Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 11 (15.3.1895)
- Date
- 1895-03-15
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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Str. 11. JefcHurun. Seite 169. l,i 9 Bänden, die (Geographie des russischen Reiches >. Bd., die der ganzen Erde in 10 Bänden, die Oieschichte der jüdischen Gelehrten in vier Bänden, die Biographie des ersten jüdischen Historikers Flavins JosephuS, sowie dessen beide ältesten Geschichtswerke .,Jüdische Kümpfe (vom jüdischen Kriege 70 nach der übl. Zeitrechn.), und „Jüdische Antiquitäten^, von Schulmann ins Hebräische übertragen. Noch viele Schriften über Orient und Oecident, über talmudische und altjttdische Sagen übersetzte und verfaßte dieser fruchtbare Schriftsteller. Schon die imposante Zahl seiner Werke, sowie namentlich der vielseitige reiche Inhalt derselben füllten eine sticke in der Bibliothek des gesamten populären Wissens in hebräischer Sprache. Das schönste aber bei allen seinen litterarischen Arbeiten ist das echt klassische Hebräisch, analog dem der prophetischen Bücher und der alten Mischna, dessen Schulmann sich in allen seinen vielseitigen Werken bedient, und der didaktische Wert derselben. Alles, was er schrieb, mar inhaltreich, vom größten 'Nutzen finden Leser, und auch die Form klar und deutlich, denn er verstand es, jeden Gegenstand ohne überflüssige Worte, in der alten Sprache zu behandeln. Und daher war Schulmann in seinen Schriften ein Lehrmeister von hervorragender Bedeutung für Jung und Alt, seine Bücher sind Bücher für alle geworden, für all' die vielen unter den Juden, die keine moderne Sprache kennen und darauf angewiesen sind, Welt und Geschichte in der Sprache der Bibel durch Schulmann kennen zu lernen. Außer der Weltgeschichte und Geographie, die hauptsächlich durch Schulmann in die neue hebräische Litteratur eingeführt.wurden, haben auch die anderen realen Wissenschaften ihre geistreichen Repräsentanten im Neuhebrüischen gefunden. Besonders drei hervorragende jüdische Oielehrte waren es, die mit seltener Gründlichkeit und vortefslicher Diktion die 'Naturwissenschaften der hebräischen Litteratur zusührten. 1. Eh. S. Smolenski (geb. 1810 zu Bialqstock, lebt in Warschau) machte seine erste Bekanntschaft mit der Sternkunde durch einzelne ältere hebräische Werke, und erlangte mit Zuhilfenahme entsprechender Werke in anderen Sprachen die gründliche .Kenntnis der Astronomie, der Optik und Mathematik in solch' hohem Maße, daß er es auch zu einigen eigenen Erfindungen auf diesem weitschichtigen Oiebiete brachte. Sein Hauptverdicnst um das Judentum war aber, daß er sein reiches Wissen in den Dienst der hebräischen Litteratur stellte. Er verfaßte hebräische Werke über Geometrie, Lehrbücher der Algebra und Mathematik, der Sternkunde und des .Kalendermcsens, und was sonst noch alles zur Naturkunde gehört, berührte er in der von ihm bis jetzt noch redigierten Zeitschrift „Hazefira". Zwölf Jahre hindurch (bis 1878) wirkte er als Inspektor der Nabbinerschule in Zitomir, und lebt jetzt in Ehren in Warschau. Die hebrüisch-wisfinschastliche Jugend sieht in SmolenSki.ihren hervorragenden Altmeister, der die Naturwissenschaften in einem blühenden neuhebräischen Stil mit ebenso gründlicher Sachkenntnis wie großem Freimut behandelt hat. 2. H. M. Rabinowitz (geb. 1882 in Linkowo, Oiouv. .Kowno, gest. 1888 in St. Petersburg) Sohn eines Rabbiners. Schon im zartesten Alter galt er als Wunderknabe infolge seines außergewöhnlichen Gedächtnisses. Alle Bände des Talmuds und des gesamten alten Schrifttums aus der Bibliothek seines Vaters, waren ihm schon im .Knabenalter geläufig. Erst in seinem elften Lebensjabre begann er Deutsch zu lernen, und studierte in den naturwissenschaftlichen Büchern der deutschen Litteratur mit solchem Eifer, daß er in seinem 20. Lebensjahre (1852) den Inhalt von mehr als hundert bedeutenden Werke» über 'Natur, Physik, Ehemie, Mathematik und Astronomie sich zu eigen gemacht hatte. Gleich Smolenski stellte er seine große Gelehrsamkeit in den Dienst der hebräischen Litteratur und schrieb seine umfangreichen Werke in der Sprache der Bibel. Sein erstes großes hebräisches Werk ist ein „Grundriß der gesamten Naturwissenschaften", dem ein noch größeres Werk folgte „Bibliothek der gesamteil Naturwissenschaften" (vorläufig nur drei Bände erschienen). Alles ist mit gründlicher Sachkenntnis und einer sprachlichen Elastizität geschrieben, die man der alten Sprache b'S dahin gar nicht zugetrant hatte. Dieser hervorragende Oielehrte, der seinen Glaubesbrüdern die sprödesten Wissenschafteil in der heiligen Sprache zugänglich machte, entwickelte außerdem noch eine bedeutende publizistische Thütigkeit in der russische» Landessprache, und widerlegte durch geschichtliche Datcn^unb statistische Zahlen manchen feindseligen Angriff auf seine Oilaubensgenossen im allgemeinen und seine jüdischen Landesgenossen im besonderen. 8. S. M. Abrninomitz (geb. 1886 in Kapuli, Oiouv. Minsk, lebt in Odessa). Zuerst unterzog er die hebräischen Erzeugnisse seiner Zeit einer scharfen Kritik, blieb aber nicht bei der bloßen Kritik, sondern wurde später selbst Bersasser bedeutender Schriften, die als Muster- und Meisterwerke gelten.. Seine Arbeit auf dem Gebiete der hebräischeil rsni>. jüdischen Litteratur war eine dreifache, und so grundverschieden auch jede Art derselben war, so verfolgen sie doch alle das eine Ziel: die jüdischen Leser zu belehren. Der eine Teil seiner litterarischen Thütigkeit besteht in seinen Novellen nnd Skizzen im jüdisch-deutschen Dialekt, die, obwohl für die niederen Massen bestimmt und trotz ihrer einfachen Sprache und fremdartigen Schreibweise, vermöge ihrer Anmut und ihres tiefen Sinnes selbst in gebildeten Leserkreisen das größte Interesse wachgerufen haben. Originell im höchsten Grade ist auch der zweite Teil seiner litterarischen Thütigkeit, nämlich seine kleinen hebräischen Erzählungen, ebenso eigenartig durch ihren, dem jüdischen Leben entnommenen Inhalt, als durch das fast kunstvolle Neuhebraisch, in dem sie geschrieben sind. Der dritte Teil seines litterarischen Schaffens gehört, wie bei den beiden Borgenannten, den 'Naturwissenschaften. Haben Smolensk! und Rabinowitz die neuhebrüische Litteratur durch Schriften über Ehemie, Geologie, Physik, Mathematik und Astronomie bereichert, so unternahm Abramowitz die nicht minder schwierige Arbeit, die Zoologie, Botanik und 'Mineralogie hebräisch zu verdolmetschen. Bis jetzt hat er allerdings nur ein dreibändiges Werk über Zoologie veröffentlicht, an dem außer dem wissen schaftlichen Wert besonders die schöne hebräische Diktion ans fällt, in der er das Leben und Weben der Tiere und Insekten schildert. 'Nach Bibel und Talmud*) hebraifierle er die Namen aller Tiere, die in der modernen wissenschaftlichen, in europäischen Sprachen geschriebenen Litteratur Erwähnung finden, und bereicherte dadurch die neuhehräische Sprache und ihren Würterschatz mit neuen, bisher unbekannten Ansdrücken, die Zoographie betreffend. Erwähnenswert ist das epochale Werl i» deutscher Sprache von Dr. L. Lewpsohn, Stockholm „Zoologie de„ Talmuds" Darstellung der radd. Zoologie unter Bergt, der Torichung älterer und neuerer Schriftsteller Tranks, a. M. t8l>8.