Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand UB Frankfurt
- Issue
- 9 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- Seite 138 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 1,88. I o s «y u r r» ri. Nr. 9. Frankels Werk scheint auf dein Felde des Studiums des Krebses eine vollständige Umwälzung hervorgerufen zu haben, und der Name des jungen russischen Arztes war während der Kongreßzeit im Munde aller (belehrten. Bei dem Galasestmahle sagten die bedeutendsten bielehrten Nußlands zu Fränkel: „Lassen Sie sich taufen, (Frünkel, der erst 24 Jahre ist, ist Jude), und in zwei Jahren sind Sic Professor in Nußland. Rußland braucht solche Männer!" Der junge Gelehrte erwiderte jedoch bitter, daß er, nur weil er Jude sei, aus Rußland ansgewiesen und gezwungen wurde, im Auslande zu studieren, und daß er, da er in Frankreich so gastlich ausgenommen worden sei, die Absicht habe, in Frankreich zu bleibe»; auf diese Weise protestiere er gegen die grausame Behandlung, die seinen Glaubensgenossen in Rußland zuteil werde. Diese Antwort gelangte auch zur Kenntnis des Barons von Rosen, des russischen Gesandten in Rom. Der Baron lud .Herrn Dr. Frünkel zu sich, nahm ihn sehr freundlich auf und sagte: „Sie sind einer von den Juden, die jedem Lande Ehre und Ruhm bringen." — „Gerade deshalb will ich fortsahren, gegen die unwürdige und unverdiente Ausweisung meiner Brüder ans Rußland zu protestieren", erwiderte sehrkühl Dr. Fränkel. Dieser Vorfall rief, als er bekannt wurde, eine große Sensation hervor. * > Der Geburtstag des Malers Israel Man schreibt uns aus Amsterdam: Die Zierden der Wissenschaft und Kunst im Geburtslande Joseph Israels vereinigten sich jüngst, um den großen Maler gelegentlich der 71. Wiederkehr seines Geburtstages zu ehren. Wir brauchen nicht von den zahlreichen Glückwünschen zu sprechen, die er aus fast allen Teilen der Welt empfangen hat. Aber der Tribut, der ihm als Menschen gezollt wurde, war so ungewöhnlicher Natur, daß er wenigstens kurz ermähnt zu werden verdient. Eine Abordnung, an deren Spitze der Premierminister Roell und der gegenwärtige und der frühere Minister des Innern, (die Herren Van Houten und Tienhvveu) standen, und zu welcher Männer jeden Standes und jeder Prosfessiou, Maler, Professoren, Beamte, Geistliche, Kansteiue und Arbeiter, gehörten, besuchte den größten unter den lebenden holländischen Malern, um ihm die ihm zukommende Ehre zu erweisen. Sie baten ihn durch ihren Wortführer Mesdag, als Geschenk ein schönes in EarreS geteiltes Gemälde anzunehmen, das Israels Hauptwerk darstellte. Die Zeichnung, die von den Herren Rosenburg ausgeführt wurde, trug die Unterschriften aller Spender. Außerdem erhielt Israel ein Album, das eine große Anzahl von Glückwünschen enthielt. Unter diesen Einzeichnungen war die erste die der Königin-Regentin, deren Gunst Israel seit vielen Jahren genießt. Ein Festmahl, zu welchem 100 Gäste geladen waren, bildete das Ende der Festlichkeiten. *>- Die russischen Juden. Aus Petersburg schreibt man uns: Der Minister des Innern hat den Erlaß des Grasen A. P. Jgnatiew, durch welchen der jüdische Begräbnis-Verein in Kiev aufgehoben wurde, bestätigt. - Der Dampfer „Euronia" brachte dieser Tage -">!) jüdische Auswanderer nach Stettin, und der Dampfer „Eldorado" 100 nach Rotterdam, von wo sie nach England und Amerika weitersnhren. - Die „Warschauer Provinz-Nachrichten" melden, daß in Warschau jüngst von >005) christlichen und 1170 jüdischen Rekruten Lose gezogen wurden. Eingereiht wurden 020 Christen und 281 Juden, woraus zu ersehe» ist, daß die Juden in weit stärkerem Verhältnis genommen wurden. Die „Now. Wrcm." vom ln. Febuar berichtet, oaß der Siaalsral aus Empfehlung des Ministers des öffentlichen Unterrichts eingewilligt habe, daß vom Beginn des neuen Jahres an die Zahl der nicht in Rußland geborenen Zöglinge im Lehrer-Seminar zu Kasan vermehrt, und daß zu den Schulklassen des Seminars auch „heidnische" Zöglinge zugelassen werden. Ob die Juden wohl auch zu den „Heiden" gerechnet werde»? — Ein jüdischer Korporal der Reserve, Kozminskp mit Namen, ist dieser Tage nach Lipowetz gekommen und berichtete, daß er im Jahre 1800 eingezogen wurde, um im Kaukasus zu diene», wo er später Korporal wurde. Im vorigen Jahre trat er — gegen seinen Willen — zur Reserve über und kehrte nun heim nach seinem Geburtsorte in Podolien, wo seine Großeltern, Eltern und er selbst geboren waren und lebten; bei seiner Ankunft wurde ihm jedoch mitgeteilt, daß er nach irgend einem Gesetze von 1882 schleunigst das Dorf zu verlassen habe. — Das ist eine kleine Blütenlese aus den neuesten Berichten über die Lage der Inden unter dem „neuen Kurse" in, Rußland. Hieß es nicht noch vor kurzem, daß sich jetzt das Schicksal der russischen Juden zum Besseren wenden solle? Der schöne Traum scheint etwas rasch verflogen zu sein. — Jnbetresf der Ableistung der Wehrpflicht durch die Juden ist, wie wir aus Petersburg erfahren, der Gedanke angeregt, in denjenigen Landstrichen, in welchen die Juden das Mäßigkeitsrecht genießen, gesonderte Wehrpflichtsbehördeu für diese Bevölkerung zu errichten, welche die entsprechende Zahl jüdischer Rekruten auszuheben hätten, und zwar zu dem Zwecke, um den Miß stand zu beseitigen, daß die Juden jährlich in so großem Maße sich der Wehrpflicht zu entziehen wissen. Durch die Errichtung solcher gesonderter Wehrpflichtsbehörden für die Juden würde erreicht, daß diese untereinander Kontrolle über die Ordnungsmäßigkeit der Stellung der Wehrpflichtigen zur Ableistung der Wehrpflicht üben würden, um nicht selber zu dieser Pflicht herangezogen zu werden. — Wenn ivir diese krausen Sätze richtig verstanden haben, soll gegen unsere Glaubensgenossen in Rußland eine neue Bedrückungsmaßregek in Anwendung kommen, — das ist des Pudels Kern. — Wie s. Z. gemeldet, sind jüdische Delegierte aus verschiedenen Gouvernements nach Petersburg einberufen worden. Unter den jüdischen Delegierten befanden sich auch drei Bauern aus den jüdischen Kolonien Süd-Rußlands, welche durch ihre herkulischen (gestalten, die so^nengebräunten Gesichter und die von harter Arbeit zeugenden schwieligen Fäuste auch bei Nichtjuden berechtigtes Aufsehen hervorriefen. Vielleicht mochte neben anderem auch dieser Umstand dazu beigetragen haben, daß bei den Beratungen die Frage, wie die jüdischen 'Maßen in Rußland dem Ackerbau in bedeutenderem Umfange zugesührt werden könnten, mit ganz besonderem Interesse erörtert wurde; jedenfalls bildete dieses Thema den Hauptpunkt der Diskussion Gemeinde, Lynagoge und Lchnle. Berliner Nachrichten. Die Propaganda für die i» diesem Zahre stattsmdeuden Aepräsentantenwahlen verspricht äußerst lebbast zu werden; das erste Zeichen der schon jetzt beginnenden Mahl-Arbeit ist die heutige Nummer unsres Blattes, die i» > 7,«u»o Exemplaren allen wahlberechtigte» «Hemeiude-Nlitgl jeder», soweit die Adresse» derselbe» bekannt such, zugestellt wird. Die geehrten Leser dieser Nummer, die unsere Mochenschrist für das n ä ch st e H uarIaI abonnier e n,