Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 348 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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wesentlichen Ereignissen des ganzen Kongresses gerecht zu werden. — Erwähnt sei an dieser Stelle noch ein Vortrag von Dr. Gordon, Litauen, über das hebräische Schulwerk im Osten. Im Anschluß an den sachlichen, gut informierenden Vortrag entspann sich eine lebhafte Diskussion zwischen den Vertretern des hebräischen und des jiddischen Schulwesens, bei dem von dem Vortragenden betont wurde, daß das hebräische Schulwerk dem Zionismus, das jiddische der Assimilation diene. In den Zeitungen und Berichten über die Tagung in Helsingörs wird von einer Krisis der Bewegung während der Tagung gesprochen. Das entspricht nicht den Tatsachen. Die Mitglieder des Weltbundes waren untereinander einig und freuten sich über ihre Zusammenkunft. Die große Mißstimmung, die in Helsingörs herrschte, bestand lediglich unter den vielen Teilnehmern, die dem Bund fernstehen. Sie hofften, liier über akute pädagogische Fragen unterrichtet zu werden, wurden aber schwer enttäuscht. So wurde z. B. in der Gruppe über sexuelle Erziehung nur über die Frage der Aufklärung gesprochen — ein amerikanisches, aber nicht mehr ein westeuropäisches Schulproblem. Wesentlicher aber ist, daß sie erkennen mußten, daß der Kreis der Freunde des Weltbundes nicht, wie er vorgibt, offen ist, für alle Anhänger einer modernen Erziehung. Nachdem Programm des Weltbundes eint seine Teilnehmer der Wille zur wahrhaften neuen Erziehung. Er kennt keine völkischen, politischen, rassischen und konfessionellen Unterscheidungen. In Wirklichkeit aber dient er allein der modernen individualistischen Erziehung. Da der größte Teil seiner Anhänger zur liberalistischen englischen und amerikanischen Gesellschaftsklasse gehört, ist die individualistische Erziehung sein selbstverständliches Korrelat. Die deutsche Mittelstelle hat sich dem Weltbund kritiklos angeschlossen. Sie kann für Deutschland wertvolle internationale Auskunfts- und Vermittlungsarbeit leisten. Da sie sich aber losgelöst hat von akuten pädagogischen Problemen Deutschlands und sie vor allem keine eigene Weltanschauung hat, wird sie im pädagogischen Leben Deutschlands wohl kaum eine entscheidende Rolle spielen können. Hanna Eisfelder. Schriftleitung: Dr. Friedrich Ollendorff, Dr. Paula Kronheimer, Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin. — Verantwortlich: Dr. Friedrich OllendorfT (für den einspaltigen Teil), Dr. Paula Kronheimer (für den zweispaltigen Teil). — Verlag: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158.—Manuskripte, Zuschriften: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158. Postscheckkonto: Berlin 140G17, Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Fernsprecher: J 1, Bismarck Nr. 1064/1065. — Abonnementbestellungen: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158. Der Bezugspreis für die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift beträgt 8.— RM jährlich, für die der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden angeschlossenen Gemeinden, Organisationen, Vereine, Anstalten usw. und persönlichen Mitarbeiter 4.— UM jährlich. Der Preis des einzelnen Heftes ist 1.50 RM. — Druck: Aldus Druck Berlin, Berlin SW 68, Alexandrinenstr. 134. Für namentlich gezeichnete Aufsätze und sonstige Artikel trägt die Schriftleitung nur die preßgesetzliche Verantwortung. ■— Nachdruck aus dem zweispaltigen Teil ist mit Quellenangabe gestattet und erwünscht. 343