Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 42 (18.10.1895)
- Date
- 1895-10-18
- Page
- Seite 682 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 682. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. und der Kulten, Huben wir dekretiert und dekretieren: I. In Rom und den römischen Provinzen hört mit Bezug uuf den Genuß, die Ausübung der Zivil- und politischen Rechte und d:e Fähigkeit zu den öffentlichen Acmtern jede Ungleichheit zwischen den Bürgern, welchem Kultus sie immer angehören mögen, auf; 2. jedes Gesetz oder jede Anordnung, welche dem gegenwärtigen Beschluß entgegen ist, der gleich nach seiner Veröffentlichung in Wirksamkeit tritt, wird außer Kraft gesetzt. Wir befehlen, daß gegenwärtiges Dekret mit dem Staatssiegel versehen und in die offizielle Sammlung der Gesetze und Dekrete des Königreiches Italien eingeschaltet werde, damit jeder sich darnach richte und es auch handhaben lasse." In Italien sind wieder einigen im Staatsdienste stehenden Inden vom Könige Auszeichnungen verliehen worden. Cavaliere Silvio Ami, Direktor der Hauptdepartements im Finanzministerium, ist zum Komthur der Krone von Italien ernannt worden; Cavaliere Professor Leone Bolaffio, Mitglied der Kommission für die Reform der Handelsplätze, und Cavaliere Mereo Alatri, ein Gatsherr der Stadt Rom, wurden zu Offizieren desselben Ordens ernannt. Signor Guglielmo Jung, Archivar erster Klasse im Schatzmipisterium, und Hauptmann Enrieo Finzi, Arzt im Militür-Sanitätskorps, wurden zu Ritter der Krone von Italien gemacht. Kier und dort. — Der Wohlthätigkcits Verein „ G ein i ln s <5 hassodi in" feierte am 18. d. in den Dräscls'schen Festsälen sein diesjähriges Sziinchas Throahfest und zwar mit einer Soireö nnd anschließendem Kränzchen, dasselbe war, trotzdem an diesem Tage andere Wohlthätigkeits Vereine ebenfalls Festlichkeiten beranstalteten, von etwa 400 Personen besucht und nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Ter Vorsitzende, Herr I. Rosen thal, begrüßte in einer zündenden kernigenden Rede die erschicnendcn Mitglieder und Gäste, ein Hoch ans den Verein ansbringend, welcher so großartiges leistet. Herr Dr. Julius Moses toastete ans den Verein und die Gäste. Nachdem Herr M. Ball in höchst liebenswürdige Rede den Damen gedachte, wurde zur Fidelitas übergegangen unter Mitwirkung verschiedener Künstler, der sich eine große Verlosung höchst wertvoller Gegenstände anschloß. Der Ucbcrschnß des Vergnügens wurde der Vereinskasse zngeführt. —n. — Zm Kranken Hause der hiesigen jüdischen Gemeinde wurde das Silkkotfest diesmal in besonders erhebender Weise begangen. Die Kranken wurden am ersten Festabend, nach bei» in der Hanssi,nagoge stattgehabten Gottesdienst in eine vom Inspektor der Anstalt prächtig geschmückle Snkkah geladen und mit rührender Wärme wurde hier voll einem greisen Patienten das Weihegebct und der Scgenssprnch vorgetragen; hierauf wurde das Festmahl eingenommen. Mit inniger Dankbarkeit gegen Gott und mit erneuter Hoffnung für die Zukunft verließen die Leidenden die lnftige Laubhütte, uni im stillen Krankenzimmer mit Wehmut der Feier deS Sukkotfestes in vergangener Zeit zu gedenken. — Die israelitische Schule „Hascharat Z'wi" in Halberstadt wird am 1 April nächsten Jahres das Jahrhundert ihres Bestehens feiern. Die Schule wurde am l. April 1700 durch die Stiftung des Herrn Borchnrd ins Leben gerufen, welcher esti Kapital von 11,000 Tbalern zu dem Zwecke spendete, eine Schule zu errichten, welche den Kindern zugleich Unterricht in den Fächern jüdisch-religiösen Wissens »i Verein mit Kenntnissen allgemeiner Bildung gewähren sollte. — Dr. Isaak Wolffso» in Hamburg, der seit 1871 mehrmals Reichstagsniitglied war, bis zuletzt Mitglied der Kommission für das bürgerliche Gesetzbuch, auch bekannt durch seine Arbeiten in der Kommission für die neuen Iustizgcsetze, ist am 12. d. M. 78Iahre alt, an einer Lungentzündnng gestorben. In dein Intenvien eines Zcitnngskorrespondeiiten mit dem Gemcinderat Tr. Alfred Stern in Wien teilte letzterer mit, daß der frühere Ministerpräsident Gras Taaffe den Inden für den Fall, daß sic die Opposition gegen die Regierung fallen ließen, als Kompensation Rr. 42. die energische Bekämpfung des Antisemitismus in Aussicht gestellt habe. Die von Oppositionellen gewählten Inden thaten nun, was Männer von politischem Charakter thun mußten: sie blieben in der Opposition. Die Folgen dieser Charakterfestigkeit sind bekannt. — In der jüngsten Sitzung des Kuratoriums der Baron Hirsch- Stiftung berichtete der Präsident von der im Laufe des Monats September nach Bewältigung mannigfacher Schwierigkeiten erfolgten Eröffnung von zehn neuen Stiftungsschiilen. Die Einschreibungen ergaben ein sehr befriedigendes Resultat. In neun dieser Schulen wurden 1008 Knaben eingeschrieben. Auch die früheren 25 Stiftungsschnlen haben einen sehr erfreulich!! Zuwachs der Frequenz im neuen Schuljahre erfahren, so daß die Schullokale erweitert und Parallelklasse» eröffnet werden mußten. In mehreren Orten sah sich das Kuratorium veranlaßt, eigene Schulhänser zu bauen, beziehungsweise anznkanfen, da die Lokalmiete in solchen Orten unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnet. — Die erste Trauung zwischen Juden und Christen in Pest (nach dem neuen Gesetz) am 8. Oktober statt. Der Schanspirler Marcel Habcrinann vermählte sich mit der früher in Berlin engagiert gewesen»!! Schauspielerin Hedwig Margot. -- Das kleriale Blatt „Magyar Allam" hat über das hier mitgctcilte bereits aufgeklärte „Blntmärchen in Karam Kis Sallö" noch einen Brief veröffentlicht, in welchem mit voller Bestimmtheit behauptet wird, daß der verhaftete christliche Fleischhanergeselle unschuldig sei und daß der Wirt Ignatz Adler das Mädchen „zn rituellen Zwecken" ermordet habe, Nun hat Adler die Preßklage gegen den „Magyar Allam" und den Hctzkaplan überreichen lassen. — In Petersburg ist der ehemalige Justizniinistcr Nikolai Awksentjcwitsch Manassern gestorben, aber seine Werke leben und sein Hauptwerk folgt ihm leider in die Grube nicht nach. Die V. Z. schreibt: Es ist thöricht, ihn zum Abkömmling einer alten russischen Adelsfamilie stempeln! zn wollen. Sein Name ist von dem Namen Manasse abgeleitet, nnd seine Vorfahren waren mosaischen Glaubensbekenntnisses. Nichtsdestoweniger mar es einer der schlimmsten Judenfeinde in Rußland. — Für ausländische Oominis - voz-nKorrrs hebräischer Konfession soll die Zeit, binnen welcher sie sich in Rußland anfhalten dürfen, jeßt verlängert werden. — Manche Dinge sind auch in Frankreich nicht am Besten bestellt. Als Herr Isidore, der Großrabbiner von Frankreich, 1888 starb, wurde beschlossen, daß an seinem Grabe ein Denkmal errichtet werden solle, dessen Kosten durch eine öffentliche Subskription aufgebracht werden sollten. Aber erst dieser Tage, sieben Jahre nach seinem Tode, fand die feierliche Denkmalssetzung statt. Das Denkmal ist ein prachtvoller Sarkophag, den der hervorragende Architekt Aldrophe entworfen hat. — Die „Archives Jsraelites" erwähnen, daß der afrikanische Minenbesitzer und Millionär B. I. Barsato in Paris am Versöhnungstage die Synagoge besuchte und 5000 Francs spendete. — Besondere polizeiliche Vorsichtsmaaßregeln wurden in der Synagoge in der Rue de la Victoire, Paris, am Versöhnungstage getroffen, infolge von Warnungen vor einer bevorstehenden antijüdischen Kundgebung, welche an die Polizeipräfektur gelangt waren. Die Ordnung wurde jedoch nicht gestört. — Herr Cvsar Levy Ben Dann von Oran (Algerien) wurde zum zweiten Professor der Zoologie an der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Montpellier ernannt. Levy Ben Dann, der erst 22 Jahre alt ist, ist sicherlich einer der jüngsien Professoren der französischen Regierungsschulcu. In den Tempeln Cma»u-El nnd Bcth-El in Rew- A o r k wird seit kurzem das Kädisch-Gebet in englischer Sprache gebetet. - Unter den jüngst im Präperatorium des Hebrcw Union Kollege lRobbiner-Sciiiinor in Cincinnati) anfgciioininencn Schülcrn befinden sich drei christliche Damen nnd ein nicht minder christlicher Doktor der Medizin, praktischer Arzt, die nicht etwa Rabbiner oder „Rabbezin" werden, sondern um hebräisch lernen wollen.