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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-15 · 11 (15.3.1895) · p. Seite 177

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand UB Frankfurt
Issue
11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
Seite 177 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 11. JefrHurun. » einschließlich 1733 Thlr. 6 Sgr., ivelche aus den vorhergehende» Sammlungen übrig geblieben waren und Hinzuge schlagen wurden, auf 7000 Mk. Die Unterhaltungs- und Verpslegungtzkosten wurden im ersten Jahrzehnt des Bestandes der Anstalt bestritten: l) aus den sttnfprozentigcn Zinsen des kleinen Fonds; 2) aus den regelmäßigen Jahresbeiträgen in Memel seßhafter Israeliten; 3) aus dem Ertrage einer freiwilligen Beisteuer russisch-jüdischer Geschäftsleute, welche mit der See- und Handelsstadt Memel in Geschäftsverbindung standen und sich verpflichtet hatten, von ihrem Export und zwar vom Landtransport pro Mille und vom Wassertransport I r pro Mille des Abschlußbctrnges zur Unterhaltung des Krankenhauses beitragen zu wollen. Dieser tetzgenannte Beitrag bedeutete damals eine recht erhebliche Einnahmequelle, denn die jährlichen Geschäftsabschlüsse dieser Art konnten auf 20 Millionen Mark veranschlagt werden. Das Krankenhaus konnte bestehen und gedeihen und noch über seine vier Wände hinaus durch Gewährung von freier ärztlicher Hülfe, freier Medizin und freier Krankenkost sich wirksam und wohlthütig erweisen. Das Krankenhaus gedieh um so mehr, als ein Arzt ohne Gleichen dessen Verwaltung übernahm und in aufopfernder, selbstloser Weise bis zu seinem Fortzuge von Memel leitete. Dr. Alexander Fürst, ein vielbeschäftiger Arzt unserer Stadt, zuletzt auch erster Vorsteher der Synagogen-Gemeinde, verließ Memel im Dezember 1384, uni nach Berlin überzusiedeln. Seine größte Wohlthat, welche er dem Krankenhaus erwiesen hat, dürfte jedoch in dem Umstande zu suchen sei», daß er uns zum Arzt und Nachfolger einen Mann empfahl, der uns den Verlust so vollständig nach jeder Richtung und Beziehung hin derart ersetzte, daß auch nicht der geringste Rückstand zu merken war. Seit zehn Jahren ist Dr. PindikowSki Arzt und Leiter der Anstalt und versieht diesen Beruf neben seiner ausgedehnten Praxis mit derselben Liebe und Hingebung, Umsicht und Selbstlosigkeit wie sein Vorgänger." Die große Geschäftskrisis der siebziger Jahre, welche ganz besonders dein Handel und Wohlstände unserer Stadt den größten Schaden zufttgte, hat auch das Einkommen unseres Krankenhauses derart geschmälert, daß wir uns um Beihilfe voir auswärts umthun mußten. Vorzugsweise mußten wir darauf Bedacht nehmen, unseren Krankenhausfonds zu vermehren, um gegen alle dergleichen Vorkommnisse gedeckt zn sein. Das gelang jedoch nur in unzureichender Weise. Im Jahre 1882 wurden wieder große Sammlungen veranstaltet, um die aus Südrußland geflüchteten Glaubensgenossen zu unterstützen und fortzuschaffen. Von diesen Sammlungen waren nach Beendigung des Werkes noch einige hunderttausend Mark beim deutschen Eentralkomittin Berlin zurückgeblieben, die zu Gunsten der russischen Juden, vorzugsweise freilich zu Erziehungszwecken, verwendet werden sollten. Am hiesigen Orte bestand bereits eine Armen- und Waisen schule für russisch-jüdische Kinder mit über 90 Schülern, und völlig ungesichertem Bestände. 'Nachdem dem Deutschen Centralkomits hiervon Mitteilung gemacht worden war, kam dessen Vorsitzender, Herr Justizrat Mako wer, im Mai 1883 selbst hierher, um die Schulanstalt und gleichzeitig auch das Krankenhaus zu besichtigen, und aus seinen Vorschlag bewilligte das genannte Komitö 50 000 Pik. als Schulfonds, sowie 500 Bit. für die laufenden Ausgabe» und 5000 Mk. für den Fonds des Krankenhauses. Auf den Rat des Hrn. Justizrat Mako wer wandten wir uns Seite 177. an das ähnliche Könnt«' in Frankfurt a. Bi. und erhielten bald darauf durch dessen Vorsitzenden, Herrn Adolf B. H. Goldschmidt, 4000 Mk. Unser Krankenhausfonds war damit auf 16 <>«>0 Mk. angewachsen. Die Einnahmen des Krankenhauses haben der schlechten Geschäftslage und des Niederganges alles Wohlstandes wegen von Jahr zu Jahr sich verringert, die Ausgaben dagegen haben sich vermehrt, da immer größere Anforderungen gestellt und immer mehr Kranke der Anstalt zugeführt wurden. Besonders haben die Ausweisungen und Auswanderungen russischer Juden in Len letzten Jahren eine weit stärkere Frequenz des Krankenhauses als bisher hcrbeigesührl, derart, daß selbst der Fonds angegriffen werden mußte, wovon jetzt nur noch 12 000 Mk. übrig geblieben sind. Nun aber — und das ist das schlimmste bei der Sache — sind der Anstaltsarzt, die Sanitätspolizei, die Verwaltungsbehörden der gleichmäßigen Ansicht, daß das Haus in seiner gegenwärtigen Form und Verfassung gar nicht weiter fortbestehen könne. Zuerst hatte die Hauptversammlung des Grenzkomitös für die russischen Juden am 26. Dezember 189 l -sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Damals, als der Auvwandercrstrom zur Hochflut angeschwollen, war an das Komitü ein Schreiben der hiesigen Polizeiverwaltung gelangt, welches die gesundheitspolizeilichen Zustände des Krankenhauses scharf bemängelte und baldige Abhilfe verlangte. Eine Kommission von sieben 'Mitgliedern wurde gewühlt, welche unter Zuziehung von Sachverständigen einen in's Einzelne gehenden Plan zur Ausführung der polizeilichen Anforderungen der Versammlung vorlegen sollte, in der Hoffnung, daß nach diesen Vorarbeiten das Zentral-Komit«' in Berlin die Herstellungskosten bewilligen werde. Herr Landgerichtsrat Meyer, welcher an der Spitze der Kommission stand und sich die Sache sehr angelegen sein ließ, hatte vom hiesigen Stadtbaumeister Werner Pläne mit Kostenanschlägen sowohl zum Umbau, als auch zum Neubau entwerfen lassen; allein die Ausführung mußte damals unterbleiben, weil die Geldmittel dazu nicht zu beschaffen waren. In der diese Baupläne begleiteirden Denkschrift hatte der Sachverständige gesagt, daß ein Umbau des alten, bau fälligen Hauses gar keinen Zweck und Nutzen mit sich führe, daß vielmehr an dessen Stelle ein neues, zweckentsprechendes, den Anforderungen der Gegenwart angemessenes Kranken Haus erbaut werden müsse, zumal der Neubarl sich nicht viel teurer stellen würde als der Umbau. Auf' Anregung des Arztes unseres Krankenhauses, Herrn Dr. PindikowSki, sowie des Herrn L. Alexander, erster Vorsteher unserer Gemeinde, wurde neuerdings die Allgelegenheit wieder aufgenoinmen. Mehrere Mitglieder unserer Gemeinde traten in gemeinsame Beratung und beschlossen, in Gemeinschaft mit einer Anzahl angesehener Männer voiö auswärts, besonders von Königsberg und Berlin, welche zur Mitunterzeichnung veranlaßt werden sollten, den bezeichnten Aufruf zu erlassen. Möge derselbe überall geneigtes Gehör finden, überall offenen Herze» lind Händen begegnen, denn zur Ausführung des Vorhabens sind bedeutende Geldmittel, mehr als 60,000 Mark, erforderlich. * n Man schreibt uns: Pyritz, den 4. März. Gestern abend gab die jüdische Gemeinde Hierselbst ihrem am I. 'April nach Königsberg i. Pr. ttbersiedelnden Rabbiner Herrn Dr. Pick ein solennes Abschiedsfest. Der größte Teil der Gemeindemitglieder hatten sich in festlicher Stimmung mit ihre» Damen Ungesunden. Ein Freudenfest war es für die Ge-

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