnert, die sie von dem Zarenhause erfahren hätten, machte die Rund« durch die Blätter. Dieser Erlaß wurde nachher als ein Fälschung hingeftellt. Er mag nun echt oder unecht sein, jedensall« zeig«, die russischen Soldaten wenig Lerftändni« sür eine gute Behandlung der .lieben Juden,. In Galizien suchen diegRuffen ein Vergnügen daran, die Juden zu draugsaliereuß und zd<Rnihenenz gcgrn sic aufzubringen. Un« wundert da« weiter nicht, «mn die russischen Beamten und Polizisten bisher i« Frieden Pogrome» untätig zusahen oder sie gar im geheimeuzverauftalteten, sv werden die Raffen im striege.sich gewißLnicht di« süße Gewohnheit rauben lassen, die. Inden tat zu lchlagen oder dach gründlich'anszuplüudern. Deck magtzden Petersbnrger oder vielmehr Petrograder Machthabern-nicht recht in den stram paffe», aber sie dürfe» nicht darum Nage», sie ernten »ur, wa» sie säte». Eine hak». St»»»« Hkagram Da« «rakauer polnische Blatt .Raprzvd' berichtet: Zu «Halm baten die stasaken ihr« Offiziere um die Erlaudni», ein Pogrom für eine Stunde veranstalten z» »iirfm. Die Offiziere sträubte» .sich anfangs dagegm;'«an ließ'sich ous,Berha»dlungen ei» »nd zuletzt wurde eine halbe Stund« Pogrom gewährt. — Da« nennt ms» i» Rißland »l.-ichderechtigu rz d.-r .lieb.-» Inden'. Zier Aar »nd sei», .Netze» Anden' Wie großherzig der gar zu seine» .lieben Juden' ist, beweist folgender neue Uka«: Die jüdischen Sludmteu, die jetzt über Finnland nach ihrem Heimatland kommen, dürfe» sich San;« sieden Tag« i» Petersburg aufhalten. Wie man mit lukm umgeht, beweist auch die Talsache, daß eine Anzahl jüdischer Aerzte sich in der .Rjetsch' bitter beklagt, nicht im russischen Raten strenz ausgenommen zu werde». Die Wahltaten de« Zarm gehen sp weit, daß er de» Fraum der einrückenden jüdischen Reservisten und Soldaten erlaubt hat, bi« zur Rückkehr ihre« Manne« im Innern Rußland» zu bleiben, wa die Jaden kein Wahnrecht haben Während de« russischjapanischen striege» wurden die Kranen der jüdischm Soldaten au« dem Innern Rußland« an»gew:eleu, da da« Wahnrecht nur für de» Mann besteht. Ist da« nicht ein großer Skt der Gnade? Au« der Verordnung ist aber ersichtlich, daß die Frau nicht mehr außerhalb de« AnfiedlungSrayön» wahnen drrf, wenn ihr Mann auf dem Schlachffeld« fällt. Da» sind die Reformen de» gütigen Zaren für seine .lieben Juden'. Man »er rnsfisttz-psNrische» Grenze. Einem russischen Armeelieferanten war e« gelungen, au« Warschau zu flüchten und »ach strakuu zu gelangen. Er fuhr von Warschau nach Petrikau. In allen Orten entlang dieser Bahnstrecke herrschte unter der Bevölkerung große Panik. Das Darf Przyltzk, nächst Radom, wurde van den Raffen ahne jeden Grund eingeäichert. Angeblich soll sür die stvsaken Hafer geliefert worden sein, der vergiftet war. Ein großer TeU der stasakenpfcrde sei infolgedessen an Bcrgistnng verendet. Der Hafer war aber nicht va n der Bevölkerung in Przyqk geliefert worden Da aber der Vorfall fich bei diesem Orte ereignete, gab der russische stam- Mandant Befehl, das Darf einzuäschern. Die Mehrzahl der jüdischen Dorfbewohner wurde ermordet. Bei Czmftachau'.macht sich schon der wohltätige Einfluß der Anwesenheit des deutschen Mlitär« geltend. Dem Banditenwesen ist überall ein gründliches Ende bereitet wardrn. luf Anzeige beim deutschen Milttärkommanda wurde eine au« sech» Personen bestehende Räuberbande, welche seit Wochen Plünderungen, Morde und Brandlegungen verübte, schon am nächsten Tage dingfest gemacht und erschaffe». Als , Gkeichtzerechti»»»»' der And«» i» Nntzla»» Zu Beginn de« striege» versprach der Zar in seinem Manifest an .Meine lieben Inden' diese» die Gleichberechtigung und andere Beweise seiner huldreiche» Gnade. Bon der Gleichberechtigung ist aber keine Rebe. Im Gegenteil. Rach der Besetzung van Lemberg durch die Russe» hat das offizielle Organ des rufsichen striegsministerium» .Rußki Invalid' in seinem Lettortikel wörtlich erklätt: .Die Gleichberechtigung der Juden ist bloße Phantasie.' ZN« ttzalera i» Alntkau» Die russische Gesandtschaft in Bern fvrdett sämtliche russische Aerzte, die fich i» der Schweiz befinde», und auch di« Studenten der Medizi» auf, fich sofort nach Rußland zu degebrn. Es muß im Zarenland schon schlimm ausseh«», wenn die Regierung die jüdische» Studenten au» der Schvei, ruft. Erst vor kurzem hat die russische Regiernng erklätt, daß fie keine jüdischen Aerzte annehmen «lll. Jetzt find ihr sogar die jüdischen Studenten und Sludeutinnrn iut genug, die wegen ihrer freiheitlichen Gesinnung in die tzesänguiffe wandern mußte» und keine Möglichkeit hatten, im eigenen Heimatland zu studieren. Die russische Regierung weiß sehr wohl, daß di« jüdischen Studenten eurvpäische Gesinnung und freiheitliche Gedanken in das Heer hineinttagen, und ttatzdemrnft man sie. E« wird darum allgemein angenommen, daß in Rußland die Ehalera wüttt. Die« geht auch au« Bttefen hervor, die Russen au« ihrem Heimatland« erhaltm haben. Die Ehalera tritt in Südrußland fast in jedem Herbst auf. und in diesem Jahre war schon im Juni Padolie» al« verseucht zu betrachten. Durch die große» Truppenverschiebungen hat sich die Epidemie hdchsvoahrscheinlich in weiteren Gebieten ausgebreitet. Die gesuudheitspviizeilichen Zustände spotten selbst in den russischen Großstädten jeder Beschreibung, sodoß eine erfolgreiche Bekämpfung der Cholera im stttege säst undenkbar ist. Pie Aaif»»»gr» »er rnssische» A»de» Für die zukünftige Gestaltung Osteuropa» ist da» dort wohnend« jüdisch« Element van besonderer Bedeutung. In West- und Südrußland wohnen sechs Mllionen Inden, die bekanntlich van der Regierung de« Zaren in der grausamstm Weise unterdrückt und verfolgt werdm. Dieses jüdische Element ist für Deutschland insofern van besanderem Jntereffe, als es mttsteniefls deutsch versteht. Diese merkwürdige Tatsache er- Närt sich dadurch, daß die Judrn im Mittelalter über Drntschland nach Palen gewandert sind und seit dieser Zeit die deutsche Sprache beibehalten habm. Sie sprechen den .Jargon' oder da» .Jiddisch', «ine aus dem Miltelhachdculschen stammende Mnudatt, die mit slawischrn und hebräischen Worten nur wenig vermischt ist. Wenn die rusfischcn Inden durch die kriegerischen Ereiguiff« der Segemvan van dem Druck der rusfischen Herrschaft defretl und einer gesunden Entwicklung entgegcugesührt würden, so werden sie zweifellos ein wittschastlich außerordentlich nützliehe« Element darstellen, da« für die Berbreitnng des deutschen Sprach- und Wittschaftseinfluffe» überall von größter Bedeutung sein wird. Wie sehnlich die Juden nicht nur in Rußland selbst, sondern auch außerhalb Rußlands die Befreiung ihrer Stamme»- und Glaubensdrüder vom rusfischen Zach ermatte», zeigt unter anderem auch die Tatsache, daß die vornehmste und bedeutendste jüdisch« Tageszeitung Amerikas, ,TH« Jewish Exponent', in einem längere» Artikel, betstelt .Der «krieg und die Judenfrage', Rußland als den Feind de« Judentums brandmarkt und seine Niederlage herbeiwünscht. Die gleiche jüdisch-amerikanische Zeitschttft bringt die Rachttcht, daß die Londoner .Time«' fich scharf gegen die jüdisch« Presse Rew Kork« wenden, rveil diese i» der gegenwärtigen stttsi« Sympathien für Deutschland zeigt.