Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1929-03-01 · 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
2 (1929). Bestand UB Ffm
Issue
1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
Date
1929-03-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/9215017-9229943-8238437--041-4794806
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die neuen Forderungen, die man für die Umgestaltung des inneren Betriebes der Fürforgeanstasten erhebt, rühren von einer neuen Au sassung dessen her, was man unter „Gefährdung" versteht. Man begreist darunter heute einen Prozeß, der in einem bestimmten Sinne die gesamte innere, meist auch äußere Struktur des Menschen unnvandelt, einen Prozeh, der die Entwicklung hemmt und vielfach in der Richtung des Abnormen abbiegt. Daraus ergibt sich, dah man sich bei einer Beltimpfung der Cesährdüng nicht mehr mit der Beseitigung der Symp ome zu befassen hat, sondern daß nun, dem inneren Zustand, der die Symptome der Verwahrlosung, des Ctehlens, der Unausrichttgsett, des Trohes usw. erst erzeugt, juleibezurucken hat. (Jndlvidualpsychologie, Psychoanalyse usw.) Gibt es tm Hinblick auf die jüdische Gefährdetensiirsorge besondere Probleme? Es iei in diesem Zusammenhang nur kurz auf die Besonderheit durch die raffenmäßige Veranlagung hingewiesen. Das Temperament de» jüdischen Menschen erzeugt in höherem Mähe als bei vielen anderen Menfchen Schwierigkeiten der inneren Gleichgewichtshaltung. Dazu kommt die größere Häufigkeit von Degenerchtonserschetnungen, welche die Empfänglichfett für Gefährdung irgend welcher An erhöhen. Bekannt sind die Sonder, bedingungcn soztologilcher AN. Man weih, in welchem Mähe die Tatsache des Eingegltedettfeins des jüdischen Menschen in eine Gemeinschaft von Menschen, die er vielfach al, anders empfindet und von der er ebenfalls vierfach ander» empfunden wird, vor allem auf den jungen jüdischen Menschen schädigend einwirken kann (Minderwertigkeitskomplexe). Zur soziologischen Bedingtheit rechne ich auch die in hohem Mähe zwcngsmiichge Eingliederung weiter Kreise der jüdischen Bevöl erung in bestimmte Berufszweige, di« für die Entfaltung einer freien und gesunden Mentalität de» jklmgen Menschen ungemein gefährdend sein können. Ehe wir auf Fragen der Heimerziehung selbst eingehen, haben wir uns klar darüber zu werden, in welcher Weise die Vorbedingungen für die Einweisung in F.E. heule zu erfüllen sind. Dag Wichtigste ist, daß man F.E. in allen Fällen als ultima ratio betrachtet, daß man sie erst dann anzuregen hat, wenn wirklich sämtliche Möglichkeiten der freien Unter» bringung (In Familien), und der Unterbringung in allgemeinen Erziehung». Heimen erschöpft sind. Die Verhängung der F.E. ist unter keinen Umständen deshalb vorzuziehen, weil sie aus öffentliche Kosten geschieht. Zu einer sinnvollen Erfassung der Erziehungsbedurstigen ist notwendig, daß die jüdischen Jugend- und Wohlfahrtsämter Beratungs. und Beobachtungstellen einrichten, daß in diesen Stellen auch hcilpädagogisch geschulte Kräfte arbeiken, die verhindern, daß notwendige Maßnahmen irgend welcher Art nicht rechtzeitig einseßen. Unhaltbar ist, daß die jüdischen Stel en, die ja in hohem Maße die Verantwortung für die richtige Einweisung von F.E.-Zög'ingen tragen, über die Eigenart unserer jüdischen Helme so wenig orienüert sind. Ohne auf da» Besondere der einzelnen Heime hier näher einzugehen, seien unsere Anstasten kurz aufgeführt: Fürsorgeerziehungsheim für Mädchen in Köpenick, Fürsorgeerziehungsheim für Knaben in Repzin (die Verlegung nach Wolzig erfolgt, sowie der Bau des neuen Heims fertiggestellt ist), das Heim für geistig Zurückgebliebene in Beelitz (diese drei Heime gehören dem Deutsch- II

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.