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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-11-08 · 45 (8.11.1895) · p. Seite 733

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand UB Frankfurt
Issue
45 (8.11.1895)
Date
1895-11-08
Page
Seite 733 (sequence 13)
Language
German
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Ar. 45. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Sette 733. ausgebracht hatte, wurde die Kaffeepause aufgehoben und Terpsichore trat unverkürzt in ihre Rechte. Das Vergnügen war als ein recht gelungenes zu bezeichnen und dem Vergnügungs-Komitee gebührt der Dank aller Teilnehmer. Der Gustav Michaelisstiftung brachte es einen hübschen Ertrag, doch noch immer nicht genug, um sie ihrer Bestimmung übergeben zu können. Dazu gehören noch ungefähr 500 Marl. Es ist das eifrigste Bestreben des Vorstandes, diese fehlende Summe bis zum Jahresschluß aufzubringen, doch dazu bedarf es der Mithilfe aller Mitglieder. Wenn jedes Mitglied nur 1 Mark für dieselbe nachopfert, so wären wir am Ziele. Ein neuer Zweig der Wohlthätigkeit, welcher den Aerinsten der Armen zugute kommt, könnte dann seine segensreiche Wirksamkeit erfüllen. Möge dieser Appell Wiederhall finden! L. R. — Wohlthätigkeits-Konzert. Das war ein Abend voll erlesenster Genüsse, den der bekannte Philanthrop Hermann Abraham zum Besten des neuerbauten „Israelitischen Heimathauses" am vorigen Donnerstag veranstaltet hatte. Der verwöhnteste musikalisch: Gourmand kam auf seine Rechnung. Die verhätschelten Lieblinge der Muse und des Berliner Publikums boten aber auch ihr Bestes. Der Lerchentriller der Frau Herzog riß zu stürmischem Beifall hin. Ihr süßer Liedermund bezauberte und entzückte immer von neuem die in ihren Erwartungen hochgespannten Konzertbesucher, die aber auch die Erfolge der anderen Künstler mit reichen Beifallskundgebungen lohnte. Neben Paul Bulß als Sänger glänzte an diesem Abend der neuaufgegangene Stern am Himmel der Geigenkunst Fräulein Baginski. Mit ihrem seelenvollen Spiel verband sie eine Leichtigkeit und fabelhafte Elastizität in der Tonführung; die junge Künstlerin erntete neue wohlverdiente Lorbeeren. Wenn der materielle Ertrag ebenso reich gewesen ist wie der künstlerische - und das in allen seinen Teilen vollbesetzte Haus scheint cs annehmen zu lassen — so kann Herr Abraham und mit ihm seine Wohlthätigkeitsklientel, welcher der Abend galt, wohl zufrieden sein. In seinem weiteren Verlauf blieb der Abend bis in die späte Nacht ungeschmälert dein Tanzvergnügen geweiht. H D. * t. Aus Oesterreich-Ungarn. Wie seinerzeit berichtet. hat der galizische Landtag im Februar v. I auf den Antrag des Abg. Dr. Goldmann den Beschluß gefaßt, im Einverständnisse mit dem Landesschulrat die nötigen Schritte zur Errichtung eines Seminars für jüdische Religionslehrer zu unternehmen. Der Landesausschuß holte auch ein Gutachten des Landesschulrates ein, der seine Meinung dahin abgab, daß eine solche Anstalt in Lemberg zu errichten wäre, und daß als Basis zur Aufnahme in dieselbe die Absolvierung einer Lehrerbildungsanstalt gellen solle. Im Lehrplane müßten außer den Fachdisziplinen auch profane Gegenstände insbesondere polnische Sprache und Litteratur, entsprechende Berücksichtigung finden. Als Studienzeit endlich erachtet der Landesschulrat die Zeit von 2—3 Jahren als ausreichend. Ein anderes Gutachten war mittlerweile vom Lemberger Prediger, Dr. I. Caro, eingelaufen. Es war dies ein Musterlehrplan, den Herr Dr. Caro ausgearbeitet hatte, und zu welchem er den Antrag hinzufügte, daß auch Abiturienten des Gymnasiums Aufnahme in dieses Seminar finden, insofern sie die Absicht hätten, während ihrer Universitütsstudien auch theologischen Studien zu obliegen. Der „Politische Verein der Juden in Galizien und Bukowina", der obigen projektierteil Lehrplan in einigen Beziehungen mangelhaft fand, richtete gleichfalls ein Memorandum an den Landesausschuß und schloß demselben einen von Fachleuten ausgearbeiteten Lehrplan bei. Nunmehr hat der Landesausschuß das gesamte vorliegende Material den akademischen Senaten der Universitäten in Lemberg und Krakan zur endgiltigen Begutachtung übersendet. * s. Ans Paris wird uns geschrieben: In der vorigen Woche feierte der berühmteste Gelehrtenkorps in der Welt, das Institut von Frankreich, die Jahrhundertfeier seiner Gründung. Das Institut besteht, wie viele unserer Leser wissen dürften, aus fünf Akademien, und nur an eine von ihnen, die größte von allen, die ^.Lackviuis IVauyamu, haben Juden bisher vergebens um Aufnahme angeklopft, obschon der hervorragende Dichter, Eugen Manuel, schon mehr als einmal nahe daran war, zum „Unsterblichen" gewühlt zu werden. Im Jahre 1804 hatte ein Jude, in der Person des Herrn Maurice Loewy, des Astronomen und Sub-Direktors des Observatoriums von Paris, zum ersteil Male die Ehre, Präsident des Instituts zu werden. Loewy war Präsident der Akademie der Wissenschaften, und zufällig fiel in jenem Jahre die Präsidentschaft des Instituts an den Präsidenten dieser' Sonder-Akademie. Der erste Jude, der in das Institut eintrat, war Fromenthal Halsvy, der Komponist der „Jüdin", welcher 1836 in die Akademie der Schönen Künste gewählt wurde, deren ständiger Sekretär er 1857 wurde. Ihm folgte Adolf Franck, der berühmte Philosoph, und später Professor an der Hochschule von Frankreich, der 1844 einen Sitz in der Akademie der Moralischen und Politischen Wissenschaften erhielt; und im Jahre 1858 öffnete die Akademie der Inschriftenkunde und Litteratur ihre Thüre dem gelehrten Orientalisten Salomon Munk. Seitdem ist die Zahl der in vier von den fünf Akademien aufgenommenen Juden bedeutend gewachsen: thatsächlich ist das jüdische Element verhältnismäßig sehr stark vertreten. Die Akademie der Inschriftenkunde und Litteratur hat drei jüdische Mitglieder, die Herren Michel Brval, Henri Weill, einer der'ersten Hellenisten der Gegenwart, und Julius Oppert, Professor an der Hochschule von Frankreich, der die Affyriologische Wissenschaft zu großen Fortschritten geführt hat. Vor drei Monaten verlor diese Akademie eines ihrer hervorragendsten Mitglieder, Josef Derenbourg. Die Akademie der Wissenschaften hat drei jüdische Mitglieder: die Herren Maurice Loewy (den wir bereits namhaft gemacht haben), Maurice L«vy, Professor an der Hochschule von Frankreich, und Lippmann, Professor an der Sorbonne. Ein tapferer Offizier, der verstorbene Kommandant Halphen, dessen frühzeitiger Tod die Wissenschaft und das französische Heer noch betrauern, war gleichfalls Mitglied dieser Akademie. Er war ein Mathematiker allerersten Ranges. Ein Jude, Herr Lyon-Caen, Professor an der Rechtsfakultät uyd ein bedeutender Rechtsgelehrter, hat einen Sitz in der Akademie der Moralischen und Politischen Wissenschaften. Außerdem sind zwei andere Juden, Baron Alphonse von Rothschild und Herr Raphael Bischoffsheim, Mitglied der Deputiertenkammer, freie Mitglieder, der eine der Akademie der Schönen Künste, der andere der Akademie der Wissenschaften, in Anerkennung der wahrhaft fürstlichen Freigebigkeit, mit welcher sie Kunst und Wissenschaft gefördert haben. Ferner giebt es im Auslande einige jüdische Ehrenmitglieder des Instituts, von denen Prof. Ascoli in Mailand, der größte Philolog der Gegenwart, und Josef Israels, der holländische Maler, die bestbckannten sind.

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