Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 11 (15.3.1895)
- Date
- 1895-03-15
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. II. I e f ch u r u n. Sette 171. So gering meine ziörperkrüfte, so lnnt spricht der Geist in mir, der von oben kommt. Bin ich nicht der erste Buchstabe des heiligen, unaussprechlichen Namens Gottes? Bin ich nicht der erste Buchstabe unseres geheiligten Volksnamens und dessen, der diesen zuerst trug Ppp')? Ja, auch Der Name des Stammes, nach dem wir jetzt alle genannt werden (um), beginnt er nicht mit mir? Also wohlan? Höret, was ich rate. Bilden wir vor allein ein festes Ouarre; in die Ecken die geschlossenen Buchstaben, das Niem und Schlusimem (0' 2), das Phe (2) und Samech (v); in das zweite Glied die langen Lettern, das .stuph (p), das Schlußchaph >"ch Schlpßnun N) und Schlußzadeh (,')> Auch wir habe,: Geschosse, unsre Vokale und Aeccnte dienen trefflich dazu, und wenn sie an Größe lind Wucht denen unserer Feinde nachstehen, so werden sie durch ihre Häckchen und Spitzen um so tiefer in das,Fleisch unserer Gegner eindringen. Haben wir eine Zeit laug kräftigen Widerstand geleistet, dann schicken wir Parlamentäre aus mit weißer Flagge; ich will sie schon instruieren, und es müßte uns schlimm ergehen, wenn wir nicht unsere jetzigen Feinde für uns gewinnen sollten. Für alle Fälle aber vertrauen wilder himmlischen Hilfe, die dem Unschuldigeil stets beisteht und die unser Volk aus so vielen Gefahren und Nöten errettet hat l A»f diese Allsprache faßte alles neuen Akut. Dgs kühne Jud sprang auf den .stopf des riesigen Lamed und ries voll hier aus sein Befehle aus. Altes ordnete sich, trat in Reih und Glied, griff zu den Waffen. Jetzt rückten die Feinde näher au. Mit lautem striegsgeschrei stürmten sie über die Scheidewände, erblickten aber mit Erstaunen, daß sie Men Fußes und wohlgeordnet empfangen wurden. Die Geschosse flogen bin und ber und die Schärfe und Schnelligkeit derer, welche die Angegriffenen schleuderten, brachte das feindliche Heer zum Stillstehen. Aber freilich, das kleine Häuflein litt unsäglich. Gleich anfangs wurden dem Schin P') und dem Sin (^) alle ihre drei .stöpse abgeschlagen, dem Daleth (-:) stein spitzer Höcker, daß er seinem Bruder Nesch (i) zum Verwechseln ähnlich ward, dem Bet l:) lind dem Ehaph (2) fuhren die Speere in die offenen Seiten, und vernichteten ihre Dagesch, dem Aj'ii lp) und dem.Zadeh p) wurden ihre stronen verstümmelt. Schmerzensrns und Wehklagen erhob sich voll allen Seiten und die Niederlage und der Untergang aller schien nahe. Da hielt das kommandierende Iud die Zeit für gekommen, >vo ein andrer Weg eingeschiagen werden müßte. Es erwälflte drei Boten, das Gimmel das es zu den Griechen, die vom Nücken her angrisseu, schickte, das Waw lil zu den Lateinern von rechts und das Sain (',» zu den Deutschen von links. Es wies sie an, wie sie reden und sich benehmen sollten, und entließ sie mit seinen besten Wünschen. Todesmutig schritten die wackern Abgesandten aus den Gliedern bervor und mit weißer Flagge winkend näher an die feindlichen Hausen. Als diese sie erblickten, hielten sie einen Augenblick im .stampfe ein und schrieen siegestrunken: „Ha, sie wollen sich ergeben, die Feiglinge sind des .stampfes müde; aber sie sollen keinen Pardon haben; sie haben es gewagt, sich uns zu widersetzen, einige von uns sind gefallen, Rache, Rache, sie alle müssen sterben!" Aber die Anführer geboten Schweigen, um zu hören, was man ihnen anbiete. Hören auch wir, was die Abgesandten sprachen. Das Gimmel erbüb seine gellende Stimme und ries der etwas buntscheckigen Schar der Griechen, vor der es hielt, zu: „O, auch ihr, Hellenen, auch ihr seid uns feindlich gesinnt? Von euch, ihr großherzigen Söhne des Altertums, haben wir dies am wenigsten erwartet! Seid ihr wie wir doch die wahren Abkömmlinge der heroischen Zeit des Menschengeschlechtes, und nur nur beide haben uns nicht erniedrigt, den geschwätzigen und verworrenen Sprachen der neueren Völker zu dienen, wie es die Römlinge, Araber und Perser geth'an. Und sind wir nicht stammverwandt? Oder vielmehr, seid ihr nicht unsre Söhne? Habet ihr nicht unsre Ordnung beibehaltcn, und zeichnen wir beide uns nicht durch Buchstaben aus, welche die anderen, darum unvollkommen, nicht besitzen? Erinnert euch nur eures Zeta (lJ, Eta pff, Theta (ff), die unser Sain (st), Eheth (n), und Teil, (v) sind. Schauet auf mich, bin ich nicht euer Gamma ('s) und nehme wie dieses die dritte Stelle ein, während die andern uns aus unserer Stelle verdrängten und sie mit dem Rummen e besetzten, von dem niemand weiß, ob es z oder k ist. Gedenket der Schmach und .stnechtschnst, welche die Völker eurer einst freien und glänzenden Nation angethan, wie sie euch und uns mit dem Schutt der Vergangenheit begruben, aus dem mir erst mitsammen vor wenigen Jahrhunderten wieder erstanden. Haben wir doch nur Ein Interesse, Eine Sache: die Freiheit der Unterdrückten. So sprach das Gimmel zu dem leicht beweglichen Völkchen der Griechen, das mit Staunen dem Rebner zuhörte und sich wieder einmal nach der Pn»r (Markt) von Athen zurück versetzt glaubte. Anders das Waw. Steif ausgerichtet, nur mit vvrgebeugtem .tropfe schritt es langsam an die Lateiner heran und sprach mit einer tiefen Stimme, die man der hageren Gestalt garnicht zugetraut hätte: „Ihr mächtigen Söhne von Rom, die' ihr wie eure Väter die Herrschaft der Welt euch errungen, daß, so weit die Sonne auf- und niedcrgeht, ihr euch alle Sprachen und damit alle Völker untcrthan gemacht; nur die Barbaren da drüben, die Deutschen, widerstehen euch noch, und obschon ihre Gelehrten selbst ihre deutschen Schriften mit euren Lettern gesetzt zu sehen lieben, weil sic dadurch einen gelehrteren Anstrich zu haben glauben, oder meinen, andere Völker werden dann, leichter ihre unverdaulichen Werke lesen, versagen euch dennoch hartnäckig die Anerkennung und den Sieg! Warum verbindet ihr euch mit diesen in so unnatürlichem Bunde, daß sie glauben muffen, ihr könnet nichts ohne sie ausrichten, und die Adler eurer Legionen müßten sich schmachvoll verbergen, wenn sic sie nicht verteidigten. lind zu welchem Zweck? Ilm das kleine Häuflein, das drüben im Mondschein schimmert, zu verderben! Ist dies ein Werk des Römers würdig? Glaubt ihr, wir würden euch Widerstand geleistet, euch nicht willig gehuldigt haben, wäret ihr allein gekommen und Hütten wir nicht die rohe Gewalt der plumpen Barbaren fürchten müssen? Nein, das ist eurer nicht würdig, und euer großes Herz wird nicht so kleinliches wollen! War doch Rom die Freistadt aller Völker und ihrer Götter, und auch unfern Vätern verliehen die euren das römische Bürgerrecht, die höchste Ehre des Altertums!" — Endlich das Schm- Bia» hatte es gewählt, weil es mit seinem schnörkeligen Stamm am ehesten der Gothik der deutschen Tppen glich und man hierdurch einige Einwirkung auf die deutschen Lettern zu machen hoffte. In tänzelndem Schritt trat es aus den kräftigen Haufen der Deutschen hin, machte eine demütige Verbeugung und sprach dann in seiner zischelnden Weise: Ei, meine Herren Deutschen, wo finde ich euch hier? Ja, immer und überall erkennt man eure grade und r VMM