Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Journal
- Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
- Volume
- 2 (1929). Bestand UB Ffm
- Issue
- 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9215017-9229943-8238437--042-4794807- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Israelitischen Gemeindedund), das Heim des Jüdi chen Frauenbundes m Äeu-Jfenburg, seit kurzem das Heim >ür schwererziehbare Kinder in Marburg und schließlich die jüdische Abteilung der Heilerziehungsanstalt Lalmenhof in Idstein. So wich.tg cs ist, daß F.E. solange als irgend möglch umgangen werden muß — einfach deshalb, weil unsere F.E.-Anstalten heule ihren Ausgaben nicht oder nicht ausreichend gerecht werden —, so wicht'g ist ec gleichzeitig, sich darüber klar zu werden, daß grundsätzlich eine Resignation der .Heimerziehung gegenüber nicht nötig ist. Es ist selbstverständlich, daß die Familie Werte hat, die die Heimerziehung nicht haben iann; aber ebenso klar ist einzusehen, daß die Heimerziehung ihrerseits eigene pädagogische Gesetzmäßigkeiten, eigene pädagogische Werte (allerdings auch Unwerte) hat, die sich in keiner Weise von dem Wert der Familienerziehung herleiten lassen (Gemeinschastsbewußtfein, erhöhte gegenseitige Erziehung der Jugendlichen usw.). Ob aus der Heimerziehung im konkreten Fall das hcrausgeholt wird, was herausgeholt werden kann, hängt in hohem Maße, ich möchie beinahe sagen: ausschließlich von der Person des Leiters ab. Zu dem, was Fräulein Dr. Eisfelder über den Mangel an guten jüdischen Erziehern gesagt hat, möchte ich noch einiges zur Charakteristik der besonderen Lage des lüdi chcn Erziehers hinzufügen. Einmal ist zu bedenken, daß die wirk, schaftliche und soziale Stellung des jüdischen Erziehers seiner Leitung und seinem Werte absolut nicht entspricht. Es ist höchste Zeit, daß man die wirtschaftliche Sicherstellung des jüdischen Erziehers, die Frage der Slllers. Versicherung, sowie die des Urlaubs und der Freizeit von anderen Stelle» aus rcceln läßt als von Kuratorien und Vorständen, von deren Gnade abzuhängen ein absolut unwürdiger Zustand ist. Die zweite Problematik liegt in folgendem: es ist klar, daß der Erzieher eines jüdischen Heimes jüdische Werte vermitteln, das Heimleben jüdisch gestalrn können muß — Sonderausbi düng für jüdi che Erzieherl Es ist jedoch nicht angängig, daß die Anstellung von Leitern vielfach von einer bestimmten religiösen oder politischen Richtung abhängig gemacht wird. Im folgenden will ich nur auf einige wenige pädagogische Fragen der Heimerziehung, eingehen, die mir als besonders wichtig erscheine». Völlig ungelöst halte ich in unseren Heimen die sogenannte sexuelle Frage. Es ist lächerlich, in der „sexuellen Frage" heute noch lediglich eine Frage der „Aufklärung" zu sehen. Wenn auch vielleicht die Aufklärung über Geschlechtskrankheiten noch besser durchgesührt werden muh, so ist uns allen doch klar, daß diese Frage mit der Unhaltlrarleit des Zustandes, in dem sich die Jugendlichen in geschlossenen Heimen beinden, nicht das Geringste zu tun hat. In der Mvdchenerziehung erscheint mir die Frage der „Alien Jungfer" als Leiterin oder Erzieherin bisher zu wenig in der Oesfentlich. keit beachtet zu werden. Jeder von Ihnen wird das beschirmende und peinliche Gefühl kennen, wenn er bei einem Gang durch eine F.E.-Anstalt auf der einen Seite Erzieherinnen vom oben genannten Typus sieht und auf der anderen die sogenannten gefährdeten Mädchen, deren Gefährdung auf Dingen beruht, die dem Menschen, d«r sie erziehen uud „bessern" soll. Irgendwie völlig fremd sind. 12