Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Journal
- Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege
- Volume
- 1 (1929)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 152 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen Erleben und Gestalten drängen, im Unterricht verwerten können dergestalt, daß Instrument und Stimme als äußere Mittel einer gefestigten musikalischen Vorstellung erscheinen. ____Er soll über die Grundlagen der musikalischen Physiologie und Pädagogik sowie der allgemeinen Jugendpsychologie unterrichtet sein. Kenntnis des älteren und neueren deutschen Volkslieds." Aus den „Ausführungsbestimmungen zur Ordnung für die Privatmusiklehrerprüfung" (s. Anm. 2 auf Seite 150): „Wichtiger als die Anhäufung von Wissensstoff und äußerliches Studium um der Technik willen ist das Hinführen zu einem persönlichen, mitschaffenden Anteilnehmen am musikalischen Werden und Gestalten. Diese Forderung gilt nicht nur für die Ausbildung in der Musik als Beruf, sondern überhaupt für jede ernste musikalische Erziehung." Soweit der preußische Erlaß, der in den meisten Bundesstaaten Nachahmung gefunden hat bzw. finden wird. Für uns ergibt sich folgendes Bild: Der Musikunterricht in Schule und Haus soll mehr als früher versuchen, den ganzen Menschen zu erfassen. An Stelle der ausschließlichen Beschäftigung mit Chorsingen in der Schule, mit Instrumentenspiel im Hause tritt Gehörbildung, rhythmische Gymnastik, allgemeine Musiklehre, insbesondere die Anregung zu schöpferischer Betätigung. Ein wesentlicher Faktor ist die ethisch-sittliche, gegebenenfalls religiöse Beeinflussung, von der man eine Volkserneuerung erhofft. Wesentlich ist die Anlehnung an altes Kulturgut, wesentlich die Pflege der Beziehung von Schule und Haus. Bei Uebertragung dieser Ergebnisse auf unseren Sonderfall drängt sich die Frage nach unserem Kulturgut auf. Man kann sich an ein solches nur anlehnen, wenn man es besitzt. Hier muß man einsichtig genug sein, sich nicht aus Prinzipienreiterei auf den Umkreis der Musikliteratur beschränken zu wollen, die vielleicht als jüdisch anzusprechen ist. Es wird sich mit aller Natürlichkeit ergeben, daß aus dem Material geschöpft wird, in dem die meisten Juden aufgewachsen sind, und dem sie den größten Teil ihrer musikalischen Eindrücke und Bereicherungen verdanken. Was das Volkslied im speziellen betrifft, so wird nicht nur das sogen, jüdische, sondern auch das Volkslied des Landes, in dem und mit dem der Jude lebt, zu pflegen sein. Die jiddischen Texte des Jargonliedes vermitteln in so intensivem Sinne jüdischen Geist, daß man sich über die slawische Abstammung der 152