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Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände · 1929-03-01 · 1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungen des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände
Volume
2 (1929). Bestand UB Ffm
Issue
1 (3.1929) Sonderheft: Soziale Woche in Seesen
Date
1929-03-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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es würde sich jedenfalls für die Gegenwart Herausstellen, daß von einer Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft nicht nur leine Siebe sein kann, sondern, das; sie auch gar nicht angeraten werden Toll e. Anderen Beru s» gebieten ist eine günstigere Prognose zu stellen. Selbst in Zeiten der größten Arbei.slosigkcit war ein Mangel an hochqualisiz erlen Fa.har.e tcrn zu bemerken. Während in den vergangene» Jahren die Unterbringung! jüdischer Lehrling« in de» erwünschten Berufen mannigfachen Schwierigkeiten begegnete, wird es in den Jahren des sich bemerkbar machenden Geburten« «usfalls (1930/34) besonders leicht sein, jüdische Lehr.inge in allen nur erwünschten Berufs'ategorien uw.erzubringen. In diesen Jahren wird sich nämlich ei» sehr starker Lehrlingsmangel, verursacht durch den Gebur.ruenssall des Krieges, bemerkbar machen. öhier scheut sich dem deutschen Judentum eine ungeheure Chance zu bieicn, die leider bisher von den verantwortlichen Organisationen und Persönlichkeiten noch nicht gcnügcnd gewürdigt worden ist. Es wird sich in diesem Zusammenhang die Notwendigkett ergeben, den Fragen der jüdischen Berufsberatung eine ganz andere Aufmerlsamkcit zu schenken, als es bisher der Fall war. Es ivird nicht möglich sein, in jeder Gemeinde Beru sberarungsstellen zu schaffen, ater e» sollie daran gedacht werden, die jüdischen Gemeinden bezirksmä ig zu« sammenzufaffen, da nur von hauptamtlichen Krä tcn eine wirkliche Berufsbcratung durchgeführt werden kann. Experimente aus diesem Gebiele w..ren von verhängnisvollsten Fo gen begleit«. Der Beruf des jüdischen jungen Menschen war früher ein Zufall. Das Berufsvorbild des Batcrs oder eines Dertvandle» war maßgeblich, oes weiteren das Moment des schnellen Gcldverdicncns, und znleßt lam erst die Frage der Eignung. Für die gegenwärtige jüdische Bcrnfsbcralnng find andere Tendenzen erforderlich. Die Eignung muß im Bordergrund stehen. Dann werden die Erfordernisse und die Möglichkeiten der Wirtschaft betrachtet werden müssen, und schlie lich werden die jüdischen Forderungen, die sich aus der eigenartigen jüdischen Berufsstrultur ergeben, in Betracht gezogen werde» müssen. Diesen Derussberatungsstellen würde euch dev Kampf gegen gewisse Mische Modeberuse und gegen den frühzeitigen Lohnanreiz obliegen. In diesem Zusammenhang braucht die Notwendig eit jüdischer Lchrlingshrime und insbesondere zufäßlicher Lehiliugsausb.ldung! nicht erneut betont zu werden. Bestehende jüdische Lehrwcrlstütlen wären umzustellen auf die Fortbildung bereits ausgelernter Lehrlinge. Darüber hinaus sind alle jene Tendenzen zu fördern, die die Mische Wohlfahrtspflege zur Arbcitsjürsorge umwandcl» könnten. Das jüdische Arbeiisnachwciswelcn ist erst im Beginn seiner Entwicklung. Die gegenwärtige jüdische Wirtschaflssituation gibt dem jüdi chcn Arbe tsnachwciswesen eine neue Begründung seiner Existenz. Dem jüdischen Arbeitnehmer muh, die Gleichberechtigung nicht nur von dem nichtjüdischen, sondern auch von dem jüdischen Arbeitgeber erkämpft werden. Dem Problem der Sabbat» sreiheit wird mehr Aufmerksamkeit zu schenken sein als bisher, obwohl nicht »erkannt werden kenn, daß diese Frage nur noch für einen ganz geringen Kreis jüdischer Arbeitnehmerschat eine Rolle spielen kann. Die Fürsorge für jüdi che Strafentlassene, die in den legten Jahren durch die steigende Kriminalität der Inflationszeit ihre besondere Bedeutung gewann, wird S

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