Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- Seite 193 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 193. I e s <H u r u n. Nr. 12. -,---^^- derselben zu überlasse», da hierdurch das Interesse für ihre Arbeiten nnr qeivinnen kann. Isidor Pop;>er, Prediqer und Kantor Mühlhausen (Thüringen). GAt. Aus Amerika. Daß hierzulande auch unsre grauen an der religiösen Bewegungen beteiligt und daß sie ganz stramme Partei- — „Männer" hätte ich beinahe gesagt! — Vertreter sind, das geht aus zwei Berichten in der vorletzten Nr. dies. Blattes hervor. Ein in New Port erscheinendes jüdisches Blatt widmet dieser Erscheinung ein ganzes Kapitel und stellt eine Anzahl von Thntsachen zusammen, welche . auf das neu erwachende Interesse der jüdischen Frauenwelt für alle jüdischen Angelegenheiten lsinweist. Der Verfasser betont die große Bedeutung, welche für den Bestand des Judentums die Wandlung bedeutet, daß die den gebildeten Ständen angehöreuden jüdischen Frauen nnd Mädchen nicht mehr kalt und teilnahmslos die eigenen Interessen übersehen, sondern sich wieder für die jüdische Geschichte und Litteraknr begeistern. In dieser Anschauung gipfelte ein Vortrag, den NUß Reichmann über „die junge Jüdin von heute" im „hebräischen Jünglings- Verein" gehalten hat: „Naben wir erst wieder unsere Frauen und Mädchen für das Judentum zurückgewonnen, dann hat es innere Festigkeit genug, um allen Angriffen, die uns von außen umdrohen, zu trotzen". - Es ist sonderbar, daß mau nicht auch im westlichen Europa auf Mittel sinnt, die geeignet wären, die jüdische Frauenwelt für das Judentum zu interessieren, -- zu gewinnen. — Dnuk amninv olcsr: non». In Deutschland ist es in einer Hinsicht nicht anders als in Amerika, wo ein bekannter Gelehrter wie folgt öffentlich klagt : „Die jüdische Litterutur ist das Stiefkind des Büchermarktes." Wenn ein Schriftsteller nicht selbst in der Lage ist, die Druckkvsten zu tragen, muß er sich der erniedrigsten Bettelei aussetzen. Woher das kommt? Hauptsächlich davon, daß diejenigen, von welchen man am ehesten erwarten sollte, daß sie Belehrung über das Judentum suchen, die Juden nämlich, am wenigsten nach jüdischen Büchern greifen. Wenn man sich erinnert, wie in früheren Zeiten jedes jüdische Haus eine Mendelssohn'sche Bibel und alle begüterten die landläufigen talmudischen Werke besaßen, kann man nicht leugnen, daß wir heute Rückschritte gemacht haben. Die Familie des Mittelstandes hat nicht einmal eine Bibel und unsere Reichen kaufen höchstens das, wodurch sie durch Subskription moralisch genötigt werden, nnd auch das nur, um es in die Rumpelkammer zu werfe». Wir müssen auch zu unserer Schande gestehen, daß die christliche Gesellschaft uns darin weit überlegen ist. Und dabei hört man noch klagen, daß die jüdischen Gelehrten ihre eigene Litteratur vernachlässigen! Der Orden „B'nai B'rith" ist eine der wenigen jüdischen Gesellschaften, welche in Logen ihren Vereinignngspunkt geschaffen, die nicht blos von der Pflege der Wohlthätigkeit, Mildthätigkeit und Bruderliebe, von Förderung der Bildung und Erziehung spricht, sondern Anstalten gegründet hat, welche die Prinzipien, zu denen sich der Orden vor der Weit bekannt hat, in die Wirklichkeit übertrugen. So hat der Orden eine großartige Waisenanstalt in Eleveland, Ohio, in'ü Leben gerufen, eine gleiche Anstalt in Atlanta, Ga., eine ähnliche in Sau Francisco, Gewerbeschulen, Bibliotheken, wie z. B. die Maimonides Bibliothek in Rew-Pork, Schulen in verschiedenen Städten des Orients und das Altenheim in Paukers, welches wohl keiner derartigen Anstalt in irgend eine»! Teile der Welt nachstehen dürfte in der herrlichen Veranlagung, in den Bequemlichkeiten, welche es seinen Schützlingen bereitet, un dem Anheimelnden, daß es den alt gewordenen Brüdern und Schwestern bietet. Ein Dollar per Fahr war der ganze Beitrag, den die Brüder vor etwa 30 Jahren wegzulegen sich verpflichteten und aus diesen einzelnen Dollars wuchs nach und nach ein Kapital auf, das über 100,000 Doll, zählte, und mit diesen, Grundkapital wurden mehrere Acker Landes in Paukers angekauft und das prächtige Gebäude mit feinen Parkanlagen errichtet. Es befinden sich gegenwärtig <>o Insassen in, Heim, acht verheiratete Paare, 37 Männer und 12 Witwen. Das Heim wird durch den Jahresbeitrag von zwei Dollars, seitens eines jeden Mitgliedes des ersten' Distrikts und durch gegenseitige Schenkungen und Vermächtnisse erhalten. Bei uns in Deutschland haben die Logen sich, Gott und der Zeitströmung sei es geklagt, rasch überlebt. Red. Hier und dort. Es wird unsre Leser, welche dir „Nordd. Allg. Ztg." selten oder »!e zu Gesicht bekomme», sicher die Mitteilung interessieren, daß dieses offiziöse Organ des jeweiligen preußischen M i n i st erin m s sich abfällig über die letzten sogen. I nde nde batten und über de» Antisemitismus ausgesprochen bat. Rabb. Dr. W c r n e r ans Danzig hat sein neues Amt in M ii u ch e n übernommen. Dem Scheidende» wurden in Danzig seiten« der Bürgerschaft »nd ihrer Vertretung außerordentliche Ehren erwiest». Einem länger,, Bericht, den uns ein Freund unsres Blattes in Danzig schickt, entnehmen wir den Latz: „Obwohl kein Freund her dem Ghetto (?> entstammenden Floskeln, muß ich doch die Ehrung des .Ern. Dr. Werner als einen I<ick>I»naI, I,nnal,o>n, als eine Ehre für unsre engere Gemeinde nnd unsre weitere Gemeinschaft bezeichnen; alle, alle, mit den, ersten Vertreter unsrer Stadt, Oberbürgermeister Dr. B a » mbach angefangcu und den Vorstehern der lokalen Bildung-- nnd anderer Vereine anfgehört, bemnheten sich zu zeigen, daß der Scheidende ihnen wert gewesen und sie seine Bedeutung für das kulturelle Leben unsrer Stadt gebührend anerkennen, daß sic seinem Scheiden mit aufrichtigem Bedauern znschauen und sich immer wieder die Frage vorlcgcn: Wer soll diesen Mann ersetzen?" Der „Westdeutsche MissionSvcrein für Israel" in .Löln hat im verflossenen Jahre an Liebesgaben ec. eingenommen 14,<>:t1,!»0 M., ansgcgeben 18,222,10 M, darunter allein Gehälter, Reisekosten ec. an die Missionare und Lolportenre 11,500 Al. Es gelang nnr in .Löln drei und in Frankfurt a. M. fünf jüdische Seelen zur Taufe zu führen. Heuer gehen bekanntlich alle Geschäfte schlecht! Der hannoversche Provinziallandtag hat die veranschlagte Summe von 10,500 M. für das j ü - d i s ch c Schulnnd S >) » a g o g e n w e s e n e i n st i m m ig bewilligt- AlS Nachfolger deS an die Waiscnanstalt in Fürth berufenen Distriktsrabb. Dr. Deutsch ist Hr. Dr. Sal. Bamberg er, Nabb. der israel. Relig.-Gesellschaft zu Bingen, gewählt worden. In Eschwege-Schmalkalden ist bei der Nachwahl zum Reichstage au Stelle des Hrn. L e n ß sein Gesinnungsgenosse Pastor I skran > gewählt worden. In der Stichwahl zwischen diesem nnd seinem sozialistischen Mitbewerber stimmte, wie es scheint, auch ein großer Teil der Freisinnigen für den Antisemiten. Die Dcpntiertenkammer hat ohne Amendement die Anschläge für die den jüdische» religiösen Instituten in Frankreich während des Jahres 1805 zn zahlenden staatlichen Hilfsgcldcr angenommen. Die votierten Beträge sind 188,580 Franken für die .Lnltusbcamteu (Oberrnbb., Rabb. und Vorbeter) »nd 22,»00 Franken für das Seminar. Die Bewilligung für Synagogen- Bantcn ist unverändert verbunden mit der Bewilligung für protestantische stirchen; cs werden für diese Zwecke jährlich k>8,»»0 Franken verausgabt. Das Denkmal am Grabe des verstorbene» Großrabb. von Frankreich, Pt. Isidor, dessen Herstellungspreis so bedeutend war, daß die Losten durch eine öffentliche Subskription aufgebracht werden mußten, ist soeben erst, nach einen, Verzug von sechs Jahren, vollständig fertig geworden. -- Die Baronin Salomon von Rothschild hat dem Maire von Paris 25,000 Franken znn, Ankauf von Fenerung für die dürftigsten Armen der Hauptstadt übersandt. Vor kurzemwurde gemeldet, daß die Herren Rothschild Frores zu demselben Zwecke 20,l>t<0 Franken gespendet haben. . Große Entrüstung lial bei den aufgeklärten Politikern und Journalisten in Bukarest die Nachricht vernrsacht, daß die Depntiertenkammer ein von den, Inden