Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4794429-4929550-8238435--259-4794682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die sozialen Aufgaben des Rabbiners Von Siddy W r o n s k y , Berlin Wir eröffnen mit nachstehendem Aufsatz eine Auasprache über die Stellung des Rabbiners innerhalb der jüdischen Wohlfahrtspflege (9iehe auch JUdiRche Arbeits- und Wanderfürsorge, III. Jahrgang, Juli/August 1929). Die nachstehenden Ausführungen versuchen die grundsätzlichen Fragen unter den heutigen Zeitverhältnissen zu klären, während ein zweiter Aufsalz die besonderen Anforderungen auf den einzelnen sozialen Gebieten behandeln wird. Dieser Aufsatz ist als eine Einleitung gedacht für ein Bemühen um die Losung einer für das jüdische Gemeinschaftsleben entscheidenden Frage. Die Schriftleitung. Die Stellung des Führers (Rabbiners oder Priesters) im Judentum hat sich im Laufe der Geschichte vielfach gewandelt. Seine Stellung wurde in der Urgeschichte durch seine Abstammung bestimmt, die ihm eine besondere Vorbereitungszeit und Konzentration für seinen Beruf ermöglichte. In späteren Zeiten, als die Propheten die Aufgaben der Führer des Volkes übernahmen, War es die, sittliche Kraft, die sie zu dieser Führerstellung in den Augen des Volkes befähigte, und ihnen die Verantwortung für das Schicksal der Juden übertrug; in den späteren Zeiten der Diaspora haben besonders die geistigen Fähigkeiten das Vorrecht auf die Führerstellung in der Ghettogemeinde geschaffen; in der neuen Zeit, nach der Emanzipation der Juden, führte die Möglichkeit einer nach westeuropäischen Studienmöglichkeiten orientierten Berufsausbildung bei innerer Neigung zur Wahl des Rabbinerberufs. In allen diesen Zeiten war eine starke innere Verbundenheit mit den Volksgliedern die Voraussetzung für die Ausübung des Berufes, der die ganze Gemeinschaft umfaßte ,und von ihr getragen wurde. / Es galt zu allen Zeiten im Judentum als selbstverständlich, daß zu den Aufgaben des Führers soziale Leistungen: eine Einwirkung auf die Lebensverhältnisse der Bevölkerung gehörten, da nur gesunde Volksglieder in der Lage waren, eine lebensfähige Religions- und Volksgemeinschaft zu bilden. Daher wurden von den Priestern und Predigern neben den Kultusaufgaben die Gebiete des Gesundheitswesens, der Jugenderziehung, der Arbeitsfürsorge und der Be- 237