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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-15 · 11 (15.3.1895) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand UB Frankfurt
Issue
11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
Seite 175 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 11. KefcHurrrn. Seite 175. Grund des Gutachtens der damit betrauten Kongregation gefällt werde, und das Wolf'sche Telegr.-Bureau ineldet unter dein 9. d. Bi. aus Rom das; dein Vernehmen nach an die päpstliche Nuntiatur in Wien Instruktionen abgegangeu seien, nach welchen Prinz Alois Liechtenstein und andere. Führer der christlich-sozialen Vereine über das Vorgehen und die Tendenzen verschiedener Mitglieder dieser Vereine zu befragen wären. — Nach Lage der Sache bleibt dem Chronisten nichts anderes übrig, als diese Gerüchte sämtlich zu verzeichnen. * ve Die Juden in Rumänien. Man schreibt uns aus Bukarest: Die Ursachen der schrecklichen Verfolgungen und all des Unglücks, welches die Juden in Rumänien ertragen müssen, sind hauptsächlich Neid, Eifersucht und Furcht vor Konkurrenz seitens jener Politiker und Kaufleute, die sich Rumänen nennen, in Wirklichkeit aber christliche Ausländer sind, die nicht einmal die rumänische Sprache kennen. An ihren wahren Namen kann man sie leicht erkennen; sie verraten den griechischen, bulgarischen oder serbischen Ursprung unserer Todfeinde, die mit den Rumänen nichts genrein haben als ihre Religion, während ihre LebcnSanschauungen denen der wirklichen Rumänen diametral entgegengesetzt sind. Leider wurde die rumänische Nation, die gelehrig, gut und großmütig ist, länger als ein halbes Jahrhundert von diesen Ausländern beherrscht, die wie Blutegel, den Wohlstand, das Blut des Landes aufsaugen und von den politischen und diplomatischen Staatsgeschäften, den Beamtenstellen, dem Groß- und Kleinhandel und von der Landwirtschaft Besitz ergriffen haben; außerdem lassen sie sich die Exploitierung der Landesprodukte angelegen sein. Der großen Mehrheit der wirklichen Rumänen bleibt nichts anderes übrig als harte und mühevolle Arbeit auf den Feldern oder unbedeutende Stellungen, die ihnen kaum den notwendigsten Unterhalt verschaffen. Die rumänische Nation beginnt jetzt endlich, diesen traurigen Zustand der Dinge zu merken und zu begreifen, daß sie von diesem Volke betrogen wurde, welches mit großen; Eifer Rechtgläubigkeit und Vaterlandsliebe heuchelte aber in Wirklichkeit Religion und Patriotismus nur als Deckmantel für seine ehrgeizigen Pläne benutzte, vor allem, um in den Stellungen bleiben zu können, welche es gegenwärtig einnimmt, und welche diese Leutchen für sich selbst und für ihre Angehörigen zu behalten wünschen. Aus diesem Grunde waren schon in Bukarest selbst, in manchen Provinzorten und in einigen Landgemeinden ernste revolutionäre Aufstände, die nur durch rohe Gewalt und unter Blutvergießen unterdrückt werden konnten; aber die Unzufriedenheit unter der Bevölkerung ist sehr groß, und Gott weiß, was dieser grausamen Ausländeroligarchie eines Tages noch passieren wird. Diese Ausländer sind es auch, welche die Hauptfeinde der Juden sind, und welche, um sich selbst Vorteile zu schössen, gegen uns Verleumdungen jeder Art ausstreuen und unaufhörlich die schimpflichsten Jntriguen spinnen, während die wirklichen Rumänen mit den Juden Mitleid haben, weil sie gleich ihnen Dpfer der übelwilligen Insinuationen der gemeinsamen Unterdrücker sind. Wir Juden in Rumänien haben die wirklichen Rumänen ebenso gern als dieses Land, und wir sind überzeugt, daß die rumänische Nation, wenn sie einst das Fremdenjoch abschütteln und von ihren frei gewühlten Vertretern regiert werden wird, auch die Emanzipation der Juden feierlich beschließen und mit ihnen in aufrichtigem, herzlichem Ein vernehmen leben wird. Die Juden ihrerseits würden dem Lande mit Eifer und Hingabe dienen, ihm all ihre Intelligenz und Regsamkeit zur Verfügung stellen und es so bereichern wie es verdient. Inzwischen erziehen wir unsere Kinder zu arbeitüsamen, ehrlichen und nützlichen Bürgern und unterweisen sse in den modernen Wissenschaften und Künsten, für welche sie nach der Aussage kompetenter und unparteiischer Beurteiler ganz hervorragende Fähigkeiten und Talente besitzen. * Aus Rußland. Den Berichten russ. polit. Blätter zufolge werden die Tabakfelder in Podolien zun; größten Teile .von jüdischen Arbeiter» bebaut. Die Zahl dieser Arbeiter uiint mit dein Emporblühen dieses Industriezweiges ersichtlich zu. - Wie die „Nowoje Wremia" erfährt, wird auf Veranlassung des General-Gouverneurs von Kiew demnächst in den südwestlichen Distrikten eine Volkszählung stattfindcn. Mau bringt diese Maßnahme in Verbindung mit der noch immer ungelösten Judenfrage. - Die jttd. Lehrer im Gouvernement Groduo erhielten ein schriftliches Verbot, Religionsunterricht in Privatschulen zu erteilen. (Gemeinde, Synagoge und Schule. * Berliner Nachrichten. Dein Lissaer Hilfsverein sind durch lande cherrliche Betätigung die Rechte einer juristischen Person verliehen worden, demzufolge fand in der am 5. März d. Js. abgehaltenen 27. ordentlicheil General-Versammlung die Konstituierung des Vorstandes auf Grund des neuen Statuts statt. Zum Vorsitzenden wurde gewählt Herr Herrn. A. Seegall Siegmnndshof 16, zum Schatzmeister Herr I. Metz Gr.-Prüsidentstraße 8, zum Schriftführer Herr Max Kann Poststr. 5. Bei Beginn der Tagesordnung gedachte der Vorsitzende der im Laufe des vergangenen Jahres verstorbenen ordentlichen Mitglieder sowie der früher Heimgegangenen immerwährenden Mitglieder und derjenigen verstorbenen Mitglieder und Gönner, zu deren Erinnerung seitens ihrer Angehörigen pietätvoll Beiträge an den Verein gezahlt wurden. Die Versammlung ehrte das Andenken der erwähnten Heimgegangenen durch Erheben von den Plätzen. Nach dem Bericht des Vorsitzenden gab der Verein im verflossenen Jahren Bit. '»789 für Unterstützungen aus und zwar: schenkungsweise Mk. 8609 an 80 Personen, Kranke, Witwen, Altersschwache sowie zur Verheiratung armer Mädchen, und gewäbrte außerdem Mk. 2180 zinsfreie Darlehnc zur Aushilfe in; Gewerbe und an Studierende, ferner wurden aus der Theodor Bernhardt-Stiftung sowie aus der Auguste Cohn geb. Mendel-Stiftung die Zinsen nach Maßgabe der Stislnngsvorschriften verteilt. Der eiserne Fonds der Vereins beträgt Bit. 88,000 der Stiftungs-Fonds Mk. l,700. Die Zinsen dieser Fonds und die Beiträge der Mitglieder reichten zu den Werken der Liebe, wie sie hier beziffert sind, nicht aus und hat der Verein cs wesentlich den außerordentlichen Zuwendungen zu danken, wenn er in diesem Jahre auf dem Gebiete der Wohltätigkeit mehr leisten konnte als in den früheren Jahren. Wir möchten den aus Bssa! stammenden.Mitbürgern im Interesse der guten Lache aufs wärmste empfehlen, sich dieser Bereinigung von Wohlthäter» anznschließen und sich auch bei freudigen und andern Veranlassungen ihrer in Berlin darbenden Landsleute zu erinnern, indem sie bei festlichen Gelegenheiten dem Verein auch fernere Zuwendungen machen. Dieser Ver ein, der durch sein 27 jähriges Bestehen dieJ Eristenz berechugnng doknmenlierl hat und dem durch die landes >1! i

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