Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 2 (1929). Bestand UB Ffm
- Issue
- 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch diese Betreuung sollte in erster Linie durch junge Menschen ausgeübt werden. In engster Verbindung hiermit steht die Frage der Arbelts'osig'eit der jüdischen Jugend. Die Erwerbslosiglcit von Jugendlichen, die im Augenblick nicht allzu stark ist, erfordert aus beruflichen und sittlichen Gründen eine straffe Organisierung. In den Prozeß seelischer und körperlicher Reise, den der Jugend! che durchmacht, bricht plötzlich die Erwcrbslosig'e t herein, die die Rot im Elternhaus und die eigene seelische und wirtschaslliche Not noch erhöht. Das geht so weit, daß der Glaube an die eigene Zukunft vernichtet wird. Wo die Grotzgemeindcn keine eigenen jüdischen Weffkheime schaffen, müssen die Jugendlichen in die städtischen Heime übcr ührt werden und dort insbesondere durch jüdische Führer betreut werden. Die Kehrsötle des Berufsproblems ist das Freizeitproblcm. Ich möchte in diesem Zusammenhänge auf einen in Nummer 4 der „Jüdischen Arbeits¬ und Wandersürsorge" veröffentlichten Aufsatz von Lubinsli Hinweisen. Dlster Aufsatz hat im „Israelit" eine, wie mir scheint, unberechtigte, äußerst ..scharfe Kritik erfahren. Die Bedeutung der Freizeit wird in diesem Aussatz so charakterisiert: „Die Freizeit bietet die Chance, mehr nicht als die Chance, den berufstätigen Jugendlichen zum Teilhaber an der gesellschaftlichen Kultur zu machen. Daß diese Teilhaberschaft sich nicht in meßbarem Wißen erschöpft, sondern eine den ganzen Menschen betreffende Haltung ist, bedarf keiner Hervorhebung." Ich möchte dem noch den besonderen Wunsch hinzufügen, daß die jüdischen Gemeinde» gerade ihren jugendliche» Arbeitnehmern gegenüber diesem Freizeitproblem ihre volle Beachtung schenken. Für die Ausfüllung der großen Sommerfreizeit, besonders für diejenigen Jugcndlichen, die nicht innerhalb einer Gruppe der Jugendlichen auf Fahrt gehen oder in ein Iugenderholungshcim gehen können, ist die Beranstallung acht- bis vierzehntägiger Wanderungen, möglichst mit feststehendem Lager, unter einem Führer anzuslreben. Das hat mehrere Vorteile. Die Jungen und Mädel werden pädagogisch beeinflußt und körperlich gekrästigt. Sie sind sich nicht selbst überlasten, sondern leben in jüdischer Gemeinschaft. Hierbei können sich mehrere Städte verbinden und die Wanderungen und Freizeitlager nach Verabredung einrichten. Ich möchte endlich noch auf eine gerade in neuester Zeit aufgetretene Schwierigkeit der Berufswahl Hinweisen: dies ist die Frage des Boykotts jüdischer Arbeitnehmer. Es wird heute auch jüdischen Lehrlingen immer schwerer, in industrielle Großbetriebe cinzudringen. Gerade hier ist eine starke Schranke, die der Berussumschichtungsbewegung gesetzt ist. Der Reichsausschuß der jüdischen Iugendverbände muß mit all den jüdischen und öffentlichen Stellen zuiammenarbeiien, um das Material über die Boykottbewegung zu erlassen, soweit es Jugendliche betrifft. Ich möchte weiterhin nur noch kurz auf ein Problem eingehen, üa» als Jugendproblem bei uns überhaupt noch nicht gesehen worden Ist: r. Ist d?c Fürsorge für strafäll'g gewordene jüdische Jugendliche. Die Zahl die'er Jugendlichen ist gar nicht so gering, wie wir häufig genug annehmen. Die Fürsorge für diese Menschen nach) der Entlassung liegt säst