Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-01 · 9 (1.3.1895) · p. Seite 141

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand UB Frankfurt
Issue
9 (1.3.1895)
Date
1895-03-01
Page
Seite 141 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4794838-6353489-6353494--0017-4794854
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 6. I e s <H u r i< ,r. Seite 14 l. dessen will Herr Schechter Nachweisen, daß eine derartige Auffassung von den Rabbinern als heidnisch verpönt wurde. Eine mystische Stelle, welche über den Wohnort der Gottheit sich ausdrückt, soll erklärt und die Notwendigkeit dargelegt werden, theosophische fabeln von gesunder theologischer Auffassung zu trennen. — Wie weit Herr Schechter den jungen amerikanischen Rabbinern, welche über derartig heikle theologische Fragen mit einem Achselzucken hinweg schreiten, auf die Hühneraugen treten wird, läßt sich noch nicht ermessen. Aber es wird jedenfalls durch das Auftreten des Herrn Schechter etwas lebhafter in jüdischen gelehrten Zirkeln werden, und mancher Herr wird wohl daran thun, die alten Schmöcker aus der Rumpelkammer hervor zu holen, um dem englischen Ritter des Talmudismus gegenüber gewappnet zu sein. — Der neunte Jahreskonvent des „Verbesserten Ordens der B'nai B'rith" wurde am 27. v. Ms. in der „Royal- Arcanum-Halle" in Baltimore vom Supreme-Präsidenten Hecrman Fuchs von New Jork eröffnet. Rach dein unterbreiteten Jahresberichte des Erekutivkommittces wurden im vergangenen Jahre 95)00 Doll, an Sterbegeldern ansbezahlt. In den Kassen der verschiedenen Logen ist ein Barbestand von 90000 Doll, und die Supreme-Loge verfügt über einen Reservefond von 12000 Doll. — Rev. Dr. S. H. Sonneschein, welcher vor einigen Monaten sein Amt als Prediger einer San Franeisco'er Gemeinde niederlegte, weil die Mitglieder ihm in seinen Reform - Bestrebungen nicht folgen wollten, ist wieder in Gnaden von seiner ersten Liebe in Rem-Jork ausgenommen worden, welche er vor mehr als einem Viertel Jahrhundert verließ, um den Sirenentönen der radikalen Gemeind in St. Louis zu folgen. Herr Dr. Sonneschein war, als er zum ersten Mal den amerikanischen Boden betrat, ein strammer Vertreter des altgläubigen Judentums; von einer Aendernng im alten jüdischen Oiebetbuch wollte er nichts wissen, und die Gemeinde in Rivington Street, die ihn berufen hatte, war auch allen Neuerungen abhold. Dr. Sonneschcin war gar bald als feuriger Redner und gelehrter Kasuist bekannt, und sein Ruf drang schnell über die (grenzen der Stadt. Aber der Herr Doktor amerikanisierte sich und die Gemeinde nicht minder, die letztere viel später. Der Rabbiner zog nach seiner Umwandlung in einen radikalen amerikanischen Reform - Lehrer mit Weib und Kind nach St. Louis, ohne aber den Frieden zu finden, der dem (gerechten beschieden ist. Die Gemeinde zog nach einem Jahrzehnt oder mehr ebenfalls neue Gewänder -an, kaufte sich einen Tempel und ließ dort von dem Reformer Benjamin das neue Evangelium der Verjüngung predigen. Aber mit den Finanzen giüg es abwärts, und Herr Benjamin strikte, ohne aber darauf zu bestehen, daß nur er und kein anderer die Kanzel besteigen solle. Nun wandte sich Herr Dr. Sonneschein, der nach vielen Irrfahrten ein Ruheplätzchen suchte, au seine erste Liebe und sie nahm ihn wieder in (gnaden auf. * Die Juden in Süd-Afrika, haben viel zur Hebung der Goldindustrie, zur Entwickelung der Bergwerke beigetragen. Süd-Afrika hat eine große Zukunft und mit ihm auch die dortigen Juden. Jedoch nicht nur materiellen Interessen wenden sich die Juden Süd-AfrikaS zu, die zahlreichen jüdischen Gemeinden und Tempel zeugen von ihrem geistigen Leben. Natürlich herrscht in diesen neuen Ansiedelungen nicht der Ton der althistorischen (gemeinden, doch der jüdische Geist hat sich frisch erhalten. Das geistige Erbteil ihrer Väter ist mit de» Juden in ihre neue Heimat gezogen. In neunund neunzig von hundert Fällen ist religiöse Entfremdung nur dem Einflüsse schlechter Gesellschaft zuzuschrciben. Desto mehr ist es zu beklagen, daß inan nicht anerkennen ivill, wie wünschenswert es wäre, um etwaigem Jndisfereutismus zu steuern, bewährte Seelsorger für die Kolonieen anzustellen. In den meisten dieser (gemeinden glaubt mau, daß ein Beamter, der de» Posten eines Seelsorgers, Vorbeters und Schochet ver sieht, genüge. In Wirklichkeit hängt jedoch viel, sagen wir alles, von der Vorbildung, Persönlichkeit und Energie de geistigen Führers ab. Und gerade wäre es eine wichtige Aufgabe, in diese» Kolonieen den Lehren des Judentums eine feste Stätte zu verschaffen. Wer weiß, ob nicht in kommenden Jahrzehnten dieses Land berufen sein wird, für die Ideale des Judentums einzustehen! Für einen talentvollen, energischen nnd zugleich enthusiastischen Mann wäre Süd-Afrika rin geeignetes Feld, um seine Ideen zum Wohle des Judentums durchzuführeu. — Die Ou^-Down (gemeinde geht jetzt an die Anstellung eines „Ministers". * Hier »nd Dort. Das Wo hlthätigkei issest zum beste» der.Berlin er Kinder-VolkSküchen, welches jüngst in der Philharmonie abgchaltcn wurde, hat eine» Ertrag von 12(44 Mark Üd Pf. gebracht. So meldet auch die gegnerische Presse. Daß der Begründer dieser Anstalten Abraham heißt nnd Jude ist, das, verschweigen sie wacker. - Znm Inspektor des israel. Waisenhauses in P osen ist Herr Lehrer Katzcnstein aus Wetzlar gewählt worden. — Herr Dr- P. Kohn a»S Mannheim wurde znm Distriktsrabbincr für den Kreis A nsbach ministeriell bestätigt. Jüdischer Religionsunterricht an den höheren Knaben - nnd Mädchenschule» einziiführen, war vor einiger Zeit seitens der israelitischen Gemeinde in Ha » nov er beantragt; der Antrag war fast gleichzeitig mit dem auf Einführung des katholischen Rcligiosunterrichts gerichtete» Antrag eingcgangcn. Während letzterem Anträge stattgcgebcn wurde, ist der Antrag auf Einführung des jüdischen Religionsunterrichts abgelchnt worden, „da in diesen Schulen nur christlicher Religionsunterricht erteilt wird". — Die Eicmcinde in Oppeln hat, in Rücksicht auf den Zuwachs an Mitgliedern, den Ban einer neuen Synagoge beschlossen. — 'Versetzt wurden durch die Königliche Regierung zu Kassel die Lehrer HH. Plaut von ZimmerSrodc an die israel. Schule in Witzeiihanscn. — Perlst ein von Zwesten an die israe Schule z» Gudcnsberg, — Lo the im von Baumbach an die israel. Schule zu Netra. — Dem bisher beauftragte» Lehrer Hrn. Spier zu Gemünden wurde die Lehrcrstelle seines Vaters daselbst übertragen. — In den Ruhestand versetzt wurde Herr Lehrer Bolc» in Mansbach. Zum Lehrer nnd Prediger der Synag.-Gemeindc Lehe- Eicstcmündc wurde Hr. S. Bachenheimcr aus Bornhcim gewählt. Die Repräsentanz der israelitischen Gemeinde in Lemberg beschloß einstimmig, anläßlich des 50 jährigen Regierung S- Iubilännis des Kaisers von Oesterreich ein neues jüdisches Spital in Lemberg zu errichten. - - Die b'oäoi'atNm »4 tHnaKOKiwdi hat in London Samuel Montagu und Herrn Hcrrman» Landau z» ihrem ersten nnd zweiten Präsidenten gewählt, Rev. Eh. Z- Mackob» wiederum zum Prediger berufen. Sir Montagne hat für die Austeilung eines zweiten Knltnsbeamlcn 20 000 Mark gezeichnet- - Nach einer Meldung an« Odessa sind die Komitees, die für die Organisierung der Answaiidernng der Inden aus Rußland gebildet waren, mit Rücksicht darauf, daß sich die Lage der russischen Inden zu bessern beginnt, aufgelöst worden. - Ans Kurland wird mitgeteilt, daß die dort aipässigcn litauischen Inden, über deren Haupt stets da» Damoklesschwert der Ausweisung geschwebt hatte, sofern sie nicht im Stande waren »achznivcisc», daß sie sich schon seit 1^80 au ihren resp. Wohorten befinden, ans eine an den Senat gerichtete Bittschrift telegraphisch den Bescheid erhalten haben, daß den Inden der A n f e n t h a l t in Kurland nunmehr ohne jede Bedingung gestattet sei. Lose VlLtter. * Zur Etymologie des Wortes „Ghetto" teilt uns Dr. (Krün wald-Sophia mit: So zahlreich die Versuche dieses Wort zu deuten auch sind, so scheint mir dennoch das letzte Wort

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.