Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 45 (8.11.1895)
- Date
- 1895-11-08
- Page
- Seite 732 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 732. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 45. die Einteilung in Synagogensprengel wurde von einer Seite befürwortet, ein liberaler Herr warf sogar dem Vorstand der Gemeinde Büreaukratismns und Despotismus vor! Alles, wie in dem „orthodoxen" Zentralvcrein! Man sieht, daß Einigkeit der Anschauungen bei dem liberalen Vereine durchaus nicht zu den Haupttugcndcn gehört, einig scheint man dort nur zu sein, wenn es gilt, den Icntrcilverei» und den Jeschurnn mit - nun sagen wir — Ungcniertheiten zu traktieren. Daß man beabsichtige, den Sabbat auf den Sonntag zu verlegen, wurde natürlich von allen Seiten mit dem üblichen Brustton der Ueberzcugnng abgelengnet, aber, so meinte man mit diplomatischer Redewendung am Vorstandstisch, es würde doch zu erwägen sein, ob man in der einznrichtenden Synagoge neben dem sabbatlichen Gottesdienst nicht auch einen Gottesdienst am Sonntag Anrichten solle. Ein Redner ereiferte sich gegen die Schechita und verlangte die Abschaffung derselben, wobei er sich ans das Beispiel Sachsens bezog. Er mußte sich nachher sagen lassen, daß solche Aeußernngen mindestens sehr unvorsichtig seien. Den Standtpunkt des Zcntralvereins vertrat mit Würde und Geschick Herr I. Weinberg, der insbesondere die irrigen Anschauungen über den Religionsunterricht znrückwies. Die Versammlung endigte schließlich wie das Hornberger Schießen, im Drange des Raisonniercns ans Orthodorie, Zcntralverein und Jeschurnn hatte man sogar vergessen, die übliche Resolution einzubringen. K. — Militär-Verein. Der Militär- und Sanitätsverein „Deutsches Vaterland" beging am 2. November in dui Prachtsälen „Deutscher Hof" Luckaucrstr. ein selten schönes Fest, das von Damen arrangiert und dessen Ueberschnß dazu bestimmt war den Jnvalidenunterstützungs- und Fahnen-Fonds des Vereins zu stärken. Eine vorzügliche Musik lieferte am Eingang des Festes die Kapelle des Musikdirektors Herrn Abarbanell, welche auch später seine schönen Weisen beim Tanz ertönen ließ. Die Einleitung geschah durch Gesang des Männcr-Onartetts „Harmonie", dessen Leistungen geradezu überraschend auf die fast 1000 erschienenen Festteilnehmer wirkte. Herr Heincmann, unter dessen Leitung das Quartett steht, gab einige Solostücke „Die beiden Grenadiere und die Bombardon-Arie" zum Besten, für die er einen rauschenden Applaus erntete. Es begann hierauf die Theateraufführung des Schwankes „Militärfromm" von Gustav von Moser und Thilo von Trotha, das an demselben Abend von dem Kgl. Schauspiel-Ensemble im Neuen Pallas in Potsdam vor Sr Dlajestät dem König von Portugal auf Allerhöchsten Befehl unseres allergnädigsten Kaisers aufgeführt wurde. Das Spiel ging flott und haben sich die Mitwirkenden, die Mitglieder Kunz, Bohne, Bernshcin, sowie Frau Kunz, Frl. Kroner I und II, Frl. Behrendt, Ncnbaur, die Herren Goldncr und Kunz zun. alle Mühe gegeben, das Stück effektvoll auszugestalten. Namentlich haben sich dcO Major (Schriftführer Kunz), Editha (Frl. Kroner I) Bursche (Kunz zun.), v Heller (Lohan) ganz besonders durch flottes Spiel und sicheres Auftreten ausgezeichnet, so daß man behaupten durfte, daß sie zum Gelingen dieser Aufführung das Meiste beitrugen. Es wurde viel gelacht und zum Schluß eine lang andauernde Ovation den Mitwirkenden dargebracht. Es regnete förmlich Bouqucttes. Nachdem wurde flott getanzt und um 1 Uhr begann die Kaffccpausc. Während derselben war reichhaltig für geistige »nd amüsante Unterhaltung gesorgt. So hielt zuerst Frau Kunz, die Präsidentin dieses Festes, die Begrüßungsrede, in welcher sie der Rnhmesthatcn unserer Armee bei Metz gedachte und in wahrhaft begeisterten Worten die Bedeutung dieses Festes darlegte und in schwungvoller Weise die Mitglieder auffordertc, an dem edlen Werke der Humanität weiter zu arbeiten, wie die Frauen auch nicht verabsäumen werden ihre Männer in dieser Weise zu unterstützen. Minutenlanger Applaus lohnte die mit Feuer gesprochenen Worte. Sodann brachte das Vorstandsmitglied Karfunkel den Kaisertoast aus und mit wahrhafter Begeisterung stimmte» alle Anwesenden in das Hurrah dreimal ein, woran fich das Absingen der National-Hymnc knüpfte Fräulein Stadthagen, Elevin an der König!. Hochschule und Tochter eines Mitgliedes, sang wunderbar das Lied „Schön Notraut" und wurde ihr dafür ein reichlich Lob gespendet. Kamerad Kroner (Vorstandsmitglied und Mitbegründer des Vereins» toastete auf die Damen. Hierauf wnrden einige Solo- »nd komische Our - Vortrage zu Gehör gebracht, die wir als knnstsinnig gelten lassen müssen, und die H. Mstr. von Mariini, Bamo und Belli (Levi und Stein) habe das Bravo, das ihnen gespendet wurde, auch in der That verdient, namentlich letzter zu mehrmaligem Auftreten annimiert wurden. Das von Herrn S. Kunz, Schriftführer des Vereins, verfaßte und gespendete Tafellied wurde mit Begleitung des ganzen Orchesters abgcsungen und dadurch die Fcstteilnchmer noch in begeisterte, erhöhten und vergnügtere Stimmung versetzt. Nach der Kaffeetafel wurde wieder Terpsichorc gehuldigt und '' am frühen Morgen schieden die Festgcnossen mit dem Bewußtsein noch nie einem solch' schönen Feste beigewohnt zu haben. Unter den 1000 Erschienenen sah man nicht nur ehemalige Soldaten mit ihren Angehörigen, sondern auch ehemalige Offiziere und Acrzte in großer Zahl vertreten, welche sich vortrefflich zu amüsieren schienen, denn sic harrten bis zum Schluffe aus. Daß auch hierbei ein ehemaliger Offizier zum Fahnenfonds U'O Mark für ein Vcreinsabzeichen, einige andere je 10 Mk. für 1 Programm resp. für 1 Bouquettchc», das ihnen von jungen Dame» dargcreicht wurde, gespendet hatten, sei nur so nebenbei bemerkt. Dem Komitö alle Ehre, so ist es namentlich Frau Kunz, der tapfer» Soldatenfrau, zu danken, daß den Beteiligten ein genußreicher Abend und dem Verein eine volle Kasse geschaffen wurde. »— — Der Vorstand der Hilfskasse für Israelitische Kultusbeamte deren Witwen und Waisen in Deutschland veranstaltet am Snnnabend, den 23. November er. in den Gesaint-Näuinen der Philharmonie ein Elite-Konzert unter Mitwirkung folgender allererster Kräfte: Opernsüngerin Frau Louise Heimann, Pianistin Frl. Johanna Heimann, Herr Kammersänger Staudigl, Herr Hofcellist Heinrich Grünfeld, Frl. Rosa Bertens, Mitglied des Neuen Theaters, Herr Emanuel Reicher, Mitglied des Deutschen Theaters. Billets ä. Mk. 2 — Reservierte ä 3 Alk. und Logen ü 4 Mk. sind beim Rendanten Herrn M- Göttinger, Flensburgerstr. 7., Max Stein, Kronprinzen-Nfer 19, Max Moses, Alte-Jakobsstraße 15, Weinhandlung Friedländer, Burgstraße 27. Börsen- Restaurant, Burgstr. 28, Sally Brilles, Potsdamerstr. 41 zu haben. — Noch eine Berichtigung. Herr Leopold Friedman», Oranicnstraße <>9, schreibt uns: „In Nr. 43 Ihres Blattes wird über die unter meinem Vorsitz am 22. Okt. er. in der Berliner Ressource abgehaltenc Versammlung des liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde Bezirk S und SO berichtet: „Da wurde die übliche Resolution angenommen, daß man. de» obligatorischen Religions-Unterricht wolle, den der Redner de« Vereins als sehr bedenklich bezeichnet hatte." Diese Darstellung entspricht nicht den Thatiachcn; denn die von Ihrem Berichterstatter konstatierte Differenz zwischen VereinSredner und Versammlungsbcschluß war nicht vorhanden, die Resolution lautete vielmehr, nachdem Herr Dr. Minden einige Bedenken gegen den obligatorischen Religions-Unterricht hervorgehoben und die Frage als noch nicht spruchreif auch zur Wahlparole als nicht geeignet bezeichnet hatte: „Die versammelten Mitglieder.spreche» ihre volle Instimnvlng zu den in der heutigen Versammlung von den Herren .Dr. Minden über.obligatorischen Religionsunterricht ausgesprochenen Ansichten ans " — Geivnl tow. Der Humanitätsverein „Geivul low" eröffnete mit seinem am l3. Oktober ini Hotel-Imperial veranstalteten SimchaS-Thorah-Kränzchen die Wintersaison. (Kegen 8 Uhr Abends stellten sich die ersten Gäste ein und wurden von Vorstandsmitgliedern begrüßt. Jede Stunde brachte neue Festteilnehmer, so daß gegen zehn Uhr der Festsaal gefüllt war. Liebliche Weisen erklangen und fröhliche Paare glitten über das spiegelblanke Parkett. Um Mitternacht rief eine Fanfare zur Kaffeepause. In Vertretung des ersten Vorsitzenden, welchem kaum überstandenes Unwohlsein für heut Schonung anferlegtc, begrüßte Herr I. Köttner die Anwesenden, und entledigte sich seiner Aufgabe in gewohnter meisterhafter Weise. Nach einem Gesangsvortrag der Frau Margarete Lewinsohn, trat der Salonhumorist, Herr Leonhardi HaSkel auf, ihm folgten verschiedene Künstler und Künstlerinnen. Nachdem der Schriftführer den Damentoast