Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 10 (8.3.1895)
- Date
- 1895-03-08
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 10. Keschurun. Seite 155. Zu Mm. Bon I. Nlansbachcr. In Persien lebte einst ein Held, Der Sanum stolz sich nannte lind als ei» Lumen vor der Welt «ich Antisem bekannte. Gr sprach mit tiefem Weishcitssinn Wie jüngst ein Szachs ans «zachscn t „N!ir streben, daß z»m Simmel l,in Nicht Judas Bäume wachsen. Mir bellen Perser sehcn's ein, Uns kann nur eins noch beben Nur antis'mitisch darf's allein Fortan noch Perser geben, Drum miissen alle Juden raus Und zwar flugs auf der Stelle Sonst wcrden'S Herren »ns im Sans, Genug, daß wir scind belle". Flugs hat er vor dem Könige dann Sein Steckenpferd getummelt, Mit schlechtem Geld als (fhrenmann Den Fürsten hübsch beschummelt. Nur bei der Königin wollt' das Ding Wie schade! nicht mehr mehr glücke». Warum? Die war vom jüd'schen Ning, Der Kahn und Kahn Entzücken. Ja, wäre eine fromme Schund An Esther's Stell' gewesen. Da hätt' des Mordchai eitler Trag Gebracht ihm nicht die Spesen, Doch ward Serr Haman hoch geehrt. Man sah gar hoch ihn prangen. Lein eigner Baum - das war verkehrt Sah welche Frucht! ihn hangen. Sem bängt man keinen Saman mehr, Nur wird, der sich vergangen An Brudersinn und ManncSchr' Den — Inden angehangen. Wochen-Chronik. <He>iit'indc, Lynagoge und Lchnlc. * Berliner Nachrichten. Am 22. Februar starb nach kurzem Leiden der Kantor der Adas; Jißroel-Gemeinde, Herr Joses Olitzkp im Alter von 55 Jahren, betrauert nicht nur von seiner Familie, sondern von alle» denen, die ihm nahe gestanden haben. Seine Gemeinde und seine Kollegen wid nieten dem Entschlafenen warme Nachrufe. — Am Sonntag fand in der Spnagoge der genannten Gemeinde eine würdige Gedenkfeier für den Heimgegangenen statt, und auch die an demselben Tage abgehaltene außerordentliche G.-B. der „Hilsskasse für deutsch-israelitische Knltnsbeamte" ehrte das Andenken des langjährigen Mitgliedes in üblicher Weise. — Die außerordrntliche General-Bersammlung der „Hilsskaffe für deutsch-israelitische Knltnsbeamte", deren Witwen und Waisen bat den Protest gegen die in der vor. G.-B. vollzogenen Wahlen als berechtigt anerkannt und demgemäß eine Neuwahl vorgenommen. Es wurden gewählt: HH. Dr. Stern, Brünn, Göttinger, Lichtenstein, Stein, Braun, Marksohn, Eppstein, Dr.. Weiße. Tie gesperrt gedruckten Namen sind neu gewählt. Herr Schönberger hat die Annahme der ans ihn gefallenen Wahl abgelehnt. - - Am 4. d. Bl. hielt der bekannte Stadtverordnete, Herr Rechtsanwalt Hugo Sachs eine» fesselnde» Bortrag über einen Abschnitt ans unserer Emanzivationsgeschichte. Ausgehend von Mendelssohn, der keine Reform des Judentums, sondern eine solche der Juden heit anstrebte und so die i nn e r e, die Selb stemanzipation der Juden anbahnte, schilderte der Redner mit großer Wärme unsere Befreiungskämpfe, mit Begeisterung unsere Siege und in Ergriffenheit unsere Niederlagen; das Borwärts und Abwärts in den Anstrengungen unserer Bäter, ihren Menschenrechten Anerkennung zu verschaffen. Tie Nachwirkungen der französischen Revolution, der günstige Einfluß der ruhmreichen Teilnahme der Juden nn den Freiheitskriegen, das „tolle" Jahr 48 ans der einen, die Jndenbeschimpfungen unserer Tage ans der anderen Seite; die KampfeSglnt eines Börne, eines Heine einerseits, die Kampfeswut der Judenfeinde andererseits diese reiche Mannigfaltigkeit, diese Fülle interessanter Gegensätze, führte der Herr Redner in zusammenhängender Weise ins Bewußt sein der Zuhörer. Er wies auch aus die beschämende That fache hin, daß während im Jahre 1847 bei den Judende barten alle bedeutenden Geister mit Ausnahme Bismarcks für die Inden Partei ergriffen haben, in der Gegenwart sich sehr wenige im Reichstage finden, die sich veranlaßt sehen, für uns einzntreten. Ter Borsitzende des Bereins zur Unterstützung jüdischer Gelehrter -- z» dessen Gunsten der Bortrag gehalten wurde, — Herr Stein suchte diese Thatsache mit Recht aus dem Umstande zu erklären, daß im 'Jahre >847 das Mitleid f ü r die rechtlosen Israeliten Deutschlands sprach, während in der Jetztzeit der 'Neid gegen die jüdischen Mitbürger, die sich in der Gesellschaft eine Stellung zu erringen wußten, heftig eifert. Ter Bortrag fand reichen Beifall. I. I. - Donnerstag den 28. Februar fand in den Räumen der Knabenschule eine Feier zum Gedächtnis für die verstorbenen Gründer der „Fmieitlu" statt. Anwesend waren die Schüler, der Borstand und einige Gäste. Herr Dr. Ungerleidcr sprach zunächst dem Borstand der jüdischen Gemeinde der der Anstalt durch einen Jahreszuschuß sein Wohlwollen beweist und den Wirt des Hauses, Herrn Dr. Holzman für sein freundliches Entgegenkommen seinen Dank und seine Erkenntlichkeit aus. In feinsinniger Weise machte Herr Dr Ungerleider die Geräte des Heiligtums zum Gegenstand smnbolncher Deutung. Der Tisch mit den Broten verünnbildlichte den Tisch der Arbeit und den der Nahrung. 'Nur ehrliche Arbeit, emsiges Schaffen, unverdrossenes und unermüdliches Wirken bereiten uns den Tisch, der uns mit Nahrung versorgt, und die Weihranchschale daneben, aus der der erguickende und erlabende Dufl aussteigt, will uns die Süßigkeit der eigenen Arbeit, dies frohe Bewußtsein treuer Pflichterfüllung, veranschaulichen, die die Würze zedes Mahls und jeder Speise bilden. Das Brot, so wir es selbst er worben und selbst errungen, schmeckt süß, die körperliche Anstrengung, um es uns zu erkämpfen, inacht es uns um so köstlicher. .,.laj>in K>-jw,-I,i, lv'itlnn-lu-I vtc. Genießest du die.Ruhe deiner Hände, dann heil und wohl dir". Nach der überaus gedankenreichen Ansprache an die Zöglinge, gedachte Herr Tr. Ungerleidcr der Hingeschiedenen Förderer und Wohl lhätcr des Instituts, insbesondere dcs edlen und warm-